31.03.2020 | Presseinfo Nr. 31

„Corona wird Arbeitsmarkt schwer treffen“

Verzögerter Statistikeffekt – ab April deutlicher Anstieg absehbar
 

  • Aktuelle Zahlen haben nur eingeschränkte Aussagekraft
  • Derzeit gibt es im Kreis 25.982 (-181) Arbeitslose, die Quote beträgt 7,9 Prozent
  • Kurzarbeit: Drastischer Anstieg

Verzögerter Statistikeffekt – ab April deutlicher Anstieg absehbar

Im März zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 25.982 arbeitslose Menschen und damit 181 weniger als im Februar und 1.567 weniger als im März vor einem Jahr (-5,7 Prozent). Die Arbeitslosenquote rutschte um 0,1 Prozentpunkte auf 7,9 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie noch 8,4 Prozent.

„In diesem Monat hat Corona mit großer Wucht das gesamte Leben erschüttert und zum Teil stillgelegt. Dies gilt natürlich auch für den Arbeitsmarkt im Kreis Recklinghausen, wenngleich es in den aktuellen Zahlen noch nicht zum Ausdruck kommt“, beschreibt Frank Benölken, Leiter der Recklinghäuser Arbeitsagentur. Benölken weiter: „Stichtag für die Zahlen, die uns aktuell vorliegen, war der 12. März und damit ein Datum, als die Einschränkungen noch moderat waren. Was seither wirtschaftlich und arbeitsmarktpolitisch geschehen ist, spiegelt sich in den Zahlen noch nicht wider, das wird erst im April der Fall sein. Somit ist die Aussagekraft der Statistik gerade sehr eingeschränkt und wir müssen mindestens den kommenden Monat für eine richtungweisende Aussage abwarten.“

An den generellen Effekten lässt der Arbeitsmarktexperte jedoch schon heute keine Zweifel aufkommen: „Corona wird den Arbeitsmarkt auch bei uns schwer treffen und zu steigender Arbeitslosigkeit und sinkender Beschäftigung führen. Entscheidend für das Ausmaß wird sein, wie lange der derzeitige Stillstand andauern wird. Können wir in den nächsten sechs bis acht Wochen zur Normalität zurückkehren, rechnen wir ab der zweiten Jahreshälfte mit einer Entspannung und sinkender Arbeitslosigkeit. Dann profitieren wir davon, dass der Arbeitsmarkt vor Corona sehr stabil und die Nachfrage nach Arbeitskräften ungebrochen hoch war.“    

Unterbeschäftigung

Personen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen oder sich in einer kurzfristigen Arbeitsunfähigkeit befinden, zählen in der Regel als unterbeschäftigt. Im aktuellen Berichtsmonat wurden insgesamt 34.415 Unterbeschäftigte im Kreis gezählt – das sind 291 Personen (-0,8 Prozent) weniger als im Monat zuvor. Im März 2019 waren es 2.372 Personen (+6,4 Prozent) mehr. Die Unterbeschäftigungsquote beträgt 10,3 Prozent.

Kurzarbeit

Nirgendwo waren die Corona-Auswirkungen für den heimischen Arbeitsmarkt so deutlich zu erkennen wie bei der Kurzarbeit. Anfragen und Anzeigen von Unternehmen im Vest stiegen ab Monatsmitte immens an. Viele von ihnen, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, waren das erste Mal mit Kurzarbeit konfrontiert. Bislang sind insgesamt hunderte Anzeigen zu Kurzarbeit eingegangen, die zum Teil schon geprüft und erfasst wurden. Zur Unterstützung werden die zuständigen Teams innerhalb der Organisation der Arbeitsagentur massiv verstärkt und Personal umgesetzt. Die Verfahren werden so einfach und unbürokratisch wie möglich angewandt, um den Betrieben schnell zu helfen.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit getrennt nach Rechtskreisen

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 6.307 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 220 oder 3,4 Prozent
weniger Menschen als im Februar, jedoch 300 (+5,0 Prozent) mehr als im März 2019.

