01.09.2020 | Presseinfo Nr. 65

Thüringer Arbeitsmarkt im August kaum verändert

Arbeitslosenquote leicht auf 6,4 gestiegen – 1.100 Arbeitslose mehr als im Juli –
Folgen der Pandemie: 14.000 Menschen arbeitslos und mehr unbesetzte Lehrstellen – stetig zurückgehende Anzeigen auf Kurzarbeit

Die Arbeitslosigkeit ist in Thüringen im August saisonüblich leicht angestiegen. 71.400 Frauen und Männer waren im August arbeitslos gemeldet. Das waren 1.100 Arbeitslose mehr als im Juli, und 12.100 Menschen mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ist im Berichtsmonat um 0,1 Prozentpunkte auf 6,4 Prozent leicht angestiegen. Im Vergleich zum August 2019 legte die Quote um 1,1 Prozentpunkte zu. Der „Corona-Effekt", also die Zahl der Arbeitslosen, die Aufgrund der Folgen der Corona-Pandemie zwischen März und August ihre Arbeit verloren haben, nicht vermittelt werden konnten oder eine Qualifizierungsmaßnahme nicht antreten konnten, liegt aktuell bei knapp 14.000. Der „Corona-Effekt" bei der Arbeitslosenquote beträgt 1,2 Prozentpunkte.

Stabilität in der Ausnahmesituation

„Die Arbeitslosigkeit hat im August eine saisonal normale Bewegung nach oben gemacht. Die Gründe sind sowohl in einer konjunkturellen Eintrübung zu finden als auch beim Übergang in Ausbildung und Arbeit. Diese jungen Menschen erscheinen jetzt in der Statistik. Insofern gibt es keine Auffälligkeit zum Vorjahr. Was Corona-bedingt allerdings anders ist, die Arbeitslosigkeit bewegt sich insgesamt weiterhin auf einem hohen Plateau. Immerhin sind in Thüringen über 12.000 Menschen mehr arbeitslos als im August 2019, Ausdruck der Krisensogwirkung vor allem in den konjunkturabhängigen Branchen. Der positive Rückschluss ist wiederum, dass sich der Arbeitsmarkt mit allen Stützmaßnahmen und der anlaufenden Wirtschaft stabil darstellt. In einer Situation, in der noch keine großen Sprünge zu erwarten sind, ist Stabilität, also das Halten des Status quo, eine der guten Nachrichten", erklärte Markus Behrens, Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen. Im Quotenranking der Länder liegt Thüringen hinter Schleswig-Holstein und Niedersachsen, gleichauf mit Brandenburg und vor Sachsen.

Einstellungen und Entlassungen

4.700 Menschen meldeten sich im August aus einer Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt arbeitslos. Das waren 400 mehr als im Vormonat und 300 weniger als im August 2019. Die meisten Arbeitslosmeldungen von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kamen aus dem verarbeitenden Gewerbe (700) gefolgt vom Gesundheits- und Sozialwesen (600), der Arbeitnehmerüberlassung (knapp 600), Handel und wirtschaftlichen Dienstleistungen (je 500). 4.300 arbeitslose Männer und Frauen fanden im August eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt, das waren 500 mehr als im Vormonat und 100 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitgeber meldeten im August knapp 4.500 neue Stellen, das waren knapp 200 mehr als im Vormonat und 50 weniger als im Vorjahr. Ein Drittel der gemeldeten Stellen kamen aus dem Bereich wirtschaftliche Dienstleistungen, wozu auch die Zeitarbeit gehört. Das verarbeitende Gewerbe, Gesundheits- und Sozialwesen sowie Handel folgen mit jeweils rund 10 Prozent.

Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zurückgegangen

Stand Juni waren in Thüringen 792.500 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 400 weniger als im Mai 2020 und 12.300 weniger als im Juni 2019. „Diese Hochrechnungen bilden noch nicht den Einfluss der Corona-Krise auf die Beschäftigungsdynamik ab. Die zugrundeliegende Tendenz ist aber so, dass die Beschäftigung in Thüringen schon vor der Corona-Krise sank", erklärte Markus Behrens.

Ausmaß der Kurzarbeit

Die Zahl der neuen Anzeigen auf Kurzarbeit ist weiter zurückgegangen. Von März bis Juli waren bei den Arbeitsagenturen in Thüringen 27.000 Anzeigen auf Kurzarbeit eingegangen. Dahinter standen fast 309.000 Beschäftigte. Im August gab es dagegen nur noch 140 neue Anzeigen für insgesamt 1.700 Beschäftigte. „Blickt man auf die Wirtschaftszweige, waren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem verarbeitenden Gewerbe mit Abstand die stärkste Personengruppe in angezeigter Kurzarbeit", erklärte Markus Behrens. Erste Hochrechnungen zur tatsächlich realisierten Kurzarbeit zeigen, dass es im März 67.600 Kurzarbeiter in 10.300 Betrieben und im April 139.500 Kurzarbeiter in 17.200 Betrieben gab. Im Mai waren es nach ersten Hochrechnungen 129.000 Kurzarbeiter in 15.000 Betrieben.

Unterbeschäftigung im Monatsvergleich leicht gestiegen

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die Teilnehmer in Maßnahmen sind oder einen Sonderstatus (etwa kurzfristige Arbeitsunfähigkeit) innehaben und damit nicht als arbeitslos zu zählen sind. Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag im August 2020 bei 90.700. Das waren knapp 200 mehr als im Juli und 8.000 mehr als im Vorjahresmonat. Die Unterbeschäftigungsquote lag im Berichtsmonat unverändert bei 8,0 Prozent.

Grundsicherung („Hartz IV") – insgesamt weniger Leistungsberechtigte

Im August haben knapp 70 Selbstständige Anträge auf Grundsicherung neu bewilligt bekommen, halb so viele wie im Vormonat. Damit bezogen seit April insgesamt knapp 2.600 Selbständige Grundsicherung. Gut 400 Menschen haben im August Grundsicherungsleistung neu bewilligt bekommen, weil sie mit ihrem Einkommen aus abhängiger Beschäftigung den Lebensunterhalt nicht decken konnten. Das waren etwa 100 weniger als noch im Juli. Die Jobcenter in Thüringen betreuten im August 2020 insgesamt 91.400 erwerbsfähige Leistungsberechtige. Das waren gut 300 weniger als im Juli.

Verzögerter Start in Ausbildung

Seit Oktober 2019 haben sich rund 8.600 junge Menschen bei den Arbeitsagenturen in Thüringen gemeldet, um in eine Ausbildung vermittelt zu werden. Das waren rund 1.200 weniger als im August 2019. Demgegenüber haben Betriebe und Träger 11.700 Ausbildungsstellen bei den Arbeitsagenturen zur Besetzung gemeldet, das waren 1.600 weniger als vor einem Jahr. Im Berichtsmonat hatten 1.800 registrierte Bewerber noch keinen Ausbildungsplatz gefunden. Das waren 300 mehr als vor einem Jahr. Demgegenüber standen 4.500 unbesetzte Ausbildungsstellen, ebenso viele wie im August 2019. „Es ist nicht zu spät für einen Ausbildungsstart noch in diesem Jahr. Ausbildungsstellen sind in Thüringen reichlich mehr als Bewerber vorhanden. Für alle, die jetzt Corona-bedingt verunsichert sind und noch suchen, lässt sich etwas finden. Unsere Ausbildungsvermittlung und auch die Kammern bemühen sich intensiv um die Nachzügler. Hotlines sind in allen Regionen geschaltet und persönliche Beratungen eingerichtet. Für alle gilt: Auf den letzten Metern nicht nachlassen!", appellierte Markus Behrens.