03.01.2020 | Presseinfo Nr. 1

Arbeitsmarkt geht in den Wintermodus

Winter bremst den Arbeitsmarkt nur geringfügig aus

  • Zahl der Arbeitslosen steigt moderat um 154, Quote: 7,7 Prozent;
  • Über 2.300 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr;
  • Offene Stellen weiter rückläufig: Aktuell 3.771

Winter bremst den Arbeitsmarkt nur geringfügig aus

Im Dezember zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 25.196 arbeitslose Menschen und damit 154 mehr als im November, jedoch 2.365 weniger als im Dezember vor einem Jahr (-8,6 Prozent). Die Arbeitslosenquote stieg damit aktuell geringfügig um 0,1 Punkte auf 7,7 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie noch 8,5 Prozent.

„Wie zu erwarten war, hat sich die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt zum Jahresende verlangsamt, was zu einem Anstieg an arbeitslosen Menschen im Kreis Recklinghausen geführt hat“, fasst Frank Benölken, neuer Chef der Recklinghäuser Arbeitsagentur, die Entwicklung der letzten Wochen zusammen. Nach wie vor belege Recklinghausen jedoch landesweit den ersten Platz, wenn es um einen Vergleich mit dem Vorjahr ginge: „Nirgends ist im Jahresverlauf die Arbeitslosigkeit stärker im Vergleich zu 2018 gesunken, als im Vest. Damit ist der Mythos widerlegt, das Ruhrgebiet könne sich nicht von seiner Bergbauvergangenheit lösen und einen gesunden Neuanfang schaffen.“

Positiv hebt Frank Benölken außerdem die nach wie vor gute Entwicklung in der Grundsicherung hervor: „Dass sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit aktuell ausschließlich im Bereich des SGB III (Versicherungsleistung) vollzieht, zeigt, dass wir es mit einer kalkulierten, saisonalen Tendenz zu tun haben. Zum Jahresende laufen typischerweise viele Verträge aus, die oft im Frühjahr eine Anschlussbeschäftigung nach sich ziehen, sobald die Auftragslage wieder anzieht.“ Bevor dies eintritt, rechnet der Agenturchef im Januar und Februar zunächst allerdings mit weiterhin steigenden Arbeitslosenzahlen.

„Spotlight“ des Monats

Teilzeitausbildung gewinnt an Attraktivität

Eine Novelle des Berufsbildungsgesetzes brachte zum Jahreswechsel eine deutliche Verbesserung und öffnet damit die Teilzeitausbildung einem größeren Personenkreis.

Bisher war eine Teilzeitberufsausbildung in aller Regel etwas für Leistungsstarke, die Kinder zu betreuen oder einen Angehörigen zu pflegen hatten, weil das Gleiche in kürzerer Zeit gelernt werden musste. Dies änderte sich mit Jahresbeginn, denn die maximal zulässige Dauer der Teilzeitausbildung wurde erhöht, um das Erreichen des Abschlusses abzusichern. Damit können auch ausbildungswillige junge Männer und Frauen profitieren, bei denen eine erfolgreiche Ausbildung in verkürzter Zeit nicht zu erwarten ist.

Auf diese Weise können zukünftig auch Menschen mit Behinderungen, lernbeeinträchtigte Personen oder Geflüchtete in eine Teilzeitberufsausbildung starten. Auch für Menschen, die nur dann eine Ausbildung absolvieren können oder wollen, wenn sie diese mit einer Erwerbstätigkeit nebenher verbinden können, wird sie somit zur Option.

Damit reagiert der Gesetzgeber auf eine über die Jahre gewachsene Erkenntnis: Es gibt kein sichereres Mittel gegen Arbeitslosigkeit, als eine Berufsausbildung.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit getrennt nach Rechtskreisen

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 5.888 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 155 oder 2,7 Prozent
mehr Menschen als im November und 109 (+1,9 Prozent) mehr als im Dezember 2018.

