26.07.2021 | Presseinfo Nr. 46

Sachsen-Anhalt: Bruttomonatsentgelte gestiegen

Geringerer Anstieg der Entgelte als in den Vorjahren – Entgelte in der Gastronomie sinken im Vergleich zum Vorjahr – Frauen verdienen weiter mehr als Männer – In Halle wird im Schnitt besser bezahlt als in Salzwedel - Bei den am besten bezahlten Berufen liegen Ärzte und Lehrer vorne – Schlusslichter sind Friseure und Kosmetiker

Die Bruttomonatsentgelte1 von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten in Sachsen-Anhalt sind im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das zeigt die neue BA-Entgeltstatistik. Im Dezember 2020 lag der Median2 bei 2.754 Euro, im Vorjahr verdienten Vollzeitbeschäftigte in Sachsen-Anhalt noch 2.702 Euro brutto im Monat. Der Zuwachs zwischen Dezember 2019 und Dezember 2020 betrug damit knapp 2 Prozent. Er ist aber weniger stark als in den Vorjahren. So war das Medianentgelt zwischen Dezember 2017 und 2018 und zwischen 2018 und 2019 um jeweils rund 4 Prozent gestiegen.
 

Verdienste in Sachsen-Anhalt weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt
Der Bruttomonatsverdienst in Sachsen-Anhalt liegt weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt. So lag der Medianlohn im Dezember 2020 bundesweit bei 3.427 Euro, in Westdeutschland sogar bei 3.540 Euro. Allerdings ist die Zuwachsrate zwischen 2019 und 2020 in Sachsen-Anhalt in Höhe von knapp 2 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt. Hier lag der Anstieg des Medianlohns nur bei 0,8 Prozent, in Westdeutschland bei 0,4 Prozent.
 

Kurzarbeit wirkt sich auf Entgeltentwicklung in Sachsen-Anhalt aus
„Zu den Hochzeiten der Pandemie im Jahr 2020 war jeder achte Beschäftigte in Kurzarbeit. Die Leistung hat den durch die Pandemiefolgen entstandenen finanziellen Schaden vieler Beschäftigter abgefedert und viele vor Arbeitslosigkeit bewahrt. Dennoch hat sich der Bezug von Kurzarbeitergeld auch auf die Bruttoverdienste ausgewirkt und die Entwicklung der vergangenen Jahre gedämpft. Jedoch waren nicht alle Branchen gleichermaßen von Lockdowns und Kurzarbeit betroffen. In Sachsen-Anhalt arbeiten viele Menschen im öffentlichen Dienst und im Gesundheits- und Pflegebereich, wo die Entgeltsituation stabil geblieben ist. In diesen Bereichen gab es keine oder deutlich wenige Kurzarbeit. Und zum anderen wurden hier zum Teil auch sogenannte „Corona-Prämien“ ausgezahlt, die sich wiederum positiv auf die Entgelte ausgewirkt haben“, erklärte Markus Behrens, Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen. So haben sich zum Beispiel die Bruttoentgelte von Beschäftigten im Gastgewerbe verringert. Im Dezember 2019 lag das Medianenggelt in der Branche noch bei 1.797, ein Jahr später dann nur noch bei 1.748. Das entspricht einem Rückgang von 2,7 Prozent. Auch im Bereich „Erziehung und Unterricht“ sind die Entgelte 2020 im Vergleich zum Dezember 2019 zurückgegangen. Und zwar um knapp 0,8 Prozent. Im Handel gab es im gleichen Zeitraum nur einen vergleichsweise leichten Anstieg der Entgelte von knapp 0,7 Prozent. Im verarbeitenden Gewerbe stiegen die Bruttomonatsentgelte um 1,2 Prozent, in der öffentlichen Verwaltung um 1,7 Prozent und bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen sogar um 3,6 Prozent.

