30.07.2020 | Presseinfo Nr. 50

Mehr Arbeitslose zur Ferienzeit

Arbeitslosigkeit steigt in der Ferienzeit erwartungsgemäß
 

  • Anstieg um 660 auf 30.900 Arbeitslose, Quote klettert auf 9,5 Prozent
  • Kurzarbeit steigt kaum noch, insgesamt knapp 4.800 Anzeigen seit März
  • Stabile Lage auf dem Stellenmarkt
  • Chancen auf dem Ausbildungsmarkt: noch 1.241 Stellen für 1.404 Bewerber

Arbeitslosigkeit steigt in der Ferienzeit erwartungsgemäß

Im Juli zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 30.900 arbeitslose Menschen und damit 660 mehr als im Juni (+2,2 Prozent) und 4.698 mehr als im Juli vor einem Jahr (+17,9 Prozent). Die Arbeitslosenquote stieg erneut um 0,2 Prozentpunkte auf 9,5 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie noch 8,0 Prozent.

„Die Ausläufer der Corona-Pandemie gepaart mit dem Beginn der Sommerferien haben im Juli im Vest zu einem Plus an Arbeitslosen geführt und damit den Trend der letzten Monate fortgesetzt“, fasst Agenturgeschäftsführer Dirk Hellmann die Entwicklung der vergangenen vier Wochen zusammen. Wie in jedem Sommer sei die Dynamik in den Betrieben heruntergefahren, was sich weitestgehend in einer Stagnation an Stellenmeldungen und in der Folge sinkenden Neueinstellungen niederschlage: „Schon jetzt zeigt sich aber, dass Betriebe durchaus Personalbedarf haben und Mitarbeiter nach den Betriebsferien einstellen wollen, sofern sie geeignete Fachkräfte finden. Für alle, die auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung sind, bietet sich daher aktuell die Chance, mit einer passenden Qualifizierung das persönliche Leistungsprofil aufzuwerten und sich attraktiv für den Arbeitsmarkt zu machen.“

Wie und in welchem Tempo sich der Arbeitsmarkt perspektivisch entwickeln wird, bleibt laut Arbeitsagentur zunächst abzuwarten. Dirk Hellmann: „Bisher können wir noch nicht zuverlässig absehen, ob sich der Arbeitsmarkt noch in diesem Jahr deutlich wieder in die Vor-Corona-Richtung entwickeln wird. Vieles wird davon abhängen, welche politischen Entscheidungen nach den Sommerferien getroffen werden, sollten die Infektionszahlen weiterhin steigen.“   

Unterbeschäftigung steigt weiter

Personen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen oder sich in einer kurzfristigen Arbeitsunfähigkeit befinden, zählen in der Regel als unterbeschäftigt. Im aktuellen Berichtsmonat wurden insgesamt 37.526 Unterbeschäftigte im Kreis gezählt – das sind 330 Personen (+0,9 Prozent) mehr als im Monat zuvor. Im Juli 2019 waren es 1.780 Personen (-5,0 Prozent) weniger. Die Unterbeschäftigungsquote beträgt 11,2 Prozent. Im Juni waren es 11,1 und vor einem Jahr 10,7 Prozent. Kurzarbeiter sind nicht in der Unterbeschäftigung enthalten.

Kurzarbeit steigt kaum noch, erste endgültige Zahlen zu März liegen vor

Bislang sind seit Anfang März insgesamt 4.797 Anzeigen auf Kurzarbeit für 45.758 Beschäftigte eingegangen. Damit sind oder waren 26 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Vest von Kurzarbeit betroffen. Die Zahl an Neumeldungen zeigte sich auch im Juli stark rückläufig.

Mittlerweile liegen erste Hochrechnungen für die tatsächlich in Anspruch genommene Kurzarbeit für März vor. Danach wurden 1.899 Anträge auf Kurzarbeit für 9.552 Beschäftigte gestellt. Ob die tatsächlich in Anspruch genommene Kurzarbeit niedriger ausfällt, als zunächst erwartet, kann im Laufe der nächsten zwei Monate gesagt werden. Dann nämlich werden auch die Anträge für die Monate April und Mai abgerechnet, für die Arbeitgeber grundsätzlich bis zu drei Monate Zeit haben.

Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2009, also während der Wirtschafts- und Finanzkrise mit dem Höhepunkt der Nutzung von Kurzarbeitergeld im Mai 2009, zeigten knapp 680 Betriebe für fast 9.100 Menschen im Kreis Recklinghausen Kurzarbeit an.

