05.11.2018 | Presseinfo Nr. 81

Knapp 500 Lehrstellen mehr als vor einem Jahr / Ausbildungsmarkt entspannt sich

Partner ziehen positive Bilanz zum gelaufenen Ausbildungsjahr

Kreis Recklinghausen. Im gemeinsamen Pressegespräch zogen Anke Traber, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Recklinghausen, und Patrick Hundt, Fachdienstleiter Markt und Integration des Jobcenters Kreis Recklinghausen, gemeinsam mit Carsten Taudt (Geschäftsbereichsleiter Bildung der IHK Nord Westfalen), Heinrich Kinzler (Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Recklinghausen) und Jörg Kuiper (Abteilungsleiter Berufsausbildung der Handwerkskammer Münster) die Bilanz zum Berufsberatungsjahr 2017/2018.

Insgesamt meldeten sich 5.323 junge Menschen zwischen Oktober 2017 und September 2018 bei der Berufsberatung als Bewerber für einen Ausbildungsplatz, 17 weniger als im vergangenen Jahr. Von ihnen gelten 5.218 als versorgt. Von allen Jugendlichen, die sich insgesamt im Kreis für eine Ausbildung interessiert haben, konnten 2.395 tatsächlich einen Ausbildungsvertrag unterschreiben und damit 22 mehr als im letzten Jahr. Insgesamt 2.018 Bewerber haben sich aus dem Vermittlungsprozess abgemeldet, weil sie eine anderweitige Lösung gefunden haben (weiterer Schulbesuch, Wehrdienst, freiwilliges soziales Jahr, alternative Ausbildung, Auslandsaufenthalte, Arbeitsstelle). Als `versorgt` gelten außerdem 805 junge Menschen, die für den Ausbildungsbeginn 2018 zwar keinen Ausbildungsplatz gefunden haben und weiter danach suchen, aber gleichzeitig eine persönliche Alternative haben. Für 105 junge Frauen und Männer (im letzten Jahr waren es 86) konnte bisher keine berufliche Perspektive geschaffen werden. Für sie wird gerade die jetzt startende Nachvermittlungsaktion wichtig sein, die gezielt auf noch freie oder wieder frei gewordene Stellen hinweist.

Auf der Stellenseite ergab sich das folgende Bild: Im Laufe des Berichtsjahres wurden der Agentur für Arbeit insgesamt 3.277 Ausbildungsstellen gemeldet und damit 487 mehr (17,5 Prozent) als im Vorjahr. Diese deutliche Steigerung führte zu einer stark verbesserten Relation von Stellen zu Bewerbern: Jedem Jugendlichen standen statistisch 0,62 Stellen zur Verfügung, vor einem Jahr waren es noch 0,52.

Nach dem spürbaren Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt im vergangenen Jahr, der auf eine rückläufige Ausbildungsneigung schließen ließ, belegen die aktuellen Zahlen erfreulicherweise keine Fortschreibung dieser Tendenz. Stattdessen führen leicht rückläufige Bewerberzahlen bei gleichzeitig deutlichem Anstieg an gemeldeten Stellen zu einer wesentlich positiveren Bilanz in diesem Jahr. Die bisher wie in Stein gemeißelte Quote von 0,5 Stellen pro Bewerber stieg in diesem Zuge erstmals auf 0,62. Diese Zahlen belegen, dass die Betriebe in der Region die ersten Folgen des Fachkräftemangels in den letzten Jahren bereits gespürt haben und nun aktiv gegensteuern. Während bislang vielfach die nachlassende Eignung von Bewerbern beklagt wurde, konzentrieren Betriebe sich nun vermehrt darauf, durch individuelle Förderung und Zuhilfenahme institutioneller Unterstützung die Azubis in ihrer persönlichen wie betrieblichen Entwicklung zu begleiten.

Diese Entwicklung halten die Ausbildungsmarktpartner für lobenswert. Denn Fakt ist: Gut 30.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte werden in den kommenden zehn Jahren im Kreis Recklinghausen in den Ruhestand treten und gleichzeitig führt die demografische Entwicklung dazu, dass immer weniger Jugendliche für einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stehen. Die vorhandenen Ressourcen sowie Unterstützungsangebote der Ausbildungsmarktakteure vollumfänglich zu nutzen, ist damit die einzige langfristig wirksame Lösung, die die Region bei der Sicherung ihres Fachkräftepotenzials weiterbringt.

