27.01.2021 | Presseinfo Nr. 9

Thüringen: Jeder siebte Beschäftigte pendelt in ein anderes Bundesland

Zahl der Auspendler geht zurück +++ auch weniger Einpendler +++ 4.000 Einpendler aus dem Ausland arbeiten im Freistaat +++ Behrens: „Corona-Krise und Strukturwandel werden sich längerfristig auf Pendlerverhalten auswirken"

Zahl der Auspendler geht zurück
Im Juni 2020 haben 122.043 Thüringer ihren Wohnort verlassen, um in anderen Bundesländern zu arbeiten. Das waren 1.911 (1,5 Prozent) weniger als noch im Jahr zuvor. Die meisten Auspendler aus Thüringen arbeiteten in Bayern (33.323), Sachsen (21.628) und Hessen (21.272). Die wenigsten arbeiteten in Bremen (266). Die Auspendlerquote ist im Vergleich zu den Vorjahren minimal zurückgegangen und liegt bei 14,4 Prozent (2018: 14,5 Prozent, 2019: 14,5 Prozent). Das heißt: Im Juni 2020 pendelte etwa jeder siebte der 845.552 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Wohnsitz in Thüringen zur Arbeit in ein anderes Bundesland.

Weniger Einpendler
Auch die Zahl der Einpendler ist zurückgegangen, nachdem sie in den vergangenen Jahren angestiegen war. So kamen im Juni 2020 67.263 Menschen aus anderen Bundesländern zur Arbeit nach Thüringen, im Juni 2019 waren es noch 68.411. Die meisten Einpendler kommen aus den Nachbarländern Sachsen (16.669), Sachsen-Anhalt (14.019), Bayern (9.463) und Hessen (7.041). Die wenigsten kommen aus dem Saarland (81). Ein Grund dafür kann darin liegen, dass insbesondere Arbeitgeber in den ostdeutschen Nachbarländern demografisch bedingt einen hohen Ersatzbedarf an Arbeitskräften haben, so dass Pendler sich häufiger angebotsbedingt in Richtung Heimat orientieren.

Knapp 2.200 Einpendler aus Polen arbeiten in Thüringen
Aus dem Ausland pendelten im Juni 2020 insgesamt 4.054 Beschäftigte nach Thüringen. Das heißt: Sie hatten ihren Wohnsitz im Ausland und ihren Arbeitsort in Thüringen. Davon kamen 2.171 aus Polen, 887 aus Tschechien, 225 aus Ungarn, 205 aus der Slowakei, und 183 aus Rumänien.

„Corona-Krise und Strukturwandel werden sich auch auf Pendlerverhalten auswirken"
„Thüringen bleibt weiterhin ein Auspendlerland. Das liegt auch an den sehr aufnahmefähigen Arbeitsmärkten im benachbarten Bayern und Hessen mit ihren gut bezahlten Industriearbeitsplätzen. Mit Sicherheit wird sich aber die Corona-Krise, der damit verbundene Digitalisierungsschub und der Strukturwandel in der Industrie auf Pendlerströme und Pendlerverhalten auswirken. In Zukunft wird gerade in administrativen aber auch in manchen technischen Berufen das Arbeiten von zu Hause zur Normalität werden. Lange Fahrten zur Arbeit werden weniger häufig nötig sein. Dazu kommt, dass der Arbeitskräftebedarf in Thüringen perspektivisch demografiebedingt wachsen wird, so dass viele Pendler aus Thüringen sich in den kommenden Jahren in Richtung Heimat umorientieren könnten", erklärte Markus Behrens, Geschäftsführer der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen.