01.09.2020 | Presseinfo Nr. 52

Bekenntnis zur Beschäftigung

Bekenntnis zur Beschäftigung

  • Arbeitslosigkeit steigt saisontypisch, Quote erhöht sich auf 9,6 Prozent

  • Knapp 1.270 Beschäftigungsaufnahmen, Tendenz steigend

  • Viele Chancen auf dem Ausbildungsmarkt: noch 1.025 Stellen für 991 Bewerber

Corona verliert deutlich an Einfluss, Entwicklung verläuft saisontypisch

Im August zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 31.182 arbeitslose Menschen und damit 282 mehr als im Juli (+0,9 Prozent) und 4.789 mehr als im August vor einem Jahr (+18,1 Prozent). Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 9,6 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie noch 8,1 Prozent.

„Die Auswirkungen von Corona auf den Arbeitsmarkt haben spürbar nachgelassen. Der moderate Anstieg an Arbeitslosen im August ist nahezu vollständig saisonal bedingt“, interpretiert Agenturchef Frank Benölken die Entwicklung der vergangenen vier Wochen im Vest. Besonders positiv hervorzuheben sei die steigende Zahl neu geschlossener Arbeitsverträge: „Obwohl in den Hauptferienmonaten klassischerweise weniger Neueinstellungen vorgenommen werden, konnten im August deutlich mehr Menschen ihre Arbeitslosigkeit zugunsten einer Beschäftigung beenden als noch im Juli. Zeitgleich mussten sich auch weniger Menschen aus einer Beschäftigung heraus arbeitslos melden – beide Tendenzen sind ein deutliches Bekenntnis zur Beschäftigungssicherung auf unserem Arbeitsmarkt“, urteilt Benölken. Der Arbeitsmarktexperte zeigt sich überzeugt: „Wer die Durststrecke der letzten Monate sinnvoll genutzt und in sich und seine Qualifikation investiert hat, der wird jetzt davon profitieren.“

Unterbeschäftigung steigt weiter, jedoch deutlich schwächer

Personen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen oder sich in einer kurzfristigen Arbeitsunfähigkeit befinden, zählen in der Regel als unterbeschäftigt. Im aktuellen Berichtsmonat wurden insgesamt 37.728 Unterbeschäftigte im Kreis gezählt – das sind 62 Personen (+0,2 Prozent) mehr als im Monat zuvor. Im August 2019 waren es 2.181 Personen (-6,1 Prozent) weniger. Die Unterbeschäftigungsquote beträgt 11,3 Prozent. Im Juli waren es ebenfalls 11,3 und vor einem Jahr 10,7 Prozent. Kurzarbeiter sind nicht in der Unterbeschäftigung enthalten.

Kurzarbeit trifft weniger Beschäftigte als zunächst erwartet

Bislang sind seit Anfang März insgesamt 4.880 Anzeigen auf Kurzarbeit für 46.502 Beschäftigte eingegangen. Damit ist oder war gut ein Viertel (26,6 Prozent) aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Vest von Kurzarbeit betroffen.

Mittlerweile liegen erste Hochrechnungen für die tatsächlich in Anspruch genommene Kurzarbeit für März und April vor, die nahelegen, dass die realisierte Kurzarbeit weniger Beschäftigte betrifft oder betraf als zunächst erwartet. Wurden bis April insgesamt 40.233 potenziell betroffene Beschäftigte gezählt, trat Kurzarbeit in diesen beiden Monaten nach jetzigem Stand jedoch für 33.860 ein.

Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2009, also während der Wirtschafts- und Finanzkrise mit dem Höhepunkt der Nutzung von Kurzarbeitergeld im Mai 2009, zeigten knapp 680 Betriebe für fast 9.100 Menschen im Kreis Recklinghausen Kurzarbeit an.

Zuwachs an Arbeitslosigkeit teilt sich gleichmäßig auf beide Rechtskreise auf

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 8.685 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 142 oder 1,7 Prozent
mehr Menschen als im Juli und 2.590 (+42,5 Prozent) mehr als im August 2019.

In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 22.497 arbeitslose Menschen und damit 140 mehr als im Juli (+0,6 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren es 2.199 Menschen (+10,8 Prozent) mehr.

Zugang aus Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit sinkt

4.310 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 369 (+9,4 Prozent) mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es 1.477 (-25,5 Prozent) weniger. Der Anteil an Zugängen aus Erwerbstätigkeit sank erstmals wieder, und zwar um 2,4 Prozent (-33) auf 1.330. Die Zugänge aus Ausbildung und Maßnahmen zeigten sich mit 1.461 um 12,3 Prozent (+160) über dem Wert des vergangenen Monats.

