29.07.2022 | Presseinfo Nr. 22

Arbeitslosigkeit steigt wegen statistischer Erfassung ukrainischer Geflüchteter deutlich

In Nordrhein-Westfalen ist im Juli die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen stärker als für die Saison üblich gestiegen. Grund ist unter anderem die Registrierung ukrainischer Geflüchteter. Arbeitslos gemeldet waren im Juli 687.723 Frauen und Männer. Das waren 29.738 Personen oder 4,5 Prozent mehr als einen Monat zuvor. Die Arbeitslosigkeit bleibt damit weiterhin deutlich unter der des Vorjahres – um 39.165 Personen oder 5,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote stieg im Juli um 0,3 Punkte auf 7,0 Prozent.
Im August veranstalten landesweit Arbeitsagenturen und Jobcenter Thementage zu Qualifizierung und Fachkräftesicherung. Die Thementage laufen vom 15. August bis zum 2. September.

„Auch wenn die Arbeitslosigkeit im Juli deutlich gestiegen ist, zeigt sich der Arbeitsmarkt in NRW weiter robust. Das zeigt auch der neuerliche Zuwachs in der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit geht unter anderem darauf zurück, dass mittlerweile ein großer Teil der ukrainischen Geflüchteten in den Jobcentern registriert ist und sie dadurch in der Arbeitsmarktstatistik sichtbar werden. Dadurch verstärkt sich die für die Jahreszeit übliche Zunahme der Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen, die vor allem auf junge Menschen unter 25 Jahren zurückgeht, die sich nach dem Abschluss ihrer Ausbildung für eine kurze Zeit des Übergangs arbeitslos melden“, sagte Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. Die Arbeitslosigkeit stieg daher statistisch stärker als es für die Ferienzeit bzw. die Saison üblich gewesen wäre. „Der Übergang der vor dem russischen Angriffskrieg geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer in die Jobcenter ist in den vergangenen zwei Monaten sehr gut vorangekommen. Dabei standen zunächst die Leistungen zum täglichen Leben, die Kosten für Unterkunft und Heizung im Vordergrund. Ich möchte mich bei den Kolleginnen und Kollegen in den Jobcentern dafür bedanken, die alles getan haben, um den Unterhalt der Menschen in sehr kurzer Zeit zu gewährleisten. Die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den örtlichen Kommunen hat das Vieles möglich gemacht. Ich weiß, welcher Kraftakt dahintersteht!“

Die nächsten Schritte seien nun, sagte Withake, die Unterstützung der Menschen aus der Ukraine zu vertiefen, sie zum Arbeitsmarkt zu beraten, Qualifizierungen zu vermitteln und zu fördern sowie beim notwendigen Spracherwerb zu unterstützen. „Auch die Kinderbetreuung ist ein wichtiges Thema. Die ukrainischen Geflüchteten treffen bei uns auf einen aufnahmefähigen Arbeitsmarkt vor allem für qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Damit die Menschen auch die Möglichkeit haben, ihrer Qualifikation angemessen Arbeit zu finden, ist es wichtig, individuelle Lösungen für Kinderbetreuung und für den Spracherwerb zu finden. Sprache und die Betreuung der Kinder spielen bei der Integration der Menschen in den Arbeitsmarkt eine sehr wichtige Rolle.“

Auch in NRW wird es für Unternehmen schwieriger, passende qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Auf 100 gemeldete freie Stellen kommen aktuell NRW-weit 183 qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber. Hintergrund ist ein tiefgreifender Wandel, der sich aktuell in Wirtschaft und Arbeitswelt vollzieht. Digitalisierung, Automatisierung, demografischer Wandel sowie die ökologische Umwandlung unserer Wirtschaftsweise, all diese „Megatrends“ werden zusammen in den kommenden Jahren zu weiteren Veränderungen führen.

Die Agenturen für Arbeit und die Jobcenter in NRW widmen dieser Transformation im August die Thementage „Qualifizierung in der Transformation“. Zwei Wochen lang, vom 15. August bis einschließlich dem 2. September finden landesweit eine Vielzahl von Veranstaltungen statt für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber. „Die Arbeitswelt verändert sich. Die vielen kleineren Strukturwandel, die zusammen zu einer großen Transformation führen - die demografische Entwicklung, die Digitalisierung und Automatisierung am Arbeitsplatz und die Energiewende -, nehmen immer weiter für uns alle spürbar an Fahrt auf“, sagte Arbeitsmarktexperte Withake.

