03.06.2020 | Presseinfo Nr. 42

Im Mai nochmal fast 1.000 Arbeitslose mehr

Noch keine Entwarnung, aber Entspannung des Corona-Effekts
 

  • Anstieg um 995 auf 29.617 Arbeitslose, Quote steigt auf 9,1 Prozent
  • Kurzarbeit: Seit März knapp 4.600 Anzeigen
  • Wieder deutlich mehr Stellenmeldungen: Aktuell 3.253 offene Jobs
  • Corona kommt auf dem Ausbildungsmarkt an: Stellen sind rückläufig

Noch keine Entwarnung, aber Entspannung des Corona-Effekts

Im Mai zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 29.617 arbeitslose Menschen und damit 995 mehr als im April (+3,5 Prozent) und 3.107 mehr als im Mai vor einem Jahr (+11,7 Prozent). Die Arbeitslosenquote stieg um 0,4 Prozentpunkte auf 9,1 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie noch 8,1 Prozent.

„Für eine Entwarnung ist es noch zu früh, aber im Mai fiel der Corona-Effekt auf dem Arbeitsmarkt schon deutlich schwächer aus als noch im April, zum Teil sogar schon mit ersten positiven Tendenzen“, beschreibt Agenturchef Frank Benölken die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Vest. „Insbesondere auf der Stellenseite gibt es Grund zum Optimismus, denn die Anzahl an neuen Stellen legt mit über 460 kräftig zu“, so Benölken weiter.

Nach wie vor führten sinkende Möglichkeiten, Arbeitslosigkeit zu beenden, zu einem wesentlich höheren Bestand an arbeitslosen Menschen im Kreis, im Vergleich zum letzten Monat habe dieser um 3,5 Prozent zugelegt. „Aber auch hier zeigt sich eine erste positive Ausnahme bei jungen Menschen bis 20 Jahre, denn ihre Arbeitslosigkeit ist leicht gesunken“, erklärt Frank Benölken.

„Der Ausbildungsmarkt ist aktuell von rückläufigen Stellenmeldungen geprägt“, beschreibt der Arbeitsmarktexperte. Insgesamt sei die Anzahl an betrieblichen Ausbildungsstellen um 6,5 Prozent zum Vorjahr zurückgegangen. Benölken: „Wir müssen aufpassen, dass es nicht zu einem schleichenden Rückzug aus der Ausbildung kommt. Denn bei aller aktueller Unsicherheit wissen wir genau, dass der Fortbestand unserer Betriebe nur durch einen Nachwuchs an Fachkräften gesichert wird. Wer also nur an die Abwehr von Corona denkt, handelt kurzsichtig. Der Kampf gegen den Fachkräftemangel ist wesentlich ausdauernder und verursacht dauerhafte Schäden. Ihm müssen wir auch jetzt weiter aktiv begegnen und an Ausbildung festhalten.“

Wie sich Arbeits- und Ausbildungsmarkt in den kommenden Monaten entwickeln, hänge laut Agenturleiter eng damit zusammen, ob die eingeführten Lockerungen dauerhaft seien und schrittweise ausgeweitet würden. Denn dann würden Unternehmen ihre Betriebstätigkeit wieder voll aufnehmen können und entsprechendes Personal einstellen.

Unterbeschäftigung steigt weiter

Personen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen oder sich in einer kurzfristigen Arbeitsunfähigkeit befinden, zählen in der Regel als unterbeschäftigt. Im aktuellen Berichtsmonat wurden insgesamt 36.283 Unterbeschäftigte im Kreis gezählt – das sind 583 Personen (+1,6 Prozent) mehr als im Monat zuvor. Im Mai 2019 waren es 354 Personen (-1,0 Prozent) weniger. Die Unterbeschäftigungsquote beträgt 10,9 Prozent. Im April waren es 10,7 und vor einem Jahr 10,8 Prozent. Kurzarbeiter sind nicht in der Unterbeschäftigung enthalten.

Kurzarbeit steigt nur noch in geringem Maß

Bislang sind seit Anfang März insgesamt 4.584 Anzeigen auf Kurzarbeit für 43.081 Beschäftigte eingegangen. Endgültig lassen sich diese Werte erst nach Ablauf von drei Monaten abschließend sagen, da Betriebe innerhalb dieses Zeitraums Kurzarbeit abrechnen können.

Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2009, also während der Wirtschafts- und Finanzkrise mit dem Höhepunkt der Nutzung von Kurzarbeitergeld im Mai 2009, zeigten knapp 680 Betriebe für fast 9.100 Menschen im Kreis Recklinghausen Kurzarbeit an.

