30.06.2022 | Presseinfo Nr. 16

Anstieg der Arbeitslosigkeit – Geflüchtete aus der Ukraine sind nun in Betreuung der Jobcenter.

Anstieg der Arbeitslosigkeit – Geflüchtete aus der Ukraine sind nun in Betreuung der Jobcenter.
Im Juni waren sachsenweit rund 116.000 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind knapp 6.000 mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote steigt auf 5,5 Prozent.

Viele von ihnen möchten auch arbeiten, haben sich folglich arbeitslos gemeldet. Das schlägt sich nun erwartungsgemäß in der Statistik nieder. Somit verzeichnen wir aktuell keinen üblichen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Zwar sinken die Arbeitslosenzahlen in den Arbeitsagenturen trotz der Verunsicherungen durch Krieg, steigende Energiepreise und unterbrochene Lieferketten, doch sie steigen deutlich in den Jobcentern – und damit klettert die Arbeitslosenquote in Sachsen auf 5,5 Prozent, erklärt Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit.


Arbeitslosenzahl im Juni: 115.884

Arbeitslosenzahl im Vormonatsvergleich (110.113): +5.771 oder +5,2 Prozent

Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich (124.609): -8.725 oder -7,0 Prozent

Arbeitslosenquote im Juni: 5,5 Prozent

Anträge auf Kurzarbeitergeld für März 2022: 8.219

Personen in Anträgen auf Kurzarbeitergeld März 2022: 62.672


Arbeitslosigkeit: 115.884 Arbeitslose in Sachsen

In Sachsen stieg die Zahl der arbeitslosen Männer und Frauen im zurückliegenden Monat um 5.771 auf 115.884. Das sind 8.725 Menschen weniger als im Juni 2021.

Die aktuelle Arbeitslosenquote liegt damit um 0,3 Prozentpunkte höher – bei 5,5 Prozent. Im Vor-Corona-Juni 2019 lag die Quote bei 5,3 Prozent, im letzten Jahr bei 5,9 Prozent.

In den sächsischen Landkreisen und kreisfreien Städten zeigt sich kein einheitliches Bild. Während die Arbeitslosenquote in manchen Regionen stabil blieb, stieg sie andernorts um bis zu 0,9 Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat.

Den größten prozentualen Zuwachs an Arbeitslosen meldeten Dresden (plus 0,9 Prozent | Quote: 6,2), der Vogtlandkreis (plus 0,6 Prozent | Quote: 5,0), Chemnitz (plus 0,5 Prozent | Quote: 7,1) und Sächsische Schweiz/Osterzgebirge (plus 0,5 Prozent | Quote: 4,8). Stabil blieben die Arbeitslosenquoten in Bautzen (5,0), Görlitz (7,2), Meißen (4,9), der Stadt Leipzig (6,0) und im Kreis Leipzig (4,8).

Insgesamt wurden 30,7 Prozent aller Arbeitslosen, also 35.591 Personen (minus 650 im Vergleich zum Vormonat) im Rechtskreis SGB III von einer Agentur für Arbeit betreut, während 69,3 Prozent, also 80.293 Personen (plus 6.421 im Vergleich zum Mai 2022) im Rechtskreis SGB II von einem Träger der Grundsicherung (Jobcenter) unterstützt werden.

Kurzarbeit: 62.672 Menschen in 8.219 Betrieben

Noch immer ist die Kurzarbeit als arbeitsmarktstabilisierendes Instrument gefragt – auch wenn die Zahl der Anträge deutlich zurück geht und sich die Gründe für Kurzarbeit aktuell wandeln. Im März waren knapp 63.000 Personen in rund 8.000 Betrieben von Kurzarbeit betroffen, etwa 1.400 Personen (64.096 Anzeigen für 10.020 Betriebe) weniger als im Februar. Damit befanden sich im März 3,8 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Sachsens in Kurzarbeit.

Im Zeitraum vom April bis Juni 2022 haben rund 750 Unternehmen erneut Kurzarbeit aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit angezeigt: für rund 14.000 Beschäftigte.

Beschäftigung: 1.638.700 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte

Von März auf April 2022 gingen in Sachsen rund 1,64 Millionen Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach, 900 mehr als im Vormonat und 18.700 mehr als im Juni 2021.

Den größten Zuwachs an Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichneten die Wirtschaftsbereiche Verkehr und Lagerei (3.100 | plus 3,2 Prozent), der Bereich Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche, technische Dienstleistung (2.900 | plus 2,7 Prozent), das Gastgewerbe (2.600 | plus 5,1 Prozent) und der Bereich Information und Kommunikation (2.600 | plus 5,4%). Beschäftigungsrückgänge gab es in der Arbeitnehmerüberlassung (minus 1.200 | minus 3,1 Prozent), im Baugewerbe (minus 500 | minus 0,5 Prozent) und im Bereich Land-, Forstwirtschaft und Fischerei (minus 400 | minus 2,0 Prozent).