Ziel der aktuell über 90 Veranstaltungen - weitere können noch dazu kommen - sei es, „als Agenturen für Arbeit mit den Menschen darüber ins Gespräch zu kommen, wie wir aus diesen sicherlich auch nicht immer angenehmen Herausforderungen der Transformation zusammen etwas Positives machen können. Wir erhoffen uns dabei natürlich auch Hinweise, wie wir besser unterstützen können. Uns interessiert wie die Weichen zusammen vor Ort gestellt werden können, damit die Herausforderungen der Transformation auch als jeweils individuelle Chance ergriffen werden können - von Unternehmen in NRW genauso wie von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.“

Einen Überblick über die NRW-Thementage „Qualifizierung in der Transformation“ vom 15. August bis zum 2. September finden Sie im Internet hier: https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/rd-nrw/ihreberuflichezukunft

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

Im Juli stieg in Nordrhein-Westfalen die Arbeitslosigkeit deutlicher als es allein saisonal, aufgrund der Ferienzeit zu erwarten gewesen wäre. Landesweit nahm die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen um 29.738 Personen oder 4,5 Prozent auf 687.723 Arbeitslose zu. Damit waren in NRW im Juli 39.165 Personen oder 5,4 Prozent weniger arbeitslos als vor zwölf Monaten. Im langjährigen Verglich bleibt die Arbeitslosigkeit auf dem drittniedrigsten Stand seit 1992. Nur in den Jahren 2018 und 2019 hat sie niedriger gelegen. Die Arbeitslosenquote lag im Vergleich zum Vorjahr mit 7,0 Prozent um 0,4 Prozentpunkte niedriger. Im Vergleich zum Vormonat Juni stieg sie um 0,3 Punkte.

Die gesamte Arbeitslosigkeit setzt sich aus den arbeitslos gemeldeten Menschen in den beiden sogenannten Rechtskreisen zusammen. Rechtskreise sind das Sozialgesetzbuch III (SGB III) und damit die Kundinnen und Kunden der Arbeitsagenturen sowie das Sozialgesetzbuch II (SGB II) und damit die Kundinnen und Kunden der Jobcenter. Während die gesamte Arbeitslosigkeit in NRW im Monatswechsel um 4,5 Prozent stieg, nahm die Zahl der arbeitslos gemeldeten Kundinnen und Kunden der Arbeitsagenturen um 6,3 Prozent oder 11.346 Personen auf nun 191.131 Personen zu. Dieser Anstieg war als saisonüblich zu erwarten, da er zur Ferienzeit vor allem auf jüngere Menschen beim Übergang von der Ausbildung zur Erwerbstätigkeit zurückgeht. Im Juni sind die dreijährigen Ausbildungen abgeschlossen worden, die jungen Absolventen sind dann häufig für wenige Monate arbeitslos, bevor sie als gut ausgebildete Fachkräfte eine Anstellung gefunden haben.

Ungewöhnlich für die Jahreszeit ist hingegen der etwas deutlichere Anstieg bei den arbeitslos gemeldeten Kundinnen und Kunden der Jobcenter. Er lag in diesem Monat bei 3,8 Prozent oder 18.392 arbeitslos gemeldeten Personen. Insgesamt waren damit in den Jobcentern im Juli in NRW 496.592 Menschen arbeitslos gemeldet.

Grund hierfür ist größtenteils der Übergang von ukrainischen Geflüchteten in das SGB II. Hintergrund ist die Aufnahme ukrainischer Kriegsgeflüchteter in die Grundsicherung für Arbeitssuchende seit dem 1. Juni 2022. Entsprechend steigt auch die Zahl der ausländischen Arbeitslosen um 17.790 Personen oder 7,3 Prozent auf 261.483.

Die Gruppe der ausländischen Arbeitslosen ist auch die einzige Gruppe, die im Vorjahresvergleich einen Anstieg (12.005; +4,8%) aufweist. Alle anderen Personengruppen sind wie die Gesamtzahl der Arbeitslosen sind im Vorjahresvergleich rückläufig. Ein Beispiel dafür ist die Jugendarbeitslosigkeit. Sie sank im Jahresvergleich um 6,5 Prozent oder 4.154 Personen auf nun 59.643 junge Menschen unter 25 Jahren.

Im Vergleich zum Vorjahr sank in den Agenturen für Arbeit die Zahl der Arbeitslosen um 34.193 Personen oder 15,2 Prozent, während der Rückgang in den Jobcentern nur leicht ausfällt. Hier waren im Juli 4.972 Menschen oder 1,0 Prozent weniger arbeitslos gemeldet als vor einem Jahr.

