05.01.2021 | Presseinfo Nr. 2

Sachsen-Anhalt: Saisontypischer Anstieg der Arbeitslosigkeit im Dezember

1.900 Arbeitslose mehr als im November +++ Arbeitslosenquote bei 7,5 Prozent +++ Anstieg der Arbeitslosigkeit fällt schwächer aus als im Dezember 2019 +++ Erste Spuren des Lockdowns: Mehr Anzeigen auf Kurzarbeit vor allem bei Dienstleistern, Gaststätten, Hotels und im Einzelhandel +++ Markus Behrens: „Chancen für Fachkräfte und junge Menschen bleiben gut" +++ „Jahresbilanz 2020": 5.500 Arbeitslose mehr als 2019, Arbeitgeber bieten über 10.000 Jobs weniger an als im Vorjahr, Arbeitslosenquote 2020 auf dem Niveau von 2018

Nach rückläufigen Arbeitslosenzahlen im Spätsommer und Herbst, ist die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen-Anhalt im Dezember wieder gestiegen. Der Arbeitsmarkt folgt damit dem typischen Saisonmuster. Der Anstieg fällt in diesem Jahr sogar etwas schwächer aus als im vergangenen Jahr. So waren im Dezember 2020 83.300 Arbeitslose registriert, 1.900 mehr als im Vormonat (+2,3 Prozent). Zum Vergleich: Die Zahl der Arbeitslosen stieg zwischen November und Dezember 2019 um 3.300 (+4,5 Prozent). Die Arbeitslosigkeit im Dezember 2020 lag aber weiterhin über dem Niveau des Vorjahres. So waren 5.600 Arbeitslose mehr registriert als im Dezember 2019. Die Arbeitslosenquote lag im Berichtsmonat bei 7,5 Prozent. Das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als im November 2020 und 0,6 Prozentpunkte mehr als im Dezember 2019. Der „Corona-Effekt", also die Zahl der Arbeitslosen, die aufgrund der Pandemie-Folgen zwischen März und Dezember ihre Arbeit verloren haben, nicht vermittelt werden konnten oder eine Qualifizierungsmaßnahme nicht antreten konnten, lag im Berichtsmonat bei 12.200. Der „Corona-Effekt" bei der Arbeitslosenquote betrug 1,1 Prozentpunkte. Im Quotenranking ordnete sich Sachsen-Anhalt im Berichtsmonat zusammen mit Nordrhein-Westfalen hinter Brandenburg, Sachsen und Thüringen, vor Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Berlin und Bremen ein.

Arbeitsmarkt kommt weiterhin vergleichsweise glimpflich durch die Krise
„Der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt kommt weiterhin vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Krise. Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosigkeit ist vor allem auf die typischen Saisonmuster zum Jahresende zurückzuführen und fällt sogar etwas schwächer aus als im vergangenen Jahr. Die Kräftenachfrage hat zwar insgesamt nachgelassen, Arbeitgeber halten aber weiterhin möglichst an ihren Fachkräften fest. Das zeigen auch die steigenden Anzeigen für Kurzarbeit. Sie liegen aber weit unter dem Niveau des ersten Lockdowns im Frühjahr. Die Kurzarbeit bleibt ein wesentliches stabilisierendes Element und baut für viele Unternehmen und ihre Mitarbeiter eine Beschäftigung sichernde Brücke in das neue Jahr. Positiv dürften sich auch die Aussichten auf eine wirksame Bekämpfung der Pandemie durch die beginnenden Impfungen auswirken. Wie stark die Auswirkungen des harten Lockdowns auf den Arbeitsmarkt letztendlich sein werden, hängt aber auch von dessen Dauer ab und wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Es wird nicht ausbleiben, dass Unternehmen in den von Schließungen betroffenen Branchen, wie dem Handel, der Gastronomie oder den Dienstleistungen, die Puste ausgeht. Neben der Corona-Pandemie werden die Demografie, der Strukturwandel mit tiefgreifenden Veränderungen in der Automobilindustrie und anderen Wirtschaftszweigen sowie die Digitalisierung im kommenden Jahr die größten Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt darstellen. Aufgrund der Alterung der Erwerbsbevölkerung und dem damit verbundenen Ersatzbedarf in vielen Unternehmen, werden die Chancen für Fachkräfte und junge Menschen aber auch 2021 weiterhin gut bleiben", erklärte Markus Behrens, Geschäftsführer der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen.