Auch auf der Seite der Jugendlichen stellen die Ausbildungsmarktpartner positive Veränderungen fest. Schrumpfte ihre Zahl von 2016 auf 2017 noch um 335, fiel der diesjährige Rückgang um 17 Bewerber nur minimal aus. Hieran zeigt sich, dass die Attraktivität einer betrieblichen Berufsausbildung in den Augen vieler Jugendlicher wieder angestiegen ist und sie eine echte Alternative zum Studium darstellt. Es ist den Unternehmen im Vest damit gelungen, sich und ihr Angebot im letzten Jahr wieder deutlich attraktiver zu präsentieren und damit die gewünschten zukünftigen Fachkräfte für eine Ausbildung zu begeistern.

Die Ausbildungsmarktpartner betonen jedoch, dass die jüngsten Erfolge nicht dazu verleiten dürfen, an Bemühungen nachzulassen, denn trotz aller positiver Tendenzen ist der Ausbildungsmarkt im Kreis Recklinghausen weit davon entfernt, als ausgeglichen zu gelten. Betrieben raten sie daher, auch bei Schwierigkeiten, die in der Ausbildung auftreten können, am Bewerber festzuhalten und bei Arbeitsagentur und Jobcenter wirksame Unterstützung einzufordern. Auch bei Anlaufschwierigkeiten in der Ausbildung oder wenn Zweifel bestehen, ob ein Bewerber die Berufsschule schafft, kann mit ausbildungsbegleitenden Hilfen („abH“) und assistierter Ausbildung Unterstützung für den Betrieb und den Auszubildenden angeboten werden, um die Ausbildung zum erfolgreichen Abschluss zu führen. Wichtig ist, Ausbildung als festen und dauerhaften Bestandteil der Unternehmensleistung zu sehen.

Den Jugendlichen empfehlen die Ausbildungsmarktpartner auch weiterhin die frühzeitige und kluge Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und Interessen, denn Berufswünsche müssen über einen längeren Zeitraum wachsen und durch Praktika immer wieder hinterfragt und auf die Probe gestellt werden. Nur dann steht am Ende auch ein erreichbarer Zielberuf fest. Gerade im vergangenen Jahr hat sich gezeigt, dass junge Menschen im Vest eher bereit sind, ihren ersten Wunschberuf zugunsten einer Ausbildung am Wohnort zu verändern. Je mehr der rund 330 Ausbildungsberufe daher in den Blick genommen werden, desto größer ist die Chance, sich gegen Mitbewerber durchzusetzen und gleichzeitig von Nischenangeboten am Wunschort zu profitieren.

Betriebe, die jetzt noch oder wieder einen Azubi suchen, sollten ihre freie Ausbildungsstelle umgehend der Agentur für Arbeit melden, um durch die Nachvermittlungsaktion im Endspurt die Stelle noch besetzen zu können. Dies gilt auch für Stellen für das kommende Ausbildungsjahr. Auch Schülerinnen und Schüler sollten frühzeitig die Weichen für die Berufswahl stellen. Derzeit laufen in einigen Branchen bereits die Auswahlverfahren für den Ausbildungsbeginn im Herbst 2019. Kleinere und mittlere Unternehmen steigen dann im Frühjahr in die Bewerberauswahl ein. Auch diejenigen, die für 2020 einen Ausbildungsplatz anstreben, sollten sich bereits jetzt über mögliche Berufe informieren und ihre Interessen und Stärken erkunden, so dass im Frühjahr 2019 die Entscheidung über die Wunschberufe steht und gezielt Bewerbungen eingereicht werden können.

Die Bilanz auf einen Blick: 
  • 5.323 Ausbildungsplatzbewerber
  • 3.277 gemeldete Ausbildungsstellen
  • 2.395 junge Menschen beginnen eine Ausbildung
  • 105 Bewerber sind noch nicht versorgt
  • 250 Ausbildungsstellen sind noch zu besetzen

Arbeitsagentur, Jobcenter und Kammern beraten und informieren Betriebe in allen Fragen rund um das Thema Ausbildung.

Jugendliche, die sich beruflich orientieren möchten, können sich jederzeit bei der Berufsberatung melden: 0800 / 4 5555 00.
Arbeitgeber können jederzeit freie Arbeits- und Ausbildungsplätze melden unter: 0800 / 4 5555 20.