25.11.2019 | Presseinfo Nr. 95

Ausbildungsmarkt: Bessere Aus-gangslage für Jugendliche, für Un-ternehmen wird es zunehmend schwerer

Partner ziehen Bilanz zum gelaufenen Ausbildungsjahr
 

Kreis Recklinghausen. Im gemeinsamen Pressegespräch zogen Frank Thiemann, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Recklinghausen, und Carsten Taschner, Gesamtkoordinator Vermittlungsservice des Jobcenters Kreis Recklinghausen, zusammen mit Carsten Taudt (Geschäftsbereichsleiter Bildung der IHK Nord Westfalen), Ludger Blickmann (Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft Recklinghausen), Heinrich Kinzler (Kreishandwerksmeister Kreishandwerkerschaft Recklinghausen), Knut Heine (Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Münster) und Mark Rosendahl (DGB-Regionsgeschäftsführer Emscher Lippe) die Bilanz zum Berufsberatungsjahr 2018/2019.
 

Insgesamt meldeten sich 5.016 junge Menschen zwischen Oktober 2018 und September 2019 bei der Berufsberatung als Bewerber für einen Ausbildungsplatz, 307 weniger als im vergangenen Jahr. Von ihnen gelten 4.902 als versorgt. Von allen Jugendlichen, die sich insgesamt im Kreis für eine Ausbildung interessiert haben, konnten 2.178 tatsächlich einen Ausbildungsvertrag unterschreiben und damit 217 weniger als im letzten Jahr. Insgesamt 2.023 Bewerber haben sich aus dem Vermittlungsprozess abgemeldet, weil sie eine anderweitige Lösung gefunden haben (weiterer Schulbesuch, Wehrdienst, freiwilliges soziales Jahr, alternative Ausbildung, Auslandsaufenthalte, Arbeitsstelle). Als `versorgt` gelten außerdem 701 junge Menschen, die für den Ausbildungsbeginn 2019 zwar keinen Ausbildungsplatz gefunden haben und weiter danach suchen, aber gleichzeitig eine persönliche Alternative haben. Für 114 junge Frauen und Männer (im letzten Jahr waren es 105) konnte bisher keine berufliche Perspektive geschaffen werden. Für sie wird gerade die laufende Nachvermittlungsaktion wichtig sein, die gezielt auf noch freie oder wieder frei gewordene Stellen hinweist.

 

Auf der Stellenseite ergab sich das folgende Bild: Im Laufe des Berichtsjahres wurden der Agentur für Arbeit insgesamt 3.332 Ausbildungsstellen gemeldet und damit 55 mehr (1,7 Prozent) als im Vorjahr. Dies führte zu einer nur sehr leicht verbesserten Relation von Stellen zu Bewerbern: Jedem Jugendlichen standen statistisch 0,66 Stellen zur Verfügung, vor einem Jahr waren es noch 0,62.

„Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Kreis Recklinghausen ist im abgelaufenen Berufsberatungsjahr erneut ein wenig besser geworden, was angesichts vieler vorheriger Jahre ohne positive Entwicklung eine gute Nachricht ist“, bilanzieren die Partner. Dies fuße zum einen auf deutlich rückläufigen Bewerberzahlen, zum anderen auf erneut gestiegenem Angebot an betrieblichen Ausbildungsstellen.

 

Insbesondere für junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz haben Demografie und gestiegenes Engagement der Unternehmen zu einer statistischen Verbesserung der eigenen Chancen geführt. Es ist im vorigen und insbesondere in diesem Jahr etwas leichter geworden, Bewerbern eine Ausbildungsstelle anbieten zu können.