Arbeitslosigkeit steigt in beiden Rechtskreisen, jedoch deutlicher im SGB III

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 7.618 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 460 oder 6,4 Prozent
mehr Menschen als im April und 1.871 (+32,6 Prozent) mehr als im Mai 2019.

In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 21.999 arbeitslose Menschen und damit 535 mehr als im April (+2,5 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren es 1.236 Menschen (+6,0 Prozent) mehr.

Zugang aus Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit sinkt wieder: 42 Prozent weniger als im April

3.706 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 2.265 (-37,9 Prozent) weniger als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es 877 (-19,1 Prozent) weniger. Der im Vormonat noch sehr starke Anteil aus Erwerbstätigkeit hat sich im Mai wieder deutlich reduziert und betrug 1.455 (-42,0 Prozent). Die meisten Erwerbstätigen übten zuvor eine Tätigkeit im Bereich der wirtschaftlichen Dienstleistungen, im Handel und in der Arbeitnehmerüberlassung aus.

Die Zugänge aus Ausbildung und Maßnahmen zeigten sich mit 943 im vergangenen Monat um 25,9 Prozent rückläufig.

Abgänge aus Arbeitslosigkeit in Erwerbstätigkeit sind weiter rückläufig

Im Verlauf dieses Monats konnten 2.730 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 613 weniger als im April (-18,3 Prozent) und 2.172 weniger als im Mai vor einem Jahr (-44,3 Prozent). Mit 985 Männern und Frauen haben im Mai 5,1 Prozent weniger eine neue Beschäftigung gefunden als im Vormonat. Noch rückläufiger war mit 401 Eintritten der Abgang in eine Ausbildung oder Maßnahme, dieser sank um 21,2 Prozent im Vergleich zum letzten Monat.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Personenkreis Bestand Veränderungen zum Vormonat In Prozent
Jüngere unter 25 Jahre 2.556 +156 +6,5%
darunter Jugendliche unter 20 Jahre 444 -6 -1,3%
50 Jahre und älter 9.451 +218 +2,4%
Langzeitarbeitslose 13.108 +410 +3,2%
Schwerbehinderte 1.703 +21 +1,2%
Ausländer 8.997 +445 +5,2%

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen

Geschäftsstellenbezirk/ Arbeitslosenquote Mai 2020 April 2020 Mai 2019
Recklinghausen 8,7 8,5 8,0
Castrop-Rauxel 8,5 8,2 7,4
Datteln 7,4 7,1 6,6
Dorsten 7,1 6,8 6,5
Herten 10,2 9,6 9,2
Marl 10,3 9,9 9,2
Gladbeck 12,0 11,4 10,0
Agenturbezirk RE 9,1 8,7 8,1

Stellemeldungen steigen im Mai deutlich an

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 815 Stellenangebote, 462 (+130,9 Prozent) mehr als noch im April. Verglichen mit Mai 2019 wurden lediglich 24 Stellen weniger gemeldet
(-2,9 Prozent). Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 3.253 Stellen zur Besetzung aus, 40 mehr als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand noch um 1.761 Beschäftigungsmöglichkeiten höher.
Stellenmeldungen erfolgten insbesondere aus der Bauwirtschaft, Zeitarbeit, dem Handel und Gesundheitswesen.

Ausbildungsmarkt zeigt erste Einschnitte 

Von Oktober 2019 bis Mai 2020 haben sich bei der Agentur für Arbeit insgesamt 4.165 Bewerber für Berufsausbildungsstellen gemeldet, 193 weniger als im letzten Jahr (-4,4 Prozent). Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen beträgt 2.727 und sank damit um 164 (-5,7 Prozent). 

Es befinden sich im Mai noch 2.081 Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche, das sind 79 mehr (+3,9 Prozent) als im Vorjahr. Die Zahl noch nicht besetzter Ausbildungsstellen liegt bei 1.605 und damit um 49 Stellen unter dem Wert des letzten Jahres. Statistisch stehen jedem Bewerber 0,65 Stellen zur Verfügung (im letzten Jahr 0,66), bezogen auf die noch verfügbaren Stellen für noch unversorgte Bewerber sind es 0,77 Stellen (0,83 im letzten Jahr).

Über die Rufnummern 02361/401000 und 0800/4555500 sowie das Postfach recklinghausen.berufsberatung@arbeitsagentur.de können Beratungen stattfinden, Termine vereinbart und Fragen geklärt werden.