05.01.2021 | Presseinfo Nr. 1

Arbeitsmarkt: Mit angezogener Handbremse ins neue Jahr

Vorsichtigeres Einstellungsverhalten sorgt für nachlassende Dynamik
 

  • 91 Arbeitslose mehr, Quote stagniert bei 8,9 Prozent
  • Anstieg vollzieht sich insbesondere bei Älteren und Langzeitarbeitslosen
  • 1.077 Arbeitsaufnahmen mit sinkender Tendenz
  • Stellenmeldungen nehmen ab, Bestand bei 3.425

Vorsichtigeres Einstellungsverhalten sorgt für nachlassende Dynamik

Im Dezember zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 28.989 arbeitslose Menschen und damit 91 mehr als im November (+0,3 Prozent) und 3.793 mehr als im Dezember vor einem Jahr (+15,1 Prozent). Die Arbeitslosenquote stagnierte bei 8,9 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie noch 7,7 Prozent.

„Der Arbeitsmarkt hat im Dezember an Dynamik eingebüßt und geht mit leicht erhöhten Arbeitslosenzahlen ins neue Jahr“, fasst Agenturgleiter Frank Benölken die aktuellen Entwicklungen im Vest zusammen. Benölken weiter: „Konnten wir im November noch keine Auswirkungen des zweiten Lockdowns feststellen, treten diese nun im Dezember zu Tage. Denn je länger die gesamtgesellschaftlichen Einschränkungen andauern, desto vorsichtiger reagieren Unternehmen, wenn es um die Einstellung neuer Mitarbeiter geht. Wie schon im Frühjahr kam es daher im Dezember zu weniger Arbeitsaufnahmen und damit zu sinkenden Chancen, Arbeitslosigkeit beenden zu können.“ Einen erhöhten Zugang an neuen Arbeitslosen aus Beschäftigung gäbe es hingegen laut Benölken derzeit noch nicht.

Der Arbeitsmarktexperte hält derzeit nur kurzfristige Prognosen für verlässlich, denn: „Bisher ist nicht erkennbar, ab wann die volle wirtschaftliche Tätigkeit wiederaufgenommen werden kann, voraussichtlich wird sich der derzeitige Lockdown mit all seinen Effekten noch im gesamten Januar fortsetzen. Hinzu kommen das Winterwetter und die allgemein im Winter eher nachlassende Einstellungsbereitschaft der Unternehmen. In der Folge können wir von steigenden Arbeitslosenzahlen in den ersten Monaten des neuen Jahres ausgehen.“   

Unterbeschäftigung steigt leicht

Personen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen oder sich in einer kurzfristigen Arbeitsunfähigkeit befinden, zählen in der Regel als unterbeschäftigt. Im aktuellen Berichtsmonat wurden insgesamt 36.215 Unterbeschäftigte im Kreis gezählt – das sind 97 Personen (+0,3 Prozent) mehr als im Monat zuvor. Im Dezember 2019 waren es 2.042 Personen (-6,0 Prozent) weniger. Die Unterbeschäftigungsquote beträgt, wie im November, 10,8 Prozent. Vor einem Jahr lag sie noch bei 10,3 Prozent. Kurzarbeiter sind nicht in der Unterbeschäftigung enthalten.

Kurzarbeit weiter steigend

Bislang sind seit Anfang März insgesamt 5.807 Anzeigen auf Kurzarbeit für 53.813 Beschäftigte eingegangen, im Vergleich zum Vormonat waren dies 447 Anzeigen mehr, ebenso erhöhte sich die Anzahl an potenziell betroffenen Beschäftigten um 3.797. Mittlerweile liegen außerdem endgültige Zahlen für die tatsächlich in Anspruch genommene Kurzarbeit von März bis Juni vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld im April an 20.279 Beschäftigte von 3.338 Betrieben und im Mai an 19.200 Beschäftigte von 2.712 Betriebe ausgezahlt. Im Juni schwächten sich die kurzarbeitenden Betriebe auf 2.021 ab, betroffen waren dann 12.919 Beschäftigte. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2009, also während der Wirtschafts- und Finanzkrise mit dem Höhepunkt der Nutzung von Kurzarbeitergeld im Mai 2009, zeigten knapp 680 Betriebe für fast 9.100 Menschen im Kreis Recklinghausen Kurzarbeit an.

Rückgang an Arbeitslosen in der Grundsicherung

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 8.048 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 256 oder 3,3 Prozent
mehr Menschen als im November und 2.160 (+36,7 Prozent) mehr als im Dezember 2019.

In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 20.941 arbeitslose Menschen und damit 165 weniger als im November (-0,8 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren es 1.633 Menschen (+8,5 Prozent) mehr.

Zugang in Arbeitslosigkeit aus Erwerbstätigkeit sinkt

4.255 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 119 (-2,7 Prozent) weniger als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es 656 (-13,4 Prozent) weniger. Der Anteil an Zugängen aus Erwerbstätigkeit reduzierte sich um 5,2 Prozent (-79) auf 1.429. Die Zugänge aus Ausbildung und Maßnahmen zeigten sich mit 1.035 um 5,4 Prozent (-59) erneut rückläufig gegenüber dem vergangenen Monat.

Abgang aus Arbeitslosigkeit weiter rückläufig  

Im Verlauf dieses Monats konnten 4.165 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 690 weniger als im November (-14,2 Prozent) und 608 weniger als im Dezember vor einem Jahr (-12,7 Prozent). 1.077 Männer und Frauen haben im Dezember eine neue Beschäftigung gefunden, 295 weniger (-21,5 Prozent) als im Vormonat. Erneut geringer als im Vormonat fielen mit 1.037 die Abgänge in eine Ausbildung oder Maßnahme (-9,9 Prozent) aus.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Personenkreis Bestand Veränderungen zum Vormonat
Jüngere unter 25 Jahre 2.246 -27 -1,2%
darunter Jugendliche unter 20 Jahre 426 -10 -2,3%
50 Jahre und älter 9.730 +86 +0,9%
Langzeitarbeitslose 14.336 +169 +1,2%
Schwerbehinderte 1.779 +8 +0,5%
Ausländer 8.768 +10 +0,1%

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen

Arbeitslosenquote
Geschäftsstellenbezirk Dezember 2020 November 2020 Dezember 2019
Recklinghausen 8,5 8,5 7,5
Castrop-Rauxel 8,1 8,2 6,9
Datteln 7,5 7,4 6,4
Dorsten 6,9 6,9 5,9
Herten 9,8 9,9 8,8
Marl 10,2 10,0 8,9
Gladbeck 11,8 11,8 9,6
Agenturbezirk RE 8,9 8,9 7,7

Stellenzugang und -bestand sinken

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 759 Stellenangebote, 81 weniger (-9,6 Prozent) als im November. Verglichen mit Dezember 2019 wurden 12 Stellen weniger gemeldet
(-1,6 Prozent). Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 3.425 Stellen zur Besetzung aus, 66 weniger als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand um 346 Beschäftigungsmöglichkeiten höher.

Mehr als zwei von drei Stellenmeldungen bezogen sich auf sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, das Gesundheits- und Sozialwesen, den Handel sowie freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen.

Information für die Redaktionen: Der Jahresrückblick 2020 erfolgt am 29. Januar gemeinsam mit der Monatsbilanz für Januar.