30.04.2020 | Presseinfo Nr. 41

Zehn Prozent mehr Arbeitslose durch Corona

Corona übt bisher nie da gewesenen Effekt auf den Arbeitsmarkt aus
 

  • Anstieg um 2.640 auf 28.622 Arbeitslose, Quote springt auf 8,7 Prozent
  • Kurzarbeit: Seit März über 4.000 Anzeigen
  • Stellenbestand sinkt deutlich: aktuell 3.213 offene Jobs
  • Ausbildungsmarkt zeigt sich von Corona bisher unbeeindruckt

Corona übt bisher nie da gewesenen Effekt auf den Arbeitsmarkt aus

Im April zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 28.622 arbeitslose Menschen und damit 2.640 mehr als im März (+10,2 Prozent) und 1.806 mehr als im April vor einem Jahr (+6,7 Prozent). Die Arbeitslosenquote stieg um 0,8 Prozentpunkte auf 8,7 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie noch 8,2 Prozent.

„Corona hat den Arbeitsmarkt in einer Weise erschüttert, die es zuvor in diesem Ausmaß nicht gegeben hat, und so im April zu einem Anstieg geführt, der innerhalb von vier Wochen nie zuvor erreicht wurde“, beschreibt Agenturchef Frank Benölken die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Vest. „Nachdem wir im März noch keine Auswirkungen ablesen konnten, liegt uns somit die erste vorsichtige Bilanz nach vier Wochen Krise vor, wobei ein Ende noch nicht in Sicht ist“, so Benölken weiter.

Entsprechend allen Anzeichen habe sich Arbeitslosigkeit im vergangenen Monat in allen Personengruppen mehr oder weniger stark erhöht, am deutlichsten bei jungen Menschen. Wesentlich dazu beigetragen habe „ein extrem deutlicher Rückgang an Möglichkeiten, eine neue Beschäftigung zu finden. Dies hat im letzten Monat nur sehr begrenzt stattgefunden. Aktuell führen also steigende Arbeitslosmeldungen sowie sinkende Möglichkeiten, Arbeitslosigkeit zu beenden, zu einem wesentlich höheren Bestand an arbeitslosen Menschen im Kreis. Glücklicherweise nehmen derzeit noch viele Betriebe Abstand von Entlassungen und ziehen eine Inanspruchnahme von Kurzarbeit vor“, erklärt der Arbeitsmarktexperte. Dies könne sich aber ändern, wenn sich die Dauer der Einschränkungen weiter verlängert.

Langfristige Prognosen hält Frank Benölken zum aktuellen Zeitpunkt für verfrüht: „Diese haben erst dann gesicherte Aussagekraft, wenn der Höhepunkt der Pandemie überwunden ist und wir ein Ende des Ausnahmezustands absehen können.“

Unterbeschäftigung steigt deutlich an

Personen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen oder sich in einer kurzfristigen Arbeitsunfähigkeit befinden, zählen in der Regel als unterbeschäftigt. Im aktuellen Berichtsmonat wurden insgesamt 35.663 Unterbeschäftigte im Kreis gezählt – das sind 1.056 Personen (+3,1 Prozent) mehr als im Monat zuvor. Im April 2019 waren es 570 Personen (-1,6 Prozent) weniger. Die Unterbeschäftigungsquote beträgt 10,7 Prozent. Im März waren es 10,4 und vor einem Jahr 10,9 Prozent. Kurzarbeiter sind nicht in der Unterbeschäftigung enthalten.

Kurzarbeit erreicht Rekordwert

Ebenso deutlich wie anhand der Arbeitslosigkeit waren die Corona-Auswirkungen für den heimischen Arbeitsmarkt mittels steigender Kurzarbeitszahlen abzulesen. Bislang sind seit Anfang März insgesamt 4.041 Anzeigen auf Kurzarbeit für 39.219 Beschäftigte eingegangen. Endgültig lassen sich diese Werte erst nach Ablauf von drei Monaten abschließend sagen, da Betriebe innerhalb dieses Zeitraums Kurzarbeit abrechnen können.

Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2009, also während der Wirtschafts- und Finanzkrise mit dem Höhepunkt der Nutzung von Kurzarbeitergeld im Mai 2009, zeigten knapp 680 Betriebe für fast 9.100 Menschen im Kreis Recklinghausen Kurzarbeit an.

Arbeitslosigkeit steigt in beiden Rechtskreisen, jedoch deutlicher im SGB III

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 7.158 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 851 oder 13,5 Prozent
mehr Menschen als im März und 1.366 (+23,6 Prozent) mehr als im April 2019.

In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 21.464 arbeitslose Menschen und damit 1.789 mehr als im März (+9,1 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren es 440 Menschen (+2,1 Prozent) mehr.

Zugang aus Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit: Knapp 60 Prozent mehr als im März

5.971 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 843 (+16,4 Prozent) mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es 899 (+17,7 Prozent) mehr. Auffällig ist der starke Anstieg an Zugängen aus einer Erwerbstätigkeit. Dieser lag im April mit 2.508 Männern und Frauen um 59,7 Prozent höher als im März. Darunter blieb der Anteil an Zugängen aus Selbständigkeit mit 58 Personen zwar nach wie vor gering, jedoch erhöhte er sich im Vormonatsvergleich um 87,1 Prozent. Die meisten Erwerbstätigen übten zuvor eine Tätigkeit in der Gastronomie und dem Gesundheit- und Sozialwesen sowie wirtschaftliche Dienstleistungen aus.

Die Zugänge aus Ausbildung und Maßnahmen zeigten sich mit 1.273 im vergangenen Monat um 7,8 Prozent rückläufig.

Einbruch bei Abgängen aus Arbeitslosigkeit

Im Verlauf dieses Monats konnten 3.343 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 1.994 weniger als im März (-37,4 Prozent) und 2.465 weniger als im April vor einem Jahr (-42,4 Prozent). Mit 1.038 Männern und Frauen haben im April 18,8 Prozent weniger eine neue Beschäftigung gefunden, als im Vormonat. Noch rückläufiger war mit 509 Eintritten der Abgang in eine Ausbildung oder Maßnahme, dieser sank um 60,1 Prozent im Vergleich zum letzten Monat.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Personenkreis Bestand Veränderungen zum Vormonat In Prozent
Jüngere unter 25 Jahre 2.400 +270 +12,7%
darunter Jugendliche unter 20 Jahre 450 +22 +5,1%
50 Jahre und älter 9.233 +684 +8,0%
Langzeitarbeitslose 12.698 +551 +4,5%
Schwerbehinderte 1.682 +103 +6,5%
Ausländer 8.552 +827 +10,7%

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen

Geschäftsstellenbezirk/ Arbeitslosenquote April 2020 März 2020 April 2019
Recklinghausen 8,5 7,7 8,1
Castrop-Rauxel 8,2 7,3 7,4
Datteln 7,1 6,5 6,8
Dorsten 6,8 6,0 6,5
Herten 9,6 8,9 9,6
Marl 9,9 9,0 9,4
Gladbeck 11,4 10,4 10,0
Agenturbezirk RE 8,7 7,9 8,2

Stellemeldungen im April nur sehr verhalten

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 353 Stellenangebote, 500 (-58,6 Prozent) weniger als im März. Verglichen mit April 2019 wurden 549 Stellen weniger gemeldet
(-60,9 Prozent). Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 3.213 Stellen zur Besetzung aus, 409 weniger als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand noch um 1.713 Beschäftigungsmöglichkeiten höher.

Aufgrund der derzeitig unsicheren Lage haben Arbeitgeber rund 170 offene Stellen storniert oder Einstellungen verschoben, die meisten betrafen Sicherheitskräfte, Physiotherapeuten und Mitarbeiter in der Gastronomie. Stellenmeldungen hingegen erfolgten insbesondere für Kräfte im Lager sowie für sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (darunter Arbeitnehmerüberlassung), Gesundheits- und Sozialwesen, Handel und Baugewerbe.

Ausbildungsmarkt zeigt sich von Corona bisher kaum beeinträchtigt

Von Oktober 2019 bis April 2020 haben sich bei der Agentur für Arbeit insgesamt 3.980 Bewerber für Berufsausbildungsstellen gemeldet, 209 weniger als im letzten Jahr (-5,0 Prozent). Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen beträgt 2.633 und sank damit um 128 (-4,6 Prozent). 

Es befinden sich im April noch 2.211 Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche, das sind 15 mehr (+0,7 Prozent) als im Vorjahr. Die Zahl noch nicht besetzter Ausbildungsstellen liegt bei 1.711 und damit um vier Stellen unter dem Wert des letzten Jahres. Statistisch stehen jedem Bewerber ebenso wie im letzten Jahr 0,66 Stellen zur Verfügung, bezogen auf die noch verfügbaren Stellen für noch unversorgte Bewerber sind es 0,77 Stellen (0,78 im letzten Jahr).

Über die Rufnummern 02361/401000 und 0800/4555500 sowie das Postfach recklinghausen.berufsberatung@arbeitsagentur.de können Beratungen stattfinden, Termine vereinbart und Fragen geklärt werden.