31.01.2019 | Presseinfo Nr. 7

Arbeitsmarkt verliert erwartungsgemäß an Kraft

Trotz Anstieg bleibt die Arbeitslosigkeit auf niedrigem Niveau

  • Saisonbedingt steigt die Zahl der Arbeitslosen um 887
  • Langzeitarbeitslose und Jüngere unter 20 Jahren sind davon nicht betroffen
  • Stellenbestand geht zurück, liegt jedoch noch deutlich über Vorjahresmarke
Trotz Anstieg bleibt die Arbeitslosigkeit auf niedrigem Niveau

Im Januar zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 28.448 arbeitslose Menschen und damit 887 mehr als im Dezember, jedoch 3.274 weniger als im Januar vor einem Jahr (-10,3 Prozent). Die Arbeitslosenquote stieg im Vormonatsvergleich um 0,2 Punkte auf 8,7 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie noch 9,8 Prozent.

„Dass in diesem Monat die Arbeitslosigkeit steigen würde, war vorherzusehen und ist gut zu erklären, jede andere Entwicklung hätte mich absolut verblüfft“, betont Anke Traber, Leiterin der Arbeitsagentur Recklinghausen, bei der Vorstellung der aktuellen Arbeitsmarktstatistik. Wie in jedem Winter sei auch in diesem Januar ein witterungsbedingter Rückgang der Betriebstätigkeit im Kreis Recklinghausen zu erkennen: „Gerade die Außenberufe im Handwerk sind vom guten Wetter abhängig. Bei Regen, Schnee und Eis wird es jedoch unter anderem für Dachdecker, Garten- und Landschaftsbauer und den Tiefbau schwierig. Hinzu kommt der Einbruch im Einzelhandel und in der Gastronomie nach dem Weihnachtsgeschäft – all das sind typische Faktoren am Jahresanfang, die sich in einem Anstieg der Arbeitslosigkeit niederschlagen.“ Dieser sei jedoch moderat, im Landesschnitt falle er in Recklinghausen sogar am niedrigsten aus.

Für Anke Traber steht jedoch fest, dass es ab dem Frühjahr bei offenerem Wetter wieder mit besseren Werten weitergehen wird: „Nach wie vor sind die wirtschaftlichen Aussichten gut und Fachkräfte sehr gefragt. Beides wird spätestens ab April zu einer sinkenden Quote führen.“

„Spotlight“ des Monats
Langzeitarbeitslosigkeit ist weiter rückläufig, im Landesvergleich hinkt Recklinghausen jedoch stark hinterher

Jede Medaille hat zwei Seiten. Für sich betrachtet, können wir uns seit Monaten über sinkende Zahlen von Langzeitarbeitslosen freuen. In einen regionalen Kontext eingebettet, darf jedoch bei allem Optimismus nicht vergessen werden, dass das Niveau an Langzeitarbeitslosen im Vest unverändert zu hoch ist, de facto sogar das höchste im Bundesgebiet. Im Jahresdurchschnitt des vergangenen Jahres 2018 betrug der Anteil von Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen im Kreis 54,2 Prozent, während das Ruhrgebiet mit 44,1 Prozent deutlich darunterlag (landesweit betrug der Anteil 41,6 Prozent).

Diese Vergleichszahlen sollen die positive Entwicklung der letzten Monate natürlich nicht schmälern. Und die Erklärung, dass es bei den meisten Langzeitarbeitslosen gleich mehrere Gründe gibt, die eine Rückkehr in die Arbeitswelt bisweilen stark erschweren, hat nach wie vor Gültigkeit. Dies gilt jedoch auch für Langzeitarbeitslose in anderen Regionen. Und so zeigen die Vergleichswerte, dass die bisherigen Bemühungen längst nicht ausgereicht haben, um auch im Vest die Situation von langzeitarbeitslosen Menschen spürbar und dauerhaft zu verbessern. Mit der Einführung des sozialen Arbeitsmarktes sind entsprechend große Erwartungen verbunden.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit getrennt nach Rechtskreisen

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 6.414 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 635 oder 11,0 Prozent mehr Menschen als im Dezember, jedoch 520 (-7,5 Prozent) weniger als im Januar des vergangenen Jahres.

