30.04.2020 | Presseinfo Nr. 30

Niedersachsen - Corona-Folgen:

Zwölf Prozent mehr Arbeitslose und bis zu einer Million Beschäftige in Kurzarbeit

Die weltweite Corona-Pandemie sorgt auf dem Arbeitsmarkt für schwerwiegende Einschnitte, wie Arbeitslosenzahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen. „Die Wirtschaft ist stark gedrosselt und in einigen Branchen quasi zum Erliegen gekommen. Die Arbeitslosenzahl in Niedersachsen steigt im April deshalb gegenüber dem März um fast zwölf Prozent. Statt der sonst üblichen Frühjahrsbelebung mit einem Rückgang um sechs- bis achttausend Personen haben die Corona-Folgen einen Anstieg um mehr als 26.000 auf fast 247.000 Arbeitslose ausgelöst", erklärte Bärbel Höltzen-Schoh, Chefin der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen. „Zugleich stemmen sich Betriebe und Beschäftigte mit Kurzarbeit gegen weitere Entlassungen. Im März und April zusammen haben 69.000 Betriebe für bis zu einer Million Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kurzarbeit bei den Arbeitsagenturen angezeigt. Aber: Das ist die in den Anzeigen genannte Maximal-Zahl der Beschäftigten, für die Kurzarbeit genutzt werden könnte. Die tatsächliche Inanspruchnahme zeigt sich erst nach und nach, weil Unternehmen drei Monate Zeit für die Abrechnung haben." Zum Vergleich: Der Höchststand an Kurzarbeit während der Finanzkrise 2009/2010 lag bei 100.000 Beschäftigten in einem Monat.

Die Arbeitslosenzahl ist im April sprunghaft auf 246.761 angestiegen. Dazu tragen zwei Trends maßgeblich bei: Unternehmen stellen im Frühjahr eigentlich besonders viele Beschäftigte ein. Diese Arbeitsaufnahmen finden derzeit nur noch wenig statt. Zugleich ist die Zahl der Menschen, die erwerbstätig waren und sich nun arbeitslos gemeldet haben, deutlich gestiegen. Ihnen wurde beispielsweise regulär oder noch während einer Probezeit gekündigt oder ihr auslaufender befristeter Vertrag wurde nicht verlängert. Der Trend zieht sich durch alle Wirtschaftsbereiche, besonders stark betroffen sind das Gastgewerbe und der Handel.

Finanzielle Unterstützung (Soziale Sicherung)

Durch die Corona-Krise geraten auch Menschen in finanzielle Not, die bislang kaum Berührungspunkte mit den Jobcentern hatten. Im zurückliegenden Monat haben sowohl Angestellte als auch Selbstständige finanzielle Leistungen erhalten, deren Einkünfte so stark eingebrochen sind, dass sie ihr Existenzminimum nicht mehr selbst sichern konnten.

  • Beschäftigte: Es wurden 4.646 Personen von den Jobcentern finanziell unterstützt, darunter zu einem großen Teil Beschäftigte, deren Kurzarbeitergeld nicht für den Lebensunterhalt reicht.
  • Selbstständige: Es wurden 3.711 Selbständige von den Jobcentern finanziell unterstützt, beispielsweise aus den Bereichen Kunst/Kultur, Bildung, Tourismus, Gastronomie und Veranstaltungswesen.

Die Betroffenen erhalten Grundsicherung („Hartz IV") für sich und ggf. Angehörige im gleichen Haushalt sowie die Miete.

Weitere Arbeitsmarktentwicklungen in Kurzform:

  • Die Zahl der neu gemeldeten Stellen ist um über die Hälfte eingebrochen. Die Zurückhaltung der Unternehmen zieht sich durch alle Branchen, besonders ausgeprägt sind die Rückgänge jedoch in der Zeitarbeit, im Verarbeitende Gewerbe und im Handel.
  • Die Unterbeschäftigung, die zusätzlich zu den Arbeitslosen auch Personen ausweist, die Arbeit suchen, aber beispielsweise an (Qualifizierungs-)Maßnahmen teilnehmen oder erkrankt sind und deshalb nicht als arbeitslos gezählt werden, lag im April bei 325.805 Personen. Das waren 6,5 Prozent mehr als vor einem Jahr.