29.05.2019 | Presseinfo Nr. 44

Arbeitslosigkeit weiter im Sinkflug

Rückgang an Arbeitslosen setzt sich fort: Neuer Tiefstand erreicht

Rückgang an Arbeitslosen setzt sich fort: Neuer Tiefstand erreicht

Im Mai zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 26.510 arbeitslose Menschen und damit 306 weniger als im April und 4.045 weniger als im Mai vor einem Jahr (-13,2 Prozent). Die Arbeitslosenquote sank im Vormonatsvergleich um 0,1 Punkte auf 8,1 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie noch 9,4 Prozent.

„Für fast alle Personengruppen hat der Arbeitsmarkt im Kreis Recklinghausen im Mai viele Beschäftigungschancen bereitgehalten und damit den Abbau an Arbeitslosigkeit fortgesetzt und für einen neuen Tiefstand gesorgt“, beschreibt Agenturgeschäftsführer Frank Thiemann die aktuelle Entwicklung. Ebenso sei die Anzahl an Menschen, die sich erstmals oder erneut arbeitslos melden mussten, im vergangenen Monat um knapp 18 Prozent gesunken. Besonders erfreulich ist für Frank Thiemann die Entwicklung der Arbeitslosigkeit bei jungen Menschen: „Heute sind ein Fünftel weniger Menschen unter 25 Jahre arbeitslos als noch vor einem Jahr. Das zeigt, wie hoch der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften in der Region ist, und die Tendenz ist deutlich steigend.“

Für Juni geht der Arbeitsmarktexperte von einer Fortschreibung der Entwicklung aus, bevor mit den Sommerferien die Arbeitslosigkeit saisontypisch voraussichtlich ansteigen werde.

„Spotlight“ des Monats

Über die Unbeweglichkeit auf dem Ausbildungsmarkt

Der Ausbildungsmarkt im Kreis Recklinghausen hat mit strukturellen Problemen zu kämpfen. Zum einen fehlt es an Stellen, was sich in der Relation von Stellen zu Bewerbern ablesen lässt. Hierbei ist das Vest sehr heterogen aufgestellt. Während in Waltrop auf jeden jugendlichen Bewerber 0,9 und in der Stadt Recklinghausen 0,8 Stellen entfallen, stehen in Gladbeck gerade einmal 0,4 und in Castrop-Rauxel 0,5 Stellen pro Bewerber zur Verfügung. Auch wenn die Anzahl an gemeldeten Ausbildungsstellen in den letzten Jahren angestiegen ist, reicht sie dennoch nicht aus, um jedem Jugendlichen ein Angebot für eine Ausbildungsstelle unterbreiten zu können.

Diese Problematik führt jedoch noch viel zu selten dazu, dass Jugendliche ihren lokalen Suchradius ausweiten. Stattdessen ist zu beobachten, dass der Wunsch auf Ausbildung am Wohnort in aller Regel den Wunsch auf den Traumberuf übertrumpft, heißt: Für eine wohnortnahe Stelle wird der Zielberuf angepasst. Dies führt seit Jahren zu überwiegend gleichlautenden TOP 10 Berufen, die (unabhängig von den tatsächlichen Neigungen der Bewerber) wie in Stein gemeißelt stehen. So fanden sich schon vor 10 Jahren sieben der heute noch am stärksten nachgefragten Ausbildungsberufe in den TOP 10: Verkäufer, Kaufmann Einzelhandel, Kaufmann Büromanagement, Kfz Mechatroniker, Medizinische Fachangestellte, Industriekaufmann und Friseur. Lediglich die Berufe des Industriemechanikers, Maler und Lackierers sowie Metallbauers wurden durch die des Anlagenmechanikers, Elektronikers und Chemikanten ausgetauscht.

Würden die anfänglich beschriebenen Relationen am Ende des Berichtsjahres in einen Ausgleich von Stellen und Bewerbern münden, bestünde kein Grund zur Sorge. Dies passiert jedoch nicht, und so bleibt in jedem Jahr eine Vielzahl von Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz übrig und ist gezwungen, eine alternative Überbrückungslösung zu finden. So befinden sich unter den diesjährigen Bewerbern allein 845 Jugendliche (knapp ein Fünftel), die bereits im Vorjahr ihren Schulabschluss erworben haben und dann erstmalig auf den Ausbildungsmarkt getreten sind – und am Ende eben unversorgt blieben.

Regionale Grenzen scheinen eine unüberwindbare Hürde darzustellen. Vielleicht wird die Wahl des Ausbildungsplatzes irgendwann denselben Regeln folgen, wie die Wahl des neuen Smartphones oder Autos. Dann entscheidet nämlich das beste Angebot, ganz ungeachtet regionaler oder nationaler Grenzen. 

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit getrennt nach Rechtskreisen

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 5.747 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 45 oder 0,8 Prozent weniger Menschen als im April und 244 (-4,1 Prozent) weniger als im Mai des vergangenen Jahres.