In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 22.034 arbeitslose Menschen. Hier wurden im Vergleich zu Dezember 252 (+1,2 Prozent) Arbeitslose mehr gezählt. Im Vergleich zum Januar des Vorjahres waren es 2.754 Menschen (-11,1 Prozent) weniger.
Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen 

Personenkreis

Bestand

Veränderungen zum Vormonat

In Prozent

Jüngere unter 25 Jahre

2.239

+13

+0,6%

darunter Jugendliche unter 20 Jahre

412

-35

-7,8%

50 Jahre und älter

9.186

+322

+3,6%

Langzeitarbeitslose

14.603

-10

-0,1%

Schwerbehinderte

1.658

+46

+2,9%

Ausländer

8.200

+213

+2,7%

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen 

Geschäftsstellenbezirk/ Arbeitslosenquote

Januar 2019

Dezember 2018

Januar 2018

Recklinghausen

8,4

8,1

9,5

Castrop-Rauxel

8,3

8,0

9,5

Datteln

7,4

7,2

7,8

Dorsten

6,9

6,7

7,8

Herten

10,2

9,9

10,9

Marl

9,8

9,7

11,4

Gladbeck

10,6

10,3

12,2

Agenturbezirk RE

8,7

8,5

9,8

Zugänge in und Abgänge aus Arbeitslosigkeit
SGB III:  Mehr Zu- und weniger Abgänge  

2.490 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 493 mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es 96 mehr.

1.617 Männer und Frauen meldeten sich unmittelbar nach Verlust ihrer Beschäftigung arbeitslos, 379 Menschen nach schulischer oder betrieblicher Ausbildung sowie beruflicher Qualifizierung. Dem gegenüber konnten im Verlauf dieses
Monats 1.831 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden, 83 weniger als im Dezember, jedoch 82 mehr als im Januar vor einem Jahr. 626 Männer und Frauen haben eine neue Beschäftigung gefunden, weitere 349 mit einer Ausbildung oder beruflichen Qualifizierung begonnen.

SGB II: Mehr Zu- und weniger Abgänge

3.049 Männer und Frauen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet und damit 129 mehr als im Dezember und 657 mehr als vor einem Jahr. 552 Personen meldeten sich unmittelbar nach Verlust ihrer Beschäftigung arbeitslos, 819 nach schulischer oder betrieblicher Ausbildung sowie beruflicher Qualifizierung. Dem gegenüber konnten im Verlauf dieses Monats 2.834 Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 491 weniger als im vorigen Monat, jedoch 379 mehr als im Januar 2018.

Die Stellensituation

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 719 Stellenangebote, 169 (-19,0 Prozent) weniger als im Dezember. Verglichen mit Januar 2018 wurden 234 Stellen weniger gemeldet (-24,6 Prozent). Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 4.606 Stellen zur Besetzung aus, 133 weniger als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand noch um 323 Beschäftigungsmöglichkeiten niedriger. Besonders nachgefragt sind Fachkräfte aus dem Handwerk (Friseure, Maler und Lackierer, Elektriker, Anlagenmechaniker SHK, KFZ-Mechatroniker, Baugewerbe), dem Gesundheits- und Pflegebereich (Altenpfleger, medizinisch-pflegerisches Personal, Physiotherapeuten, zahnmedizinische Fachangestellte), Berufskraftfahrer sowie Kräfte in der Gastronomie (Köche, Servicekräfte).

Unterbeschäftigung

Die Zahl an arbeitslosen Männern und Frauen beträgt im Berichtsmonat 28.448. Davon ausgehend addiert sich die Unterbeschäftigung auf 36.388 Personen und liegt damit um 312 über dem Wert des letzten Monats.

Der Ausbildungsmarkt

Die ersten aktuellen Daten zum Ausbildungsmarkt für das Berufsberatungsjahr 2018/2019 werden nach Ablauf des ersten Beratungshalbjahres im März 2019 bekanntgegeben.

Jugendliche, die sich beruflich orientieren möchten, können sich jederzeit bei der Berufsberatung melden unter: 0800 / 4 5555 00.
Arbeitgeber können jederzeit freie Arbeits- und Ausbildungsplätze melden unter: 0800 / 4 5555 20.
(Die Servicerufnummern sind für den Anrufer kostenfrei.)