Arbeitskräftenachfrage: 46.811 freie Stellen

Sachsen Unternehmen suchen weiterhin Fachkräfte. Im Juni meldeten sie insgesamt 8.182 freie Stellen, 352 weniger als im Mai und 675 weniger als im Vorjahresmonat. Somit verzeichnen die sächsischen Arbeitsagenturen und Jobcentern insgesamt 46.811 freie Stellen. Das sind 808 (plus 1,8 Prozent) mehr als im Mai und 6.924 (plus 17,4 Prozent) mehr als noch vor einem Jahr.

Alle freien Stellen sind in der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht und können mit der kostenfreien Smartphone-App

 zu jeder Zeit, an jedem Ort abgerufen werden.

Unterbeschäftigung: 33.857 Personen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen oder der Arbeitsvermittlung anderweitig nicht zur Verfügung stehen

Im Mai haben knapp 34.000 Frauen und Männer in Sachsen an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilgenommen oder standen der Arbeitsvermittlung vorübergehend nicht zur Verfügung – zum Beispiel wegen vorrübergehender Arbeitsunfähigkeit (2.822). In Aktivierungs- und beruflichen Eingliederungsmaßnahmen befanden sich 5.089 Personen, eine berufliche Weiterbildung besuchten 5.303 Menschen und 4.816 nahmen Arbeitsgelegenheiten wahr.

Die Unterbeschäftigung – die Summe aus Arbeitslosen, Teilnehmenden an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und vorübergehend nicht verfügbaren Arbeitsuchenden – lag im Mai bei 149.741 Personen. Das sind 5.803 (plus 4,0 Prozent) mehr als im Vormonat und 9.990 (minus 6,3 Prozent) weniger als im Juni 2021. Der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung beträgt 77,4 Prozent. Bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen lag die Unterbeschäftigungsquote im Juni bei 7,0 Prozent.

Grundsicherung: 138.367 Bedarfsgemeinschaften mit finanzieller Unterstützung

Im Juni waren mehr als 138.000 Familien (Bedarfsgemeinschaften) auf finanzielle Unterstützung der 13 sächsischen Jobcenter angewiesen – 6.358 mehr als im Vormonat. Damit erhalten insgesamt 170.966 erwerbsfähige Personen aktuell Leistungen der Grundsicherung – das sind 8.033 mehr als im Mai und 9.753 weniger als im Juni 2021.

Ausbildungsmarkt: 17.194 Jugendliche wollen 2022 eine Ausbildung beginnen

Seit Beginn des aktuellen Ausbildungsjahres im Oktober 2021 wurden in Sachsen mehr als 17.000 Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz bei den Jugendberufsagenturen registriert. Zugleich meldeten die sächsischen Unternehmen knapp 20.000 Berufsausbildungsstellen – rund 1.800 mehr als noch vor einem Jahr. Bislang weist die Statistik rund 10.146 der erfassten Jugendlichen als „versorgt“ aus, das heißt mit klarer Perspektive nach dem Schulabschluss, etwa 7.000 gelten noch als „unversorgt“.


Gemeldete Ausbildungsbewerber: 17.194

Ausbildungsbewerber im Vorjahresvergleich: -8 oder 0 Prozent

Gemeldete Berufsausbildungsstellen: 19.678

Berufsausbildungsstellen Vorjahresvergleich: +1.790 oder +10 Prozent


Momentan kommen rund 1,14 Ausbildungsstellen auf eine Bewerberin oder einen Bewerber – in den letzten zehn Jahren lag die Relation bei 1,0 bis 1,1. Somit stehen die Chancen für die Jugendlichen in Sachsen aktuell so gut wie nie zuvor, eine geeignete Ausbildung zu finden.

Krieg in der Ukraine: 17.319 erwerbsfähige Personen aus der Ukraine gemeldet

Zum statistischen Stichtag am 13. Juni wurden in den Agenturen für Arbeit und sächsischen Jobcentern mehr als 17.000 erwerbsfähige Menschen aus der Ukraine betreut, 13.687 Frauen und 3.832 Männer. Insgesamt sind 14.343 Personen als arbeitssuchend und 7.782 Menschen als arbeitslos registriert. Noch ist der Zeitraum der statistischen Erfassung zu kurz, um detailliert Auskünfte zu Zielberufen, Anforderungsniveau, Berufs- oder Schulbildung auszuweisen.

Ansprechpartner

Frank Vollgold
Pressesprecher