Die Zahl der unterbeschäftigten Menschen legte in NRW um 2,9 Prozent oder 24.720 Personen im Vergleich zum Vormonat zu. Die Unterbeschäftigung setzt sich aus der Zahl der Menschen, die arbeitslos gemeldet sind und denjenigen zusammen, die Arbeitslosengeld oder Arbeitslosengeld II erhalten, aber dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen und daher nicht als arbeitslos gelten. Das kann zum Beispiel sein, wenn man an einer abschlussorientierten Fördermaßnahme teilnimmt. Als unterbeschäftigt, aber nicht arbeitslos galten im Juli 198.235. Das waren 5.018 Personen weniger als vor einem Monat. Zählt man die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen hinzu, erhält man die gesamte Unterbeschäftigung: Landesweit galten im Juli 885.958 Menschen als unterbeschäftigt und damit 24.720 Personen oder 2,9 Prozent mehr als einen Monat zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl unterbeschäftigter Menschen um 40.249 Personen oder 4,3 Prozent.

Länger als ein Jahr arbeitslos waren im Juli in NRW 296.174 Menschen. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen sank damit im Monatsvergleich um 197 Personen. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl langzeitarbeitsloser Menschen um 39.774 Personen.

Ukrainische Kriegsgeflüchtete in NRW

Seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine am 24. Februar sind zahlreiche ukrainische Staatsangehörige vor der Kriegsgewalt nach Deutschland geflohen. Nachdem die EU kurze Zeit später die sogenannte Massenzustromrichtlinie in Kraft gesetzt hat, besteht für alle geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer seit dem 1. Juni die Möglichkeit, in den Jobcentern einen Antrag auf Grundsicherung für Arbeitssuchende zu stellen. Zuvor konnten von Februar bis einschließlich Mai Ukrainerinnen und Ukrainer Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten. Seit dem 1. Juni ist dies nur noch für eine Übergangszeit bis Ende August möglich. Bis dahin müssen ukrainische Kriegsgeflüchtete, die Unterstützung suchen, in den Jobcentern einen Antrag auf Grundsicherung gestellt haben.

Zum Stichtag waren im Juli in NRW rund 31.500 aus der Ukraine geflüchtete Personen arbeitslos gemeldet. Diese Zahl ergibt sich aus der Differenz der im Februar vor dem Tag des russischen Angriffs und der im Juli in NRW arbeitslos gemeldeten ukrainischen Staatsangehörigen.

Stichtag war der 12. Juli. Die Entscheidung des Bundestages im Mai hat dazu geführt, dass die Jobcenter in einem kurzen Zeitraum eine Vielzahl an Anträgen bearbeiten und bescheiden mussten. Damit das möglichst reibungslos gelingen konnte, hatten die Jobcenter und die Kommunen in der Zeit nach dieser Entscheidung des Bundestages bis zum 1. Juni bereits sehr viele Maßnahmen ergriffen, z.B. mehrsprachige Informationsangebote entwickelt, damit die Menschen möglichst frühzeitig Anträge bei den Jobcentern stellen konnten, es wurde auf Dolmetscherservices zurückgegriffen und die enge Abstimmung mit den zuständigen Behörden und Partnern vor Ort für ukrainische Geflüchtete noch weiter ausgebaut.

Insgesamt waren bis zum Stichtag in NRW rund 89.000 Leistungsanträge für Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit bis zur Altersgrenze für erwerbsfähige Personen bei den Jobcentern abgegeben worden. Darunter rund 32.000 für Kinder und Jugendliche.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung legt zu

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten legt in NRW im Mai (aktueller Datenstand) wieder leicht zu. 7.238.670 Personen gingen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach - 8.700 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer oder 0,1 Prozent mehr als einen Monat zuvor. Auch im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg die Beschäftigung: um 148.453 beschäftigte Männer und Frauen oder 2,1 Prozent.

Mehr als 170.000 freie Stellen in NRW gemeldet

Der Bestand an offenen, von Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bei den Agenturen für Arbeit gemeldeten Stellen betrug im Juli 175.213. Neu hinzu kamen dabei 27.551 freie Arbeitsplätze, 2.259 oder 7,6 Prozent weniger als im Vormonat. Vor einem Jahr wurden im Juli 12.280 freie Stellen oder 30,8 Prozent mehr im selben Zeitraum gemeldet.

Die saisonal für die Sommerferien übliche Zurückhaltung bei Einstellung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter drückt sich auch in den Zahlen zum Arbeitsmarkt nach Qualifikationsniveau aus.

