31.08.2022 | Presseinfo Nr. 42

Thüringen: Ukrainekonflikt verstärkt den saisonalen Anstieg der Arbeitslosigkeit

Arbeitslosenquote erhöht sich auf 5,6 Prozent +++ Arbeitgeber melden im August 3.400 neue Stellen +++ Bei den Arbeitsagenturen sind 21.900 Stellenangebote gelistet +++ Behrens: „Trotz wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten bleiben die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt im August noch moderat. Die Sommerpause und der Zuwachs Geflüchteter bestimmen das Geschehen. Es gab mehr Beschäftigte als vor einem Jahr.“

Die Arbeitslosigkeit in Thüringen ist im August 2022 gestiegen. So waren im August 61.500 Arbeitslose registriert, 2.900 mehr als im Vormonat (5,0 Prozent). Die Zahl der ukrainischen Arbeitslosen ist im August um 1.100 auf rund 5.600 Personen gestiegen. Die Arbeitslosigkeit im August 2022 lag damit über dem Niveau des Vorjahres und über dem Wert von 2019. Im August 2021 zählten die Arbeitsagenturen im Land 60.200 Arbeitslose und im August 2019 59.300 Arbeitslose. Die Arbeitslosenquote lag in diesem Berichtsmonat bei 5,6 Prozent. Das waren 0,2 Prozentpunkte mehr als im Juli. Zum Vergleich: Die Arbeitslosenquote lag im August 2021 bei 5,4 Prozent und im August 2019 bei 5,3 Prozent. Im Ländervergleich lag die Arbeitslosenquote in Thüringen gleichauf mit Niedersachsen und unter der von Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Bremen sowie unter allen anderen Ost-Ländern.

Zahl der Langzeitarbeitslosen gesunken
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im August 2022 gesunken. So waren im Berichtsmonat rund 20.500 Männer und Frauen länger als ein Jahr ohne Arbeit und galten daher als langzeitarbeitslos. Das waren 200 weniger als im Juli 2022 und 3.800 weniger als im August 2021. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen beträgt in Thüringen rund 33 Prozent. Vor einem Jahr lag der Anteil bei reichlich 40 Prozent.

„Die Unternehmen halten ihre Fachkräfte, auch wenn die wirtschaftliche Lage in vielen Firmen angespannt ist. Es gab den zweiten Monat in Folge mehr Jüngere, die sich zwischen Schule und Ausbildung oder Berufsstart arbeitslos meldeten. Auch Unternehmer starten ihre Einstellungen meist nach der Urlaubszeit. Die Betreuung der ukrainischen Menschen in der Grundsicherung läuft weitgehend problemlos. Die Gewährung der Leistungen ist gesichert. Jetzt stehen Gespräche mit den Vermittlungs- und Integrationsfachkräften an, um Sprachdefizite auszugleichen und Integrationen in den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Die Inflation, die rasant steigenden Energiekosten und die Lieferengpässe belasten die wirtschaftliche Entwicklung. In der Elektroindustrie, dem Maschinenbau und in der Automobilbranche berichten viele Unternehmen, dass sie nicht alle Materialien und Vorprodukte bekommen. Hinzu kommen Risiken aufgrund der unklaren Gaslieferungen aus Russland. Die Entwicklung der nächsten Monate bleibt also mit hohen Unsicherheiten verbunden. Viele Betriebe müssen ihre Preise erhöhen oder erwarten Preiserhöhungen. Das kann in Folge mit Personalanpassungen und weniger Einstellungen verbunden sein. Die anhaltend hohe Inflation drückt weiter auf die Konsumneigung. Es ist zu befürchten, dass der Privatkonsum als Konjunkturstütze in den nächsten Monaten zurückgeht“, erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Markus Behrens.

Einstellungen und Entlassungen
Knapp 4.800 Menschen meldeten sich im August aus einer Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt arbeitslos. Das waren rund 600 mehr als im Vormonat und 200 mehr als vor einem Jahr. Die meisten Arbeitslosmeldungen von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kamen aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Gesundheits- und Sozialwesen (jeweils 700), dem Handel/ Instandhaltung/Reparatur von Kfz und der Arbeitnehmerüberlassung (jeweils 500). 3.200 arbeitslose Männer und Frauen fanden eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt, das waren 100 mehr als im Vormonat und 800 weniger als vor einem Jahr.

Die Arbeitgeber meldeten im Berichtsmonat 3.400 neue Stellen, das waren 300 weniger als im Vormonat und 1.600 weniger als vor einem Jahr. Rund 23 Prozent der neu gemeldeten Stellen kamen aus dem Bereich der Zeitarbeit, 15 Prozent aus dem verarbeitenden Gewerbe und jeweils 10 Prozent aus dem Handel/Instandhaltung/Reparatur von Kfz sowie dem Gesundheits- und Sozialwesen.

Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Jahresvergleich gestiegen
Stand Juni 2022 waren laut Hochrechnung in Thüringen 803.100 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 300 weniger als im Mai 2022 und 6.900 mehr als im Juni 2021.

Kurzarbeit: Anzeigen und realisierte Kurzarbeit
Die Arbeitsagenturen registrierten im August etwa 70 Anzeigen für 1.100 Beschäftigte. Im Juli waren es noch 100 Anzeigen für 2.500 Beschäftigte gewesen. Besonders betroffen waren im Berichtsmonat, die Bauvorbereitung mit elf Anzeigen für 70 Beschäftigte und die Herstellung von Metallerzeugnissen mit sechs Anzeigen für 200 Beschäftigte. Betrachtet man die tatsächlich realisierte Kurzarbeit, so waren nach ersten Hochrechnungen im Mai 2022 rund 8.200 Beschäftigte in 1.300 Betrieben in Kurzarbeit. Rein rechnerisch waren damit im April 1,0 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Thüringen von Kurzarbeit betroffen. Im April 2022 waren hochgerechnet 1,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von Kurzarbeit betroffen gewesen.

Unterbeschäftigung ist gestiegen
In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die Teilnehmer in Maßnahmen sind oder einen Sonderstatus (etwa kurzfristige Arbeitsunfähigkeit) innehaben und damit nicht als arbeitslos zu zählen sind. Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag im August 2022 bei 79.100. Das waren 3.000 mehr als im Vormonat und 400 mehr als im Vorjahresmonat. Die Unterbeschäftigungsquote lag bei 7,1 Prozent. Das waren 0,2 Prozentpunkte mehr als im Juli.

Grundsicherung („Hartz IV“) – Zahl erwerbsfähige Leistungsberechtigte gestiegen
Die Jobcenter in Thüringen betreuten im Berichtsmonat insgesamt rund 81.900 erwerbsfähige Leistungsberechtige. Das waren 1.000 mehr als im Vormonat und 500 weniger als vor einem Jahr. Insgesamt 10.200 erwerbsfähige Personen kamen aus der Ukraine, 1.700 mehr als vor einem Monat und 9.900 mehr als vor einem Jahr.

Statistik-Daten bilden die Entwicklung am Arbeitsmarkt bis zum Zähltag 11.08.2022 ab.

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