1 Bruttomonatsentgelt: Es handelt sich um das Arbeitsentgelt vor Abzug von Steuern (Lohnsteuer, Solidaritätsbeitrag, ggf. Kirchensteuer) und Sozialversicherungsbeiträgen (i. d. R. Renten-, Kranken-, Arbeitslosen-, Pflegeversicherung). Dazu gehören auch
• Urlaubs- und Weihnachtsgelder, Tantiemen, Gratifikationen,
• Mehrarbeits-/Überstundenvergütungen und Mehrarbeitszuschläge,
• Familienzuschläge,
• Gefahrenzuschläge und Schmutzzulagen sowie
• Provisionen und Abfindungen.
2 Median: Die Entgelt-Statistik betrachtet üblicherweise den Median. Er teilt die Entgelte in zwei Hälften: Eine Hälfte der Beschäftigten erzielt ein Entgelt unter dem Medianwert, das Entgelt der anderen Hälfte liegt über dem Median.

Statistisch verdienen Frauen in Sachsen-Anhalt weiter mehr als Männer
Betrachtet man die Bruttomonatsentgelte nach Geschlechtern, so fällt auf, dass Frauen in Sachsen-Anhalt im Schnitt höhere Entgelte erzielen als Männer. So lag der Medianlohn von Frauen im Dezember 2020 bei 2.795 Euro, während Männer einen Medianlohn von 2.737 Euro brutto im Monat erzielten. Auch war der Anstieg bei den Bruttomonatsentgelten zwischen Dezember 2019 und Dezember 2020 bei Frauen mit 2,4 Prozent höher als bei den Männern, bei denen die Steigerung des Entgelts im gleichen Zeitraum 1,7 Prozent betrug. „Frauen in Sachsen-Anhalt sind häufiger in Bildungs-, Erziehungs- und Verwaltungsberufen beschäftigt, in denen insgesamt höheren Einkommen erzielt werden und die oft auch Tarifbindungen unterliegen. Zudem waren diese Berufe weniger von Kurzarbeit betroffen. Männer hingegen arbeiten oft im verarbeitenden Gewerbe und in Bauberufen, in denen in der Regel niedrigere Entgelte erzielt werden und die auch anfälliger für konjunkturelle Kriseneffekte sind“, sagte Markus Behrens.
 

In Halle wird am meisten verdient
Auch regional geht die Schere bei den Entgelten auseinander. So wird in Sachsen-Anhalt in den Städten mehr verdient als auf dem Land. Der Median des Bruttomonatsentgelt ist in Halle mit 3.080 Euro am höchsten. Auf Platz zwei liegt Magdeburg mit 3.035 Euro und auf Rang drei Dessau mit 2.952 Euro. Die niedrigsten Entgelte werden im Altmarktkreis Salzwedel gezahlt. Dort liegt der Median des Bruttomonatsentgelts bei 2.534 Euro. „In den Städten konzentrieren sich große Arbeitgeber des Öffentlichen Dienstes, Universitäten, Hochschulen, Schulen und auch größere Betriebe, in denen oft bessere Gehälter gezahlt werden“, erklärte Markus Behrens.
 

Berufe: Bruttomonatsentgelte bei Ärzten am höchsten und bei Frisören und Kosmetikern am niedrigsten
Nach der BA-Entgeltstatistik haben Zahn- und Humanmediziner in Sachsen-Anhalt den höchsten Bruttomedianlohn. Er lag im Dezember 2020 bei 6.391 Euro. Auf Platz zwei: Lehrer an allgemeinbildenden Schulen mit 5.653 Euro. Die niedrigsten Bruttoentgelte wurden in Berufen in der Gastronomie mit 1.708 und in Berufen der Körperpflege (etwa Friseure und Kosmetikerinnen) mit 1.470 Euro gezahlt. „Grundsätzlich gilt: Eine Berufsausbildung oder ein Studium machen sich definitiv bezahlt, insbesondere auf lange Sicht. Auf der einen Seite ist das Risiko arbeitslos zu werden mit Studium oder Ausbildung deutlich geringer als bei Menschen ohne Abschluss. Auf der anderen Seite kommen Ausbildungs- und Hochschulabsolventen auf deutlich höhere Einkommen“, erklärte Markus Behrens. So lag der Median des Bruttomonatsentgelts von Menschen ohne Berufsabschluss in Sachsen-Anhalt im Dezember 2020 bei 2.100 Euro, bei Menschen mit anerkanntem Berufsabschluss Ausbildung bei 2.651 Euro und bei Akademikern sogar bei 4.485 Euro.