30.11.2021 | Presseinfo Nr. 72

Arbeitsmarkt: Fachkräftemangel beherrscht Entwicklung

Arbeitsmarkt von Pandemiegeschehen entkoppelt
 

  • 507 Arbeitslose weniger, Quote sinkt auf 7,7 Prozent
  • Deutlichster Abbau bei jungen, ausländischen und langzeitarbeitslosen Menschen
  • Stellenbestand und -zugang nehmen ab

Arbeitsmarkt von Pandemiegeschehen entkoppelt

Im November zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 25.203 arbeitslose Menschen und damit 507 weniger als im Oktober (-2,0 Prozent) und 3.695 weniger als im November vor einem Jahr (-12,8 Prozent). Die Arbeitslosenquote reduzierte sich um 0,2 Punkte auf 7,7 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie 8,9 Prozent.

„Im November hat sich der Abbau der Arbeitslosigkeit im Vest noch einmal deutlich fortgesetzt, und zwar über nahezu alle Personengruppen hinweg“, beschreibt Agenturchef Frank Benölken die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt. Dies sei nicht nur für Pandemieverhältnisse zufriedenstellend: „Tatsächlich liegen wir heute nur noch um 160 Arbeitslose über dem bislang besten Wert für den Kreis von November 2019. De facto übt Corona also keinen Einfluss mehr auf den Arbeitsmarkt aus.“ Eine Trendwende prognostiziert Benölken nicht: „Selbst dann, wenn die derzeit wieder angespanntere Gesundheitslage zu wirtschaftlichen Einschränkungen führen sollte, hat der Gesetzgeber mit dem erleichterten Zugang zum Kurzarbeitergeld bis Ende März 2022 dafür gesorgt, dass daraus keine Entlassungen resultieren müssen.“

Stärker als vor der Pandemie fällt für Frank Benölken hingegen der Fachkräftebedarf aus: „Gerade aus Berufen in Gastronomie und Gastgewerbe hat es während der Pandemie eine starke Abwanderung langgedienter Mitarbeiter gegeben. Diese Stellen neu zu besetzen, stellt sich als großes Problem dar, zumal die Attraktivität der Berufe in den letzten Monaten besonders gelitten hat. Und auch in handwerklichen Berufen fällt es immer schwerer, geeignete Nachwuchs- und Fachkräfte zu finden. Daher lautet mein Appell und gleichzeitig Angebot, mithilfe der Arbeitsagentur stärker in individuelle Lösungen, wie zum Beispiel die betriebliche Einzelumschulung, zu investieren.“

Unterbeschäftigung baut weiter ab

Personen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen oder sich in einer kurzfristigen Arbeitsunfähigkeit befinden, zählen in der Regel als unterbeschäftigt. Im aktuellen Berichtsmonat wurden insgesamt 32.374 Unterbeschäftigte im Kreis gezählt – das sind 364 Personen (-1,1 Prozent) weniger als im Monat zuvor. Im November 2020 waren es 3.513 Personen (+9,8 Prozent) mehr. Die Unterbeschäftigungsquote liegt mit 9,8 Prozent um 0,1 Punkte unter dem Vormonatswert. Vor einem Jahr betrug sie 10,7 Prozent. Kurzarbeiter sind nicht in der Unterbeschäftigung enthalten.

Neuanzeigen auf Kurzarbeit bleiben niedrig  

Bislang sind seit Beginn der Pandemie rund 7.320 Anzeigen auf Kurzarbeit für 67.350 Beschäftigte eingegangen, im Vergleich zum Vormonat waren dies 18 Anzeigen mehr, ebenso erhöhte sich die Anzahl an potenziell betroffenen Beschäftigten um 200.

Mittlerweile liegen die endgültigen Zahlen für die tatsächlich in Anspruch genommene Kurzarbeit von März 2020 bis Mai 2021 vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld im April 2020 für 20.279 Beschäftigte von 3.338 Betrieben ausgezahlt. Ab Juni schwächte sich die Kurzarbeit ab und erzielte den vorläufig niedrigsten Wert im Oktober. Im Zuge des zweiten Shutdowns erfolgte erneut ein kontinuierlicher Anstieg von November bis Februar, ab März entwickelte sich die Kurzarbeit erneut deutlich rückläufig.

Weniger Arbeitslose in beiden Rechtskreisen

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 5.737 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 192 oder 3,2 Prozent
Menschen weniger als im Oktober und 2.055 (-26,4 Prozent) weniger als im November 2020.

In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 19.466 arbeitslose Menschen und damit 315 weniger als im Oktober (-1,6 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren es 1.640 Menschen (-7,8 Prozent) weniger.

Zugänge aus Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit sinken

3.913 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 215 (-5,2 Prozent) weniger als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es 461 (-10,5 Prozent) weniger. Der Anteil an Zugängen aus Erwerbstätigkeit sank um 114 (-9,2 Prozent) auf 1.125. Die Zugänge aus Ausbildung und Maßnahmen zeigten sich mit 1.025 um 83 geringer als im Oktober.

Weniger Menschen beenden Arbeitslosigkeit für neuen Job

Im Verlauf dieses Monats konnten 4.407 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 587 weniger als im Oktober (-11,8 Prozent) und 448 weniger als im November vor einem Jahr (-9,2 Prozent). 1.105 Männer und Frauen haben im November eine neue Beschäftigung gefunden, 148 weniger (-11,8 Prozent) als im Vormonat und 267 weniger als im Vorjahresmonat. Geringer als im Vormonat fielen mit 1.030 (-267) die Abgänge in eine Ausbildung oder Maßnahme aus.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Personenkreis Bestand Veränderungen zum Vormonat
Jüngere unter 25 Jahre 1.791 -110 -5,8%
darunter Jugendliche unter 20 Jahre 369 -31 -7,8%
50 Jahre und älter 8.990 -76 -0,8%
Langzeitarbeitslose 14.338 -164 -1,1%
Schwerbehinderte 1.951 +15 +0,8%
Ausländer 8.047 -218 -2,6%

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen

Arbeitslosenquote
Geschäftsstellenbezirk November 2021 Oktober 2021 November 2020
Recklinghausen 7,1 7,3 8,5
Castrop-Rauxel 6,6 6,6 8,2
Datteln 6,7 6,9 7,4
Dorsten 6,2 6,2 6,9
Herten 9,2 9,5 9,9
Marl 9,0 9,2 10,0
Gladbeck 10,3 10,5 11,8
Agenturbezirk RE 7,7 7,9 8,9

Stellenbestand und -zugang gehen zurück

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 831 Stellenangebote, 52 weniger (-5,9 Prozent) als im Oktober. Verglichen mit November 2020 wurden neun Stellen weniger gemeldet
(-1,1 Prozent). Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 4.361 Stellen zur Besetzung aus, 116 weniger als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand um 870 Beschäftigungsmöglichkeiten niedriger (-24,9 Prozent).

Mehr als jede zweite neu gemeldete Stelle bezog sich auf sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, das Gesundheits- und Sozialwesen und den Handel.