10.11.2020 | Presseinfo Nr. 59

Ausbildungsmarkt geht im Corona-Jahr in die Verlängerung

Bisher negative Bilanz zum Vorjahr kann im fünften Quartal noch ausgeglichen werden

Kreis Recklinghausen. Im gemeinsamen Pressegespräch zogen Frank Benölken (Leiter der Agentur für Arbeit Recklinghausen), Dirk Hellmann (Geschäftsführer operativ der Agentur für Arbeit Recklinghausen), Dominik Schad (Leiter des Jobcenters Kreis Recklinghausen) und Carsten Taschner (Fachdienstleiter Markt und Integration des Jobcenters Kreis Recklinghausen), zusammen mit Carsten Taudt (Geschäftsbereichsleiter Bildung der IHK Nord Westfalen), Ludger Blickmann (Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft Recklinghausen) und Mark Rosendahl (DGB-Regionsgeschäftsführer Emscher Lippe) die Bilanz zum Berufsberatungsjahr 2019/2020.

Die Bilanz auf einen Blick:
  • 5.036 Ausbildungsplatzbewerber
  • 3.269 gemeldete Ausbildungsstellen
  • 2.128 junge Menschen beginnen eine Ausbildung
  • 197 Bewerber sind noch nicht versorgt
  • 310 Ausbildungsstellen sind noch zu besetzen

Die zuletzt positiven Tendenzen auf dem Ausbildungsmarkt können pandemiebedingt in diesem Jahr nicht nahtlos fortgeschrieben werden. Ein leichter Anstieg an gemeldeten Bewerbern bei gleichzeitig deutlichem Rückgang an betrieblichen Ausbildungsstellen führt stattdessen zu einer schwierigeren Ausgangslage. Dennoch sind gute Entwicklungen bereits jetzt ablesebar: Während das Ausbildungsgeschäft von April bis Juni nahezu vollständig auf Eis lag, kann seit Juli ein deutlicher Anstieg an ausbildungsorientierten Aktivitäten sowohl auf Seiten der Betriebe als auch der Bewerber festgestellt werden. Dies belegt den hohen Stellenwert der betrieblichen Ausbildung für beide Seiten. Dennoch kommt es gerade in diesem Jahr darauf an, mit einem hohen Maß an Flexibilität die Chancen zu finden und zu nutzen, die trotz aller Einschränkungen in großem Umfang vorhanden sind.

Dass sich in diesem Jahr vieles anders, aber nicht alles schlechter zeigt, darüber sind sich die Ausbildungsmarktpartner einig. Denn Fakt ist: Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheit, die insbesondere im Frühjahr den Großteil der Betriebe zumindest temporär lähmte, ist dennoch kein großflächiger Rückzug aus der Ausbildungsverantwortung erkennbar. Nichts desto trotz ist die Verzögerung, die durch den Shutdown maßgeblich zustande gekommen ist, nicht im regulären Jahresverlauf aufzuholen. Deswegen haben sich alle Partner darauf verständigt, das Ausbildungsjahr noch bis Ende Januar 2021 zu verlängern und so Betrieben und Jugendlichen die Chance zu geben, die verlorenen Monate nachzuholen. Dieses sogenannte fünfte Quartal soll am Ende die schwarze Null im Vorjahresvergleich ergeben. Denn der Nachwuchs, der jetzt nicht ausbildet wird, fehlt der Region in wenigen Jahren.

Positiv bewerten die Ausbildungsmarktakteure die finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten für Unternehmen im Rahmen der Ausbildungsprämie und werben bei Betrieben dafür, diese auch tatsächlich anzufragen. Sie halten fest: Diese Krise hat alle unvorbereitet und unverschuldet getroffen. Jedes Mittel, das dazu beiträgt, ein Stück Normalität aufrecht zu erhalten und dafür zu sorgen, dass jungen Menschen der Weg in eine berufliche Zukunft nicht aus finanziellen Schwierigkeiten heraus verstellt wird, ist lobenswert und ohne jede falsche Bescheidenheit zu nutzen.