In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 19.675 arbeitslose Menschen und damit 39 mehr als im Februar (+0,2 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren es hingegen 1.867 Menschen (-8,7 Prozent) weniger.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Personenkreis Bestand Veränderungen zum Vormonat In Prozent
Jüngere unter 25 Jahre 2.130 -69 -3,1%
darunter Jugendliche unter 20 Jahre 428 +13 +3,1%
50 Jahre und älter 8.549 -12 -0,1%
Langzeitarbeitslose 12.147 -34 -0,3%
Schwerbehinderte 1.579 +11 +0,7%
Ausländer 7.725 -109 -1,4%

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen

Geschäftsstellenbezirk/ Arbeitslosenquote März 2020 Februar 2020 März 2019
Recklinghausen 7,7 7,8 8,1
Castrop-Rauxel 7,3 7,4 8,1
Datteln 6,5 6,6 7,1
Dorsten 6,0 6,1 6,6
Herten 8,9 9,1 9,9
Marl 9,0 9,1 9,7
Gladbeck 10,4 10,3 10,1
Agenturbezirk RE 7,9 8,0 8,4

Zugänge in und Abgänge aus Arbeitslosigkeit

SGB III:  Weniger Zu- und mehr Abgänge  

2.014 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 188 weniger als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es 45 mehr.

1.005 Männer und Frauen meldeten sich unmittelbar nach Verlust ihrer Beschäftigung arbeitslos, 471 Menschen nach schulischer oder betrieblicher Ausbildung sowie beruflicher Qualifizierung. Dem gegenüber konnten im Verlauf dieses
Monats 2.227 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden, 28 mehr als im Februar und fünf mehr als im März vor einem Jahr. 815 Männer und Frauen haben eine neue Beschäftigung gefunden, weitere 503 mit einer Ausbildung oder beruflichen Qualifizierung begonnen.

SGB II: Weniger Zu- sowie Abgänge

3.114 Männer und Frauen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet und damit 142 weniger als im Februar, jedoch 23 mehr als vor einem Jahr. 565 Personen meldeten sich unmittelbar nach Verlust ihrer Beschäftigung arbeitslos, 909 nach schulischer oder betrieblicher Ausbildung sowie beruflicher Qualifizierung. Dem
gegenüber konnten im Verlauf dieses Monats 3.110 Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 244 weniger als im vorigen Monat, gleichzeitig 89 weniger als im März 2019.

Die Stellensituation

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 853 Stellenangebote, 98 (-10,3 Prozent) weniger als im Februar. Verglichen mit März 2019 wurden 144 Stellen weniger gemeldet
(-14,4 Prozent). Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 3.622 Stellen zur Besetzung aus, 153 weniger als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand noch um 1.359 Beschäftigungsmöglichkeiten höher.

Derzeit lassen sich noch keine Corona-bedingten Stellenmeldungen identifizieren. Insbesondere der Lebensmitteleinzelhandel versucht aktuell, Mehrbelastungen durch die Vergabe von Schüler- und Studentenjobs zu kompensieren. Die schon vor Corona im Lebensmittelhandwerk (Bäckerei, Fleischerei) eingegangen Stellenmeldungen laufen weiter, jedoch mit den bereits bekannten Besetzungsproblemen.

Der Ausbildungsmarkt

Von Oktober 2019 bis März 2020 haben sich bei der Agentur für Arbeit insgesamt 3.808 Bewerber für Berufsausbildungsstellen gemeldet, 189 weniger als im letzten Jahr (-4,7 Prozent). Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen beträgt 2.598 und sank damit um 28 (-1,1 Prozent). 

Es befinden sich im März noch 2.325 Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche, das sind 39 weniger (-1,6 Prozent) als im Vorjahr. Die Zahl noch nicht besetzter Ausbildungsstellen liegt bei 1.769 und exakt auf dem Wert des letzten Jahres. Statistisch stehen jedem Bewerber 0,68 Stellen zur Verfügung (0,66 im letzten Jahr), bezogen auf die noch verfügbaren Stellen für noch unversorgte Bewerber sind es 0,76 Stellen (0,75 im letzten Jahr).

„Ich rate allen Schülerinnen, Schülern und Eltern dringend, auch in den Zeiten der Corona-Pandemie ihre aktiven Bemühungen um einen Ausbildungs- oder Studienplatz nicht aufzuschieben oder einzustellen“, sagt Frank Benölken. Insbesondere alle Jugendlichen der Entlassklassen, die aktuell noch keine Berufswahlentscheidung getroffen oder noch keine konkrete Anschlussperspektive hätten, sollten ihre Chancen jetzt nutzen und nicht leichtfertig vergeben.

Über die Rufnummern 02361/401000 und 0800/4555500 sowie das Postfach recklinghausen.berufsberatung@arbeitsagentur.de können Beratungen stattfinden, Termine vereinbart und Fragen geklärt werden.