Arbeitslosigkeit steigt in beiden Rechtskreisen, jedoch deutlicher im SGB III

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 8.543 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 521 oder 6,5 Prozent
mehr Menschen als im Juni und 2.552 (+42,6 Prozent) mehr als im Juli 2019.

In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 22.357 arbeitslose Menschen und damit 139 mehr als im Juni (+0,6 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren es 2.146 Menschen (+10,6 Prozent) mehr.

Zugang aus Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit steigt minimal

3.941 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 140 (+3,7 Prozent) mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es 844 (-17,6 Prozent) weniger. Der Anteil an Zugängen aus Erwerbstätigkeit stieg dabei minimal an (+0,7 Prozent) und betrug zuletzt 1.363. Die Zugänge aus Ausbildung und Maßnahmen zeigten sich mit 1.301 um 30 Prozent (+300) über dem Wert des vergangenen Monats.

Abgänge aus Arbeitslosigkeit steigen weiter  

Im Verlauf dieses Monats konnten 3.296 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 110 mehr als im Juni (+3,5 Prozent), jedoch 1.440 weniger als im Juli vor einem Jahr (-30,4 Prozent). 1.048 Männern und Frauen haben im Juli eine neue Beschäftigung gefunden, 96 weniger als im Vormonat. Deutlich steigend zeigten sich mit 732 die Abgänge in eine Ausbildung oder Maßnahme, was einem Zuwachs zum Vormonat von 10,6 Prozent entsprach.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Personenkreis Bestand Veränderung zum Vormonat
Jüngere unter 25 Jahre 2.843 +219 +8,3%
darunter Jugendliche unter 20 Jahre 493 +66 +15,5%
50 Jahre und älter 9.766 +88 +0,9%
Langzeitarbeitlose 13.847 +367 +2,7%
Schwerbehinderte 1.775 +40 +2,3%
Ausländer 9.399 +219 +2,4%

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen

  Arbeitslosenquote
Geschäftsstellenbezirk Juli 2020 Juni 2020 Juli 2019
Recklinghausen 9,2 9,0 7,8
Castrop-Rauxel 8,9 8,8 7,4
Datteln 7,7 7,5 6,6
Dorsten 7,4 7,3 6,3
Herten 10,6 10,3 9,0
Marl 10,4 10,3 9,2
Gladbeck 12,5 12,2 9,8
Agenturbezirk RE 9,5 9,3 8,0

Stellenmeldungen und –bestand bleiben im Vormonatsvergleich stabil

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 739 Stellenangebote, fünf (+0,7 Prozent) mehr als im Juni. Verglichen mit Juli 2019 wurden 302 Stellen weniger gemeldet
(-29,0 Prozent). Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 3.366 Stellen zur Besetzung aus, 50 mehr als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand noch um 2.167 Beschäftigungsmöglichkeiten höher.

Die meisten Stellenmeldungen bezogen sich auf sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, Gesundheitswesen, Handel, Baugewerbe und Verarbeitendes Gewerbe.

Viele Chancen über den Ausbildungsstart hinaus 

Von Oktober 2019 bis Juli 2020 haben sich bei der Agentur für Arbeit insgesamt 4.585 Bewerber für Berufsausbildungsstellen gemeldet, 108 weniger als im letzten Jahr (-2,3 Prozent). Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen beträgt 2.970 und sank damit um 136 (-4,4 Prozent). 

Es befinden sich im Juli noch 1.404 Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche, das sind 56 weniger (-3,8 Prozent) als im Vorjahr. Die Zahl noch nicht besetzter Ausbildungsstellen liegt bei 1.241 und damit um 110 Stellen unter dem Wert des letzten Jahres. Statistisch stehen jedem Bewerber 0,65 Stellen zur Verfügung (im letzten Jahr 0,66), bezogen auf die noch verfügbaren Stellen für noch unversorgte Bewerber sind es 0,88 Stellen (0,93 im letzten Jahr).

Die meisten noch offenen Stellen finden sich für angehende Verkäuferinnen, Einzelhandelskaufleute, Elektroniker, Kaufleute für Büromanagement, medizinische Fachangestellte, Zahnmedizinische Fachangestellte, Friseure, Anlagenmechaniker Sanitär, Heizung, Klima, Industriekaufleute und Handelsfachwirte.