Abgänge aus Arbeitslosigkeit in Erwerbstätigkeit steigen weiter  

Im Verlauf dieses Monats konnten 4.018 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 722 mehr als im Juli (+21,9 Prozent), jedoch 1.578 weniger als im August vor einem Jahr (-28,2 Prozent). 1.268 Männern und Frauen haben im August eine neue Beschäftigung gefunden, 220 mehr (+21,0 Prozent) als im Vormonat. Deutlich steigend zeigten sich mit 1.020 die Abgänge in eine Ausbildung oder Maßnahme, was einem Zuwachs zum Vormonat von 39,3 Prozent (+288) entsprach.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Personenkreis Bestand Veränderung zum Vormonat
Jüngere unter 25 Jahre 2.073 +60 +3,0%
darunter Jugendliche unter 20 Jahre 391 +1 +0,3%
50 Jahre und älter 8.603 +407 +5,0%
Langzeitarbeitslose 12.280 +320 +2,7%
Schwerbehinderte 1.570 +27 +1,7%
Ausländer 7.816 +356 +4,8%

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen

Geschäftsstellenbezirk Arbeitslosenquote
August 2020 Juli 2020 August 2019
Recklinghausen 9,3 9,2 8,0
Castrop-Rauxel 9,1 8,9 7,2
Datteln 7,8 7,7 6,8
Dorsten 7,7 7,4 6,4
Herten 10,6 10,6 9,1
Marl 10,4 10,4 9,3
Gladbeck 12,5 12,5 9,8
Agenturbezirk RE 9,6 9,5 8,1

Stellenmeldungen und –bestand gehen leicht zurück

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 691 Stellenangebote, 48 weniger als im Juli. Verglichen mit August 2019 wurden 289 Stellen weniger gemeldet
(-29,5 Prozent). Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 3.294 Stellen zur Besetzung aus, 72 weniger als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand noch um 1.857 Beschäftigungsmöglichkeiten höher.

Die meisten Stellenmeldungen bezogen sich auf sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, Gesundheitswesen sowie Verkehr und Lagerei.

Mehr Stellen als Bewerber: Gute Situation für unversorgte Jugendliche    

Von Oktober 2019 bis August 2020 haben sich bei der Agentur für Arbeit insgesamt 4.777 Bewerber für Berufsausbildungsstellen gemeldet, 114 weniger als im letzten Jahr (-2,3 Prozent). Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen beträgt 3.066 und sank damit um 141 (-4,4 Prozent). 

Es befinden sich im August noch 991 Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche, das sind 108 mehr (+12,2 Prozent) als im Vorjahr. Die Zahl noch nicht besetzter Ausbildungsstellen liegt bei 1.025 und damit um 98 Stellen über dem Wert des letzten Jahres. Statistisch stehen jedem Bewerber 0,6 Stellen zur Verfügung (im letzten Jahr 0,7), bezogen auf die noch verfügbaren Stellen für noch unversorgte Bewerber sind es 1,0 Stellen (wie im letzten Jahr).

Für Frank Benölken eine gute Ausgangslage für alle jungen Menschen, die bisher noch keinen Ausbildungsvertrag unterschrieben haben: „Mit einer solchen Entwicklung haben wir zu Beginn der Pandemie nicht gerechnet, es stand vielmehr zu befürchten, dass Ausbildung in vielen Betrieben in diesem Jahr ausgesetzt würde. Dies ist aber erfreulicherweise nicht der Fall. Umso wichtiger, diese Chancen nicht ungenutzt zu lassen, denn im nächsten Jahr wird sich die Situation vermutlich schwieriger gestalten, wenn Schulabschlüsse aufgrund ausgefallener Schulzeiten schlechter ausfallen und damit die individuellen Chancen auf einen Ausbildungsplatz sinken.“

Gerade die Zeit des Lockdowns habe für Benölken dazu geführt, sich wieder intensiv mit alten Werten auseinanderzusetzen, zu denen auch das Handwerk zählt: „Wir haben gesehen, worauf es den meisten Menschen wirklich ankommt, nämlich auf ein intaktes und schönes Zuhause mit allem, was dazu gehört. Dort, wo liebgewonnene Freizeitaktivitäten und Kontakte stark eingeschränkt wurden, haben viele Menschen in ihre eigenen vier Wände investiert und die qualitativ hochwertige Leistung von Handwerksbetrieben in Anspruch genommen, zum Beispiel bei der Neugestaltung ihrer Gärten oder der Renovierung ihrer Wohnung. Und wo Restaurants geschlossen geblieben sind, hat auch die Qualität des heimischen Essens wieder an Bedeutung gewonnen, sei es mit gutem Backwerk oder hochwertigen Metzgereiprodukten. Letztendlich ist das Handwerk tief verwurzelt im Alltag jedes Menschen und umso unempfindlicher reagiert es in Krisenzeiten – was sehr dafür spricht, die handwerklichen Berufe wieder viel stärker in die eigene Berufswahl einzubeziehen. Gerade hier finden sich derzeit auch noch sehr viele offenen Stellen.“

Die meisten noch offenen Stellen im Vest gibt es für angehende Verkäuferinnen, Einzelhandelskaufleute, Elektroniker, Kaufleute für Büromanagement, medizinische Fachangestellte, Friseure, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Zahnmedizinische Fachangestellte, Anlagenmechaniker Sanitär, Heizung, Klima sowie Maler und Lackierer.