01.09.2020 | Presseinfo Nr. 59

Niedersachsen: Arbeitslosenzahl im August weiter gestiegen, Unternehmen suchen insbesondere Fachkräfte

Die Arbeitslosigkeit steigt in Niedersachsen weiter an:

Im August waren bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern 276.410 Menschen arbeitslos gemeldet. Dies sind 2,5 Prozent mehr als noch im Juli und 23,4 Prozent mehr als im August des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote ist um 0,1 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent gestiegen.

Auffällig ist die deutlich gestiegene Arbeitslosenzahl bei den unter 25-Jährigen. Sie liegt nun bei 35.244 Personen (+7.878/+28,8 Prozent zum Vorjahr). Der Anstieg ist vor allem zurückzuführen auf Arbeitslosmeldungen von Schulabgängern und von Auszubildenden, die nach ihren Prüfungen nicht übernommen wurden.

Fachkräften bieten sich Ende des Sommers allerdings zunehmend Beschäftigungschancen. „Der Arbeitsmarkt stabilisiert sich nach dem Corona-Schock. Im August meldeten die Unternehmen knapp 14.000 freie Stellen. Unser Stellenbestand ist damit wieder gestiegen, liegt insgesamt aber weiter unter dem des Vorjahres. Positive Signale setzen das Gastgewerbe, das Sozialwesen und die Arbeitnehmerüberlassung. Diese Branchen sind typische Frühindikatoren für eine Verbesserung des Arbeitsmarktes", erklärt Dirk Strangfeld, operativer Geschäftsführer der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit. „Aktuell sind die Chancen für Unternehmen daher sehr gut, ihren Fachkräftebedarf mit Unterstützung der Agenturen für Arbeit und Jobcenter zu decken. Zum einen haben sich im Sommer junge Fachkräfte nach der Ausbildung vorübergehend arbeitslos gemeldet, weil sie von ihrem Ausbildungsbetrieb nicht übernommen wurden. Zum anderen setzen wir aber auch bei geringqualifizierten Arbeitslosen auf berufliche Weiterbildung, um ihre Chancen auf eine Fachkraftstelle zu erhöhen. Betriebe mit Bedarf sollten den Kontakt zum örtlichen Arbeitgeber-Service suchen."

Kurzarbeit

Seit März haben 82.037 Unternehmen für bis zu 1.167.259 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Darunter sind 780 Betriebe, die im August für bis zu 14.816 Personen Kurzarbeit neu anmeldeten. Wie viel Kurzarbeit am Ende tatsächlich genutzt und abgerechnet wird, lässt sich erst nach mehreren Monaten ermitteln. Nach ersten Hochrechnungen ist die Inanspruchnahme wieder rückläufig. Danach waren in Niedersachsen im März rund 268.400 Beschäftigte aus 32.000 Betrieben in Kurzarbeit, im April rund 527.000 Personen aus 55.700 Betrieben und im Mai knapp 450.000 Menschen aus gut 47.500 Unternehmen.

Ausbildung

Aufgrund der Coronapandemie hat sich der Endspurt am Ausbildungsmarkt in diesem Jahr sechs bis acht Wochen verschoben. Im August waren in Niedersachsen noch viele Ausbildungsplätze frei. Arbeitsmarktexperte Strangfeld: „Die Chancen waren zu dieser Zeit im Jahr noch nie so gut." Seit Oktober wurden 51.653 Ausbildungsplätze gemeldet, davon waren im August noch 14.517 frei. Ihnen stehen insgesamt 47.856 Bewerberinnen und Bewerber gegenüber, von denen zuletzt noch 10.646 auf der Suche waren.

Finanzielle Unterstützung (Soziale Sicherung)

Die Jobcenter in Niedersachsen unterstützen in finanzielle Not geratene Selbstständige, die ihr Existenzminimum nicht mehr eigenständig sichern können.

Selbstständige: Die Zahl der Selbstständigen, die seit April bis einschließlich August neu vom Jobcenter finanziell unterstützt wurden, beträgt 7.709.

Beschäftigte: 13.835 Personen haben seit April bis einschließlich August beim Jobcenter finanzielle Unterstützung beantragt und erhalten. Diese Zahl beinhaltet auch zu einem großen Teil Beschäftigte, deren Kurzarbeitergeld nicht für den Lebensunterhalt reicht.

Weitere Entwicklungen in Kurzform:

Die Zahl der Beschäftigten ist im Juni (hochgerechnete, aktuellste Daten) leicht gestiegen, sie betrug 3.019.200. Das waren 0,4 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Die Unterbeschäftigung, die zusätzlich zu den Arbeitslosen auch Personen ausweist, die Arbeit suchen, aber beispielsweise an Qualifizierungen teilnehmen oder erkrankt sind und deshalb nicht als arbeitslos gezählt werden, lag im August bei 345.593 Personen. Das waren 12,4 Prozent mehr als vor einem Jahr.