11.05.2021 | Presseinfo Nr. 33

Thüringen: Mehr Beschäftigte in Pflegeberufen

Kein Rückgang durch Pandemie +++ Fachkräftemangel verschärft sich +++ Behrens: „Entscheidend ist es, Pflegeberufe attraktiver zu machen, sonst wird es in Zukunft nicht ausreichend Bewerber geben“

Die Zahl der Beschäftigten in der Alten- und Gesundheitspflege ist in Thüringen auch im Pandemie-Jahr 2020 weiter gestiegen. Das zeigt eine Datenauswertung der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen anlässlich des „Tags der Pflege“ am 12. Mai. Ende Juni 2020 gab es in den Gesundheits- und Altenpflegeberufen1 rund 49.695 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das sind 989 mehr als ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Anstieg von rund 2 Prozent. Damit gehört das Gesundheitswesen zu den Branchen, die vergangenes Jahr nicht von einem Beschäftigungsrückgang betroffen waren. Die Beschäftigung insgesamt ging in Thüringen im gleichen Zeitraum um 1,6 Prozent zurück. Der Anstieg bei der Beschäftigung in den Pflegeberufen setzte sich auch über den Juni hinweg weiter fort: Ende September 2020 gab es in den Alten- und Pflegeberufen 51.086 Beschäftigte. Auch hier lag der Wert über dem Niveau des Vorjahres. Pflegeberufe sind weiterhin eine Frauen- und Teilzeitdomäne. Der Frauenanteil lag in den Alten-und Gesundheitspflegeberufen bei 83 Prozent2. Etwa die Hälfte aller Beschäftigten arbeitet in Teilzeit3. „Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie essentiell wichtig all diejenigen sind, die in den unterschiedlichen Pflegeberufen arbeiten und welch gute Arbeit sie angesichts der hohen Belastung seit einem Jahr leisten. Dafür bin ich ihnen einfach nur dankbar“, erklärte Markus Behrens, Geschäftsführer der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen.

Fachkräfte in der Gesundheits- und Altenpflege knapp
Sowohl für Fachkräfte in der Gesundheits- als auch der Altenpflege stellt die BA in Thüringen einen deutlichen Fachkräftemangel fest. Rein rechnerisch kamen im Jahr 2020 auf 100 gemeldete Arbeitsstellen für Altenpflegefachkräfte nur noch 22 Arbeitslose. Die Vakanzzeit, also die Zeit zwischen Stellenmeldung und Abmeldung, lag durchschnittlich bei 249 Tagen, im Jahr 2019 lag sie dagegen bei 261 Tagen. Bei Fachkräften für Krankenpflege, Rettungsdienst und Geburtshilfe kamen auf 100 gemeldete Stellen 47 Arbeitslose. Die Vakanzzeit lag im Jahr 2020 im Schnitt bei 176 Tagen. 2019 dauerte es dagegen 163 Tage bis eine Stelle für Gesundheits- und Krankenpflegefachkräfte besetzt werden konnte. Dem gegenüber gibt es etwa bei Altenpflegehelfern mehr Bewerber als Stellen. „Die demografische Entwicklung und der medizinische Fortschritt führen zu steigendem Bedarf an examinierten Pflegern. Dazu kommt, dass der Anteil der älteren Beschäftigten steigt. Ohne die Anwerbung ausländischer Fachkräfte, eine Erhöhung des Vollzeitanteils und die weitere Qualifizierung von Arbeitslosen und geringqualifizierten Beschäftigten wird sich die Situation verschärfen. Entscheidend ist aber vor allem, dass die Attraktivität der Pflegeberufe gesteigert wird, sonst wird man gerade in Anbetracht der Belastungen, die sich in der Pandemie gezeigt haben, nicht ausreichend Bewerber finden“, erklärte Markus Behrens.

Zahl der ausländischen Beschäftigten steigt
Im Jahr 2020 begannen in Thüringen 219 Arbeitslose und Beschäftigte eine von der BA geförderte Maßnahme zur Erlangung eines Berufsabschlusses in der Alten- und Krankenpflege. Die BA hilft zudem dabei, Fachkräfte und Auszubildende für die Pflege im Ausland zu gewinnen. Die BA setzt hierbei auf faire Migration und arbeitet nur mit Ländern zusammen, in denen es keinen eigenen Mangel an Pflegekräften gibt. In Thüringen waren im Juni 2020 insgesamt 1.410 Ausländer in Kranken- und Altenpflegeberufen beschäftigt. Im Jahr zuvor waren es noch 1.193. 2,8 Prozent der Beschäftigten in Pflegeberufen in Thüringen sind Ausländer4.

1GESUNDHEITS- UND KRANKENPFLEGE, RETTUNGSDIENST UND GEBURTSHILFE gemäß Ziffer 813 der Klassifikation der Berufe und ALTENFPLEGE gemäß Ziffer 812 der Klassifikation der Berufe


2;3;4 Stand Juni 2020