02.06.2021 | Presseinfo Nr. 17

Wege aus der Arbeitslosigkeit

Sprache, Qualifizierung, Arbeit - und dies alles "on-the-job": In Bielefeld haben in den vergangenen zwei Jahren 14 zuvor langzeitarbeitslose Menschen erfolgreich diesen Weg der Qualifizierung beschritten. Jetzt sind sie - nach erfolgreich abgeschlossener Prüfung - begehrte Fachkräfte. Das ist ein gutes Beispiel, wie Unternehmen mit Unterstützung der Jobcenter und Agenturen für Arbeit erfolgreich neue Fachkräfte finden und zugleich arbeitssuchenden Menschen einen Einstieg in den Arbeitsmarkt bieten können, sagt Torsten Withake, Chef der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit.

Der Vorschlag zur Qualifizierung zur Fachkraft für Metalltechnik, den ihm das Jobcenter Arbeitplus Bielefeld im Frühjahr 2019 machte, kam für Shimal Ali-Saleh zur rechten Zeit. Nach erfolgreichen Integrations- und Sprachkursen fand der 31-jährige Vater von drei Kindern hier eine gut bezahlte und langfristige Perspektive. Der Iraker war 2015 vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland geflohen, Grundkenntnisse im Metallbau hatte er bereits in seiner Heimat erworben.

Nach einer erfolgreichen Eignungsfeststellung wurde er von der Firma START NRW, einem Personaldienstleister mit arbeitsmarktpolitischen Zielen, fest eingestellt, um dann zunächst eine verkürzte Ausbildung beim Bielefelder Träger BAJ mit externer Abschlussprüfung bei der Industrie- und Handelskammer zu absolvieren. "Ich habe hier unglaublich viel gelernt. Und mit dem Gesellenbrief in der Tasche konnte ich jetzt, im April, meinen neuen Job anfangen", sagt Ali-Saleh.

Qualifizierung am Arbeitsplatz - Startschuss fiel im Unternehmen

Den Stein zum Rollen brachte ein großes Bielefelder Unternehmen im Fenster- und Türenbau. Hier wurde seit Jahren beobachtet, wie es den Handwerksbetrieben, die die Produkte des Unternehmens einbauen und installieren, immer schwerer fiel, geeignete Fachkräfte zu finden. Gemeinsam mit dem Personaldienstleister START NRW kam man dann auf die Idee, arbeitslosen Menschen eine Chance zu geben. Für Rainer Radloff, Chef des Bielefelder Jobcenters Arbeitplus, ein Glücksfall: "Die Menschen, die wir tagtäglich unterstützen, suchen eine Chance, sich und ihre Talente unter Beweis stellen zu können. Shimal Ali-Saleh und seine Kollegen haben sicherlich nicht den einfachsten Weg gewählt. Die Anforderungen – erst die Sprachschule, dann die Umschulung haben den Menschen viel abverlangt."

Initiative der Firma START als Vorbild 

"Das Beispiel aus Bielefeld hat mich sofort begeistert", sagt Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. "Hier wird eindrücklich gezeigt, welche Möglichkeiten es gibt, gleichzeitig Arbeitslosigkeit sowie den Fachkräftebedarf wirksam in den Griff zu bekommen, wenn Wirtschaftsunternehmen und Jobcenter eng zusammenarbeiten. Was hier geschafft wurde überzeugt: Alle 14 Teilnehmer der Umschulung haben die anspruchsvolle verkürzte Ausbildung bestanden. Und alle beteiligten Unternehmen sind für ihren Mut belohnt worden, mit gutem Beispiel voranzugehen, einen neuen, innovativen Weg zu beschreiten. Sie haben, trotz der aktuellen Fachkräfte-Engpässe, mit Hilfe des Jobcenters qualifizierte und motivierte neue Mitarbeiter finden können."

