30.09.2020 | Presseinfo Nr. 67

Wieder spürbare Belebung auf dem Arbeitsmarkt in Thüringen

Herbstbelebung lässt Arbeitslosigkeit sinken – 3.300 Arbeitslose weniger als im Vormonat – Arbeitslosenquote sinkt um 0,3 Prozent auf 6,1 Prozent - Bedarf an Kurzarbeit steigt wieder – Markus Behrens: „Nachholeffekt bei Einstellungen"

Die Arbeitslosigkeit ist in Thüringen im September saisonüblich gesunken. 68.100 Frauen und Männer waren im September arbeitslos gemeldet. Das waren 3.300 Arbeitslose weniger als im August, und 11.500 Personen mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ist im Berichtsmonat um 0,3 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent gesunken. Im September 2019 legte die Quote um 1,0 Prozentpunkt zu. Der „Corona-Effekt", also die Zahl der Arbeitslosen, die aufgrund der Folgen der Corona-Pandemie zwischen März und September ihre Arbeit verloren haben, nicht vermittelt werden konnten oder eine Qualifizierungsmaßnahme nicht antreten konnten, liegt aktuell bei knapp 13.300. Der „Corona-Effekt" bei der Arbeitslosenquote beträgt 1,2 Prozentpunkte. Im Quotenranking der Länder lag Thüringen im September hinter Niedersachsen und Schleswig-Holstein, aber vor Brandenburg und Sachsen.

Arbeitsmarkt stabilisiert sich weiter

„Der Arbeitsmarkt hat sich im September weiter stabilisiert und normalisiert sich zunehmend. Er folgt dem saisontypischen Muster, welches wir auch in „normalen Jahren" beobachten. Im Zuge der Herbstbelebung besetzen Arbeitgeber typischerweise nach der Sommerpause neue Stellen, junge Menschen finden eine Ausbildungsstelle oder starten in ihren ersten Job nach der Lehre. Im Unterschied zu „normalen" Herbstmonaten bewegt sich die Arbeitslosigkeit derzeit aber insgesamt weiterhin auf einem höheren Niveau. Dafür ist aber der Belebungseffekt etwas stärker als etwa im September vergangenen Jahres. Wir gehen davon aus, dass das auf einen Nachholeffekt bei Einstellungen nach der akuten Corona-Krise zurückzuführen ist. Anders ist auch, dass es jüngere Menschen trotz des aktuell stabilen Trends in diesem Jahr schwerer haben in die Ausbildung oder in eine Beschäftigung zu starten. Es bleibt jetzt abzuwarten, ob es mit den staatlichen Stabilisierungsmaßnahmen, wie etwa der Kurzarbeit gelingt, die Folgen der konjunkturellen Verwerfungen für den Arbeitsmarkt weiterhin abzumildern und den Markt mittelfristig zu stabilisieren und normalisieren. Nicht zur vergessen: Neben der Coronakrise hinterlässt auch der Strukturwandel, der besonders das verarbeitende Gewerbe trifft, seine Spuren auf dem Arbeitsmarkt. So wie es derzeit aussieht, kommen wir in Thüringen aber mit einem blauen Auge aus der Krise. Es wird allerdings auch einige Zeit brauchen, bis wir den „Vor-Corona-Status" auf dem Arbeitsmarkt wieder erreicht haben", erklärte Markus Behrens, Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen.

Einstellungen und Entlassungen

4.200 Menschen meldeten sich im September aus einer Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt arbeitslos. Das waren 500 weniger als im Vormonat und 900 weniger als im September 2019. Die meisten Arbeitslosmeldungen von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kamen aus dem verarbeitenden Gewerbe (800) gefolgt von der Arbeit-nehmerüberlassung (600), dem Handel sowie den wirtschaftlichen Dienstleistungen (jeweils 500) und dem Gesundheits- und Sozialwesen (400). 5.400 arbeitslose Männer und Frauen fanden im September eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt, das waren 1.000 mehr als im Vormonat und 300 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitgeber meldeten im September knapp 4.000 neue Stellen, das waren knapp 500 weniger als im Vormonat und 600 weniger als im Vorjahr. Ein Drittel der gemeldeten Stellen kamen aus dem Bereich wirtschaftliche Dienstleistungen, wozu hier auch die Zeitarbeit gehört. Knapp 14 Prozent kamen aus dem verarbeitenden Gewerbe und ca. 10 Prozent aus dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie dem Handel.

Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zurückgegangen

Stand Juli waren in Thüringen 790.800 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 1.400 weniger als im Juni 2020 und 11.700 weniger als im Juli 2019. „Wir sehen bei der Hochrechnung zwei Grundtendenzen, die sich zum Teil überlagern und verstärken. Auf der einen Seite ist die Beschäftigungsentwicklung in Thüringen demografisch bedingt rückläufig. Dazu kommt jetzt der Einfluss des Strukturwandels und der schwächelnden Weltwirtschaft, die sich negativ auf die Zahl der Beschäftigten auswirkt", erklärte Markus Behrens.

Ausmaß der Kurzarbeit

Die Zahl der neuen Anzeigen auf Kurzarbeit ist im September deutlich zurückgegangen. Von März bis August waren bei den Arbeitsagenturen in Thüringen insgesamt 27.300 Anzeigen auf Kurzarbeit eingegangen. Dahinter standen knapp 313.200 Beschäftigte. Im September gab es dagegen nur noch 180 neue Anzeigen für insgesamt 2.700 Beschäftigte. „Blickt man auf die Wirtschaftszweige, waren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem verarbeitenden Gewerbe mit Abstand die stärkste Personen-gruppe in angezeigter Kurzarbeit", erklärte Markus Behrens. Erste Hochrechnungen zur tatsächlich realisierten Kurzarbeit zeigen, dass es im März 68.000 Kurzarbeiter in 10.300 Betrieben und im April 144.300 Kurzarbeiter in 17.400 Betrieben gab. Im Mai waren es nach ersten Hochrechnungen 141.500 Kurzarbeiter in 15.500 Betrieben, im Juni 109.800 Kurzarbeiter in 12.400 Betrieben.

Unterbeschäftigung im Monatsvergleich leicht gestiegen

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die Teilnehmer in Maßnahmen sind oder einen Sonderstatus (etwa kurzfristige Arbeitsunfähigkeit) innehaben und damit nicht als arbeitslos zu zählen sind. Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag im September 2020 bei 87.600 Das waren knapp 3.200 weniger als im August und 6.700 mehr als im Vorjahresmonat. Die Unterbeschäftigungsquote lag im Berichtsmonat bei 7,7 Prozent, 0,3 Prozentpunkte weniger als im August.

Grundsicherung („Hartz IV") – insgesamt weniger Leistungsberechtigte

Im September haben rund 60 Selbstständige Anträge auf Grundsicherung neu bewilligt bekommen, etwa gleich viele wie im Vormonat. Damit bezogen seit April insgesamt knapp 2.600 Selbständige Grundsicherung. Gut 380 Menschen haben im September Grundsicherungsleistung neu bewilligt bekommen, weil sie mit ihrem Einkommen aus abhängiger Beschäftigung den Lebensunterhalt nicht decken konnten. Das waren etwa 60 weniger als noch im August. Die Jobcenter in Thüringen betreuten im September 2020 insgesamt 88.700 erwerbsfähige Leistungsberechtige. Das waren gut 2.000 weniger als im August und 1.500 weniger als vor einem Jahr.