In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 20.763 arbeitslose Menschen. Hier wurden im Vergleich zu April 261 (-1,2 Prozent) Arbeitslose weniger gezählt. Im Vergleich zum Mai des Vorjahres waren es 3.801 Menschen (-15,5 Prozent) weniger.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen
Personenkreis Bestand Veränderungen zum Vormonat In Prozent
Jüngere unter 25 Jahre 2.034 -82 -3,9%

darunter Jugendliche unter 20 Jahre

371 -24 -6,1%
50 Jahre und älter 8.613 -27 -0,3%
Langzeitarbeitslose 13.365 -212 -1,6%
Schwerbehinderte 1.584 +28 +1,8%
Ausländer 7.738 -88 -1,1%
Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen
Geschäftsstellenbezirk/ Arbeitslosenquote Mai 2019 April 2019 Mai 2018
Recklinghausen 8,0 8,1 9,1
Castrop-Rauxel 7,4 7,4 8,9
Datteln 6,6 6,8 7,7
Dorsten 6,5 6,5 7,5
Herten 9,2 9,6 10,6
Marl 9,2 9,4 10,6
Gladbeck 10,0 10,0 11,6
Agenturbezirk RE 8,1 8,2 9,4
Zugänge in und Abgänge aus Arbeitslosigkeit
SGB III:  Weniger Zugänge und weniger Abgänge  

1.868 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 162 weniger als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es 129 weniger.

950 Männer und Frauen meldeten sich unmittelbar nach Verlust ihrer Beschäftigung arbeitslos, 409 Menschen nach schulischer oder betrieblicher Ausbildung sowie beruflicher Qualifizierung. Dem gegenüber konnten im Verlauf dieses
Monats 1.892 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden, 325 weniger als im April und 330 weniger als im Mai vor einem Jahr. 706 Männer und Frauen haben eine neue Beschäftigung gefunden, weitere 394 mit einer Ausbildung oder beruflichen Qualifizierung begonnen.

SGB II: Weniger Zugänge weniger Abgänge

2.715 Männer und Frauen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet und damit 327 weniger als im April und 182 weniger als vor einem Jahr. 365 Personen meldeten sich unmittelbar nach Verlust ihrer Beschäftigung arbeitslos, 936 nach schulischer oder betrieblicher Ausbildung sowie beruflicher Qualifizierung. Dem gegenüber konnten im Verlauf dieses Monats 3.010 Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 581 weniger als im vorigen Monat und 318 weniger als im Mai 2018.

Die Stellensituation

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 839 Stellenangebote, 63 (-7,0 Prozent) weniger als im April. Verglichen mit Mai 2018 wurden 313 Stellen weniger gemeldet (-27,2 Prozent). Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 5.014 Stellen zur Besetzung aus, 88 mehr als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand noch um 634 Beschäftigungsmöglichkeiten niedriger. Besonders nachgefragt sind Fachkräfte aus dem Handwerk (Garten-und Landschaftsbau, Friseure, Maler und Lackierer, Elektriker, Anlagenmechaniker SHK, KFZ-Mechatroniker), dem Gesundheits- und Pflegebereich (Altenpfleger, medizinisch-pflegerisches Personal, Physiotherapeuten, zahnmedizinische Fachangestellte), Berufskraftfahrer sowie Kräfte in der Gastronomie (Köche, Servicekräfte).

Unterbeschäftigung

Die Zahl an arbeitslosen Männern und Frauen beträgt im Berichtsmonat 26.510. Davon ausgehend addiert sich die Unterbeschäftigung auf 35.876 Personen und liegt damit um 346 unter dem Wert des letzten Monats.

Der Ausbildungsmarkt

Von Oktober 2018 bis Mai 2019 haben sich bei der Agentur für Arbeit insgesamt 4.358 Bewerber für Berufsausbildungsstellen gemeldet, 138 weniger als im letzten Jahr. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen beträgt 2.891 und stieg damit um 3,8 Prozent (+107). 

Es befinden sich im Mai noch 2.002 Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche, das sind 29 mehr (+1,5 Prozent) als im Vorjahr. Die Zahl noch nicht besetzter Ausbildungsstellen liegt bei 1.654, 81 Stellen mehr (+5,1 Prozent) als im Mai 2018. Statistisch stehen jedem Bewerber 0,7 Stellen zur Verfügung (im letzten Jahr waren es 0,6), bezogen auf die noch verfügbaren Stellen für noch unversorgte Bewerber sind es 0,8 Stellen (wie im Vorjahr).

Jugendliche, die sich beruflich orientieren möchten, können sich jederzeit bei der Berufsberatung melden unter: 0800 / 4 5555 00.
Arbeitgeber können jederzeit freie Arbeits- und Ausbildungsplätze melden unter: 0800 / 4 5555 20.
(Die Servicerufnummern sind für den Anrufer kostenfrei.)