29.01.2021 | Presseinfo Nr. 10

Sachsen-Anhalt: Arbeitsmarkt im Januar trotz Lockdown robust

+++ 7.900 Arbeitslose mehr als im Dezember +++ Arbeitslosenquote bei 8,2 Prozent +++ Saisonal bedingter Anstieg der Arbeitslosigkeit entspricht in etwa dem Niveau des Vorjahrs +++ 2.600 neue Anzeigen auf Kurzarbeit für 21.100 Beschäftigte +++ Markus Behrens: „Aktueller Lockdown hinterlässt weniger Spuren auf dem Arbeitsmarkt als die Beschränkungen im vergangenen Frühjahr. Kurzarbeit wirkt weiter beschäftigungssichernd. Wir müssen verhindern, dass Menschen wegen der Pandemie dauerhaft den Anschluss verlieren. +++

Die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen-Anhalt ist im Januar weiter gestiegen. Das entspricht aber dem typischen Saisonmuster. So waren im Januar 2021 91.200 Arbeitslose registriert, 7.900 mehr als im Vormonat (+9,5 Prozent). Dieser Anstieg entspricht in etwa dem Niveau des Vorjahres. Die Zahl der Arbeitslosen war zwischen Dezember und Januar 2019/20 um 7.400 (+9,5 Prozent) gestiegen. Die Arbeitslosigkeit im aktuellen Berichtsmonat lag aber weiterhin über dem Niveau des Vorjahres. So waren 6.100 Arbeitslose mehr registriert als im Januar 2020. Die Arbeitslosenquote lag im Berichtsmonat bei 8,2 Prozent. Das sind 0,7 Prozentpunkte mehr als im Dezember 2020 und 0,6 Prozentpunkte mehr als im Januar 2020. Der „Corona-Effekt", also die Zahl der Arbeitslosen, die aufgrund der Pandemie-Folgen zwischen März 2020 und Januar 2021 ihre Arbeit verloren haben, nicht vermittelt werden konnten oder eine Qualifizierungsmaßnahme nicht antreten konnten, lag im Berichtsmonat bei 12.700. Der „Corona-Effekt" bei der Arbeitslosenquote betrug 1,1 Prozentpunkte. Im Quotenranking ordnete sich Sachsen-Anhalt am unteren Ende vor Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Bremen ein.

Mehr Langzeitarbeitslose
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist wie bereits in den vergangenen Monaten weiter gestiegen. Im Januar waren 33.500 Männer und Frauen länger als ein Jahr ohne Job und gelten daher als langzeitarbeitslos. Das sind 1.900 mehr als im Dezember 2020 und 6.800 mehr als im Januar 2020. Grund für den deutlichen Anstieg: Der Arbeitsmarkt war im vergangenen Jahr deutlich weniger aufnahmefähig, insbesondere für Menschen mit geringerer Qualifikation, eingeschränkter Mobilität, gesundheitlichen Schwierigkeiten und Sprachdefiziten.

Arbeitsmarkt trotzt dem Lockdown
„Der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt zeigt sich zu Jahresbeginn verhältnismäßig robust. Der Dezember-Lockdown hinterlässt derzeit deutlich weniger Spuren als die Eindämmungsmaßnahmen im vergangenen Frühjahr. Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosigkeit ist vor allem auf die üblichen saisonalen Effekte, wie etwa witterungsbedingte Freisetzungen auf dem Bau und auslaufende Jahresverträge, zurückzuführen. Viele Unternehmen halten an ihren Mitarbeitern fest. Auch weil sie durch den Impfstart eine realistische Perspektive auf eine Verbesserung der Situation haben. Die Kurzarbeit unterstützt sie dabei. Ein Großteil der pandemiebedingten Entlassungen haben bereits im vergangenen Jahr nach dem ersten Lockdown stattgefunden. Die so im vergangenen Jahr aufgebaute „Corona-Arbeitslosigkeit" schmilzt trotz der aktuell vorherrschenden saisonalen Einflüsse weiter ab. Lockerungen von Maßnahmen, damit verbundene Nachholeffekte und die zu erwartende saisonale Belebung in den kommenden Monaten könnten dem Arbeitsmarkt einen kräftigen Schub geben, der zu einem spürbaren Rückgang der Arbeitslosigkeit führen würde. Das hängt aber im Wesentlichen von der weiteren Dauer des Lockdowns ab. Ein besonderes Augenmerk muss der Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit gelten. Wir müssen mit gezielter Qualifizierung verhindern, dass Menschen wegen der Pandemie dauerhaft den Anschluss verlieren. Das gilt etwa für Geringqualifizierte oder auch Menschen mit Sprachdefiziten", erklärte der Geschäftsführer der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Markus Behrens.