Withake baut darauf, dass Beispiele wie dieses Schule machen werden: "Zu wünschen wäre es - für die arbeitssuchenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die häufig sehr lange auf eine Chance warten müssen. Und für unsere Wirtschaft: Wir haben in NRW die Menschen, um die Engpässe bei den Fachkräften zu überwinden. Die Jobcenter und die Agenturen für Arbeit haben auch die Möglichkeiten, die Menschen auf ihrem Weg in Arbeit zu unterstützen und zu fördern. Das Beispiel von Shimal Ali-Saleh zeigt dies eindrücklich!"

Schlüssel gegen Langzeitarbeitslosigkeit liegt in Qualifizierung

Torsten Withake von der Regionaldirektion NRW und Rainer Radloff, Chef des Bielefelder Jobcenter Arbeitplus sind überzeugt: Der Schlüssel im Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit liegt in der Qualifizierung der Menschen. Withake sagt, seit den ersten „Runden Tischen gegen Langzeitarbeitslosigkeit“ vor rund zehn Jahren habe man kontinuierlich in ganz NRW mit allen lokalen Akteuren – den Kommunen, den Wohlfahrts- und Bildungsträgern sowie den Arbeitgeberverbänden vor Ort Netzwerke auf – und ausgebaut und die Angebote und Dienstleistungen der jeweiligen Partner kontinuierlich verzahnt, um so gemeinsam Menschen besser und erfolgreich unterstützen zu können.

Rainer Radloff vom Bielefelder Jobcenter: "Die Organisationen in den Netzwerken lernen voneinander - und auch gemeinsam im Rahmen der gesellschaftlichen Herausforderungen wie zum Beispiel der Integration von Migrantinnen und Migranten. Dadurch hat sich auch die Rolle des Jobcenters verändert. Wir berücksichtigen nicht nur Arbeitsmarktbedingungen, sondern beziehen auch gesundheitliche, kulturelle und psychische Bedingungen von Arbeitssuchenden in unsere Arbeit ein." Kundinnen und Kunden der Jobcenter profitieren von den kurzen Wegen zwischen allen Akteuren der Netzwerke. Das macht es möglich, auf unbürokratische Weise erfolgreiche individuelle Lösungen finden - wie im Beispiel von Ali-Saleh.

Dauerhafte Verfestigung von Arbeitslosigkeit in NRW verhindern

Eine Folge der Corona-Pandemie ist der stetige Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit in NRW. Grund ist vor allem der landesweit starke Rückgang der Nachfrage nach Arbeitskräften. Deshalb fanden weniger Menschen eine neue Arbeit und blieben länger arbeitslos. "Unser Ziel in NRW ist es", sagt Arbeitsmarktexperte Withake, "eine dauerhafte Verfestigung der hohen Zahl an Menschen, die länger arbeitslos sind, zu verhindern. Dafür werden wir konsequent auf die guten Beispiele und Erfahrungen mit innovativen und kreativen Ansätzen zurückgreifen - und diese auch ebenso konsequent weiter ausbauen, damit wir allen arbeitssuchenden Menschen und allen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern gute Angebote machen können."

Im Mai waren in NRW 336.258 Menschen länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet. Das waren 1.461 Personen weniger als einen Monat zuvor. Dies war der erste leichte Rückgang seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020. Im Vergleich zum Mai des Vorjahres ist die Zahl der langzeitarbeitslosen Menschen deutlich um 73.579 Personen gestiegen. Blickt man weiter zurück, waren in NRW zum letzten Mal vergleichbar viele Menschen im Frühjahr 2014 länger arbeitslos - damals rund 335.500 Personen.

Kontakt

Jobcenter Arbeitplus Bielefeld

Ralph Lauhoff-Baker
Tel.: 0521 / 55617-3605
E-Mail: ralph.lauhoff-baker@jobcenter-ge.de

Regionaldirektion NRW der BA

Christoph Löhr
Tel: 0211 / 4306-554
E-Mail: Christoph.Loehr2@arbeitsagentur.de

Auf dem Bild sind Shimal Ali-Saleh und Sabine Schwarzer zu sehen.
Shimal Ali-Saleh mit Sabine Schwarzer vom Bielefelder Bildungsträger Verein BAJ e.V.