01.07.2020 | Presseinfo Nr. 37

Arbeitslosigkeit nimmt vorerst leicht ab – Risiken bleiben bestehen

Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen vom Juni zeigen weiter die Auswirkungen der Corona-Krise. Von März bis Mai kam es in vielen Branchen zu einem Ausfall der Wirtschaftstätigkeit. Das hat den sächsischen Arbeitsmarkt geschwächt und von März bis Mai zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um 18.800 Menschen geführt. Vom Mai auf Juni ist die Zahl der arbeitslosen Menschen um 1.600 auf 133.700 arbeitslose Frauen und Männer gesunken. Die Arbeitslosenquote hat sich um 0,1 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent reduziert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind dennoch 21.800 mehr Menschen auf der Suche nach einer Arbeit. Zur realisierten Kurzarbeit liegt eine erste Hochrechnung für den März vor. Hier zeigt sich, dass rund acht Prozent aller Beschäftigten in Sachsen von Kurzarbeit betroffen waren.

„Zuerst eine gute Nachricht: Im Juni konnten wieder mehr Menschen eine Beschäftigung oder Qualifizierung aufnehmen als vor einem Monat. Das hat zum Rückgang der Arbeitslosigkeit beigetragen. Trotz dieser erfreulichen Entwicklung kann ich keine Entwarnung geben. Das Kurzarbeitergeld sichert derzeit viele tausend Arbeitsplätze in den sächsischen Betrieben. Die Arbeitsmarktlage bleibt angespannt und es ist unklar, wie schnell die sich die Wirtschaft erholt und Betriebe volle Auftragsbücher haben. Sicher ist: Wir sind für die Menschen und Unternehmen in Sachsen da – das Geld fließt, die Vermittlung von freien Jobs läuft und die meist telefonische Beratung wird ergänzend zu unseren Onlineangeboten gut angenommen“, sagte Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit.

Arbeitsmarkt im Juni 2020

Anträge auf Kurzarbeitergeld für März: 19.500
Personen in den Anträgen auf Kurzarbeitergeld für März: 135.700
Arbeitslosenzahl im Juni: 133.721
Arbeitslosenzahl im Vormonatsvergleich (135.341): -1.620 oder -1,2 Prozent
Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich (111.907): +21.814 oder +19,5 Prozent
Arbeitslosenquote im Juni: 6,3 Prozent

Kurzarbeit

Für den Monat März liegt eine erste Hochrechnung für tatsächlich realisierte Kurzarbeit in Sachsen vor. Demnach haben bislang 19.500 Betriebe konjunkturelles Kurzarbeitergeld für
insgesamt 135.700 beschäftigte Frauen und Männer beantragt. Zudem haben im Juni weitere 900 sächsische Betriebe Kurzarbeit neu angezeigt. Hinter diesen Anzeigen stehen 14.400 Beschäftigte. Damit ist im Verlauf der Corona-Krise die Zahl der neuen Anzeigen weiter zurückgegangen. Der Höchststand an Anzeigen erfolgte in den Monaten März und April für 48.600 Betriebe und 544.600 Personen in den Anzeigen. Im Mai hatten zusätzlich 2.500 Betriebe für 31.700 Personen Kurzarbeit angezeigt.

Arbeitslosigkeit
Ohne das Kurzarbeitergeld wären die Arbeitslosenzahlen im Juni deutlich höher ausgefallen. Im Vergleich zum Vormonat waren 1.620 weniger (minus 1,2 Prozent) und zum Vorjahresmonat 21.814 mehr Menschen arbeitslos gemeldet (plus 19,5 Prozent). Insgesamt gab es im Juni in Sachsen 133.721 arbeitslose Menschen.

Aus einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung haben sich im Juni 7.632 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 2.166 weniger (minus 22,1 Prozent) als im Vormonat und 41 weniger (minus 0,5 Prozent) im Vergleich zum Vorjahresmonat. Gleichzeitig ist die Zahl der Menschen, die eine neue Beschäftigung aufgenommen haben, wieder gestiegen. 7.062 Frauen und Männer haben sich im Juni aus der Arbeitslosigkeit in eine Beschäftigung abgemeldet. Im Vergleich zum Mai 2020 sind das 1.020 (plus 16,9 Prozent) mehr. Zum Vorjahresmonat sind es dagegen 921 weniger (minus 11,5 Prozent).

Im Juni wurden 39,6 Prozent aller Arbeitslosen (52.922) im Rechtskreis SGB III von einer
Agentur für Arbeit und 60,4 Prozent (80.799) im Rechtskreis SGB II von einem Träger der Grundsicherung betreut. Im Vergleich zum Vormonat sind in den Arbeitsagenturen 207 mehr Frauen und Männer arbeitslos gemeldet (plus 0,4 Prozent) und im Vergleich zum Vorjahr sind es 17.380 Arbeitslose mehr (plus 48,9 Prozent). In den Jobcentern ist die Arbeitslosenzahl zum Vormonat um 1.827 (minus 2,2 Prozent) gesunken und im Vergleich zum Vorjahresmonat mit einem Plus von 4.434 (plus 5,8 Prozent) gestiegen.

Die Arbeitslosenquote belief sich im Juni auf 6,3 Prozent, ein Minus von 0,1 Prozentpunkten
gegenüber Mai. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg sie um einen Prozentpunkt.

Beschäftigung

Ein erster Corona-Effekt ist jetzt auch in der sozialversicherungspflichten Beschäftigung ersichtlich. So ist die Zahl der Beschäftigten in Sachsen vom März auf April um 8.000 (minus 0,5 Prozent) gesunken. Am kräftigsten waren die Beschäftigungsrückgänge in der Zeitarbeit, im Gastgewerbe, dem Verarbeitenden Gewerbe und im Handel. Damit waren im April 2020 in Sachsen nach ersten Hochrechnungen rund 1,61 Millionen Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im Vergleich zum Vorjahr sind damit 4.500 weniger Menschen angestellt, was einem Beschäftigungsrückgang von 0,3 Prozent entspricht. Das ist der erste Rückgang der Beschäftigung im Jahresvergleich seit Dezember 2009.

Arbeitskräftenachfrage

Im Juni haben sächsische Betriebe insgesamt 6.819 freie Stellen neu gemeldet. Das waren
686 mehr als im Mai (plus 11,2 Prozent), aber 2.632 weniger als im Juni 2019 (minus 27,8
Prozent). Damit waren in den sächsischen Arbeitsagenturen und Jobcentern insgesamt
32.030 freie Stellen gemeldet, 159 weniger als im Vormonat und 6.395 weniger als vor einem Jahr. Der gemeinsame Arbeitgeberservice berät suchende Unternehmen und vermittelt geeignete Bewerberinnen und Bewerber.

Grundsicherung

Im Juni waren 155.799 Familien (Bedarfsgemeinschaften) auf finanzielle Unterstützung vom
Jobcenter angewiesen. Damit ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 423 gesunken.
195.266 Menschen sind insgesamt auf Grundsicherungsleistungen angewiesen, 671 mehr
als im Mai. Auch für Selbständige oder Kurzarbeiter wurde der Zugang zur Grundsicherung
erleichtert, um deren Einkommensverluste teilweise abzufedern.