09.01.2019 | Presseinfo Nr. 3

Rückblick auf den Arbeitsmarkt 2018: Verbesserte Chance, Arbeitslosigkeit beenden zu können

Jahresrückblick

Das Jahr 2018 war beispiellos für den Arbeitsmarkt im Vest. Nie zuvor konnte die Arbeitslosigkeit im Verlauf von 12 Monaten so stark abgebaut werden. Wie schon im Vorjahr, jedoch noch deutlicher, konnten in nahezu jedem Monat die niedrigsten Werte seit Jahren gemessen werden. Wo 2017 die Quote erstmals seit 20 Jahren unter die 10 Prozent-Marke rutschte, konnte erstmals im September die Acht vor dem Komma erreicht werden, seither befindet sich die Quote weiter im Sinkflug und betrug zuletzt 8,5 Prozent im Dezember. Ungeachtet des Alters, der Herkunft und der Dauer der bisherigen Arbeitslosigkeit konnten die Menschen im Vest im vergangenen Jahr vom Rekordbestand an offenen Stellen profitieren. Besonders aussagekräftig ist der fortgesetzte Abbau an Langzeitarbeitslosen: Der Bedarf an Mitarbeitern bei Betrieben im Kreis Recklinghausen wächst und in Teilen machen sich Fachkräfteengpässe bemerkbar, die es erfordern, alle Personengruppen in den Blick zu nehmen.

Die Arbeitslosigkeit hat sich im Vorjahresvergleich deutlich verringert, gleichzeitig wuchs die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Im Jahresdurchschnitt waren 29.974 Männer und Frauen arbeitslos. Das sind 2.937 (-8,9 Prozent) weniger als 2017. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote betrug 9,2 Prozent, im Jahr 2017 lag sie noch bei 10,2 Prozent.

Arbeitsmarkt zeigte sich von der besten Seite

„Aller guten Dinge sind drei – dieses Sprichwort traf 2018 in besonderem Maß auch auf den Arbeitsmarkt im Kreis Recklinghausen zu. Denn nach 2016 und 2017, die sich als sehr erfolgreich im Hinblick auf sinkende Arbeitslosigkeit und steigende Beschäftigung gezeigt haben, setzte 2018 dieser Entwicklung noch die Krone auf: Wir haben die besten Werte, die jemals hier erzielt werden konnten. Das war in diesem Umfang nicht zu erwarten und stimmt uns entsprechend optimistisch für die Zukunft“, fasst Agenturleiterin Anke Traber die letzten 12 Monate zusammen.

„Die Mitarbeitenden des Jobcenters haben im letzten Jahr den auf die Grundsicherung angewiesenen Bürgerinnen und Bürgern die möglichen Hilfen zuverlässig zukommen lassen. Und sie haben, wie im sehr erfolgreichen Vorjahr 2017, erneut mit über 9.000 Bürgerinnen und Bürgern erfolgreich Wege in Arbeit finden und gehen können“, sagt Dominik Schad, Leiter des Jobcenters Kreis Recklinghausen. „Nach einer im letzten Jahr intensiv, aber nicht immer fair geführten öffentlichen Debatte über die Zukunft der Grundsicherung, ist es mir wichtig zu unterstreichen, dass das Jobcenter mit seinen Mitarbeitenden ein zuverlässiger Partner ist für die Menschen im Kreis Recklinghausen“, so Schad.

Anke Traber: „Auch, wenn es das Jahr der letzten Zechenschließung war und damit die Ära Bergbau im Kreis nun vollständig der Vergangenheit angehört, so hat sich dies in keiner Weise bremsend auf die wirtschaftliche Dynamik im Vest ausgewirkt, ganz im Gegenteil. Alle Befürchtungen, die Region könne den Strukturwandel nicht bewältigen, haben sich nicht bewahrheitet, stattdessen erleben wir einen Boom an Jobs und beruflichen Perspektiven wie schon lange nicht mehr.“ Besonders hervorzuheben seien dabei die Erfolge, die für Langzeitarbeitslose erzielt werden konnten: „Dass es heute vielfach gut gelingt, diese Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren und damit am sozialen Leben teilhaben zu lassen, zeugt von einer vitalen Region. Dasselbe gilt für Lebensältere, die sich ebenfalls in einer deutlich besseren Lage befinden als noch vor wenigen Jahren.“ 

