18.09.2019 | Presseinfo Nr. 38

IAB-Studie beleuchtet Pflege-Arbeitsmarkt

Der Pflege-Arbeitsmarkt in Niedersachsen steht vor großen Herausforderungen.

Die Bundesagentur für Arbeit und das Sozialministerium des Landes Niedersachsen skiz-zierten nach Veröffentlichung einer neuen Studie Handlungsansätze, mit denen dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden kann.

So führt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Personalprobleme in der Pflege vor allem auf große Engpässe bei examinierten Kräften zurück: In der Gesundheits- und Krankenpflege kamen 2018 im Schnitt auf 100 offene Fachkraftstellen nur 37 arbeitslose Fachkräfte. In der Altenpflege kamen auf 100 offene Fachkraftstellen im Schnitt sogar nur 14 examinierte Arbeitslose. Zudem zeichnet sich der Pflegearbeitsmarkt in Niedersachsen durch große regionale Unterschiede aus. Allerdings identifizierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch Stellschrauben, um vorhandene Potenziale besser zu nutzen, wie die Umwandlung von Teilzeit- in Vollzeitstellen und den Ausbau von Qualifizierungsmaßnahmen.

„Die Qualifizierung von Pflegehelferinnen und Pflegehelfern zu examinierten Kräften ist ein wichtiger Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs", sagte Bärbel Höltzen-Schoh, die Chefin der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit. „Schon heute fördern die Arbeitsagenturen und Jobcenter jede vierte neu begonnene Ausbildung in der Altenpflege – das wollen wir ausbauen. Wer die Qualifikation mit Erfolg abschließt, hat langfristig sehr gute Chancen auf Beschäftigung."

Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Carola Reimann erklärt:

„Die Fachkräftesicherung in der Pflege ist eine der zentralen Herausforderungen für eine gute Versorgung in Niedersachsen. Als Landesregierung setzen wir uns dafür ein, mehr Auszubildende zu gewinnen und die Rahmenbedingungen zu verbessern, damit gut ausgebildete Fachkräfte länger im Beruf bleiben sowie neue Modelle für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu entwickeln. Das unterstützen wir zum Beispiel mit dem Programm „Stärkung der ambulanten Pflege im ländlichen Raum" mit 5 Millionen Euro jährlich. In Niedersachsen sind bereits zahlreiche Vorzeigeprojekte entstanden, die nun auch anderenorts etabliert werden können."

Ein weiteres Thema der IAB-Studie ist der hohe Teilzeitanteil in der Pflege. 2018 arbeiteten in Niedersachsen 71 Prozent aller Beschäftigten Vollzeit – in der Pflegebranche traf dies nur auf 46,7 Prozent der Beschäftigten zu. Den höchsten Anteil von Teilzeitbeschäftigten findet man vor allem auf der Helferebene – 74 Prozent in der Kranken- und Gesundheitspflege und 72 Prozent in der AItenpflege. Da die Pflegeberufe vor allem eine Frauendomäne sind (drei von vier Beschäftigte sind Frauen), wird die hohe Teilzeitquote auch auf den Wunsch zurückgeführt, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Allerdings verändern sich die Motive und Ziele der Arbeitnehmerinnen, so das IAB. So äußern arbeitslose Pflegekräfte durchaus den Wunsch, in Vollzeit ihrem Beruf nachgehen zu können – was mitunter an fehlenden Arbeitsplatzangeboten oder Kinderbetreuungsmöglichkeiten scheitere.

Weitere Erkenntnisse in Kürze:

  • Insgesamt arbeiteten 2018 in Niedersachsen 186.600 Menschen in der Pfle-gebranche, das waren 6,3 Prozent aller Beschäftigten. Die Verteilung dieser Pflegekräfte auf die Gemeinden ist regional aber sehr unterschiedlich. Während im Landkreis Wolfenbüttel der Anteil bei 11,5 Prozent an der dortigen Be-schäftigung lag, waren es in Wolfsburg nur 1,9 Prozent. Dafür kann es regional verschiedene Ursachen geben, wie die Wirtschaftsstruktur oder auch eine unterdurchschnittliche Ansiedlung von Pflegeeinrichtungen.
  • Die Einkommen der Beschäftigten in der Pflege in Niedersachsen liegen unter dem Bundesdurchschnitt. Während eine Altenpflegefachkraft 2017 im Bun-desdurchschnitt mit einer Vollzeitstelle 2744 Euro verdiente, waren es in Nie-dersachsen 2.543 Euro (Medianentgelt). In der Gesundheits- und Krankenpflege war der Unterschied für Fachkräfte nicht ganz so deutlich: 3.337 Euro bundesweit und 3.278 in Niedersachsen (Medianentgelt).
  • Viele Beschäftigte in der Pflege verlassen den Beruf. Dies gilt vor allem für Al-tenpflegerinnen und Altenpfleger: Knapp jeder Dritte (29 Prozent) ist im zweiten Jahr nach Berufseinstieg in einem anderen Beruf tätig. Das Ziel ist allerdings häufig ein Wechsel in Berufsbereiche, die direkt oder indirekt mit pflegerischen Tätigkeiten zu tun haben (von Alten- zu Krankenpflege und umgekehrt).

Die IAB-Studie im Internet:

https://www.iab.de/de/publikationen/regional/niedersachsen-bremen.aspx