04.08.2020 | Presseinfo Nr. 45

Stein für Stein ins Arbeitsleben – für die Teilhabe behinderter Menschen

Mit dem 2014 von der Diakonie Sachsen initiierten Projekt „Wir starten Berufe! Anerkannt – Standardisiert – PRAXISBAUSTEIN“ wird behinderten Menschen in den Werkstätten der Zugang zur zertifizierten beruflichen Bildung ermöglicht und damit ein wertvoller Beitrag zu einer inklusiven Gesellschaft geleistet. Dieses Qualifizierungsprojekt ist bundesweit einmalig. Am 04. August 2020 ist der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, zu Gast in Chemnitz, um „PRAXISBAUSTEIN“ in den Partner-Werkstätten der Stadtmission Chemnitz vor Ort zu erleben.

„Ich begrüße dieses Projekt, denn es kann dazu beitragen, Menschen mit Behinderungen berufliche Perspektiven zu ermöglichen. Ziel muss sein, dass Menschen mit Behinderungen mehr berufliche Teilhabe auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erfahren. Das Projekt in den Partnerwerkstätten leistet einen wichtigen Beitrag um dieses Ziel zu erreichen“, sagte Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen.

Seit 2017 ist das Projekt „PRAXISBAUSTEIN“ in den sächsichen Werkstätten implementiert. Zuvor wurden 79 Praxisbausteine für elf Praxisfelder entwickelt und durch die Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern anerkannt. Über die Hälfte aller 61 sächsischen Werkstätten für behinderte Menschen bieten die 24-monatige Qualifizierung in unterschiedlichen Berufsfeldern an. Die elf Praxisfelder sind: Küche und Service, Wäscherei, Montage, Lager, Logistik und Verpackung, Bürodienstleistung, Mediengestaltung, Reinigung, Holzbearbeitung, Metallbearbeitung, Keramik und Näherei.

In der zweijährigen Qualifizierung wird Menschen, die in einer Werkstatt für behinderte Menschen tätig sind, berufliches Wissen in Theorie und Praxis vermittelt. In Anlehnung anerkannter Ausbildungsberufe werden die Inhalte in „Praxisbausteine“ aufgeschlüsselt. So gibt es am Beispiel des Praxisfeldes „Küche und Service“ elf verschiedene Aufgabenbereiche, davon u. a. das Vorbereiten und Vorbehandeln von Lebensmitteln, das Anrichten und Dekorieren von Speisen, die Herstellung von einfachen kalten Speisen oder das Arbeiten in der Spülküche. Zum Ende der Qualifizierung absolvieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Leistungsfeststellung und erhalten bei erfolgreichem Abschluss ein Zertifikat von der zuständigen Kammer. Damit erhöhen sich für Menschen mit Behinderung die Chancen auf einen Arbeitsplatz.

„Es darf nicht darum gehen, was jemand nicht kann, sondern darum, wer worin gut ist! Unter diesem Leitsatz steht unser Tun und Handeln, um Menschen dahingehend zu qualifizieren, am Arbeitsleben teilzuhaben. Berufliche Bildung für Menschen mit Behinderung findet und fördert deren individuelle Potentiale. Der Blick auf die Fähigkeiten und Talente wird Arbeitskräfte mit Handicaps und Arbeitgeber besser zusammenbringen“, betonte Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit.

Während 2017, im Jahr der praktischen Einführung von „PRAXISBAUSTEIN“, 135 Menschen unterstützt wurden, sind es 2019 sachsenweit bereits 730 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Speziell in Chemnitz haben 2019 in den hier angebotenen Praxisfeldern Lager, Logistik und Verpackung, Metallbearbeitung, Montage und Reinigung dreizehn Menschen mit Behinderung eine Qualifizierung begonnen. Im Zeitraum vom Dezember 2018 bis Oktober 2019 konnten in Sachsen 117 Zertifikate vergeben werden.

„In Deutschland ist Sachsen das Land, das die Initialzündung für die Praxisbausteine gegeben hat, in Sachsen ist es das Diakonische Werk Sachsen, das sich mit am intensivsten dem Projekt gewidmet hat und innerhalb des Diakonischen Werkes Sachsen sind es die Partner-Werkstätten der Stadtmission Chemnitz, die treibende Kraft bei der Entwicklung der dualen Ausbildung für Menschen mit Beeinträchtigungen waren“, sagte Karla McCabe, Direktorin der Stadtmission Chemnitz.

Die Beschäftigungssituation von schwerbehinderten Menschen zeigt insgesamt einen positiven Verlauf. So waren in Sachsen im Jahr 2018 insgesamt 45.292 schwerbehinderte und gleichgestellte Frauen und Männer in Betrieben mit zwanzig und mehr Arbeitsplätzen beschäftigt. Das waren insgesamt 1.053 zusätzliche Beschäftigungsverhältnisse (plus 2,4 Prozent), die innerhalb eines Jahres durch sächsische Unternehmen bereitgestellt wurden. Die Beschäftigungssituation der schwerbehinderten Menschen in Sachsen erreichte damit einen neuen Höchststand.

Mit dem Ziel, dass noch mehr Menschen den inklusiven Gedanken leben, erfolgte im April 2019 der Startschuss für die Initiative „Einstellung zählt - Arbeitgeber gewinnen“. Diese Initiative soll Unternehmen für die Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen sensibilisieren. Dazu wurden gezielt Arbeitgeber aus sechs verschiedenen Regionen Deutschlands – darunter Mittelsachsen - angesprochen, beraten und unterstützt. Ziel ist es, Unternehmen zu überzeugen, schwerbehinderte Menschen auszubilden oder zu beschäftigen.

„Es gibt in Sachsen bereits viele Unternehmer, die als Vorbild vorangehen, indem sie Frauen und Männer mit gesundheitlichen Einschränkungen beschäftigen. Schwerbehinderte Arbeitsuchende können mit geeigneten Arbeitshilfen, die Arbeitsagenturen und Integrationsämter finanzieren, gute Leistungen erbringen. Deshalb ist es wichtig, dass noch mehr Unternehmen sich den Menschen mit Behinderung gegenüber öffnen und selbst zum Chancengeber werden“, so Hansen.

Foto (Quelle: Stadtmission Chemnitz)