Kurz-Bilanz 2020: Durchschnittlich 5.500 Arbeitslose mehr als 2019 – Arbeitgeber bieten über 10.000 Jobs weniger an als im Vorjahr - Weniger Menschen auf „Hartz-IV" angewiesen
Entgegen dem Trend der vergangenen Jahre ist die Arbeitslosigkeit im Jahr 2020 durch die Corona-Pandemie wieder gestiegen. Im Jahresdurchschnitt waren in Sachsen-Anhalt 86.100 Männer und Frauen ohne Arbeit. 2019 waren im Jahresschnitt 80.600 Menschen arbeitslos, im Jahr 2018 hatte die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen bei 88.100 gelegen. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag 2020 bei 7,7 Prozent, 0,6 Prozentpunkte höher als 2019. Im Jahr 2018 hatte die Arbeitslosenquote im Schnitt ebenfalls bei 7,7 Prozent gelegen. Einen Rückgang gab es 2020 bei der Arbeitskräftenachfrage. So meldeten Arbeitgeber den Arbeitsagenturen insgesamt 45.000 neue Arbeitsstellen, das waren 10.300 weniger als noch 2019. Insgesamt waren 2020 im Schnitt 18.800 gemeldete Stellen im Bestand. 2019 waren im Schnitt 20.100 offene Stellen gemeldet gewesen. Während die Zahl der Arbeitslosen 2020 anstieg, ist die Zahl der Menschen, die auf „Hartz-IV-Leistungen" angewiesen waren auch im „Corona-Jahr" im Vergleich zu den Vorjahren gesunken. 2020 wurden in Sachsen-Anhalt rund 138.600 erwerbsfähige Leistungsberechtigte von den Jobcentern betreut, 2019 waren es im Schnitt 147.700. Gründe sind zum einen die Verlängerung des Arbeitslosengeldbezugs um drei Monate. Das führte dazu, dass weniger Menschen aus dem Arbeitslosengeldbezug in den Bezug von Grundsicherung wechselten. Auf der anderen Seite spielt auch hier die Demografie eine Rolle, weil sich immer mehr Menschen aus der Grundsicherung in die Altersrente abmeldeten.

Einstellungen und Entlassungen
5.400 Menschen meldeten sich im Dezember aus einer Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt arbeitslos. Das waren etwa 300 mehr als im Vormonat und 800 weniger als vor einem Jahr. Die meisten Arbeitslosmeldungen von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kamen aus den wirtschaftlichen Dienstleistungen (knapp 800), gefolgt vom Bereich Arbeitnehmerüberlassung (700), dem Handel (knapp 600) und dem verarbeitenden Gewerbe (knapp 600). 3.700 arbeitslose Männer und Frauen fanden eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt, das waren 1.200 weniger als im Vormonat etwa gleich viele wie im Dezember 2019. Die Arbeitgeber meldeten im Berichtsmonat über 3.700 neue Stellen, das waren 300 weniger als im Vormonat und knapp 900 weniger als vor einem Jahr. Rund 22 Prozent der neu gemeldeten Stellen kamen aus dem Bereich der Zeitarbeit, knapp 17 Prozent aus dem Handel, weitere 13 Prozent aus dem verarbeitenden Gewerbe und knapp 10 Prozent aus dem Gesundheits- und Sozialwesen.

Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Monatsvergleich gestiegen
Stand Oktober waren laut Hochrechnung in Sachsen-Anhalt 803.000 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 1.800 mehr als im September 2020 und über 5.500 weniger als im Oktober 2019.

Anzeigen für Kurzarbeit steigen im Vergleich zum Vormonat weiter an
Im Dezember ist die Zahl der neuen Kurzarbeitsanzeigen weiter angestiegen. Bei den Arbeitsagenturen wurden 1.900 Anzeigen für 16.200 Beschäftigte registriert. Im November waren es 1.600 Anzeigen für 13.900 Beschäftigte gewesen. Am stärksten waren im Berichtsmonat Gastronomie und Beherbergung mit insgesamt fast 400 Anzeigen für 2.100 Beschäftigte betroffen. Gefolgt von den „persönlichen Dienstleistungen", dazu gehören etwa Frisör- oder Kosmetiksalons, mit 400 Anzeigen für 1.900 Beschäftigte und dem Einzelhandel mit 300 Anzeigen für ebenfalls rund 1.900 Beschäftigte. Insgesamt waren von März bis Dezember 2020 bei den Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt 26.900 Anzeigen auf Kurzarbeit eingegangen. Dahinter standen über 265.300 Beschäftigte.

Unterbeschäftigung im Monatsvergleich leicht gestiegen
In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die Teilnehmer in Maßnahmen sind oder einen Sonderstatus (etwa kurzfristige Arbeitsunfähigkeit) innehaben und damit nicht als arbeitslos zu zählen sind. Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag im Dezember 2020 bei 117.100. Das waren knapp 300 mehr als im Vormonat und 900 mehr als im Vorjahresmonat. Die Unterbeschäftigungsquote lag wie bereits im Vormonat bei 10,2 Prozent.

Grundsicherung („Hartz IV") – Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten geht weiter zurück
Im Dezember haben etwa 130 Selbstständige Anträge auf Grundsicherung neu bewilligt bekommen, 45 mehr als im Vormonat. Damit bezogen seit April insgesamt 2.700 Selbständige neu Grundsicherung. 460 Menschen haben im Dezember Grundsicherungsleistungen neu bewilligt bekommen, weil sie mit ihrem Einkommen aus abhängiger Beschäftigung den Lebensunterhalt nicht decken konnten. Das waren etwa 100 mehr als im November. Die Jobcenter in Sachsen-Anhalt betreuten im Berichtsmonat insgesamt rund 131.100 erwerbsfähige Leistungsberechtige. Das waren 1.000 weniger als im November und 8.200 weniger als vor einem Jahr.