Trotz aller pandemiebedingten Besonderheiten betonen die Ausbildungsmarktpartner auch in diesem Jahr den hohen Stellenwert eigener Bemühungen. Für Jugendliche bedeutet dies, nicht in Schockstarre und eine passive Erwartungshaltung zu verfallen, sondern aktiv daran mitzuwirken, die noch verfügbaren offenen Ausbildungsstellen auf die eigenen Wünsche hin unter die Lupe zu nehmen. Denn eins steht fest: In keinem anderen Jahr zuvor haben Jugendliche, die vielleicht erst spät auf die Suche nach einer Stelle gegangen sind, noch so eine große Bandbreite an Chancen vorgefunden. Diese gilt es, nicht ungenutzt zu lassen. Denn wer bis Ende Januar keinen Platz gefunden hat, konkurriert ab dem Sommer mit dann fertigen Absolventen, die aufgrund des frischen Schulabschlusses oft bevorzugt eingestellt werden.

An die Betriebe im Vest richten die Ausbildungsmarktpartner einen eindringlichen Appell: Wo Corona hoffentlich in nur sehr wenigen Fällen dazu führen wird, dass Betriebe dauerhaft schließen werden, wird ein Rückzug aus der Ausbildung hingegen in jedem Fall eine vernichtende Wirkung haben. Stattdessen ist es heute vielleicht wichtiger denn je, frühzeitig jungen Nachwuchs ins Unternehmen zu holen, um Schritt für Schritt langjähriges Wissen und Fachkompetenzen von einer Generation zur nächsten zu übertragen. Je überlegter und langfristiger dies geschieht, desto widerstandsfähiger und robuster kann ein Unternehmen durch eine Krise gehen. Wer sich für die Einstellung eines oder mehrerer Azubis entscheidet, kann sich der Hilfe aller Partner sicher sein. Treten zum Beispiel Schwierigkeiten in der Ausbildung auf, können bei Arbeitsagentur und Jobcenter wirksame Unterstützungsleistungen nachgefragt werden. Auch bei Anlaufschwierigkeiten in der Ausbildung oder wenn Zweifel bestehen, ob ein Bewerber die Berufsschule schafft, kann mit ausbildungsbegleitenden Hilfen („abH“) und assistierter Ausbildung Unterstützung für den Betrieb und den Auszubildenden angeboten werden, um die Ausbildung zum erfolgreichen Abschluss zu führen. Wichtig ist, Ausbildung als festen und dauerhaften Bestandteil der Unternehmensleistung zu sehen, auch in einem Jahr wie diesem.

Betriebe, die jetzt noch oder wieder einen Azubi suchen, sollten ihre freie Ausbildungsstelle umgehend der Agentur für Arbeit melden, um die Stelle im „fünften Quartal“ noch besetzen zu können. Dies gilt auch für Stellen für das kommende Ausbildungsjahr. Auch Schülerinnen und Schüler sollten frühzeitig die Weichen für die Berufswahl stellen. Derzeit laufen in einigen Branchen bereits die Auswahlverfahren für den Ausbildungsbeginn im Herbst 2021. Kleinere und mittlere Unternehmen steigen dann im Frühjahr in die Bewerberauswahl ein. Auch diejenigen, die für 2022 einen Ausbildungsplatz anstreben, sollten sich bereits jetzt über mögliche Berufe informieren und ihre Interessen und Stärken erkunden, so dass im Frühjahr 2021 die Entscheidung über die Wunschberufe steht und gezielt Bewerbungen eingereicht werden können.

Arbeitsagentur, Jobcenter und Kammern beraten und informieren Betriebe in allen Fragen rund um das Thema Ausbildung.

Jugendliche, die sich beruflich orientieren möchten, können sich jederzeit bei der Berufsberatung unter der Recklinghäuser Hotline 02361 / 40-2021 oder der zentralen Hotline 0800 / 4 5555 00 melden. Arbeitgeber können jederzeit freie Arbeits- und Ausbildungsplätze melden unter: 0800 / 4 5555 20.