31.08.2022 | Presseinfo Nr. 41

Sachsen-Anhalt: Ukrainekonflikt verstärkt den saisonalen Anstieg der Arbeitslosigkeit

Arbeitslosenquote erhöht sich auf 7,4 Prozent +++ Arbeitgeber meldeten im August 3.500 neue Stellen +++ Bei den Arbeitsagenturen sind 23.300 Stellenangebote gelistet +++ Behrens: „Trotz wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten bleiben die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt im August noch moderat. Die Sommerpause und der Zuwachs Geflüchteter bestimmen das Geschehen. Es gab mehr Beschäftigte als vor einem Jahr.“

Die Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt ist im August 2022 gestiegen. So waren im August 81.100 Arbeitslose registriert, 2.500 mehr als im Vormonat (3,2 Prozent). Die Zahl der ukrainischen Arbeitslosen ist im August um 700 auf rund 5.200 Personen gestiegen. Die Arbeitslosigkeit im August 2022 lag damit über dem Niveau des Vorjahres und auch über dem Wert von 2019. Im August 2021 zählten die Arbeitsagenturen im Land 79.100 Arbeitslose und im August 2019 79.900 Arbeitslose. Die Arbeitslosenquote lag in diesem Berichtsmonat bei 7,4 Prozent. Das waren 0,2 Prozentpunkte mehr als im Juli. Zum Vergleich: Die Arbeitslosenquote lag im August 2021 und im August 2019 bei jeweils 7,1 Prozent. Im Ländervergleich lag die Arbeitslosenquote in Sachsen-Anhalt im aktuellen Berichtsmonat unter den Quoten von Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Bremen.

Zahl der Langzeitarbeitslosen ist zum Vormonat leicht gestiegen
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im August 2022 gestiegen. So waren im Berichtsmonat 29.400 rund Männer und Frauen länger als ein Jahr ohne Arbeit und galten daher als langzeitarbeitslos. Das waren 100 mehr als im Juli 2022 aber 4.100 weniger als im August 2021. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen beträgt in Sachsen-Anhalt 36,2 Prozent. Vor einem Jahr lag der Anteil bei reichlich 42 Prozent.

„Die Unternehmen halten ihre Fachkräfte, auch wenn die wirtschaftliche Lage in vielen Firmen angespannt ist. Es gab den zweiten Monat in Folge mehr Jüngere, die sich zwischen Schule und Ausbildung oder Berufsstart arbeitslos meldeten. Auch Unternehmer starten ihre Einstellungen meist nach der Urlaubszeit. Die Betreuung der ukrainischen Menschen in der Grundsicherung läuft weitgehend problemlos. Die Gewährung der Leistungen ist gesichert. Jetzt stehen Gespräche mit den Vermittlungs- und Integrationsfachkräften an, um Sprachdefizite auszugleichen und Integrationen in den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Die Inflation, die rasant steigenden Energiekosten und die Lieferengpässe belasten die wirtschaftliche Entwicklung. In der Elektroindustrie, dem Maschinenbau und in der Automobilbranche berichten viele Unternehmen, dass sie nicht alle Materialien und Vorprodukte bekommen. Hinzu kommen Risiken aufgrund der unklaren Gaslieferungen aus Russland. Die Entwicklung der nächsten Monate bleibt also mit hohen Unsicherheiten verbunden. Viele Betriebe müssen ihre Preise erhöhen oder erwarten Preiserhöhungen. Das kann in Folge mit Personalanpassungen und weniger Einstellungen verbunden sein. Die anhaltend hohe Inflation drückt weiter auf die Konsumneigung. Es ist zu befürchten, dass der Privatkonsum als Konjunkturstütze in
den nächsten Monaten zurückgeht“, erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung der
BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Markus Behrens.


Einstellungen und Entlassungen
Reichlich 5.000 Menschen meldeten sich im August 2022 aus einer Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt arbeitslos. Das waren 400 mehr als im Vormonat und 200 mehr als vor einem Jahr. Die meisten Arbeitslosmeldungen von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kamen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen (700), dem Handel/Instandhaltung/Reparatur von Kfz (600), sowie der Arbeitnehmerüberlassung und dem verarbeitenden Gewerbe (jeweils 500). 3.800 arbeitslose Männer und Frauen fanden eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt, das waren 100 mehr als im Vormonat und 700 weniger als im August 2021.

Die Arbeitgeber meldeten im Berichtsmonat 3.500 neue Stellen, das waren rund 700 weniger als im Vormonat und 1.000 weniger als vor einem Jahr. Rund 19 Prozent der neu gemeldeten Stellen kamen aus dem Bereich der Zeitarbeit, 12 Prozent aus dem verarbeitenden Gewerbe, jeweils 10 Prozent aus dem Handel/Instandhaltung/Reparatur von Kfz sowie der öffentlichen Verwaltung und 8 Prozent aus dem Gesundheits- und Sozialwesen.


Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten weiter gestiegen
Stand Juni 2022 waren laut Hochrechnung in Sachsen-Anhalt 803.100 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 200 mehr als im Mai 2022 und 4.300 mehr als im Juni 2021.

Kurzarbeit: Anzeigen und realisierte Kurzarbeit

Die Arbeitsagenturen registrierten im August rund 60 Anzeigen für etwa 500 Beschäftigte. Im Juli waren es 70 Anzeigen für 1.000 Beschäftigte gewesen. Besonders betroffen war im Berichtsmonat die Herstellung von Metallerzeugnissen mit vier Anzeigen sowie die Bauvorbereitung/ das Ausbaugewerbe mit acht Anzeigen für jeweils 80 Mitarbeiter. Betrachtet man die tatsächlich realisierte Kurzarbeit, so waren nach ersten Hochrechnungen im Mai 2022 3.900 Beschäftigte in 600 Betrieben in Kurzarbeit. Rein rechnerisch waren damit im Mai 0,5 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Sachsen-Anhalt von Kurzarbeit betroffen. Im April 2022 waren
hochgerechnet 0,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von Kurzarbeit betroffen gewesen.

Unterbeschäftigung ist gestiegen
In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die Teilnehmer in Maßnahmen sind oder einen Sonderstatus (etwa kurzfristige Arbeitsunfähigkeit) innehaben und damit nicht als arbeitslos zu zählen sind. Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag im August 2022 bei 110.700. Das waren knapp 2.600 mehr als im Vormonat und knapp 100 weniger als im Vorjahresmonat. Die Unterbeschäftigungsquote lag bei 9,9 Prozent. Das waren 0,2 Prozentpunkte mehr als im Juli.


Grundsicherung („Hartz IV“) – Zahl erwerbsfähige Leistungsberechtigte gesunken
Die Jobcenter in Sachsen-Anhalt betreuten im Berichtsmonat insgesamt 126.100 erwerbsfähige Leistungsberechtige. Das waren 1.900 weniger als im Juli und 1.100 weniger als vor einem Jahr. Insgesamt 12.100 erwerbsfähige Personen kamen aus der Ukraine, 1.300 mehr als vor einem Monat und 11.700 mehr als vor einem Jahr.

Statistik-Daten bilden die Entwicklung am Arbeitsmarkt bis zum Zähltag 11.08. 2022 ab.


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