02.03.2021 | Presseinfo Nr. 17

Im Februar zeigte der Thüringer Arbeitsmarkt Beständigkeit in der Krise

+++ 700 Arbeitslose mehr als im Januar +++ Quote bleibt bei 6,4 Prozent +++ 1.400 neue Anzeigen auf Kurzarbeit für 13.400 Beschäftigte +++ Markus Behrens: „Geringqualifizierte besonders betroffen" +++

Die Zahl der Arbeitslosen in Thüringen ist in geringem Umfang weiter gestiegen. Im Februar 2021 waren 71.700 Arbeitslose gemeldet, 700 mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote lag unverändert bei 6,4 Prozent. Das entspricht nicht dem typischen Saisonmuster. Normalerweise sinkt die Arbeitslosigkeit zu diesem Zeitpunkt schon leicht, im Vorjahr um 500 Arbeitslose. Im aktuellen Berichtsmonat gab es 8.900 Arbeitslose mehr als im Februar 2020, damals bei einer Quote von 5,6 Prozent. Der „Corona-Effekt", also die Zahl der Arbeitslosen, die aufgrund der Pandemie-Folgen zwischen März 2020 und Februar 2021 ihre Arbeit verloren haben, nicht vermittelt werden konnten oder eine Qualifizierungsmaßnahme nicht antreten konnten, lag im Berichtsmonat bei 10.700. Die Auswirkung auf die Arbeitslosenquote betrug 1,0 Prozentpunkte.
Mit Blick auf die Arbeitslosenquote steht Thüringen im Ländervergleich hinter Niedersachsen sowie Schleswig-Holstein und vor Nordrhein-Westfalen, Hamburg sowie vor allen anderen Ost-Ländern.

Mehr Langzeitarbeitslose
Der Arbeitsmarkt war im vergangenen Jahr deutlich weniger aufnahmefähig. Deshalb ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen weiter gestiegen. Im Februar waren 24.700 Männer und Frauen länger als ein Jahr ohne Arbeit und galten daher als langzeitarbeitslos. Das waren 500 mehr als im Januar 2021 und 6.700 mehr als im Februar 2020.

Kaum Veränderung auf dem Arbeitsmarkt
„In der anhaltenden Krise zeichnet sich der Arbeitsmarkt in Thüringen durch Beständigkeit aus. Der aktuelle Lockdown hinterlässt zwar Spuren, deutlich sichtbar beispielsweise in den Branchen Logistik und Verkehr. Die Negativauswirkungen sind aber nach wie vor weniger stark ausgeprägt als beim ersten Lockdown. Unterstützt durch das Kurzarbeitergeld halten viele Unternehmen weiterhin an ihren Mitarbeitern fest. Geringqualifizierte und Migranten haben es auf einem kaum aufnahmebereiten Arbeitsmarkt derzeit besonders schwer. Ihnen gilt unsere besondere Aufmerksamkeit, es wird jedoch geraume Zeit dauern, bis Weiterbildungsangebote Wirkung entfalten", erklärte Markus Behrens, Geschäftsführer der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen.

Einstellungen und Entlassungen
4.600 Menschen meldeten sich im Februar aus einer Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt arbeitslos. Das waren 3.500 weniger als im Vormonat und knapp 900 weniger als vor einem Jahr. Die meisten Arbeitslosmeldungen von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kamen aus der Zeitarbeit (800), gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe (700) sowie dem Handel und dem Baugewerbe (je 500). 3.800 arbeitslose Männer und Frauen fanden eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt, das waren 700 mehr als im Vormonat und 600 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitgeber meldeten im Berichtsmonat knapp 4.300 neue Stellen, das waren etwa 1.000 mehr als im Vormonat und rund 900 weniger als im Vorjahr. 22 Prozent der neu gemeldeten Stellen kamen aus dem Bereich der Zeitarbeit, 18 Prozent aus dem verarbeitenden Gewerbe, 10 Prozent aus dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie knapp 9 Prozent aus dem Handel.

Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gesunken
Stand Dezember 2020 waren laut Hochrechnung in Thüringen 797.800 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 6.200 weniger als im November 2020 und fast 6.400 weniger als im Dezember 2019.

Weniger Anzeigen auf Kurzarbeit
Die Zahl der Anzeigen auf Kurzarbeit ist im Februar im Vergleich zum Januar stark zurückgegangen. Die Arbeitsagenturen registrierten im Berichtsmonat etwa 1.400 Anzeigen für 13.400 Beschäftigte. Zum Vergleich: Im Januar 2021 hatte es noch über 3.600 Anzeigen für 28.800 Beschäftigte gegeben. Zu den im aktuellen Berichtsmonat am stärksten betroffenen Wirtschaftszweigen gehörten die Herstellung von KfZ mit 6 Anzeigen für etwa 2.200 Beschäftigte, der KfZ-Handel und die Reparatur mit 130 Anzeigen und 1.400 Beschäftigte sowie der Einzelhandel mit 210 Anzeigen für 1.000 Beschäftigte. In Gastronomie und Beherbergung gab es insgesamt knapp 120 Anzeigen für 410 Beschäftigte.

Unterbeschäftigung gestiegen
In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die Teilnehmer in Maßnahmen sind oder einen Sonderstatus (etwa kurzfristige Arbeitsunfähigkeit) innehaben und damit nicht als arbeitslos zu zählen sind. Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag im Februar 2021 bei 90.100. Das waren knapp 500 mehr als im Januar und 3.600 mehr als im Vorjahresmonat. Die Unterbeschäftigungsquote lag im Berichtsmonat bei 8,0 Prozent und damit 0,1 Prozentpunkte über dem Vormonat.

Grundsicherung („Hartz IV")
Im Februar haben rund 510 Selbstständige Anträge auf Grundsicherung neu bewilligt bekommen, 190 mehr als im Vormonat. Damit bezogen seit April 2020 insgesamt über 3.800 Selbständige neu Grundsicherung. Mehr als 900 Menschen haben im Februar Grundsicherungsleistung neu bewilligt bekommen, weil sie mit ihrem Einkommen aus abhängiger Beschäftigung den Lebensunterhalt nicht decken konnten. Das waren 330 mehr als im Januar 2020. Die Jobcenter in Thüringen betreuten im Februar insgesamt 85.800 erwerbsfähige Leistungsberechtige. Das waren knapp 700 mehr als im Januar und 1.700 weniger als vor einem Jahr.

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