31.08.2022 | Presseinfo Nr. 68

Arbeitsmarkt mit Anzeichen von Eintrübung

Flüchtlinge, Materialengpässe und Energiekrise wirken auf den Arbeitsmarkt 

  • 303 Arbeitslose mehr, Quote beträgt unverändert 8,1 Prozent
  • Geflüchtete Ukrainer sorgen für mehr Anstieg
  • Auch nach offiziellem Ausbildungsbeginn viele Chancen für Jugendliche und Betriebe

Flüchtlinge, Materialengpässe und Energiekrise wirken auf den Arbeitsmarkt

Im August zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 26.451 arbeitslose Menschen und damit 303 mehr als im Juli (+1,2 Prozent), gleichzeitig 1.104 weniger als im August vor einem Jahr (-4,0 Prozent). Die Arbeitslosenquote verblieb mit 8,1 Prozent auf dem Niveau des Vormonats und lag damit um 0,3 Punkte unter dem Wert des Vorjahres.

„In geringerem Umfang hat sich auch im August die Anzahl arbeitsloser Menschen im Vest erhöht. Die Ursache bleibt dabei unverändert, weiterhin bestimmt hauptsächlich die Aufnahme ukrainischer Geflüchteter die derzeitige Arbeitsmarktlage“, erläutert Agenturleiter Frank Benölken die Entwicklung des vergangenen Monats. So habe sich nicht nur die Zahl der arbeitslosen Menschen verstärkt, ebenso sei Zurückhaltung bei den Stellenmeldungen zu erkennen, was neben der unsicheren geopolitischen Lage durch Materialengpässe und drohende Energiekrise verstärkt werde. Für Benölken Effekte, die sich im Herbst zuspitzen könnten: „Der Arbeitsmarkt wird gerade von immensen Kräften beeinflusst, deren Entwicklung sich nur schwer vorhersagen lässt. Wir müssen damit rechnen, dass sich der Mangel an benötigten Fachkräften verstärkt und sich die Betriebstätigkeit in verschiedenen Branchen in den nächsten Monaten zwangsläufig verringert. Damit wird es gerade für weniger gut ausgebildete Menschen schon bald sehr schwierig werden, eine Beschäftigung zu finden. Wer sich qualifiziert und spezialisiert, verschafft sich hingegen eine starke Verhandlungsposition für aktuelle und künftige Beschäftigungsverhältnisse.“

Unterbeschäftigung steigt weiter an

Personen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen oder sich in einer kurzfristigen Arbeitsunfähigkeit befinden, zählen in der Regel als unterbeschäftigt. Im aktuellen Berichtsmonat wurden insgesamt 33.229 Unterbeschäftigte im Kreis gezählt – das sind 289 Personen (+0,9 Prozent) mehr als im Monat zuvor. Im August 2021 waren es 1.099 Personen (+3,2 Prozent) mehr. Die Unterbeschäftigungsquote liegt mit 10,1 Prozent um 0,1 Punkte über dem Vormonatsniveau. Vor einem Jahr betrug sie 10,3 Prozent. Kurzarbeiter sind nicht in der Unterbeschäftigung enthalten.

Kurzarbeit bleibt unauffällig   

Im August 2022 wurden 14 neue Anzeigen auf Kurzarbeit für 138 potenziell betroffene Beschäftigte gestellt.

Endgültige Zahlen für die tatsächlich in Anspruch genommene Kurzarbeit liegen bis Februar 2022 vor. Damals wurde Kurzarbeitergeld für 2.053 Beschäftigte von 523 Betrieben ausgezahlt.

Rückgang in der Arbeitslosenversicherung, Anstieg in der Grundsicherung

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 6.108 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 180 oder 2,9 Prozent
Menschen weniger als im Juli und 574 (-8,6 Prozent) weniger als im August 2021.

In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 20.343 arbeitslose Menschen und damit 483 mehr als im Juli (+2,4 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren es 530 Menschen (-2,5 Prozent) weniger.

Insgesamt mehr Zugänge in Arbeitslosigkeit, davon jedoch weniger aus einer Beschäftigung

5.198 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 332 (+6,8 Prozent) mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es 759 (+17,1 Prozent) mehr. Der Anteil an Zugängen aus Erwerbstätigkeit sank jedoch um 95 (-6,5 Prozent) auf 1.370. Die Zugänge aus Ausbildung und Maßnahmen zeigten sich mit 1.467 um 60 höher als im Vormonat.

