31.07.2019 | Presseinfo Nr. 63

Typischer Sommer auf dem Arbeitsmarkt

Sommerbedingter Anstieg insbesondere bei jungen Menschen

  • Im Juli steigt die Arbeitslosigkeit um 65 Personen, Quote weiterhin: 8,0 Prozent
  • Über 5.500 offene Stellen im Kreis
  • Ausbildungsmarkt: 1.460 unversorgte Jugendliche und 1.351 unbesetzte Stellen

Sommerbedingter Anstieg insbesondere bei jungen Menschen

Im Juli zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 26.202 arbeitslose Menschen und damit 65 mehr als im Juni, jedoch 3.942 weniger als im Juli vor einem Jahr (-13,1 Prozent). Die Arbeitslosenquote verblieb auf dem Vormonatswert von 8,0 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie noch 9,2 Prozent.

„Typisch für die Sommerzeit war die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im vergangenen Monat für die betroffenen Personengruppen unterschiedlich“, beschreibt Agenturleiterin Anke Traber die jüngsten Tendenzen auf dem Arbeitsmarkt im vestischen Kreis und erklärt: „Viele junge Menschen haben die Schule verlassen oder ihre Ausbildung beendet und befinden sich jetzt kurzfristig in einer unkritischen Übergangsarbeitslosigkeit, bevor sie in Ausbildung, Arbeit oder Studium starten. Dem gegenüber konnten lebensältere und langzeitarbeitslose Menschen noch einmal Arbeitslosigkeit abbauen.“

Im August rechnet Anke Traber mit einer weiteren Steigung der Arbeitslosigkeit, bevor sie in den Herbstmonaten wieder sinken werde: „Voraussichtlich wird der Abbau dann jedoch nicht mehr so deutlich ausfallen, denn erste Vorboten einer konjunkturellen Eintrübung sind bereits erkennbar.“

„Spotlight“ des Monats

Die Digitalisierung trifft alle – Jobs entstehen, fallen weg oder verändern sich

Dass sich die Arbeitswelt wandelt, ist hinreichend bekannt. Auch, dass die zunehmende Digitalisierung Berufsbilder entweder verändern, verschwinden oder neu entstehen lassen wird. Läuft eine Tätigkeit Gefahr, obsolet zu werden, spricht man von einem hohen Substituierbarkeitspotenzial. Nun stellt sich die Frage, welche Berufe oder Branchen davon betroffen sein werden. Zunächst stellt man bei der Analyse vorliegender Untersuchungen fest, dass höherqualifizierte Berufe in geringerem Ausmaß betroffen sind als die Berufe, die keine Qualifizierung oder Ausbildung auf dualem Niveau voraussetzen. Grund ist der in diesen Tätigkeiten bestehende hohe Grad an Routinetätigkeiten, die automatisiert werden können. Dies ist absehbar und leicht nachzuvollziehen.

Weit weniger verbreitet ist jedoch die Erkenntnis, dass Fachkräfte die größte Gruppe darstellen (gemessen an der Kopfzahl), die von der Digitalisierung betroffen sein wird, denn sie machen mit derzeit 63,2 Prozent den größten Anteil der Beschäftigten aus und weisen mit 54 Prozent nur ein etwas geringeres Substituierbarkeitspotenzial auf als Helfer mit 60 Prozent.

Somit ist es sowohl für Helfer als auch für Fachkräfte von immenser Bedeutung, in die eigene Qualifikation zu investieren und sich neue Fähigkeiten zu erschließen. Das Qualifizierungschancengesetz trägt genau diesem Gedanken Rechnung und ermöglicht in einer Vielzahl verschiedener Konstellationen die berufsorientierte Weiterbildung und Qualifizierung sowohl von Beschäftigten als auch Arbeitslosen.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit getrennt nach Rechtskreisen

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 5.991 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 313 oder 5,5 Prozent mehr Menschen als im Juni, jedoch 184 (-3,0 Prozent) weniger als im Juli des vergangenen Jahres.

