26.07.2021 | Presseinfo Nr. 47

Thüringen: Bruttomonatsentgelte gestiegen

Geringerer Anstieg der Entgelte als in den Vorjahren – Entgelte in der Gastronomie sinken im Vergleich zum Vorjahr – Frauen verdienen weniger als Männer – In Jena wird im Schnitt besser bezahlt als im Saale-Orla-Kreis - Bei den am besten bezahlten Berufen liegen Ärzte und Lehrer vorne – Schlusslichter sind Friseure und Kosmetiker

 

Die Bruttomonatsentgelte1 von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten in Thüringen sind im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das zeigt die neue BA-Entgeltstatistik. Im Dezember 2020 lag der Median2 bei 2.699 Euro, im Vorjahr verdienten Vollzeitbeschäftigte in Thüringen noch 2.659 Euro brutto im Monat. Der Zuwachs zwischen Dezember 2019 und Dezember 2020 betrug damit knapp 1,5 Prozent. Er ist aber weniger stark als in den Vorjahren. So war das Medianentgelt zwischen Dezember 2017 und 2018 und zwischen 2018 und 2019 um jeweils rund 4 Prozent gestiegen.
 

Verdienste in Thüringen weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt
Der Bruttomonatsverdienst in Thüringen liegt weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt. So lag der Medianlohn bundesweit im Dezember 2020 bei 3.427 Euro, in Westdeutschland sogar bei 3.540 Euro. Allerdings ist die Zuwachsrate zwischen 2019 und 2020 in Thüringen in Höhe von knapp 1,5 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt. Hier lag der Anstieg des Medianlohns nur bei 0,8 Prozent, in Westdeutschland bei 0,4 Prozent.
 

Kurzarbeit wirkt sich auf Entgeltentwicklung in Thüringen aus
„Zu den Hochzeiten der Pandemie im Jahr 2020 war jeder sechste Beschäftigte in Kurzarbeit. Die Leistung hat den durch die Pandemiefolgen entstandenen finanziellen Schaden vieler Beschäftigter abgefedert und viele vor Arbeitslosigkeit bewahrt. Dennoch hat sich der Bezug von Kurzarbeitergeld auf die Bruttoverdienste ausgewirkt und die Entwicklung der vergangenen Jahre gedämpft. Jedoch waren nicht alle Branchen gleichermaßen von Lockdowns und Kurzarbeit betroffen. In Thüringen arbeiten viele Menschen im öffentlichen Dienst und im Gesundheits- und Pflegebereich, wo die Entgeltsituation stabil geblieben ist. In diesen Bereichen gab es keine oder deutlich wenige Kurzarbeit. Und zum anderen wurden hier zum Teil auch sogenannte „Corona-Prämien“ ausgezahlt, die sich wiederum positiv auf die Entgelte ausgewirkt haben“, erklärte Markus Behrens, Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen. So haben sich zum Beispiel die Bruttoentgelte von Beschäftigten im Gastgewerbe verringert. Im Dezember 2019 lag das Medianenggelt in der Branche noch bei 1.819, ein Jahr später dann nur noch bei 1.763. Das entspricht einem Rückgang von 3,1 Prozent. Im verarbeitenden Gewerbe gab es im gleichen Zeitraum nur einen minimalen Anstieg der Entgelte von 0,1 Prozent. Im Handel stiegen die Bruttomonatsentgelte um 1,0 Prozent, in der öffentlichen Verwaltung um 1,7 Prozent und Bereich „Erziehung und Unterricht“ um 1,8 Prozent. Die höchsten Anstiege verzeichnen das Baugewerbe und der Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit je 2,3 Prozent.

