05.01.2021 | Presseinfo Nr. 1

Der rheinland-pfälzische Arbeitsmarkt im Dezember 2020 und Rückblick auf das Jahr 2020

Leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit im Dezember
Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag leicht unter dem Vorjahresniveau
Im Vergleich zum Jahr 2019: zwar mehr Arbeitslose, weniger Stellen, weniger sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, aber der Arbeitsmarkt kam dank der Kurzarbeit mit überschaubaren Eintrübungen davon

Im letzten Monat des Jahres 2020 ist die Arbeitslosigkeit in Rheinland-Pfalz leicht gestiegen. Nachdem die Unternehmen in den letzten Monaten mehr Stellen gemeldet hatten, war im Dezember ein Rückgang zu erkennen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag leicht unter dem Vorjahreswert. Nach einem Anstieg der Anzeigen für Kurzarbeit im November zeigten Unternehmen auch im Dezember nochmal vermehrt Kurzarbeit an.

Nach Angaben der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland waren im Dezember 115 800 Frauen und Männer arbeitslos, 300 oder 0,3 Prozent mehr als einen Monat zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr waren 19 400 Menschen mehr arbeitslos. Das entspricht einem Plus von 20,2 Prozent.

Die Arbeitslosenquote - berechnet auf der Basis aller zivilen Erwerbspersonen – lag wie im November bei 5,1 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie 4,3 Prozent.

„Im Dezember zählten wir in Rheinland-Pfalz etwas mehr arbeitslose Frauen und Männer. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit fällt in diesem Jahr allerdings geringer aus als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Dies ist für mich ein deutliches Signal dafür, dass insbesondere in der momentanen Zeit Betriebe ihre Mitarbeiter halten. Mit Blick auf das Vorjahr sind zwar deutlich mehr Menschen arbeitslos, allerdings hat sich der Vorjahresabstand in den letzten Monaten verringert. Das werte ich positiv. Ob sich dies in den nächsten Monaten so fortsetzt, wird von der Entwicklung der Corona-Infektionszahlen und den daraus resultierenden Maßnahmen abhängen“, so Walter Hüther, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit.

Die Unterbeschäftigung, die auch Personen erfasst, die an entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnahmen oder aus anderen Gründen nicht mehr als Arbeitslose gezählt wurden, lag im Dezember bei 151 400 Personen. Das waren
14 800 oder 10,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Bewegungen am Arbeitsmarkt

In den letzten vier Wochen meldeten sich 9 100 Frauen und Männer nach einer Erwerbstätigkeit arbeitslos. Dies waren 400 oder 4,6 Prozent weniger als vier Wochen zuvor. Seit Jahresbeginn wurden 126 300 Zugänge aus Erwerbstätigkeit gezählt,
3 500 oder 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

6 900 Personen konnten die Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit wieder beenden, 2 000 oder 22,7 Prozent weniger als im November. Seit Jahresbeginn konnten 95 400 Menschen ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit beenden. Das waren fast so viele wie im Jahr zuvor.

Nachdem in den letzten Monaten mehr offene Arbeitsstellen gezählt wurden, war die Zahl im letzten Monat rückläufig. Insgesamt waren 30 600 offene Arbeitsstellen bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern (in gemeinsamer Trägerschaft) registriert. Das waren 700 oder 2,3 Prozent weniger als im November. Gegenüber Dezember 2019 betrug der Rückgang 5 300 oder 14,9 Prozent. Die meisten Stellen waren in der Zeitarbeit (8 370), im Gesundheits- und Sozialwesen (3 610), im Handel (3 490), im Verarbeitenden Gewerbe (2 760) und im Baugewerbe (2 690) gemeldet.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag in Rheinland-Pfalz im Oktober 2020 – das ist der derzeit aktuellste Datenstand – mit 1 455 200 Beschäftigten 0,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Bezogen auf Deutschland lag die Beschäftigung 0,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Für einen Anstieg der Beschäftigung sorgten in Rheinland-Pfalz vor allem das Gesundheitswesen (plus 1 100 auf 122 800), das Sozialwesen (plus 1 800 auf 112 400), die öffentliche Verwaltung (plus 1 700 auf
97 800) und das Baugewerbe (plus 2 100 auf 97 800). Ein Rückgang war insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe (minus 9 800 auf 317 600), im Gastgewerbe (minus 2 800 auf 44 700) und in der Zeitarbeit (minus 1 300 auf 29 000) festzustellen.