In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 20.211 arbeitslose Menschen. Hier wurden im Vergleich zu Juni 248 (-1,2 Prozent) Arbeitslose weniger gezählt. Im Vergleich zum Juli des Vorjahres waren es 3.758 Menschen (-15,7 Prozent) weniger.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Personenkreis Bestand Veränderungen zum Vormonat In Prozent
Jüngere unter 25 Jahre 2.273 +287 +14,5%
darunter Jugendliche unter 20 Jahre 405 +44 +12,2%
50 Jahre und älter 8.375 -139 -1,6%
Langzeitarbeitslose 12.885 -140 -1,1%
Schwerbehinderte 1.521 -43 -2,7%
Ausländer 7.606 +27 +0,4%

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen

Geschäftsstellenbezirk/ Arbeitslosenquote Juli 2019 Juni 2019 Juli 2018
Recklinghausen 7,8 7,8 8,9
Castrop-Rauxel 7,4 7,4 8,9
Datteln 6,6 6,6 7,6
Dorsten 6,3 6,3 7,6
Herten 9,0 9,0 10,3
Marl 9,2 9,1 10,5
Gladbeck 9,8 9,9 11,4
Agenturbezirk RE 8,0 8,0 9,2

Zugänge in und Abgänge aus Arbeitslosigkeit

SGB III:  Mehr Zugänge und weniger Abgänge  

2.047 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 197 mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es 501 weniger.

892 Männer und Frauen meldeten sich unmittelbar nach Verlust ihrer Beschäftigung arbeitslos, 719 Menschen nach schulischer oder betrieblicher Ausbildung sowie beruflicher Qualifizierung. Dem gegenüber konnten im Verlauf dieses
Monats 1.731 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden, 164 weniger als im Juni und 484 weniger als im Juli vor einem Jahr. 646 Männer und Frauen haben eine neue Beschäftigung gefunden, weitere 329 mit einer Ausbildung oder beruflichen Qualifizierung begonnen.

SGB II: Weniger Zu- und Abgänge

2.738 Männer und Frauen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet und damit 287 weniger als im Juni, jedoch 22 mehr als vor einem Jahr. 390 Personen meldeten sich unmittelbar nach Verlust ihrer Beschäftigung arbeitslos, 958 nach schulischer oder betrieblicher Ausbildung sowie beruflicher Qualifizierung. Dem gegenüber konnten im Verlauf dieses Monats 3.005 Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 361 weniger als im vorigen Monat und 54 weniger als im Juli 2018.

Die Stellensituation

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 1.041 Stellenangebote, 353 (-25,3 Prozent) weniger als im Juni. Verglichen mit Juli 2018 wurden 183 Stellen weniger gemeldet (-15,0 Prozent). Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 5.533 Stellen zur Besetzung aus, 214 mehr als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand noch um 764 Beschäftigungsmöglichkeiten niedriger.

Grundsätzlich werden Fachkräfte in allen Branchen gesucht, die Nachfrage ist hoch und tendenziell steigend. Besondere Engpässe bestehen jetzt schon im Handwerk (Garten-und Landschaftsbau, Friseure, Maler und Lackierer, Elektriker, Anlagenmechaniker SHK, KFZ-Mechatroniker, Lebensmittelhandwerk), im Gesundheits- und Pflegebereich (Altenpfleger, medizinisch-pflegerisches Personal, Physiotherapeuten, zahnmedizinische Fachangestellte), im Transportwesen (Berufskraftfahrer) sowie in der Gastronomie (Köche, Servicekräfte).

Unterbeschäftigung

Die Zahl an arbeitslosen Männern und Frauen beträgt im Berichtsmonat 26.202. Davon ausgehend addiert sich die Unterbeschäftigung auf 35.858 Personen und liegt damit um 59 über dem Wert des letzten Monats.

Der Ausbildungsmarkt

Von Oktober 2018 bis Juli 2019 haben sich bei der Agentur für Arbeit insgesamt 4.693 Bewerber für Berufsausbildungsstellen gemeldet, 214 weniger als im letzten Jahr. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen beträgt 3.106 und stieg damit um 3,2 Prozent (+95) im Vergleich zum letzten Jahr. 

Es befinden sich im Juli noch 1.460 Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche, das sind 205 mehr (+16,3 Prozent) als im Vorjahr. Die Zahl noch nicht besetzter Ausbildungsstellen liegt bei 1.351, 24 Stellen mehr (+1,8 Prozent) als im Juli 2018. Statistisch stehen jedem Bewerber 0,7 Stellen zur Verfügung (im letzten Jahr waren es 0,6), bezogen auf die noch verfügbaren Stellen für noch unversorgte Bewerber sind es 0,9 Stellen (im letzten Jahr 1,0).

Jugendliche, die sich beruflich orientieren möchten, können sich jederzeit bei der Berufsberatung melden unter: 0800 / 4 5555 00.
Arbeitgeber können jederzeit freie Arbeits- und Ausbildungsplätze melden unter: 0800 / 4 5555 20.
(Die Servicerufnummern sind für den Anrufer kostenfrei.)