27.11.2020 | Presseinfo Nr. 73

Trotz Corona-Krise: Wissenschaftler erwarten für 2021 leichtes Jobwachstum und weniger Arbeitslose in Thüringen

 

Wissenschaftler des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben die regionale Arbeitsmarktprognose für das Jahr 2021 mit verschiedenen Rechenmodellen vorgelegt. In ihrem Mittelwertszenario gehen die Arbeitsmarktexperten davon aus, dass die Arbeitslosigkeit in Thüringen sinkt und neue Jobs entstehen – trotz Corona. Zu den Gründen für den Rückgang der Arbeitslosigkeit zählt Markus Behrens, Geschäftsführer der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, unter anderem die demografische Entwicklung und den damit verbundenen Ersatzbedarf der Unternehmen. Dazu kämen staatliche Maßnahmen, wie die heute im Bundesrat beschlossene Verlängerung der Sonderregelungen zum Kurzarbeitergeld, die viel Druck vom Arbeitsmarkt nehmen würden.

Der Trend bleibt: Nur noch geringes Jobwachstum in Thüringen

Im kommenden Jahr rechnen die Forscher des IAB in ihrem Mittelwertszenario mit durchschnittlich 806.400 sozialversicherungspflichtigen Jobs in Thüringen. Das wären 5.500 Beschäftigte mehr als im geschätzten Jahresdurchschnitt 2020 und entspräche einem Job-Wachstum von 0,7 Prozent. Für den Bundesschnitt prognostizieren die IAB-Wissenschaftler gleichzeitig ein Wachstum von 0,9 Prozent und für Ostdeutschland ebenfalls ein Jobplus von 0,9 Prozent. Das Untergrenzenszenario der IAB-Wissenschaftler geht in Thüringen von einem Rückgang der Beschäftigung in Höhe von 0,9 Prozent aus. Konkret würde das für kommendes Jahr 6.900 Jobs weniger als 2020 bedeuten. Im besten Fall rechnen die Arbeitsmarktexperten mit einem Jobwachstum von 2,2 Prozent. Das wären 17.800 neue Jobs im kommenden Jahr.

Demografie begrenzt Jobwachstum

„Die Effekte der Corona-Krise erschweren die Prognosen. Der Trend der vergangenen Jahre setzt sich aber fort. Es entstehen auch im Vergleich zu anderen Bundesländern weniger Beschäftigungsverhältnisse. Das hat vor allem mit der demografischen Situation im Land zu tun. Die Bevölkerung altert und es wird immer weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter geben, ohne dass es einen spürbaren Ausgleich gibt", erklärte IAB-Wissenschaftler Dr. Per Kropp. „Trotz der coronabedingten konjunkturellen Verwerfungen bleibt der Arbeitsmarkt in Thüringen auch im kommenden Jahr gerade für Fachkräfte weiterhin aufnahmefähig, weil viele Unternehmen Ersatz für die vielen Mitarbeiter suchen, die in absehbarer Zeit in Rente gehen. Jeder vierte Beschäftigte im Land ist derzeit über 55 Jahre alt. Wir werden daher weiterhin unserer Strategie folgen und diejenigen für den Job fit machen, die wegen fehlender Qualifikation, geringer Mobilität oder fehlenden Deutschkenntnissen zu den Verlierern der aktuellen Krise gehören, weil sie entweder als erste ihren Job verloren oder aber in diesem Jahr nur ganz geringe Chancen hatten, einen Job zu finden. Auch bei der Qualifizierung von Beschäftigten werden wir nachlegen", sagte Markus Behrens, Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen. Er fügte hinzu, dass Qualifizierung und Weiterbildung allein aber nicht ausreichen werde, den Fachkräftebedarf der kommenden Jahre zu decken. Im Land müsse auch weiter daran gearbeitet werden, noch attraktiver für Arbeitskräfte aus dem Ausland oder anderen Bundesländern zu werden.

Arbeitslosigkeit könnte 2021 sinken

Wie beim Thema „Beschäftigung" zeigen die Rechenmodelle der IAB-Wissenschaftler auch beim Thema Arbeitslosigkeit eine sehr weite Bandbreite: In ihrem Mittelwertszenario rechnen die IAB-Forscher für das Jahr 2021 mit 57.900 Arbeitslosen. Das entspricht einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 10,5 Prozent im Vergleich zum geschätzten Jahresdurchschnitt 2020 mit 64.700 Arbeitslosen. Im schlimmsten Fall könnte die Arbeitslosigkeit im Freistaat nach Berechnungen des IAB im Jahr 2021 um 1,9 Prozent steigen. Deutschlandweit prognostizieren die Experten in der Mittelwertprognose einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um 3,8 Prozent. „Auch, wenn die aktuelle Krise deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt in Thüringen hinterlässt, rechnen wir für das kommende Jahr mit einem demografisch bedingten Kompensationseffekt. Durch die starke Alterung der Bevölkerung geht der Arbeitslosenbestand trotz konjunktureller Verwerfungen zurück, weil viele der registrierten Arbeitslosen in die Rente wechseln und weniger junge Menschen nachkommen. Auf der anderen Seite steigt der Ersatzbedarf der Unternehmen trotz der Krise, so dass für gut ausgebildete Menschen das Risiko sinkt arbeitslos zu werden. Staatliche Maßnahmen, wie etwa die vom Bundestag und Bundesrat verlängerten Sonderregelungen zum Kurzarbeitergeld im Rahmen des Beschäftigungssicherungsgesetzes, nehmen darüber hinaus viel Druck vom Arbeitsmarkt und tragen in erheblichem Maße zu seiner Stabilisierung bei", erklärte Markus Behrens.