29.10.2020 | Presseinfo Nr. 65

Der saarländische Ausbildungsmarkt

5 000 Bewerberinnen und Bewerber haben die Berufsberatung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz eingeschaltet
Unternehmen meldeten 6 700 Ausbildungsstellen
Förderangebote der Agentur für Arbeit und Jobcenter unterstützen sowohl Jugendliche als auch Betriebe

Im Berufsberatungsjahr 2019/2020, das den Zeitraum von Oktober 2019 bis September 2020 abbildet, meldeten sich 5 000 junge Frauen und Männer bei der Agentur für Arbeit und den Jobcentern. Dies waren 200 oder 3,5 Prozent weniger Bewerberinnen und Bewerber für Berufsausbildungsstellen als ein Jahr zuvor.

Auch die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen verringerte sich in diesem Zeitraum. 6 700 Ausbildungsstellen wurden gezählt, 800 oder 10,3 Prozent weniger als vor zwölf Monaten.

Bis zum 30. September konnten rund 120 Jugendliche ihre Ausbildungsplatzsuche nicht erfolgreich abschließen. 500 Ausbildungsstellen waren noch zu besetzen.

„In diesem Jahr verzeichneten wir sowohl auf der Bewerberseite als auch auf der Stellenseite einen Rückgang. Rein rechnerisch gesehen hatten die jungen Frauen und Männer sehr gute Chancen einen Ausbildungsplatz zu finden. Dennoch gab es Gründe dafür, dass Angebot und Nachfrage nicht zusammentreffen. So passte zum Beispiel der Berufswunsch nicht zu der offenen Ausbildungsstelle oder die Ausbildungsstelle lag in einer anderen Region, die für die Jugendlichen nicht oder nur schwierig zu erreichen war. Ich ermutige die jungen Menschen Kontakt zur Berufsberatung aufzunehmen. Auch jetzt ist es noch nicht zu spät. Noch können Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. Auch in diesen besonderen Zeiten stehen unsere Beraterinnen und Berater für Fragen zur Verfügung“, so Walter Hüther, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit.

Ergebnisse im Beratungsjahr 2019/2020 im Einzelnen:

Nachfrage nach Ausbildung

Von Oktober 2019 bis September 2020 haben rund 5 000 Jugendliche bei der Agentur für Arbeit oder einem der Jobcenter nach einer Ausbildungsstelle nachgefragt, 200 oder 3,5 Prozent weniger als im vorangegangenen Beratungsjahr. Diese rückläufige Entwicklung zeigte sich auch in den vergangenen Jahren. Unverändert macht sich hier die demografische Entwicklung und das zunehmende Interesse der jungen Menschen weiterführende Schulen zu besuchen oder ein Studium aufzunehmen bemerkbar. In geringem Umfang könnten auch die Corona bedingten Schulschließungen und der Wegfall von Ausbildungs- und Berufsorientierungsmessen für den Rückgang verantwortlich sein.

Der Anteil der jungen Männer, die einen Ausbildungsplatz suchten, war mit 64,2 Prozent deutlich höher als der der Frauen. Insgesamt waren 3 200 Männer gemeldet und 1 800 Frauen. Wie auch in den vergangenen Jahren wiesen die Frauen höhere Schulabschlüsse nach. 38,3 Prozent der ausbildungssuchenden Frauen verfügten über die Fachhochschulreife oder das Abitur, bei den Männern waren es dagegen 28,6 Prozent. Einen Hauptschulabschluss hatten 33,0 Prozent der jungen Männer und 26,4 Prozent der Frauen.

Auch in diesem Beratungsjahr konzentrierte sich ein Großteil der jungen Frauen auf zehn Berufe. Bei 57,7 Prozent der weiblichen Ausbildungsplatzsuchenden standen die folgenden zehn Berufe im Vordergrund:

Kauffrau für Büromanagement

Medizinische Fachangestellte

Verkäuferin

Kauffrau im Einzelhandel

Friseurin

Zahnmedizinische Fachangestellte

Industriekauffrau

Tiermedizinische Fachangestellte

Verwaltungsfachangestellte für Kommunalverwaltung

Mediengestalterin

Bei den jungen Männern waren die Berufswünsche breiter gestreut. 40,4 Prozent der Bewerber interessierten sich vorrangig für folgende Berufe:

Kfz.mechatroniker für PKW-Technik

Kaufmann im Einzelhandel

Verkäufer

Kaufmann für Büromanagement

Industriemechaniker

Anlagenmechaniker für Sanitär-/Heizung- und Klimatechnik

Fachkraft – Lagerlogistik

Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik

Tischler

Fachinformatiker – Systemintegration

Zum Ende des Beratungsjahres hatte der größte Anteil der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber (43,6 Prozent) eine Berufsausbildung aufgenommen. Für einen weiteren Schulbesuch, Studium oder Praktikum entschieden sich 20,5 Prozent der Jugendlichen. In Fördermaßnahmen, wie zum Beispiel berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen oder Einstiegsqualifizierung mündeten 1,5 Prozent ein. Andere Jugendliche haben beispielsweise eine Erwerbstätigkeit aufgenommen, begannen einen sozialen Dienst oder einen Jugendfreiwilligendienst.