1 Bruttomonatsentgelt: Es handelt sich um das Arbeitsentgelt vor Abzug von Steuern (Lohnsteuer, Solidaritätsbeitrag, ggf. Kirchensteuer) und Sozialversicherungsbeiträgen (i. d. R. Renten-, Kranken-, Arbeitslosen-, Pflegeversicherung). Dazu gehören auch
• Urlaubs- und Weihnachtsgelder, Tantiemen, Gratifikationen,
• Mehrarbeits-/Überstundenvergütungen und Mehrarbeitszuschläge,
• Familienzuschläge,
• Gefahrenzuschläge und Schmutzzulagen sowie
• Provisionen und Abfindungen
2 Median: Die Entgelt-Statistik betrachtet üblicherweise den Median. Er teilt die Entgelte in zwei Hälften: Eine Hälfte der Beschäftigten erzielt ein Entgelt unter dem Medianwert, das Entgelt der anderen Hälfte liegt über dem Median.

Statistisch verdienen Frauen in Thüringen weniger als Männer
Betrachtet man die Bruttomonatsentgelte nach Geschlechtern, so fällt auf, dass Frauen in Thüringen im Schnitt niedrigere Entgelte erzielen als Männer. So lag der Medianlohn von Frauen im Dezember 2020 bei 2.619 Euro, während Männer einen Medianlohn von 2.730 Euro brutto im Monat erzielten. Interessanterweise war jedoch der Anstieg bei den Bruttomonatsentgelten zwischen Dezember 2019 und Dezember 2020 bei Frauen mit 2,4 Prozent höher als bei den Männern, bei denen die Steigerung des Entgelts im gleichen Zeitraum nur 1,1 Prozent betrug. „Frauen in Thüringen sind häufiger in Verwaltungs-, Bildungs- und Gesundheitsberufen beschäftigt, die oft auch Tarifbindungen unterliegen. Zudem waren diese Berufe weniger von Kurzarbeit betroffen“, sagte Markus Behrens.

In Jena wird am meisten verdient
Auch regional geht die Schere bei den Entgelten auseinander. So wird in Thüringen in den Städten mehr verdient als auf dem Land. Der Median des Bruttomonatsentgelt ist in Jena mit 3.404 Euro am höchsten. Auf Platz zwei liegt Weimar mit 3.106 Euro und auf Rang drei die Landeshauptstadt Erfurt mit 2.937 Euro. Die niedrigsten Entgelte werden im Saale-Orla-Kreis gezahlt. Dort liegt der Median des Bruttomonatsentgelts bei 2.448 Euro. „In den Städten konzentrieren sich große Arbeitgeber des Öffentlichen Dienstes, Universitäten, Hochschulen, Schulen und auch größere Betriebe, in denen oft bessere Gehälter gezahlt werden“, erklärte Markus Behrens.

Berufe: Bruttomonatsentgelte bei Ärzten am höchsten und bei Frisören und Kosmetikern am niedrigsten
Nach der BA-Entgeltstatistik haben Zahn- und Humanmediziner in Thüringen den höchsten Bruttomedianlohn. Er lag im Dezember 2020 bei über 6.450 Euro. Auf Platz zwei und drei: Lehrer an Hoch- und allgemeinbildenden Schulen mit 4.803 beziehungsweise. 4.716 Euro. Die niedrigsten Bruttoentgelte wurden in Berufen in der Gastronomie mit 1.717 und in Berufen der Körperpflege (etwa Friseure und Kosmetikerinnen) mit 1.513 Euro gezahlt. „Grundsätzlich gilt: Eine Berufsausbildung oder ein Studium machen sich definitiv bezahlt, insbesondere auf lange Sicht. Auf der einen Seite ist das Risiko arbeitslos zu werden mit Studium oder Ausbildung deutlich geringer als bei Menschen ohne Abschluss. Auf der anderen Seite kommen Ausbildungs- und Hochschulabsolventen auf deutlich höhere Einkommen“, erklärte Markus Behrens. So lag das Bruttomonatsentgelt von Menschen ohne Berufsabschluss in Thüringen im Dezember 2019 bei 1.967 Euro, bei Menschen mit anerkanntem Berufsabschluss Ausbildung bei 2.610 Euro und bei Akademikern sogar bei 4.295 Euro.