31.05.2022 | Presseinfo Nr. 18

Mehr Stellen, aber weniger Bewerberinnen und Bewerber

Am Ausbildungsmarkt in NRW bestätigte sich auch im Mai der Trend der vergangenen Monate: Nach zwei Corona-Jahren melden Unternehmen wieder mehr Ausbildungsplätze - von Oktober bis Mai 100.150 Stellen, 7.043 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig gab es landesweit mit 89.256 jungen Menschen weniger Interessierte an den betrieblichen Angeboten beruflicher Bildung - ein Rückgang bei den Bewerberinnen und Bewerbern um 1.893 Personen oder 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Einzige Ausnahme in NRW ist Südwestfalen, wo die Zahl der an einer Ausbildung interessierten jungen Menschen um 3,2 Prozent gestiegen ist.

„Neben den Auswirkungen der demografischen Entwicklung liegt einer der zentralen Gründe für den landesweiten Rückgang bei den Bewerberinnen und Bewerbern weiterhin in den Auswirkungen der Pandemie“, sagte Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. Die Pandemie sei, „auch wenn sie gerade eher keine starke Rolle in der Öffentlichkeit spielt – noch lange nicht überwunden. Und das können wir leider gut am Ausbildungsmarkt erkennen.“

Für einige Schülerinnen und Schüler sei während der Pandemie aufgrund der vielen Herausforderungen, die die zeitweisen Schließungen der Schulen mit sich gebracht haben, die Berufsorientierung zu kurz gekommen. „Deshalb fühlen sie sich derzeit noch unsicher und vertagen die Entscheidung, statt die vielfältigen Chancen und Perspektiven, die eine Ausbildung ihnen schon jetzt zu bieten hat, klar in den Blick zu nehmen.“

Darum komme es jetzt darauf an, diesen jungen Menschen gute Informations- und Unterstützungsangebote zu machen. „Wir wollen niemanden drängen. Doch eine gute Entscheidung braucht auch eine gute Grundlage. Dazu gehört das Wissen zu Chancen und Perspektiven der beruflichen Bildung. Und auch die Möglichkeit für die Schülerinnen und Schüler, sich selbst einmal auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln.“

Die Partner am Ausbildungsmarkt starten daher bundesweit im Juni den Sommer der Berufsausbildung. „Es geht darum, die jungen Menschen noch besser bei ihren individuellen Entscheidungen unterstützen zu können. Der Sommer der Berufsausbildung ist eine bundesweite Informationskampagne. Insbesondere in NRW werden mit einer Vielzahl von Beratungs- und Vermittlungsaktionen die Agenturen für Arbeit und die Jobcentern alles daran setzen, dass noch möglichst viele Jugendliche mit einem Ausbildungsplatz in der Tasche und mit klaren Zukunftsperspektiven beruhigt in die Ferien gehen können!“

Aber auch die Praktika kämen hier nicht zu kurz, sagte Withake: „Wir knüpfen an die Praktikumsaktion aus dem April an. Diese gemeinsame Aktion mit den Partnern im Ausbildungskonsens NRW hat vielen jungen Menschen wie auch vielen Unternehmen nicht nur gut gefallen, sondern auch ganz konkret geholfen, zueinander zu finden. Nicht nur deshalb heißt es bei uns: Kein Sommer der Berufsausbildung ohne die Möglichkeit, Praktika zu machen!“

Das verstärkte Engagement für die Ausbildung lohne sich, sagte Withake: „Um die Corona-Delle zu überwinden, dürfen wir nicht nachlassen. Doch das lohnt sich: Für die jungen Menschen vor allem deshalb, da jetzt bereits klar ist, dass sie nach dem Berufsabschluss nicht nur einen guten Arbeitsplatz finden, sondern darüber hinaus auch gute Entwicklungs- und Aufstiegsperspektiven an einem spannenden, sich stark verändernden Arbeitsmarkt vorfinden werden. Umgekehrt heißt das: Jeder einzelne Ausbildungsvertrag ist wichtig für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes NRW. Wir brauchen die jungen Menschen als Fachkräfte und müssen daher alles tun, um sie für die duale Berufsausbildung zu begeistern.“