Kurzarbeit

Bereits im November hatten Unternehmen nochmal vermehrt Kurzarbeit angezeigt. Im November belief sich die Zahl der Anzeigen auf 3 900. Auch im Dezember ging bei den Agenturen für Arbeit eine größere Zahl an Anzeigen auf Kurzarbeit ein. Insgesamt zeigten 3 300 rheinland-pfälzische Betriebe für 24 600 Personen Kurzarbeit an. Insbesondere die Gastronomie, der Einzelhandel sowie Friseur- und Kosmetiksalons waren hiervon betroffen.

Die Anzeigen für Kurzarbeit bedeuten noch nicht deren Realisierung. Zunächst geht es um eine grundsätzliche Genehmigung für die nächsten Monate. Erst nach drei Monaten kann festgestellt werden, in welchem Umfang tatsächlich kurzgearbeitet wurde. Nach den aktuellsten Hochrechnungen haben im September 10 500 Betriebe für 76 100 Mitarbeiter Kurzarbeit umgesetzt. Die meisten Kurzarbeiter wurden bislang im April mit 218 400 Beziehern in 28 300 Betrieben gezählt.

Rückblick auf das Jahr 2020

„Im Jahr 2020 hat Corona den Arbeitsmarkt ziemlich durcheinandergewirbelt. Erfreulicher Weise sind die drastischen Prognosen, die zu Beginn der Pandemie erstellt wurden, nicht eingetreten. Bislang versuchen viele Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten. Das Kurzarbeitergeld und die sonstigen Unterstützungsmaßnahmen für Betriebe leisten in diesem Zusammenhang ihren Beitrag. Die nächsten Monate werden entscheidend sein. Es bleibt abzuwarten wie lange die Einschränkungen des Lockdowns gelten und wie stark die Auswirkungen auf die Wirtschaft sein werden“, so Hüther.

Die Entwicklung im Einzelnen:

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit ist im Jahr 2020 deutlich gestiegen. Die Zahl der Arbeitslosen lag mit rund 117 900 arbeitslosen Personen um 20 200 oder 20,7 Prozent höher als im Jahr 2019.

Gestiegen ist die Arbeitslosigkeit insbesondere im Bereich der Arbeitslosenversicherung. Im Bereich der Grundsicherung fiel der Anstieg moderater aus. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung ist die Arbeitslosigkeit um 14 400 oder 34,8 Prozent gestiegen. Im Jahresdurchschnitt 2020 waren 55 900 Frauen und Männer arbeitslos.
Im Bereich der Grundsicherung nahm die Arbeitslosigkeit um 5 800 oder 10,2 Prozent zu. Hier wurden 62 100 arbeitslose Frauen und Männer gezählt.

Im Jahr 2020 ist die Arbeitslosigkeit über alle Personengruppen gestiegen. Die Arbeitslosigkeit der Frauen stieg um 8 200 oder 18,6 Prozent auf 51 900. Die Arbeitslosigkeit der Männer erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 12 000 oder 22,3 Prozent auf 66 100.

Die Jugendarbeitslosigkeit stieg im Jahr 2020 um 2 400 oder 23,5 Prozent auf rund
12 400. Bei den älteren Arbeitslosen betrug der Anstieg 6 000 oder 17,7 Prozent. Im Jahresdurchschnitt waren 39 700 Menschen über 50 Jahre arbeitslos.

Den größten Anstieg der Arbeitslosigkeit verzeichneten Menschen mit einem ausländischen Pass und zwar um 6 400 oder 23,8 Prozent gegenüber dem Jahr 2019. Insgesamt waren 33 200 Ausländerinnen und Ausländer arbeitslos.

Auch die Langzeitarbeitslosigkeit weist mit plus 4 800 Personen bzw. 17,3 Prozent eine deutliche Zunahme auf. Im Jahresdurchschnitt wurden 32 300 langzeitarbeitslose Menschen gezählt.

Arbeitskräftenachfrage

Rheinland-pfälzische Unternehmen meldeten 2020 einen geringeren Personalbedarf bei dem gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agenturen für Arbeit und der Jobcenter. Im Jahresdurchschnitt wurden 31 000 offene Stellen gezählt. Dies waren 8 500 oder 21,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

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