29.03.2019 | Presseinfo Nr. 30

Arbeitslosigkeit im Vest: Neuer Niedrigrekord

Bisher niedrigster Stand an Arbeitslosen von November 2018 unterboten

  • Im März 366 Arbeitslose weniger, Quote sinkt auf 8,4 Prozent
  • Leichter Anstieg bei Ausländern, sonst Abbau in allen Personengruppen
  • Offene Stellen nähern sich der 5.000-Marke
  • Ausbildungsmarkt: Verbesserte Chancen für Jugendliche

Bisher niedrigster Stand an Arbeitslosen von November 2018 unterboten

Im März zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 27.549 arbeitslose Menschen und damit 366 weniger als im Februar und 3.790 weniger als im März vor einem Jahr (-12,1 Prozent). Die Arbeitslosenquote sank im Vormonatsvergleich um 0,2 Punkte auf 8,4 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie noch 9,7 Prozent.

„Nachdem schon im Februar an den Abwärtstrend aus dem letzten Jahr angeknüpft werden konnte, brachte der März sogar einen neuen Niedrigrekord an arbeitslosen Menschen im Kreis Recklinghausen“, bilanziert Frank Thiemann, Geschäftsführer der hiesigen Arbeitsagentur, die aktuelle Entwicklung. Besonders der Vergleich mit dem Vorjahr spricht für Thiemann Bände: „Heute sind fast 3.800 Menschen weniger von Arbeitslosigkeit betroffen, vor einem Jahr lagen wir noch deutlich über 31.000 Arbeitslosen. Das ist für die Dauer eines Jahres ein immenser Erfolg, und bisher ist kein Ende in Sicht.“ Dem Arbeitsmarktexperten ist es wichtig zu betonen, dass es sich dabei um eine echte Verbesserung für die Menschen im Vest handelt: „Heute üben über 4.400 Menschen mehr eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit aus, als noch vor einem Jahr.“ Mit diesen Entwicklungen belegt Recklinghausen im Vergleich mit allen anderen NRW-Agenturen den ersten Platz: „Auch wenn es sich im kollektiven Gedächtnis eingebrannt hat, dass im Ruhrgebiet Massenarbeitslosigkeit herrscht: Wir müssen uns einfach damit abfinden, dass dies der Vergangenheit angehört und viel mehr zur Kenntnis nehmen, dass wir es gerade im Vest immer mehr mit einer starken Wirtschaft zu tun haben.“

„Spotlight“ des Monats

Was nicht passt, wird passend gemacht: Mit Teilqualifikationen einen Abschluss erreichen und von zahlreichen Jobchancen profitieren

Beim Betrachten der aktuellen Arbeitsmarktzahlen stellt man sich unwillkürlich die Frage, warum es denn fast 5.000 offene Stellen gibt, wo doch über 27.000 Menschen einen Job suchen. Hierbei haben wir es mit einem klassischen „Matching-Problem“ zu tun. Ein neudeutsches Wort, das nicht mehr aussagt als: Angebot und Nachfrage passen einfach nicht zusammen.

Dass dies nicht so bleiben muss, belegen die folgenden Auswertungen: Im vergangenen Jahr 2018 haben 124 Menschen eine abschlussorientierte Teilqualifizierung, finanziert durch die Arbeitsagentur Recklinghausen, durchlaufen und positiv abgeschlossen. Der Löwenanteil entfiel auf den Bereich der Berufskraftfahrer, weitere ergaben sich in den Branchen Schutz und Sicherheit, Lager und Baugeräteführer. Damit konnte der hohen Nachfrage nach Arbeitskräften in diesen Branchen langfristig begegnet werden – Arbeitgeber im Kreis Recklinghausen haben die frisch ausgebildeten Kräfte dankbar eingestellt.

Und auch für 2019 stehen ausreichend Mittel für Teilqualifizierungen zur Verfügung, die nur darauf warten, sinnvoll und am Marktbedarf ausgerichtet, genutzt zu werden, zum Beispiel auch für Maler und Lackierer oder Elektriker. Im ersten Quartal haben bereits 30 Menschen davon profitieren können.

Worauf also warten, wenn die eigene Qualifikation nicht (mehr) nachgefragt wird und man droht, beruflich in einer Sackgasse zu enden? Der bessere Weg lautet allemal: Umorientieren, Chancen ausloten und lebenslang lernen – so gewinnen wir auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft.   

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit getrennt nach Rechtskreisen

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 6.007 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 286 oder 4,5 Prozent weniger Menschen als im Februar und 433 (-6,7 Prozent) weniger als im März des vergangenen Jahres.

In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 21.542 arbeitslose Menschen. Hier wurden im Vergleich zu Februar 80 (-0,4 Prozent) Arbeitslose weniger gezählt. Im Vergleich zum März des Vorjahres waren es 3.357 Menschen (-13,5 Prozent) weniger.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen
Personenkreis Bestand Veränderungen zum Vormonat In Prozent
Jüngere unter 25 Jahre 2.216 -64 -2,8%
darunter Jugendliche unter 20 Jahre 415 -11 -2,6%
50 Jahre und älter 8.807 -112 -1,3%
Langzeitarbeitslose 13.952 -227 -1,6%
Schwerbehinderte 1.581 -33 -2,0%
Ausländer 8.074 +24 +0,3%
Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen
Geschäftsstellenbezirk/ Arbeitslosenquote März 2019 Februar 2019 März 2018
Recklinghausen 8,1 8,2 9,3
Castrop-Rauxel 8,1 8,2 9,3
Datteln 7,1 7,2 7,9
Dorsten 6,6 6,7 7,9
Herten 9,9 10,1 10,8
Marl 9,7 9,6 11,2
Gladbeck 10,1 10,4 12,1
Agenturbezirk RE 8,4 8,6 9,7

Zugänge in und Abgänge aus Arbeitslosigkeit

SGB III:  Weniger Zugänge, weniger Abgänge

1.969 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 262 weniger als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es 187 weniger.

