Arbeitsmarktprognose für 2022: Mehr Jobs- weniger Arbeitslose in Sachsen-Anhalt

Fast 11.000 Arbeitslose weniger für 2022 prognostiziert +++ Demografie bremst Beschäftigungswachstum +++ Behrens: „Es wird in vielen Branchen an Fachkräften fehlen! Die Themen Zuwanderung und Qualifizierung von Beschäftigten müssen noch mehr im Fokus stehen.“

18.10.2021 | Presseinfo Nr. 62

Wissenschaftler des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben ihre regionalen Arbeitsmarktprognosen für das Jahr 2022 mit verschiedenen Rechenmodellen vorgelegt. In ihrem Mittelwertszenario gehen die Arbeitsmarktexperten weiter davon aus, dass die Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt im Jahresschnitt 2022 sinkt und gleichzeitig neue Jobs entstehen, wenngleich deutlich weniger als im Bundesschnitt. „Wie alle ostdeutschen Flächenländer ist auch Sachsen-Anhalt besonders stark von der Alterung der Bevölkerung betroffen. Die Zahl der jährlichen Renteneintritte ist deutlich größer als die Zahl der Schulabsolventen. Perspektivisch wird es daher zu einem Rückgang der Beschäftigtenzahlen kommen. Gleichzeitig führt die demografische Entwicklung zu einem deutlich stärkeren Rückgang der Arbeitslosigkeit als etwa in westdeutschen Ländern“, erklärte IAB-Wissenschaftler Dr. Per Kropp.

Beschäftigung: Vergleichsweise geringes Wachstum erwartet
Im Jahr 2022 rechnen die Forscher des IAB in ihrem Mittelwertszenario mit durchschnittlich 805.800 sozialversicherungspflichtigen Jobs in Sachsen-Anhalt. Das wären 4.500 Beschäftigte mehr als im hochgerechneten Jahresdurchschnitt 2021 von 801.300 Beschäftigten und entspräche einem Job-Wachstum von 0,6 Prozent. Für den Bundesschnitt prognostizieren die IAB-Wissenschaftler gleichzeitig ein Wachstum von 1,6 Prozent und für Ostdeutschland ein Job-Plus von 1,2 Prozent. Das Untergrenzenszenario der IAB-Wissenschaftler geht in Sachsen-Anhalt von einem Rückgang der Beschäftigung in Höhe von -0,6 Prozent aus. Konkret würde das für das kommende Jahr 4.700 Jobs weniger als 2021 bedeuten. Im besten Fall rechnen die Arbeitsmarktexperten mit einem Jobwachstum von 1,7 Prozent. Das wären 13.600 neue Jobs mehr im Jahr 2022 als 2021.

Arbeitslosigkeit sinkt deutlich
Wie beim Thema „Beschäftigung“ zeigen die Rechenmodelle der IAB-Wissenschaftler auch beim Thema „Arbeitslosigkeit“ eine sehr weite Bandbreite: In ihrem Mittelwertszenario rechnen die IAB-Forscher für das Jahr 2022 mit durchschnittlich 69.400 Arbeitslosen. Das entspricht einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 13,5 Prozent im Vergleich zum Jahresdurchschnitt 2021 mit 80.200 Arbeitslosen. Deutschlandweit prognostizieren die Experten in der Mittelwertprognose einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um 11,1 Prozent.

Thema „Zuwanderung“ und Qualifizierung von Beschäftigten immer wichtiger
„Der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt hat sich weitestgehend von der Krise erholt. Die demografische Entwicklung, die Digitalisierung und der Strukturwandel bleiben die größten Herausforderungen. Gerade die Demografie erweist sich immer mehr als bremsender Faktor für die Wirtschaft, weil es immer schwieriger wird Ersatz für Rentenabgänge zu finden. Und zwar nahezu unabhängig von der konjunkturellen Entwicklung. Vom Arzt über die Pflegekraft bis hin zum Bus- oder LKW-Fahrer, es wird in vielen Branchen an Fachkräfte fehlen. Diese Herausforderungen lassen sich perspektivisch nur lösen, wenn die Zuwanderung von Fachkräften forciert wird und auch Menschen mit unfreiwilliger Teilzeit länger arbeiten können. Weil auch das Potential der Arbeitslosen immer weiter zurückgeht, wird das Thema Weiterbildung und Qualifizierung von Ungelernten oder Geringqualifizierten in Unternehmen in dem Zusammenhang immer wichtiger. Denn durch die Digitalisierung können viele Tätigkeiten durch technische Prozesse ersetzt werden. Gleichzeitig entstehen in den Unternehmen aber neue Tätigkeiten mit höheren Anforderungsniveaus. Dafür fehlt es aber wiederum an Personal“, erklärte Markus Behrens, Geschäftsführer der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen.

Bundesagentur für Arbeit berät flächendeckend Unternehmen und Beschäftigte zu Weiterbildung und fördert diese
Die BA habe sich auf den Wandel eingestellt. „Wir beraten flächendeckend Unternehmen und Beschäftigte zu Weiterbildung und Qualifizierung und unterstützen sie mit entsprechenden Förderangeboten. Wer seine Mitarbeiter oder sich selbst beruflich weiterentwickeln will, der ist bei uns richtig“, so Behrens weiter. Mehr Informationen und Kontaktmöglichkeiten finden Unternehmer und Beschäftigte unter
https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/rd-sat/berufsberatung-im-erwerbsleben

Die Prognose und den IAB-Kurzbericht finden Sie hier zum Download:
https://www.iab.de/194/section.aspx/Publikation/K211012MA3

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