Einstellungen und Entlassungen
8.500 Menschen meldeten sich im Januar aus einer Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt arbeitslos. Das waren etwa 3.200 mehr als im Vormonat aber 1.200 weniger als vor einem Jahr. Die meisten Arbeitslosmeldungen von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kamen aus dem Baugewerbe (rund 1.400), gefolgt vom Bereich wirtschaftliche Dienstleistung (1.200), dem verarbeitenden Gewerbe (rund 1.000) und dem Handel (knapp 1.000). 3.300 arbeitslose Männer und Frauen fanden eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt, das waren 400 weniger als im Vormonat und knapp 300 weniger als im Januar 2020. Die Arbeitgeber meldeten im Berichtsmonat über 2.700 neue Stellen, das waren etwa 1.000 weniger als im Vormonat und 100 weniger als vor einem Jahr. Rund 27 Prozent der neu gemeldeten Stellen kamen aus dem Bereich der Zeitarbeit, 11 Prozent aus dem verarbeitenden Gewerbe und etwa 10 Prozent jeweils aus dem Handel sowie dem Gesundheits- und Sozialwesen.

Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Monatsvergleich gestiegen
Stand November 2020 waren laut Hochrechnung in Sachsen-Anhalt 803.700 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 800 mehr als im Oktober 2020 und rund 4.000 weniger als im November 2019.

Zahl der Anzeigen für Kurzarbeit steigt im Vergleich zum Vormonat weiter an
Im Januar ist die Zahl der neuen Anzeigen für konjunkturelles Kurzarbeitergeld weiter angestiegen. Bei den Arbeitsagenturen wurden 2.600 Anzeigen für 21.100 Beschäftigte registriert. Im Dezember waren es 2.200 Anzeigen für 18.400 Beschäftigte gewesen. Besonders betroffen waren im Berichtsmonat etwa der Einzelhandel mit 600 Anzeigen für 4.700 Beschäftigte; aber auch der Bereich Gebäudebetreuung, Garten- und Landschaftsbau mit 74 Anzeigen für 2.000 Beschäftigte. Im Wirtschaftszweig „persönlichen Dienstleistungen", dazu gehören etwa Frisör- oder Kosmetiksalons, gab es fast 600 Anzeigen für 1.900 Beschäftigte. Betriebe aus den Bereichen Gastronomie und Beherbergung zeigten in mehr als 200 Fällen Kurzarbeit für knapp 1.900 Beschäftigte an.

Unterbeschäftigung gestiegen
In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die Teilnehmer in Maßnahmen sind oder einen Sonderstatus (etwa kurzfristige Arbeitsunfähigkeit) innehaben und damit nicht als arbeitslos zu zählen sind. Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag im Januar 2021 bei 122.000. Das waren 4.600 mehr als im Vormonat und 300 mehr als im Vorjahresmonat. Die Unterbeschäftigungsquote lag bei 10,7 Prozent, 0,4 Prozentpunkte mehr als im Dezember 2020.

Grundsicherung („Hartz IV") – Mehr Selbstständige beantragen Grundsicherung -Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten geht aber im Jahresvergleich weiter zurück
Im Januar haben etwa 240 Selbstständige Anträge auf Grundsicherung neu bewilligt bekommen, 110 mehr als im Vormonat. Damit bezogen seit April insgesamt 2.900 Selbständige neu Grundsicherung. Rund 480 Menschen haben im Januar Grundsicherungsleistungen neu bewilligt bekommen, weil sie mit ihrem Einkommen aus abhängiger Beschäftigung den Lebensunterhalt nicht decken konnten. Das waren etwa 20 mehr als im Dezember. Die Jobcenter in Sachsen-Anhalt betreuten im Berichtsmonat insgesamt rund 131.000 erwerbsfähige Leistungsberechtige. Das waren in etwa genauso viele wie im Dezember 2020 und 8.300 weniger als im Januar 2020.

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