Der Agenturchefin ist es jedoch ebenso wichtig, die Lage aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten: „Wo wir uns vor Jahren dringend mehr Stellen gewünscht haben, sind heute Besetzungsprobleme an der Tagesordnung. Gerade in der Pflegebranche und in vielen Handwerksberufen stellt der Fachkräftemangel Betriebsinhaber vor große Herausforderungen. Wir alle müssen uns daher an die Arbeit machen, das verfügbare Potenzial an Kräften den offenen Stellen anzupassen, damit es am Ende nicht Verlierer auf beiden Seiten gibt. Und das geht mit Qualifizierungsoffensiven und der Bereitschaft, lebenslang zu lernen.“ Der Blick ins neue Jahr fällt für Anke Traber optimistisch aus: „Ich gehe davon aus, dass sich die guten Werte der letzten Monate stabilisieren und wir es weiterhin mit einem aufnahmefähigen Arbeitsmarkt zu tun haben werden.“

Zuversichtlich geht auch Dominik Schad in das neue Jahr: „Die neu eingerichtete Jobakademie des Jobcenters ist mit ihrer ersten Maßnahme job:first über unsere Erwartungen hinaus sehr gut gestartet und wird Arbeitsuchenden, die erst seit kurzer Zeit SGB II-Leistungen beziehen, weiterhin gute Chancen auf eine schnelle Beschäftigungsaufnahme bieten. Und der zum Jahresbeginn mit der neuen Gesetzgebung geschaffene Soziale Arbeitsmarkt wird vielen Bürgerinnen und Bürgern, die schon seit langer Zeit auf die Grundsicherung angewiesen sind, im Laufe des Jahres soziale Teilhabe und einen langfristigen Wiedereinstieg in das Arbeitsleben ermöglichen.“

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wächst weiter

Die wirtschaftlich stabile Lage hat sich auch im vergangenen Jahr sehr positiv auf die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Agenturbezirk ausgewirkt. Lag die Zahl 2009 noch bei 142.856, so beträgt der aktuelle Wert 167.427. Verglichen mit 2017 ist ein Anstieg um 4.119 ersichtlich (+2,5 Prozent). Fast zwei Drittel aller Beschäftigten arbeiten als Fachkraft, gut 68 Prozent sind zwischen 25 und unter 55 Jahren alt. Das Gesundheitswesen ist die Branche mit den meisten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (17.886), danach folgen der Einzelhandel (15.908) und die öffentliche Verwaltung (11.019). Das Gesundheits- und Sozialwesen verzeichnet außerdem den größten Zuwachs an Beschäftigung im Vergleich zum Vorjahr (+692).

Alle Personengruppen und beide Rechtskreise bauen Arbeitslosigkeit ab

Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren sank im Jahresdurchschnitt gegenüber dem Vorjahr um 311 auf 2.591 (-10,7 Prozent). Bei den älteren Arbeitslosen (50 Jahre und älter) lag die Zahl im Jahresdurchschnitt bei 9.502. Im Vergleich zum Vorjahr waren 707 oder 6,9 Prozent weniger Menschen dieser Altersgruppe arbeitslos. Auch die Anzahl Langzeitarbeitsloser reduzierte sich erneut deutlich. Waren es im Jahresdurchschnitt 2017 noch 17.546, so sank die Zahl um 1.315 auf 16.231, was einem Rückgang um 7,5 Prozent entspricht. Weniger Arbeitslose gab es auch unter den Schwerbehinderten. Ihr Bestand konnte von 1.816 im Jahr 2017 um 82 (-4,5 Prozent) auf 1.735 gesenkt werden. Die größten Zugänge aus Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit erfolgten aus dem Handel und der Erbringung wirtschaftlicher Dienstleistungen.

Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist seit 2012 leicht rückläufig, gleichzeitig ist die Wahrscheinlichkeit, Arbeitslosigkeit zu beenden können, leicht gestiegen.