Der NRW Ausbildungsmarkt in Zahlen

Bei den Agenturen für Arbeit in Nordrhein-Westfalen sind in der Zeit von Oktober 2021 bis Mai 2022 landesweit 100.150 freie duale Berufsausbildungsstellen gemeldet worden. Das waren 7.043 oder 7,6 Prozent mehr als zur selben Zeit vor einem Jahr. Vor zwei Jahren – also im ersten Monat des Lockdowns 2020 - hatten Unternehmen in NRW 4.612 Stellen oder 4,8 Prozent weniger gemeldet.

54.699 Ausbildungsstellen waren in NRW im Mai noch frei bzw. unbesetzt. Das waren 8.305 oder 17,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Vor zwei Jahren lag die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze zu diesem Zeitpunkt um 4.943 Stellen oder 9,9 Prozent niedriger.

Weniger Bewerberinnen und Bewerber

Demgegenüber ist im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber gesunken. Im aktuellen Ausbildungsjahr meldeten sich bei den Agenturen für Arbeit in NRW bis Ende Mai 89.256 junge Menschen mit dem Ziel, in diesem Jahr eine Berufsausbildung zu beginnen. Das waren 1.893 Jugendliche oder 2,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. 2020 hatten sich bis Mai 8.097 Schülerinnen und Schüler oder 8,3 Prozent mehr für eine Ausbildung interessiert. Rechnerisch kamen im aktuellen Mai landesweit auf einhundert betriebliche Ausbildungsstellen 90 Bewerberinnen und Bewerber. Vor einem Jahr waren es noch 99 Bewerberinnen und Bewerber.

Einen Ausbildungsplatz suchen aktuell noch 47.894 junge Menschen, 3.175 weniger als vor einem Monat. Von diesen haben bereits 10.043 Jugendliche eine Alternative für den Fall, dass sie die gesuchte Ausbildung nicht finden können. 37.851 Schülerinnen und Schüler haben aktuell noch keinen Ausbildungsplatz und bis jetzt auch noch keine Alternative, weshalb sie als „unversorgt“ gelten. Stellt man die unbesetzten Ausbildungsstellen und die unversorgten jungen Frauen und Männer rechnerisch einander gegenüber, kommen auf hundert unbesetzte Stellen derzeit 69 unversorgte Jugendliche. Vor einem Jahr waren es noch 85 unversorgte Jugendliche.

Der Ausbildungsmarkt in den Regionen

Die regionalen Unterschiede am Ausbildungsmarkt in NRW blieben auch im Mai deutlich. Nur in Südwestfalen gab es im vergangenen Monat mehr Bewerberinnen und Bewerber als im Jahr zuvor. Im Bergischen Land, im Münsterland gab es geringfügig weniger Bewerberinnen und Bewerber.

Die Relation von Ausbildungsplätzen zu Bewerberinnen und Bewerbern spannt sich zwischen einem Verhältnis von einhundert Stellen zu 107 Jugendlichen im Bergischen Land und 63 jungen Menschen in Südwestfalen sowie im Münsterland. In allen Regionen wurden mehr Ausbildungsplätze als im Vorjahr gemeldet. Allerdings kam es auch hier zu deutlichen Unterschieden. Während in Südwestfalen die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze um 11,6 Prozent zulegte, betrug der anteilige Zuwachs im Bergischen Land 1,2 Prozent.

Zum rechnerischen Verhältnis von Bewerberinnen und Bewerber und gemeldeten Ausbildungsstellen finden Sie weiter unten eine Grafik.

In Südwestfalen haben sich in der Zeit von Oktober bis Mai mehr Bewerberinnen und Bewerber als im Vorjahr gemeldet. Im Mai waren hier 6.475 Schülerinnen und Schüler gemeldet, 201 junge Menschen oder 3,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im selben Zeitraum wurden hier 10.260 Berufsausbildungsstellen gemeldet, 1.067 oder 11,6 Prozent mehr als vor zwölf Monaten. Im Mai kamen damit auf einhundert Stellen 63 Bewerberinnen und Bewerbern. Als unbesetzt galten 5.596 Stellen, als unversorgt 2.477 junge Menschen.

