16.10.2019 | Presseinfo Nr. 59

Sachsen-Anhalt: Zahl der Leiharbeiter sinkt weiter

Rückgang vor allem in Metall- und Elektroberufen – Senius: „Fachkräfteengpässe, neue Gesetze und konjunkturelle Lage ursächlich für Entwicklung - Jeder fünfte Beschäftigte aus Asylherkunftsländern ist Leiharbeiter

Die Zahl der Beschäftigten in der Leiharbeit geht weiter zurück. Im März 2019 gab es in Sachsen-Anhalt 21.116 sozialversicherungspflichtig oder geringfügig beschäftigte Leiharbeiter. Das sind 2.613 weniger als im Vorjahresmonat. Prozentual beträgt der Rückgang 11 Prozent. Damit setzt sich der Trend des Vorjahres fort. Zwischen März 2017 und März 2018 war die Zahl der Leiharbeiter um knapp 9 Prozent gesunken. Im März 2017 hatten noch 26.052 Leiharbeiter in Sachsen-Anhalt gearbeitet. Für Kay Senius, Chef der Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt, gibt es drei Hauptgründe für die Entwicklung: „Aufgrund des Fachkräftemangels stellen immer mehr Unternehmen ehemalige Leiharbeiter fest ein. Und auch die jüngsten gesetzlichen Änderungen in der Leiharbeit führen dazu, dass Leiharbeitnehmer vermehrt vom Entleihbetrieb übernommen wurden oder eine Beschäftigung außerhalb der Zeitarbeit gefunden haben." Ein weiterer Faktor sei für Senius aber auch die aktuelle konjunkturelle Schwächephase. „Ist eine Abschwungphase spürbar, gehört der Bereich Arbeitnehmerüberlassung aufgrund seiner Flexibilität zu den Sektoren, bei denen die Zeichen der wirtschaftlichen Eintrübung zuerst sichtbar werden. Bevor Unternehmen ihre Stammbelegschaft freisetzen, reduzieren sie in der Regel die Inanspruchnahme von Zeitarbeit", erklärte Senius.

Rückgang in Metallbau- und Elektroberufen

Die konjunkturellen Einflüsse werden deutlicher, wenn man den Trend des vergangenen Jahres nach ausgeübten Tätigkeiten der Leiharbeiter differenziert. Während zum Beispiel die Zahl der Leiharbeiter, die im Metallbereich arbeiteten, zwischen 2018 und 2019 um 26 Prozent und die der Leiharbeiter in Mechatronik- und Elektroberufen sogar um über 28 Prozent sank, gab es etwa bei den Leiharbeitern, die als Fahrzeugführer arbeiteten, ein Plus von acht Prozent. Die Zahl der Leiharbeiter, die in Gesundheits- und Sozialberufen arbeiteten, stieg um knapp 13 Prozent. „Metallbau- und Elektroberufe sind überwiegend im produzierenden Gewerbe zu finden, das stärker von der Konjunktur abhängig ist. Verkehr und Logistikjobs reagieren hingegen häufiger auf die Binnennachfrage. Im Bereich Gesundheit und Soziales ist der Fachkräftebedarf so groß, dass Kliniken und Pflegeeinrichtungen oft nur noch mit Leiharbeit ihre Dienstleistungen vollumfänglich zur Verfügung stellen können", so Senius.

Zahl der ausländischen Leiharbeiter steigt – Jeder fünfte Beschäftigte aus Asylländern ist Leiharbeiter

Unterschiedlich verläuft die Entwicklung des vergangenen Jahres auch je nach Herkunft der Leiharbeiter: Die Zahl der deutschen Leiharbeiter sank um 16 Prozent während die Zahl der ausländischen Leiharbeiter um fast 17 Prozent gestiegen ist. Die Zahl der Leiharbeiter aus sogenannten Asylherkunftsländern stieg sogar um fast 58 Prozent. Im März 2019 war jeder vierte Beschäftigte aus Asylherkunftsländern Leiharbeiter. Bei den deutschen Beschäftigten liegt der Leiharbeiteranteil bei 2,0 Prozent.

Zeitarbeit häufig Einstiegsmöglichkeit für Geflüchtete

Zeitarbeit biete Ausländern und Geflüchteten eine gute Einstiegsmöglichkeit in den deutschen Arbeitsmarkt, auch weil Zeitarbeitsunternehmen für manche Einsatzbereiche kein deutsches Personal mehr finden, sagte Senius. „Für den Ausbau von Sprachkenntnissen und Netzwerken ist eine Beschäftigung in Zeitarbeit ein guter Anfang. Wichtig bleibt aber, dass der Einsatz als Leiharbeiter nicht über einen längeren Zeitraum erfolgt. Denn die Beschäftigungsverhältnisse sind instabiler als Normalarbeitsverhältnisse. Das gilt insbesondere für konjunkturelle Schwächephasen", so Senius weiter.