956 Männer und Frauen meldeten sich unmittelbar nach Verlust ihrer Beschäftigung arbeitslos, 449 Menschen nach schulischer oder betrieblicher Ausbildung sowie beruflicher Qualifizierung. Dem gegenüber konnten im Verlauf dieses
Monats 2.222 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden, 95 weniger als im Februar und 273 weniger als im März vor einem Jahr. 816 Männer und Frauen haben eine neue Beschäftigung gefunden, weitere 458 mit einer Ausbildung oder beruflichen Qualifizierung begonnen.

SGB II: Weniger Zugänge und weniger Abgänge

3.091 Männer und Frauen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet und damit 37 weniger als im Februar, jedoch 301 mehr als vor einem Jahr. 520 Personen meldeten sich unmittelbar nach Verlust ihrer Beschäftigung arbeitslos, 936 nach schulischer oder betrieblicher Ausbildung sowie beruflicher Qualifizierung. Dem gegenüber konnten im Verlauf dieses Monats 3.199 Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 386 weniger als im vorigen Monat, jedoch 341 mehr als im März 2018.

Die Stellensituation

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 997 Stellenangebote, 202 (-16,8 Prozent) weniger als im Februar. Verglichen mit März 2018 wurden 159 Stellen weniger gemeldet (-13,8 Prozent). Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 4.981 Stellen zur Besetzung aus, 193 mehr als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand noch um 630 Beschäftigungsmöglichkeiten niedriger. Besonders nachgefragt sind Fachkräfte aus dem Handwerk (Garten-und Landschaftsbau, Friseure, Maler und Lackierer, Elektriker, Anlagenmechaniker SHK, KFZ-Mechatroniker), dem Gesundheits- und Pflegebereich (Altenpfleger, medizinisch-pflegerisches Personal, Physiotherapeuten, zahnmedizinische Fachangestellte), Berufskraftfahrer, Steuerfachangestellte sowie Kräfte in der Gastronomie (Köche, Servicekräfte).

Unterbeschäftigung

Die Zahl an arbeitslosen Männern und Frauen beträgt im Berichtsmonat 27.549. Davon ausgehend addiert sich die Unterbeschäftigung auf 36.866 Personen und liegt damit um 13 über dem Wert des letzten Monats.

Der Ausbildungsmarkt

Von Oktober 2018 bis März 2019 haben sich bei der Agentur für Arbeit insgesamt 3.997 Bewerber für Berufsausbildungsstellen gemeldet, nahezu genauso viele wie im letzten Jahr (-3). Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen beträgt 2.626 und stieg damit um 3,8 Prozent (+96). 

Es befinden sich im März noch 2.364 Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche, das sind 53 mehr (+2,3 Prozent) als im Vorjahr. Die Zahl noch nicht besetzter Ausbildungsstellen liegt bei 1.769, 18 Stellen mehr (+1,0 Prozent) als im März 2018. Statistisch stehen jedem Bewerber 0,7 Stellen zur Verfügung (0,6 im letzten Jahr), bezogen auf die noch verfügbaren Stellen für noch unversorgte Bewerber sind es sogar 0,8 Stellen.

„Die Rahmenbedingungen auf dem Ausbildungsmarkt haben sich auch in diesem Jahr weiter leicht im Vergleich zum Vorjahr verbessert, die Chancen auf eine Ausbildungsstelle sind für Jugendliche noch weiter gestiegen. Dies gilt es, auch aktiv zu nutzen und durch eine kluge Berufswahl weiter auszubauen“, weiß Agenturgeschäftsführer Frank Thiemann und erläutert: „Manche Prognosen gehen davon aus, dass 65 Prozent unserer Kinder 2035 in Berufen arbeiten werden, die es heute noch gar nicht gibt. Umso wichtiger ist es, sich für Neues offen zu zeigen und mit Herz und Verstand eine Berufsentscheidung zu treffen, die sich nicht am Mainstream, sondern an den eigenen Interessen orientiert. Immer erst auf einen fahrenden Zug aufzuspringen, verkleinert die Chancen auf einen Platz.“ So rät Frank Thiemann Jugendlichen, sich mit den Berufsberatern auch über noch unbekannte Berufe vorurteilsfrei auszutauschen: „Kaum ein Jugendlicher kennt den Beruf „Kaufmann/frau für E-Commerce“. Aber hierbei handelt es sich um einen Beruf, der in absehbarer Zeit immens an Gewicht gewinnen und dann sehr beliebt sein wird. Wer clever ist, sichert sich schon heute seinen Einstieg, wo die Konkurrenz noch klein ist.“

Jugendliche, die sich beruflich orientieren möchten, können sich jederzeit bei der Berufsberatung melden unter: 0800 / 4 5555 00.
Arbeitgeber können jederzeit freie Arbeits- und Ausbildungsplätze melden unter: 0800 / 4 5555 20. (
Die Servicerufnummern sind für den Anrufer kostenfrei.)