Deutlich mehr Abgänge aus Arbeitslosigkeit, auch in Beschäftigung

Im Verlauf dieses Monats konnten 4.916 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 723 mehr als im Juli (+17,2 Prozent) und 46 mehr als im August vor einem Jahr (+0,9 Prozent). 1.216 Männer und Frauen haben im letzten Monat eine neue Beschäftigung gefunden, 220 mehr (+22,1 Prozent) als im Vormonat, jedoch 78 weniger als im Vorjahresmonat. Deutlicher höher als im Vormonat fielen mit 1.177 (+279) die Abgänge in eine Ausbildung oder Maßnahme aus.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Personenkreis Bestand Veränderungen zum Vormonat
Jüngere unter 25 Jahre 2.207 +60 +2,8%
darunter Jugendliche unter 20 Jahre 542 +113 +26,3%
50 Jahre und älter 9.149 +53 +0,6%
Langzeitarbeitslose 13.339 +5 +/-0,0%
Schwerbehinderte 2.024 +27 +1,4%
Ausländer 9.132 +350 +4,0%

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen

Arbeitslosenquote
Geschäftsstellenbezirk August 2022 Juli 2022 August 2021
Recklinghausen 7,7 7,6 7,9
Castrop-Rauxel 6,6 6,4 7,3
Datteln 7,0 6,9 7,2
Dorsten 6,4 6,2 6,8
Herten 9,1 9,2 9,9
Marl 9,6 9,6 9,7
Gladbeck 11,2 11,1 11,2
Agenturbezirk RE 8,1 8,1 8,4

Zurückhaltende Entwicklung des Stellenbestands

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 709 Stellenangebote, 29 weniger (-3,9 Prozent) als im Juli. Verglichen mit August 2021 wurden 322 Stellen weniger gemeldet (-31,2 Prozent). Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 4.339 Stellen zur Besetzung aus, 23 weniger als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand um 71 Beschäftigungsmöglichkeiten höher (+1,6 Prozent).

Mehr als jede zweite neu gemeldete Stelle bezog sich auf sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (z.B. Reisebüros, Wach- und Sicherheitsdienste, Callcenter, Messeveranstalter, Arbeitnehmerüberlassung), das Gesundheits- und Sozialwesen sowie freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (z.B. Rechts- und Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater, Tierärzte, Fotografen).

Der Ausbildungsmarkt

Von Oktober 2021 bis August 2022 haben sich bei der Agentur für Arbeit insgesamt 4.355 Bewerber für Berufsausbildungsstellen gemeldet, 308 weniger als im letzten Jahr (-6,6 Prozent). Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen beträgt 3.580 und stieg damit um 25 (+0,7 Prozent). 

Es befinden sich Ende August noch 658 Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche, das sind 220 weniger (-25,1 Prozent) als im Vorjahr. Die Zahl noch nicht besetzter Ausbildungsstellen liegt bei 1.132 und damit um 63 über dem Wert des letzten Jahres. Jedem noch suchenden Bewerber stehen statistisch 1,7 Stellen zur Verfügung.

Frank Benölken weist darauf hin, dass auch in diesem Jahr ein späterer Einstieg in Ausbildung möglich sei und vermutlich bis Jahresende noch viele Ausbildungsverhältnisse geschlossen würden. Er betont aber auch: “Trotz aller Chancen ist Tempo gefragt. Denn je mehr Zeit seit dem offiziellen Start des Ausbildungsjahres vergeht, desto anspruchsvoller wird es sein, den Stoff in der Berufsschule nachzuholen. Ebenso wird von Woche zu Woche das Potenzial passender Bewerber dünner. Wer die für sich besten Optionen nutzen will, muss jetzt tätig werden.“

Über die kreisweite Hotline 02361/40-2021 sowie das E-Mail-Postfach recklinghausen.berufsberatung@arbeitsagentur.de können Beratungen (auch per Video) stattfinden, Termine vereinbart und Fragen geklärt werden. Arbeitgeber können freie Ausbildungsstellen unter 0800 / 4 5555 20 melden.