In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 19.308 arbeitslose Menschen und damit nahezu genauso viele wie im November (-1). Im Vergleich zum Dezember des Vorjahres waren es 2.474 Menschen (-11,4 Prozent) weniger.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Personenkreis Bestand Veränderungen zum Vormonat In Prozent
Jüngere unter 25 Jahre 2.013 +/-0 +/-0%
darunter Jugendliche unter 20 Jahre 390 -27 -6,5%
50 Jahre und älter 8.196 -10 -0,1%
Langzeitarbeitslose 11.960 -36 -0,3%
Schwerbehinderte 1.543 +7 +0,5%
Ausländer 7.460 +41 +0,6%

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen

Geschäftsstellenbezirk/ Arbeitslosenquote Dezember 2019 November 2019 Dezember 2018
Recklinghausen 7,5 7,6 8,1
Castrop-Rauxel 6,9 6,7 8,0
Datteln 6,4 6,4 7,2
Dorsten 5,9 6,0 6,7
Herten 8,8 8,7 9,9
Marl 8,9 8,8 9,7
Gladbeck 9,6 9,4 10,3
Agenturbezirk RE 7,7 7,6 8,5

Zugänge in und Abgänge aus Arbeitslosigkeit

SGB III:  Weniger Zu- und Abgänge  

1.923 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 97 weniger als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es 74 weniger.

987 Männer und Frauen meldeten sich unmittelbar nach Verlust ihrer Beschäftigung arbeitslos, 400 Menschen nach schulischer oder betrieblicher Ausbildung sowie beruflicher Qualifizierung. Dem gegenüber konnten im Verlauf dieses
Monats 1.753 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden, 254 weniger als im November und 161 weniger als im Dezember vor einem Jahr. 515 Männer und Frauen haben eine neue Beschäftigung gefunden, weitere 374 mit einer Ausbildung oder beruflichen Qualifizierung begonnen.

SGB II: Ebenfalls weniger Zu- sowie Abgänge

2.988 Männer und Frauen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet und damit 24 weniger als im November, jedoch 68 mehr als vor einem Jahr. 462 Personen meldeten sich unmittelbar nach Verlust ihrer Beschäftigung arbeitslos, 982 nach schulischer oder betrieblicher Ausbildung sowie beruflicher Qualifizierung. Dem
gegenüber konnten im Verlauf dieses Monats 3.020 Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 278 weniger als im vorigen Monat und 305 weniger als im Dezember 2018.

Die Stellensituation

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 771 Stellenangebote, 14 (+1,8 Prozent) mehr als im November. Verglichen mit Dezember 2018 wurden 117 Stellen weniger gemeldet
(-13,2 Prozent). Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 3.771 Stellen zur Besetzung aus, 196 weniger als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand noch um 968 Beschäftigungsmöglichkeiten höher.

Grundsätzlich werden Fachkräfte in allen Branchen gesucht, die Nachfrage ist hoch und langfristig steigend. Besondere Engpässe bestehen im Handwerk (Garten-und Landschaftsbau, Friseure, Maler und Lackierer, Elektriker, Anlagenmechaniker SHK, KFZ-Mechatroniker, Lebensmittelhandwerk), im Gesundheits- und Pflegebereich (Altenpfleger, medizinisch-pflegerisches Personal, Physiotherapeuten, zahnmedizinische Fachangestellte), im Transportwesen (Berufskraftfahrer) sowie in der Gastronomie (Köche, Servicekräfte).

Unterbeschäftigung

Die Zahl an arbeitslosen Männern und Frauen beträgt im Berichtsmonat 25.196.
Davon ausgehend addiert sich die Unterbeschäftigung auf 34.121 Personen und liegt damit um neun Personen unter dem Wert des letzten Monats.

Der Ausbildungsmarkt

Die ersten aktuellen Daten zum Ausbildungsmarkt für das Berufsberatungsjahr 2019/2020 werden nach Ablauf des ersten Beratungshalbjahres im März 2020 bekanntgegeben.

Jugendliche, die sich beruflich orientieren möchten, können sich jederzeit bei der Berufsberatung melden unter: 0800 / 4 5555 00. Arbeitgeber können jederzeit freie Arbeits- und Ausbildungsplätze melden unter: 0800 / 4 5555 20. (Die Servicerufnummern sind für den Anrufer kostenfrei.)