31.08.2022 | Presseinfo Nr. 27

NRW-Arbeitsmarkt: Arbeitslosigkeit steigt im August

Die Arbeitslosigkeit ist in NRW etwas stärker gestiegen, als es für den August üblich ist. Das ist eine Folge der Zuwanderung von Menschen aus der Ukraine, die vor dem russischen Angriffskrieg geflohen sind und nun in der Arbeitsmarktstatistik als arbeitslos erfasst wurden. 693.945 Menschen waren arbeitslos gemeldet, das waren 6.222 Personen oder 0,9 Prozent mehr als einen Monat zuvor. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 7,1 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der bei den Arbeitsagenturen gemeldeten offenen Stellen weiter. Unternehmen suchen in der Regel qualifizierte Fachkräfte, während rund 60 Prozent der arbeitslos gemeldeten Menschen über keine entsprechende Qualifikation verfügen.

"Wie schon im vorhergehenden Monat ist die Arbeitslosigkeit im August statistisch etwas stärker gestiegen, als es für einen durch die Sommerferien geprägten Monat üblich ist", sagte Torsten Withake, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. Hintergrund ist die Erfassung der vor dem russischen Angriffskrieg aus der Ukraine geflüchteten Menschen durch die Jobcenter, die aktuell in der Arbeitsmarktstatistik sichtbar werden: "Doch der Arbeitsmarkt in NRW bleibt weiter stabil - trotz aller Belastungen und der Unsicherheiten, die die Unternehmen als weitere Folge des von Russland begonnenen Krieges spüren."

Für Arbeitssuchende böten sich derzeit gute Chancen, sagte der Arbeitsmarktexperte: "Die Herausforderungen liegen jedoch auch auf der Hand. Zwar ist der Arbeitsmarkt sehr aufnahmefähig, doch die Unternehmen benötigen häufig länger, um passende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Das Schlüsselthema ist hier ganz klar die Qualifikation der Bewerberinnen und Bewerber. Knapp über 75 Prozent der Stellenausschreibungen richten sich an qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mindestens eine duale Ausbildung absolviert haben. Doch beinahe 60 Prozent der arbeitslos gemeldeten Menschen verfügen aktuell nicht über eine geeignete, ausreichende Qualifikation."

Viele dieser Menschen seien erst im Zuge der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr oder in den ersten Monaten 2022 arbeitslos geworden – auch, weil sie keinen Berufsabschluss haben: "Wir sehen bei diesen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die größten Potentiale, die für einen Arbeitsmarkt, der Fachkräfte sucht, zu fördern sind." Die Qualifizierung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sei der zentrale Schlüssel: "Es gibt seit der Einführung des Qualifizierungschancengesetzes vor drei Jahren viele Möglichkeiten, wie die Arbeitsagenturen Unternehmen und die Menschen dabei unterstützen können. Zum Beispiel 'on the job'. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber haben die Möglichkeit, arbeitslose Menschen einzustellen und dann im laufenden Betrieb zur Fachkraft weiter zu qualifizieren – gefördert von der Agentur für Arbeit. Das ist nur ein Beispiel, und ein sehr gutes. Denn die Anstellung gibt den Menschen Sicherheit und Motivation, die sicherlich nicht immer einfache Aufgabe, noch einmal die Schulbank drücken zu müssen, erfolgreich zu bewältigen. Und die jeweiligen Unternehmen erhalten die qualifizierten wie motivierten Fachkräfte, die sie suchen."

Es lohne sich für Unternehmen und Betriebe auch, die Fördermöglichkeiten zur Teilqualifizierung, auch zum Beispiel zur Weiterbildung langjähriger Beschäftigter ohne Ausbildung, zu nutzen, sagte Withake. "Auf die Potentiale dieser Menschen kommt es in Zukunft immer mehr an. Wir können auf keine Arbeitnehmerin und keinen Arbeitnehmer verzichten." Das zeige auch der Blick auf den Ausbildungsmarkt, "der wichtigsten Säule der Fachkräftegewinnung. Wir erleben derzeit ganz klar als Folge der demografischen Entwicklung einen Wandel vom Stellen- zum Bewerbermarkt." Landesweit betrachtet kamen im aktuellen Jahr bei den Arbeitsagenturen auf 100 gemeldete Ausbildungsstellen 94 Bewerberinnen und Bewerber. "Die Unternehmen konkurrieren zunehmend um Bewerberinnen und Bewerber. Daher gewinnt die stetige Qualifizierung und Weiterbildung von Beschäftigten und von arbeitslosen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern immer mehr an Bedeutung. Unternehmen leisten da schon Vieles, aber es braucht noch mehr. Damit das gelingt, beraten die Agenturen für Arbeit Unternehmen und bieten eine Vielzahl von Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten an."