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber suchen in NRW vor allem Fachkräfte. Die Zahl der freien potentiellen qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegt jedoch seit längerer Zeit auf einem sehr niedrigen Niveau. Aktuell kommen auf 100 offene Fachkraftstellen 183 Bewerberinnen und Bewerber. Im Monat Juni waren es sogar nur 174 Bewerberinnen und Bewerber. Der leichte Anstieg ist eine Folge der Jahreszeit – allerdings gilt bereits ein von 100 Stellen zu 200 Bewerberinnen und Bewerber als Hinweis auf einen signifikanten Engpass bei qualifizierten Arbeitskräften.

Insgesamt waren landesweit in den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern im Juli 100.108 offene Stellen und damit 22 oder 0,0 Prozent weniger als im Juni für Fachkräfte auf dem Niveau der dualen Berufsausbildung angezeigt worden. Das waren 57,1 Prozent aller gemeldeten Stellen und 14.355 oder 16,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dem standen 182.752 arbeitslos gemeldete Fachkräfte gegenüber - 8.489 Personen mehr als einen Monat zuvor und 23.950 Fachkräfte oder 11,6 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Deutlich geringer ist das Angebot für Menschen ohne aktuelle Ausbildung: 41.788 Stellen oder 23,8 Prozent aller Arbeitsangebote waren für Helfertätigkeiten, also für an- und ungelernte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausgeschrieben. Das waren 4.280 oder 11,4 Prozent mehr als vor einem Jahr und 215 oder 0,5 Prozent mehr als vor einem Monat. Arbeitslos gemeldet waren 384.810 Menschen ohne eine aktuelle Ausbildung – 10.579 Personen oder 2,8 Prozent mehr als im Vormonat. Vor einem Jahr waren 23.822 Helferinnen und Helfer oder 5,8 Prozent mehr arbeitslos gemeldet. Doch liegt damit das Verhältnis von offenen Stellen und Bewerberinnen und Bewerbern ohne aktuelle Qualifikation nach wie sehr deutlich über dem bei Fachkräften. Auf einhundert offene Stellen für Helferinnen und Helfer kamen im Juli 921 Bewerberinnen und Bewerber.

Aufgrund der Übernahme der Betreuung ukrainischer Kriegsgeflüchteter durch die Jobcenter zum 1. Juni sind noch nicht bei allen arbeitslos gemeldeten Menschen die sogenannten Anforderungsniveaus (Helfer*in, Fachkraft, Spezialist*in, Expert*in) erfasst. Die schnelle Gewährung von Leistungen zum Lebensunterhalt hatte Priorität. Im Zuge der nun beginnenden Beratungsgespräche werden diese Daten nachgetragen. Eine Veränderung der in den vorhergehenden Absätzen genannten Zahlen zu Bewerberinnen und Bewerbern mit oder ohne formale Qualifikationen als Fachkräfte ist zu erwarten.

Anzeigen zur Kurzarbeit im Juli

Im Juli ging die Zahl der Anzeigen auf mögliche Kurzarbeit weiter deutlich zurück. So zeigten in NRW 398 Unternehmen mögliche Kurzarbeit an. Das waren 183 Anzeigen auf mögliche Kurzarbeit weniger als im Juni. Vor einem Jahr, im Juli 2021, war bei den Agenturen für Arbeit mögliche verkürzte Arbeit für 887 Unternehmen neu angezeigt worden. Von möglicher Kurzarbeit betroffen durch die neuen oder erneuten Anzeigen waren im aktuellen Juli 2022 bis zu 7.116 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Unternehmen und Betrieben. Das waren 1.725 weniger als im Vormonat. Vor einem Jahr wurde mögliche Kurzarbeit für 15.891 Personen neu oder erneut angezeigt. Zum Vergleich die Zahlen aus dem Frühjahr 2020: Im April, also zum Beginn der Corona-Pandemie, hatten rund 14.974 Unternehmen Kurzarbeit für 230.247 Personen angezeigt.