Das Münsterland verbuchte annährend so viele Bewerberinnen und Bewerber wie im Vorjahr. Mit 7.548 jungen Menschen meldeten sich 23 Personen oder 0,3 Prozent weniger als 2021. Demgegenüber wuchs die Zahl der seit Oktober gemeldeten Stellen im Vergleich zum Vorjahr um 1.208 oder 11,2 Prozent auf 12.032. Auf 100 Ausbildungsstellen kamen 63 Bewerberinnen und Bewerber. Als unversorgt galten im Münsterland im Mai noch 2.493 Bewerberinnen und Bewerber. Unbesetzt waren im Mai noch 6.172 Ausbildungsstellen.

Im Bergischen Land waren im Mai 85 Bewerberinnen und Bewerber weniger gemeldet als ein Jahr zuvor. Im Verlauf des Jahres haben sich hier 8.636 junge Menschen bei den Agenturen für Arbeit gemeldet, 1,0 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Bei den Ausbildungsplätzen gab es ein Plus: Im Mai waren mit 8.044 Stellen 95 oder 1,2 Prozent mehr gemeldet als im Vergleich zum Vorjahr. Auf hundert Ausbildungsangebote kommen hier 107 Bewerberinnen und Bewerber. Von den Stellen waren Ende Mai noch 4.384 unbesetzt. Dem standen 3.745 unversorgte Jugendliche gegenüber.

Rückläufig war die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber auch in Ostwestfalen-Lippe. Insgesamt haben sich bis Ende Mai in Ostwestfalen 11.533 Jugendliche bei den Agenturen für Arbeit und Jobcentern gemeldet. Das waren 193 oder 1,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei den Ausbildungsstellen gab es im Vorjahresvergleich ein Plus von 735 oder 5,9 Prozent. Insgesamt wurden bislang 13.139 Stellen gemeldet. Auf hundert Stellen kommen aktuell 88 Bewerberinnen und Bewerber. Unbesetzt waren im Mai noch 6.847 Stellen. Als unversorgt galten im Mai 4.578 junge Menschen.

Im Ruhrgebiet legten die Stellenmeldungen von Unternehmen um 9,0 Prozent oder 2.064 Ausbildungsplätze zu. Obwohl gleichzeitig die Zahl der gemeldeten Jugendlichen zurückging, gibt es hier weiterhin mehr Bewerberinnen und Bewerber als Ausbildungsangebote. Insgesamt wurden bislang im Vermittlungsjahr im Ruhrgebiet 25.049 Stellen angeboten. Im gleichen Zeitraum meldeten sich 26.580 junge Menschen mit Interesse an einer dualen Berufsausbildung - ein Minus von 714 Jugendlichen oder 2,6 Prozent. Das Verhältnis lag bei hundert Stellenangeboten zu 106 Bewerberinnen und Bewerbern. Unbesetzt waren im Mai noch 13.823 Stellen, als unversorgt galten noch 11.437 Jugendliche.

Den absolut höchsten Rückgang bei den Bewerberinnen und Bewerbern gibt es weiterhin im Rheinland. Hier haben sich bis Ende Mai 1.079 Jugendliche oder 3,6 Prozent weniger bei den Agenturen für Arbeit und Jobcentern gemeldet als ein Jahr zuvor. Von den insgesamt 28.484 Bewerberinnen und Bewerbern im Rheinland galten Ende Mai noch 13.121 als unversorgt. Dem standen 17.877 unbesetzte Ausbildungsplätze gegenüber. Insgesamt sind seit dem Oktober im Rheinland 31.626 duale Ausbildungsplätze angeboten worden - 6,3 Prozent oder 1.874 mehr als vor einem Jahr. Auf hundert Stellen kamen Ende Mai 90 Bewerberinnen und Bewerber.

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