Ende September hatten 120 Bewerberinnen und Bewerber weder einen Ausbildungsplatz noch eine sonstige Alternative. Gegenüber dem Vorjahr ist diese Zahl um 20 oder 15,4 Prozent gesunken.

Das Angebot an Ausbildungsstellen

Im Beratungsjahr 2019/2020 wurden 6 700 Ausbildungsstellen gemeldet. Das waren fast 800 oder 10,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Die meisten Ausbildungsstellen waren für folgende Berufe gemeldet:

Kaufmann/-frau im Einzelhandel (400)

Kaufmann/-frau für Büromanagement (390)

Verkäufer/in (260)

Medizinische/r Fachangestellte/r (210)

Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r (170)

Industriemechaniker/in (160)

Fleischereifachverkäufer/in (160)

Kfz.mechatroniker/in für PKW-Technik (140)

Anlagenmechaniker/in für Sanitär-/Heizung-/Klimatechnik (140)

Industriekaufmann/frau (130)

Ende September waren noch 500 Ausbildungsstellen zu besetzen, 130 oder 19,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Die meisten offenen Ausbildungsstellen sind für den Beruf des Kaufmanns/frau im Einzelhandel, Verkäufer/in, Anlagenmechaniker/in für Sanitär-/Heizung-/Klimatechnik und im Hotel- und Gaststättenbereich gemeldet.

Förderangebote der Agentur für Arbeit und der Jobcenter

Die Agentur für Arbeit und die Jobcenter halten ein breit gefächertes Angebot bereit, um junge Menschen beim Berufseinstieg oder auch während der
Berufsausbildung zu unterstützen. Hierzu zählen zum Beispiel ausbildungsbegleitende Hilfen, Assistierte Ausbildung, Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen, berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen oder die Einstiegsqualifizierung. In diesem Jahr stehen hierfür insgesamt 18,2 Millionen Euro zur Verfügung.

Am 1. August startete das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“. Diese Ausbildungsprämien sollen kleinen und mittleren Unternehmen helfen, Ausbildungen auch in der Corona-Krise zu realisieren. Für dieses Bundesprogramm stehen deutschlandweit 500 Millionen Euro zur Verfügung.

Betriebe können bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen folgende Prämien in Anspruch nehmen:

Betriebe, die besonders von der Corona-Pandemie betroffen sind, erhalten eine Prämie, wenn sie ihr Ausbildungsniveau halten. Konkret können sie für jedes im Zeitraum vom 1. August 2020 bis 15. Februar 2021 beginnende Ausbildungsverhältnis 2.000 Euro erhalten.

Unternehmen, die ihr Ausbildungsplatzangebot erhöhen, kann eine Prämie von 3.000 Euro für jeden gegenüber dem früheren Niveau zusätzlich abgeschlossenen Ausbildungsvertrag gezahlt werden. Auch diese Förderung gilt für Ausbildungsverhältnisse, die im Zeitraum von 1. August 2020 bis zum 15. Februar 2021 beginnen.

Ausbildungsbetriebe, die ihre Aktivitäten auch in der Krise fortsetzen und für Auszubildende sowie deren Ausbilder keine Kurzarbeit anmelden, werden besonders unterstützt. Vorgesehen ist eine Förderung von 75 Prozent der Brutto-Ausbildungsvergütung. Sie greift für jeden Monat, in dem der Betrieb einen Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozent hat. Diese Unterstützung ist befristet bis zum 31. Dezember 2020.

Unternehmen, die Auszubildende von Betrieben übernehmen, die Insolvenz anmelden mussten, erhalten eine Prämie von 3.000 Euro pro aufgenommenen Auszubildenden. Diese Unterstützung ist befristet bis zum 30. Juni 2021.

Ausbildungsbetriebe können unter www.arbeitsagentur.de/unternehmen/finanziell/bundesprogramm-ausbildungsplaetze-sichern prüfen, ob sie die Voraussetzungen für eine Förderung erfüllen. Die Antragsformulare mit ergänzenden Informationen stehen auf dieser Internetseite zum Download bereit.

Gerne beraten die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner der Agentur für Arbeit. Jugendliche können unter der kostenfreien Rufnummer
0800 4 5555 00 Informationen einholen oder einen Beratungstermin vereinbaren.
Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern steht die kostenfreie Telefonnummer
0800 4 5555 20 zur Verfügung.

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