Bei der Unterstützung der Ukrainerinnen und Ukrainer folgten nun die nächsten Integrationsschritte, sagte Withake: "Nachdem die Jobcenter die Leistungen zum täglichen Leben gesichert haben, beraten sie parallel die Menschen individuell zum Arbeitsmarkt, zu möglichen Qualifizierungen und unterstützen sie zum Beispiel beim notwendigen Spracherwerb, der Arbeitsaufnahme oder bei Fragen der Kinderbetreuung." Withake lobte das Engagement und die gute Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in den Jobcentern und den Agenturen für Arbeit. Besonderen Wert legten sie dabei darauf, Ukrainerinnen und Ukrainer gemäß ihren Qualifikationen zu vermitteln. "Viele sind gut ausgebildet – und gerade an gut ausgebildeten Fachkräften fehlt es in NRW am Arbeitsmarkt in vielen Branchen."

HINWEIS:
Die aktuellen Zahlen zum NRW-Ausbildungsmarkt präsentiert die Regionaldirektion NRW am Freitag, 2. September, im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Westdeutschen Handwerkskammertag, der Industrie- und Handelskammer NRW sowie dem Verband Freie Berufe in NRW.

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

Im August stieg in Nordrhein-Westfalen die Arbeitslosigkeit landesweit leicht um 6.222 Personen oder 0,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Zum Stichtag waren 693.945 Menschen arbeitslos gemeldet, 24.457 oder 3,4 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die aktuelle Arbeitslosigkeit in NRW ist damit die drittniedrigste in einem August seit 1992. Nur in den Boomjahren 2018 und 2019 und damit vor Beginn der Covid-Pandemie lag die Arbeitslosigkeit in diesem von den Sommerferien in den Schulen geprägten Monat niedriger. Im Monatswechsel legte auch die Arbeitslosenquote leicht zu – um 0,1 Prozentpunkte auf 7,1 Prozent. Vor einem Jahr lag sie 0,2 Punkte höher.

Neben der saisonüblichen Entwicklung ist ein wesentlicher Grund für den Anstieg der Arbeitslosigkeit in NRW im August die Aufnahme ukrainischer Kriegsgeflüchteter in die Grundsicherung für Arbeitssuchende seit dem 1. Juni 2022. Das zeigt sich besonders im Vergleich der beiden sogenannten Rechtskreise, des Arbeitslosengeldes nach dem Sozialgesetzbuch III (SGB III) auf der einen, der Grundsicherung, dem Arbeitslosengeld II nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) auf der anderen Seite.

Das SGB II ist der Aufgabenbereich der Jobcenter. Hier stieg die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen im Vergleich zum Vormonat um 10.940 Personen oder 2,2 Prozent auf 507.532 arbeitslos gemeldete Personen. Auch im Vergleich zum Vorjahr gab es im August hier einen Anstieg – um 4.333 Personen oder 0,9 Prozent.

Anders im SGB III, dem Aufgabenbereich der Arbeitsagenturen: Hier waren im August weniger Menschen arbeitslos gemeldet als einen Monat zuvor. Mit 186.413 Arbeitslosen waren 4.718 Personen oder 2,5 Prozent weniger arbeitslos. Mit einem Minus von 28.790 Personen oder 13,4 Prozent ging die Arbeitslosigkeit im SGB III auch im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück.

Einen deutlichen Rückgang im Jahresvergleich gab es auch in der Langzeitarbeitslosigkeit. Im August waren 39.904 Personen weniger langzeitarbeitslos als vor einem Jahr. Im zurückliegenden Monat waren damit 295.868 Menschen länger als ein Jahr arbeitslos. Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl länger arbeitsloser Menschen geringfügig um 307 Personen.