 

Nicht ignorieren wollen die Partner die Kehrseite der Entwicklung: „Das Vest steuert langfristig auf einen Bewerbermarkt zu. Was für Jugendliche erfreulich ist, birgt für Unternehmen Risiken, denn die Konkurrenz um die besten Köpfe verschärft sich und die Wahrscheinlichkeit, einen Azubi für die eigene Firma zu finden, sinkt.“ Schon heute wird das gestiegene Ausbildungsangebot nicht durchweg angenommen, so stieg die Zahl an unbesetzten Ausbildungsstellen zum Stichtag um 6,8 Prozent (+17). Dennoch steht für die Experten fest: „Es gibt keine Alternative zum Ausbilden. Und deswegen möchten wir uns bei den Unternehmen im Kreis nicht nur für ihr Engagement bedanken, sondern gleichzeitig dafür werben, in den Bemühungen nicht nachzulassen. Ausbildung ist und bleibt die stärkste Säule der Fachkräftegewinnung.“ Würden während der Ausbildung Schwierigkeiten auftreten, sichert Frank Thiemann die Unterstützung der Arbeitsagentur zu: „Wenn Anlaufschwierigkeiten in der Ausbildung oder Zweifel bestehen, ob ein Bewerber die Berufsschule schafft, können ausbildungsbegleitenden Hilfen („abH“) und assistierte Ausbildung gute Rezepte gegen einen Ausbildungsabbruch sein.“

 

Obwohl sich im Vest die Zahlen von gemeldeten Bewerbern und Stellen mehr und mehr aufeinander zu bewegen, richten die Partner einen wichtigen Appell an junge Bewerber: „Es ist nie zu früh, in den Berufswahlprozess einzusteigen. Denn nach wie vor haben Jugendliche keine echte freie Wahl der Lehrstelle. Sie müssen aus dem regionalen Angebot wählen. Umso wichtiger ist es daher, sich umfassend beraten zu lassen. Nur so lernen Jugendliche Nischenberufe kennen, loten Alternativen aus und vermeiden letztlich Enttäuschungen.“ Als zweite wichtige Voraussetzung benennen sie die Mobilität: „Wer bereit ist, eine gewisse tägliche Pendelstrecke in Kauf zu nehmen oder gar die Möglichkeit eines Umzugs in Erwägung zieht, verbessert seine Chancen auf den Traumberuf maßgeblich.“ 

 

Abschließend ist es den beteiligten Akteuren wichtig, das Angehen der Herausforderungen des Ausbildungsmarktes weiterhin als gemeinsame Aufgabe verstanden zu sehen: „Nur dann, wenn Arbeitsagentur und Jobcenter im Schulterschluss mit Schulen, Kammern, Verbänden und Unternehmen partnerschaftlich an lokalen Handlungsvereinbarungen arbeiten, können wir echte Erfolge bei der Fachkräftesicherung verzeichnen. Für einzelne Akteure allein ist diese wichtige Aufgabe nicht zu stemmen.“

 

Betriebe, die jetzt noch oder wieder einen Azubi suchen, sollten ihre freie Ausbildungsstelle umgehend der Agentur für Arbeit melden, um durch die Nachvermittlungsaktion im Endspurt die Stelle noch besetzen zu können. Dies gilt auch für Stellen für das kommende Ausbildungsjahr. Auch Schülerinnen und Schüler sollten frühzeitig die Weichen für die Berufswahl stellen. Derzeit laufen in einigen Branchen bereits die Auswahlverfahren für den Ausbildungsbeginn im Herbst 2020. Kleinere und mittlere Unternehmen steigen dann im Frühjahr in die Bewerberauswahl ein. Auch diejenigen, die für 2021 einen Ausbildungsplatz anstreben, sollten sich bereits jetzt über mögliche Berufe informieren und ihre Interessen und Stärken erkunden, so dass im Frühjahr 2020 die Entscheidung über die Wunschberufe steht und gezielt Bewerbungen eingereicht werden können.

Die Bilanz auf einen Blick:

 

5.016 Ausbildungsplatzbewerber

3.332 gemeldete Ausbildungsstellen

2.178 junge Menschen beginnen eine Ausbildung

114 Bewerber sind noch nicht versorgt

267 Ausbildungsstellen sind noch zu besetzen

 

Arbeitsagentur, Jobcenter und Kammern beraten und informieren Betriebe in allen Fragen rund um das Thema Ausbildung.

 

Jugendliche, die sich beruflich orientieren möchten, können sich jederzeit bei der Berufsberatung melden: 0800 / 4 5555 00. Arbeitgeber können jederzeit freie Arbeits- und Ausbildungsplätze melden unter: 0800 / 4 5555 20.