Personenkreis

Bestand im Jahresdurchschnitt

Veränderungen zum Vorjahr

In Prozent

Jüngere unter 25 Jahre

2.591

-311

-10,7%

darunter Jugendliche unter 20 Jahre

507

-40

-7,4%

50 Jahre und älter

9.502

-707

-6,9%

Langzeitarbeitslose

16.231

-1.315

-7,5%

Schwerbehinderte

1.735

-82

-4,5%

Ausländer

8.429

-422

-4,8%

Die Agentur für Arbeit betreute 2018 im Jahresdurchschnitt 6.147 Arbeitslose, das waren 809 (-11,6 Prozent) weniger als im Jahr 2017. Im Jobcenter Kreis Recklinghausen ist die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt von 25.955 um 2.128 (-8,2 Prozent) auf 23.827 gesunken.

Dynamik am Arbeitsmarkt verändert sich leicht

Arbeitslosigkeit ist nicht statisch, sondern unterliegt einer hohen Dynamik. Insgesamt meldeten sich in den zurückliegenden zwölf Monaten 107 Menschen weniger aus Erwerbstätigkeit arbeitslos (-0,6 Prozent) als im Vorjahr. Jedoch sank auch die Zahl an Menschen, die ihre Arbeitslosigkeit zugunsten einer Beschäftigung beenden konnten, um 625 (-3,9 Prozent) im Vergleich zu 2017.

Unterbeschäftigung nimmt deutlich ab

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen erfasst, die nicht als arbeitslos im Sinne des Sozialgesetzbuches Drittes Buch (SGB III) registriert sind. Bei diesen Personen handelt es sich um Teilnehmer von Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik oder um Personen mit arbeitsmarktbedingtem Sonderstatus, zum Beispiel vorruhestandsähnliche Regelungen und geförderte Selbstständigkeit. Im Jahresdurchschnitt 2018 betrug sie 37.566, die Quote erreichte 11,4 Prozent. Vor einem Jahr lag die durchschnittliche Unterbeschäftigung noch bei 39.821, was einer Quote von 12,2 Prozent entsprach.

Der Ausbildungsmarkt erholt sich

Insgesamt meldeten sich 5.323 junge Menschen zwischen Oktober 2017 und September 2018 bei der Berufsberatung als Bewerber für einen Ausbildungsplatz, 17 weniger als im vergangenen Jahr. Von ihnen gelten 5.218 als versorgt. Von allen Jugendlichen, die sich insgesamt im Kreis für eine Ausbildung interessiert haben, konnten 2.395 tatsächlich einen Ausbildungsvertrag unterschreiben und damit 22 mehr als im letzten Jahr. Insgesamt 2.018 Bewerber haben sich aus dem Vermittlungsprozess abgemeldet, weil sie eine anderweitige Lösung gefunden haben (weiterer Schulbesuch, Wehrdienst, freiwilliges soziales Jahr, alternative Ausbildung, Auslandsaufenthalte, Arbeitsstelle). Als `versorgt` gelten außerdem 805 junge Menschen, die für den Ausbildungsbeginn 2018 zwar keinen Ausbildungsplatz gefunden haben und weiter danach suchen, aber gleichzeitig eine persönliche Alternative haben. Für 105 junge Frauen und Männer (im letzten Jahr waren es 86) konnte bisher keine berufliche Perspektive geschaffen werden.

Auf der Stellenseite ergab sich das folgende Bild: Im Laufe des Berichtsjahres wurden der Agentur für Arbeit insgesamt 3.277 Ausbildungsstellen gemeldet und damit 487 mehr (17,5 Prozent) als im Vorjahr. Diese deutliche Steigerung führte zu einer stark verbesserten Relation von Stellen zu Bewerbern: Jedem Jugendlichen standen statistisch 0,62 Stellen zur Verfügung, vor einem Jahr waren es noch 0,52.

„Diese Entwicklung ist lobenswert, denn gut 30.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte werden in den kommenden zehn Jahren im Kreis Recklinghausen in den Ruhestand treten und gleichzeitig führt die demografische Entwicklung dazu, dass immer weniger Jugendliche für eine Ausbildung zur Verfügung stehen“, bewertet Anke Traber die aktuellen Tendenzen. Die vorhandenen Ressourcen sowie Unterstützungsangebote der Ausbildungsmarktakteure vollumfänglich zu nutzen, sei laut Anke Traber „die einzige langfristig wirksame Lösung, die die Region bei der Sicherung ihres Fachkräftepotenzials weiterbringt“.