Leicht, um 7.675 Personen oder 0,9 Prozent, stieg im Vergleich zum Vormonat auch die Unterbeschäftigung. Die Unterbeschäftigung setzt sich aus der Zahl der Menschen, die arbeitslos gemeldet sind und denjenigen zusammen, die Arbeitslosengeld oder Arbeitslosengeld II erhalten, aber dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen und daher nicht als arbeitslos gelten. Das kann zum Beispiel sein, wenn man an einer abschlussorientierten Fördermaßnahme teilnimmt. Als unterbeschäftigt, aber nicht arbeitslos galten im August 198.993 Menschen – 1.453 Personen mehr als einen Monat zuvor. Zählt man die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen hinzu, erhält man die gesamte Unterbeschäftigung: Landesweit galten im August 892.937 Menschen als unterbeschäftigt. Das waren 21.147 Personen oder 2,3 Prozent weniger, als zwölf Monate zuvor.

Der Ausbildungsmarkt in NRW

Die aktuellen Zahlen zum NRW-Ausbildungsmarkt präsentiert die Regionaldirektion NRW am Freitag, 2. September, im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Westdeutschen Handwerkskammertag, der Industrie- und Handelskammer NRW sowie dem Verband Freie Berufe in NRW.

Bei den Agenturen für Arbeit in Nordrhein-Westfalen sind in der Zeit von Oktober 2021 bis August 2022 landesweit 110.945 freie duale Berufsausbildungsstellen gemeldet worden. Das waren 4.681 oder 4,4 Prozent mehr als zur selben Zeit vor einem Jahr. Vor zwei Jahren – also im ersten Corona-Jahr 2020 – hatten Unternehmen in NRW 3.681 Stellen oder 3,4 Prozent weniger gemeldet.

32.245 Ausbildungsstellen waren in NRW im August noch frei bzw. unbesetzt. Das waren 4.548 oder 16,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Vor zwei Jahren lag die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze zu diesem Zeitpunkt um 3.518 Stellen oder 12,2 Prozent niedriger.

Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber lag im August niedriger als vor einem Jahr. In der Bewerbungsphase des aktuellen Vermittlungsjahres meldeten sich bei den Agenturen für Arbeit in NRW bis Ende August 101.564 junge Menschen mit dem Ziel, in diesem Jahr eine Berufsausbildung zu beginnen. Das waren 2.500 Jugendliche oder 2,4 Prozent weniger als vor einem Jahr. 2020 hatten sich bis August 9.724 Schülerinnen und Schüler oder 8,7 Prozent mehr für eine Ausbildung interessiert. Rechnerisch kamen im aktuellen August landesweit auf einhundert betriebliche Ausbildungsstellen 94 Bewerberinnen und Bewerber.

Einen Ausbildungsplatz suchen aktuell noch 26.074 junge Menschen. Von diesen haben 16.311 Jugendliche bereits eine Alternative für den Fall, dass sie die gesuchte Ausbildung nicht finden können. 9.763 Schülerinnen und Schüler haben aktuell noch keinen Ausbildungsplatz und bis jetzt auch noch keine Alternative, weshalb sie als „unversorgt“ gelten. Stellt man die unbesetzten Ausbildungsstellen und die unversorgten jungen Frauen und Männer rechnerisch einander gegenüber, kommen auf hundert unbesetzte Stellen derzeit 51 unversorgte Jugendliche. Vor einem Jahr waren es noch 69 unversorgte Jugendliche, vor zwei 82.

Weitere Informationen zum Ausbildungsmarkt finden Sie im Internet.

Ukrainische Kriegsgeflüchtete in NRW

Seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine am 24. Februar sind zahlreiche ukrainische Staatsangehörige vor der Kriegsgewalt nach Deutschland geflohen. Für alle geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer besteht seit dem 1. Juni die Möglichkeit, einen Antrag auf Grundsicherung für Arbeitssuchende zu stellen. Zuvor konnten von Februar bis einschließlich Mai Ukrainerinnen und Ukrainer Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten. Seit dem 1. Juni ist dies nur noch für eine Übergangszeit bis Ende August möglich. Bis dahin müssen ukrainische Kriegsgeflüchtete, die Unterstützung suchen, in den Jobcentern einen Antrag auf Grundsicherung gestellt haben.

Zum Stichtag waren im August in NRW rund 38.500 aus der Ukraine geflüchtete Personen arbeitslos gemeldet. Diese Zahl ergibt sich aus der Differenz der im Februar vor dem Tag des russischen Angriffs und der im Juli in NRW arbeitslos gemeldeten ukrainischen Staatsangehörigen.