Kurzarbeit ist ein zweistufiges arbeitsmarktpolitisches Instrument. Es erlaubt Unternehmen, trotz konjunktureller Engpässe Beschäftigte im Unternehmen zu halten. Die Unternehmen zeigen geplante verkürzte Arbeit an. Wenn sie die angezeigte Kurzarbeit tatsächlich realisieren, gehen sie mit der Auszahlung des Lohnersatzes – des Kurzarbeitergeldes zum Beispiel für den September - in Vorleistung. Frühestens nach Ablauf des Monats, spätestens nach drei Monaten rechnen Unternehmen und Betriebe das an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgezahlte Kurzarbeitergeld bei den Agenturen für Arbeit ab. Wieviel im Dezember in NRW tatsächlich verkürzt gearbeitet wurde, weiß man erst nach Ablauf dieser drei Monate, wenn alle Unternehmen ihren Antrag auf Erstattung der in Vorleistung erbrachten Lohnersatzleistung gestellt haben. Die realisierte Kurzarbeit gibt wieder, wie vielen Unternehmen und für wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Lohnersatzleistung in einem Monat erstattet wurde.

Für den Monat April liegt eine erste Hochrechnung vor, wieviel Kurzarbeit realisiert wurde: Demnach rechneten im April 11.932 Unternehmen in NRW mit den Agenturen für Arbeit Kurzarbeit ab. Das waren 5.552 weniger als im Vormonat März. Vor einem Jahr hatten im April 67.163 Unternehmen und Betriebe Kurzarbeit abgerechnet. Im aktuellen April 2022 arbeiteten 172.390 Beschäftigte verkürzt, 35.532 Personen weniger als im März und 445.682 Personen weniger als zwölf Monate zuvor. Die Kurzarbeiter-Quote sank von März auf April um 0,5 Punkte auf 1,0 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in NRW.

Der Arbeitsmarkt in den NRW-Regionen im Juli

Verglichen mit dem Vormonat ist die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen landesweit in allen Agenturen für Arbeit gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr weisen nahezu alle Agenturen für Arbeit einen Rückgang der Arbeitslosenzahlen auf:

In Ostwestfalen-Lippe waren im Juli 61.841 Menschen arbeitslos gemeldet - 4.113 Personen oder 7,1 Prozent Mehr als vor einem Monat. Vor einem Jahr waren in Ostwestfalen 4,3 Prozent oder 2.800 Menschen mehr arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Punkte auf 5,4 Prozent. Sie lag damit um 0,3 Punkte niedriger als vor einem Jahr.

Auch im Münsterland stieg die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vormonat - hier um 0,2 Punkte auf 4,1 Prozent. Vor einem Jahr lag die Quote auf dem selben Niveau. Die Zahl der Arbeitslosen nahm im Vergleich zum Vormonat um 6,6 Prozent oder 2.381 Personen auf 38.521 arbeitslos gemeldete Menschen zu. Vor einem Jahr waren 29 Menschen oder 0,1 Prozent mehr arbeitslos gemeldet.

Im Bergischen Land stieg die Arbeitslosigkeit innerhalb des vergangenen Monats um 5,1 Prozent oder 3.237 Personen auf jetzt 66.586 Personen. Vor zwölf Monaten, im Juli 2021, waren 4.468 Menschen oder 6,3 Prozent mehr arbeitslos gemeldet. Die Quote stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Punkte auf nun 6,8 Prozent. Vor einem Jahr lag die Arbeitslosenquote bei 7,2 Prozent.

In Südwestfalen waren im Juli 4,8 Prozent oder 1.863 Personen mehr arbeitslos gemeldet als noch einen Monat zuvor. Insgesamt waren im hier im Juli 40.456 Personen arbeitslos. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Arbeitslosen um 5,8 Prozent oder 2.470 Personen. Die Arbeitslosenquote lag im Juli bei 5,2 Prozent und damit um 0,2 Punkte höher als im Monat zuvor. Vor einem Jahr lag sie 0,3 Punkte höher.

Im Ruhrgebiet ist die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen im Vergleich zum Vormonat um 9.458 Personen oder 4,1 Prozent gestiegen. Hier waren im Juli 240.988 Menschen arbeitslos gemeldet. Vor einem Jahr waren im Ruhrgebiet 8.465 Personen oder 3,4 Prozent mehr arbeitslos. Die Quote lag im abgelaufenen Monat bei 9,8 Prozent, 0,4 Punkte höher als vor einem Monat und 0,3 Prozentpunkte niedriger als vor zwölf Monaten.

Im Rheinland stieg im Vergleich zum Vormonat die Arbeitslosigkeit um 3,8 Prozent oder 8.686 Personen. Im Juli waren damit 239.331 Menschen arbeitslos gemeldet, 20.933 Personen oder 8,0 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote lag im Juli um 0,3 Punkte höher als im Vormonat – und mit 6,9 Prozent 0,6 Prozentpunkte niedriger als vor einem Jahr.

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