29.10.2020 | Presseinfo Nr. 70

Ausbildungsmarktbilanz in Sachsen-Anhalt: Weniger Bewerber und Stellenangebote

Fast 1.400 unbesetzte Stellen – Behrens sieht Corona und Demografie als Gründe – Nachvermittlung läuft, gute Chancen für Ausbildungssuchende

Für die angebotenen Ausbildungsstellen stehen immer weniger Bewerber zur Verfügung. Die Bilanz des Ausbildungsjahres 2019/20 der Bundesagentur für Arbeit in Sachsen-Anhalt macht deutlich, dass nicht nur die Zahl der registrierten Bewerber um 1.100 zurückging. Anders als im Vorjahr haben auch die Unternehmen gut 800 weniger Ausbildungsstellen gemeldet. Insgesamt sind aktuell 1.360 unbesetzt. „Corona ist sicher der Hauptgrund, aber auch die geburtenschwachen Jahrgänge wirken sich aus. Für die einzelnen Unternehmen und den gesamten Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt verschärft sich damit die Situation weiter. Ohne ausreichend Nachwuchs fehlen später die dringend benötigten Fachkräfte im Land", erklärte Markus Behrens, Chef der Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt. „Die positive Nachricht ist, dass Bewerber auch jetzt noch gute Chancen auf eine Ausbildungsstelle haben. Das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern" unterstützt dabei finanziell und die Arbeitsagenturen und Kammern bei der Vermittlung."

10 Prozent weniger Bewerber und 6,5 Prozent weniger Ausbildungsstellen
Seit Beginn des Ausbildungsjahres 2019/201 meldeten sich in Sachsen-Anhalt insgesamt 9.840 Bewerber für eine Ausbildungsstelle bei den Arbeitsagenturen zu Vermittlung. Das waren 1.100 weniger als im Jahr zuvor. Zur selben Zeit meldeten Unternehmen rund 12.120 freie Ausbildungsstellen, rund 840 weniger als im Ausbildungsjahr 2018/19. Rein rechnerisch stehen Bewerbern mehr Ausbildungsstellen gegenüber. Auf einen Bewerber kommen aktuell 1,2 Ausbildungsstellen. Mit 440 Bewerbern, die keinen Ausbildungsplatz fanden, waren es jedoch 100 mehr als ein Jahr zuvor. Demgegenüber standen 1.360 unbesetzte Ausbildungsstellen, gut 300 mehr als im Vorjahr. Auf jeden noch unversorgten Bewerber kommen damit rein rechnerisch gut 3 unbesetzte Stellen. Gute Chancen also für diejenigen, die jetzt noch suchen. Bei den Agenturen für Arbeit laufen noch mindestens bis zum Jahresende zahlreiche Nachvermittlungsaktionen, um Unternehmen und junge Menschen zusammenzubringen.

Zahlen zu ausländischen Ausbildungsbewerbern
640 junge Menschen mit ausländischem Pass haben sich für das Ausbildungsjahr 2019/20 bei den Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt für einen Ausbildungsplatz gemeldet, 60 hatten im September noch keinen Ausbildungsplatz gefunden. Im vergangenen Jahr hatten sich 710 zur Vermittlung gemeldet.

Behrens: Corona-Effekt wird nachlassen, Demografie und Interesse sind die langfristigen Herausforderungen
„Wie erwartet hat die Corona-Pandemie eine verzögernde Wirkung auf den diesjährigen Ausbildungsjahrgang entfaltet. Unternehmen waren zunächst abwartend, Bewerber aufgrund der Schulschließungen und ausgefallenen Ausbildungsmessen viel schwerer erreichbar. Wir erwarten, dass der Corona-Effekt bis zum Jahresende weiter abgemildert werden kann. Größere Sorge bereiten die demografische Entwicklung und das nachlassende Interesse an dualer Ausbildung. Dabei ist eine Ausbildung für viele Schulabgänger eine aussichtsreiche und geeignetere Alternative zum Studium. Mit einer guten Ausbildung eröffnen sich viele Entwicklungs- und Aufstiegschancen in der Heimat", sagte Markus Behrens.

Mit erweitertem Hilfsangebot am Start
Die meisten unbesetzten Ausbildungsstellen gibt es in Sachsen-Anhalt noch in den Berufsfeldern Verkauf, Koch/Köchin, Gastronomie und Hotellerie, Fachkraft für Lebensmitteltechnik, Konstruktionsmechanik, Lagerlogistik, Kaufmann/-frau Büromanagement und Metallbauer/in Konstruktionstechnik. „Für den Endspurt in diesem Jahr, aber auch für den kommenden Ausbildungsjahrgang ist entscheidend, dass sich Arbeitgeber noch stärker als bisher den leistungsschwächeren und den ausländischen Jugendlichen zuwenden. Sie leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag für die Fachkräfte von morgen. Wir unterstützen Unternehmen mit unseren bewährten Hilfen", erklärte Markus Behrens. Neu hinzu gekommen ist das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern", das sich speziell an kleine und mittlere Unternehmen wendet, die von der Corona-Krise betroffen sind. Behrens dazu: „Die Anfragen zeigen, das im September angelaufene Programm trifft bei den Arbeitgebern auf Interesse. Das Antragsverfahren ist jedoch komplex und braucht seine Zeit. Deshalb liegen Anträge und Genehmigungen in Sachsen-Anhalt bislang in moderatem Umfang vor. Diese Förderung wird aber weiterhin Inhalt unserer intensiven Beratungsgespräche mit Arbeitgebern sein, um sie mit ausbildungswilligen Jugendlichen zusammenzubringen. Die sogenannte Corona-Generation ist für unseren regionalen Ausbildungsstellenmarkt kein Thema."

Link zum Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern"
https://www.arbeitsagentur.de/unternehmen/finanziell/bundesprogramm-ausbildungsplaetze-sichern