Insgesamt waren bis zum Stichtag 11. August in NRW rund 110.000 Leistungsanträge für Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit bis zur Altersgrenze für erwerbsfähige Personen bei den Jobcentern abgegeben worden. Darunter rund 39.000 für Kinder und Jugendliche.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten nahm im Juni, dem aktuellen Monat für die Erhebung der Beschäftigung, leicht um 10.000 Personen oder 0,1 Prozent auf 7.231.700 Beschäftigte ab. Vor einem Jahr waren in NRW 135.304 Personen oder 1,9 Prozent mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Arbeitskräftenachfrage legte im August zu

Im August wurden in NRW 31.463 Stellen neu bei den Agenturen für Arbeit gemeldet. Das waren 3.912 oder 14,2 Prozent mehr als einen Monat zuvor. Vor einem Jahr wurden 3.517 Stellen oder 10,1 Prozent mehr gemeldet. Der Bestand an offenen, von Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bei den Agenturen für Arbeit gemeldeten Stellen betrug im August 177.278 – 20.186 oder 12,8 Prozent mehr als vor zwölf Monaten und 2.065 oder 1,2 Prozent mehr als im Vormonat.

Unternehmen suchen in NRW vor allem Fachkräfte. So waren landesweit in den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern im August 101.068 offene Stellen und damit 960 oder 1,0 Prozent mehr als im Juli für Fachkräfte auf dem Niveau der dualen Berufsausbildung angezeigt worden. Hinzu kamen 33.599 Stellenausschreibungen für Menschen mit einer Ausbildung zur Spezialistin oder zum Spezialistin, also etwa zur Meisterin oder zum Meister im Handwerk – oder mit der Qualifikation als Expertin oder Experte mit einem akademischen Abschluss wie dem Bachelor oder dem Master. Insgesamt waren das 76,0 Prozent aller Stellen. Dem standen 180.989 arbeitslose Fachkräfte, Spezialistinnen und Spezialisten sowie Expertinnen und Experten gegenüber – 26,1 Prozent aller arbeitslos gemeldeten Menschen. Aktuell kommen 183 qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber auf einhundert Stellen.

Deutlich geringer ist das Angebot für Menschen ohne aktuelle Ausbildung: Während 385.921 arbeitslos gemeldeter Menschen 55,6 Prozent über keine ausreichende Qualifikation verfügten, lag das Arbeitsangebot für Helfertätigkeiten, also für an- und ungelernte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, bei nur 42.600 offenen Stellen. Damit fiel das Verhältnis von offenen Stellen zu Bewerberinnen und Bewerbern ohne aktuelle Qualifikation deutlich ungünstiger aus als bei den Fachkräften. Auf einhundert offene Stellen für Helferinnen und Helfer kamen im August 906 Bewerberinnen und Bewerber.

Realisierte Kurzarbeit

Im August ging die Zahl der Anzeigen auf mögliche Kurzarbeit weiter zurück. So zeigten in NRW 411 Unternehmen mögliche Kurzarbeit an. Das waren 90 Anzeigen auf mögliche Kurzarbeit weniger als im Juli. Vor einem Jahr, im August 2021, war bei den Agenturen für Arbeit mögliche verkürzte Arbeit für 847 Unternehmen neu angezeigt worden. Von möglicher Kurzarbeit betroffen durch neue oder erneute Anzeigen waren im aktuellen August 2022 bis zu 10.374 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Unternehmen und Betrieben. Das waren 1.203 weniger als im Vormonat. Vor einem Jahr wurde mögliche Kurzarbeit für 16.684 Personen neu oder erneut angezeigt. Zum Vergleich die Zahlen aus dem Frühjahr 2020: Im April, also zum Beginn der Corona-Pandemie, hatten rund 14.974 Unternehmen Kurzarbeit für 230.247 Personen angezeigt.

Kurzarbeit ist ein zweistufiges arbeitsmarktpolitisches Instrument. Es erlaubt Unternehmen, trotz konjunktureller Engpässe Beschäftigte im Unternehmen zu halten. Die Unternehmen zeigen geplante verkürzte Arbeit an. Wenn sie die angezeigte Kurzarbeit tatsächlich realisieren, gehen sie mit der Auszahlung des Lohnersatzes – des Kurzarbeitergeldes zum Beispiel für den September - in Vorleistung. Frühestens nach Ablauf des Monats, spätestens nach drei Monaten rechnen Unternehmen und Betriebe das an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgezahlte Kurzarbeitergeld bei den Agenturen für Arbeit ab. Wieviel im Dezember in NRW tatsächlich verkürzt gearbeitet wurde, weiß man erst nach Ablauf dieser drei Monate, wenn alle Unternehmen ihren Antrag auf Erstattung der in Vorleistung erbrachten Lohnersatzleistung gestellt haben. Die realisierte Kurzarbeit gibt wieder, wie vielen Unternehmen und für wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Lohnersatzleistung in einem Monat erstattet wurde.

Für den Monat Mai liegt eine erste Hochrechnung vor, wieviel Kurzarbeit realisiert wurde: Demnach rechneten im Mai 10.310 Unternehmen in NRW mit den Agenturen für Arbeit Kurzarbeit ab. Das waren 1.647 weniger als im Vormonat April. Vor einem Jahr hatten im Mai 63.708 Unternehmen und Betriebe Kurzarbeit abgerechnet. Im aktuellen Mai 2022 arbeiteten 61.664 Beschäftigte verkürzt, 15.280 Personen weniger als im April und 456.408 Personen weniger als zwölf Monate zuvor. Die Kurzarbeiter-Quote sank von April auf Mai um 0,2 Punkte auf 0,9 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in NRW.

Der Arbeitsmarkt in den NRW-Regionen im August

Der Arbeitsmarkt hat sich im August landesweit in allen Arbeitsmarktregionen vergleichbar entwickelt – geprägt von den Sommerferien sowie der statistischen Erfassung vor dem russischen Angriffskrieg geflüchteter Ukrainerinnen und Ukrainer durch die Jobcenter.

Im Münsterland lag die Arbeitslosenquote im August bei 4,2 Prozent – und damit 0,1 Punkt über dem Vormonat und über dem Niveau des Vorjahres. Absolut gesehen nahm die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat um 820 Personen oder 2,1 Prozent auf 39.341 arbeitslos gemeldete Menschen zu. Vor einem Jahr waren 742 Personen oder 1,9 Prozent weniger arbeitslos gemeldet.

In Südwestfalen waren im August 394 Personen oder 1,0 Prozent mehr arbeitslos gemeldet als einen Monat zuvor. Insgesamt waren hier im August 40.850 Personen arbeitslos. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Arbeitslosen um 2,9 Prozent oder 1.219 Personen. Die Arbeitslosenquote lag im August bei 5,3 Prozent und damit 0,1 Punkte höher als im Juli. Vor einem Jahr lag sie 0,1 Punkte höher.

In Ostwestfalen-Lippe waren im August 62.223 Menschen arbeitslos gemeldet – 382 Personen oder 0,6 Prozent mehr als vor einem Monat. Vor einem Jahr waren in Ostwestfalen 1,3 Prozent oder 793 Menschen mehr arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Punkte auf 5,5 Prozent. Sie lag damit gleichauf mit der Quote vor einem Jahr.

Im Bergischen Land stieg die Arbeitslosigkeit innerhalb des vergangenen Monats um 2,1 Prozent oder 1.414 Personen auf jetzt 68.000 Personen. Vor zwölf Monaten, im August 2021, waren 2.052 Menschen oder 2,9 Prozent mehr arbeitslos gemeldet. Die Quote legte im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Punkt zu auf nun 6,9 Prozent. Vor einem Jahr lag die Arbeitslosenquote bei 7,1 Prozent.

Im Vergleich zum Vormonat stieg die Arbeitslosigkeit im Rheinland um 1.838 Personen oder 0,8 Prozent auf nun 241.169 Menschen. Im Vergleich zum August vor einem Jahr sank die Zahl der Arbeitslosen um 6,5 Prozent oder 16.733 Personen. Die Arbeitslosenquote lag im August wie im Vormonat bei 6,9 Prozent - 0,5 Prozentpunkte niedriger als vor einem Jahr.

Im Ruhrgebiet stieg im August die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen im Vergleich zum Vormonat um 0,6 Prozent oder 1.374 Personen. Hier waren im August 242.362 Menschen arbeitslos gemeldet. Vor einem Jahr waren im Ruhrgebiet 4.402 Personen oder 1,8 Prozent mehr arbeitslos. Die Quote stieg im abgelaufenen Monat um 0,1 Punkte auf 9,9 Prozent. Sie lag damit 0,1 Punkte niedriger als vor zwölf Monaten.

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