29.08.2019 | Presseinfo Nr. 69

Mehr Arbeitslose im Hauptferienmonat

Anstieg fällt auch im August niedriger aus als im NRW-Schnitt
 

  • Im August steigt die Arbeitslosigkeit um 191 Personen, Quote: 8,1 Prozent
  • Über 5.100 offene Stellen im Kreis
  • Ausbildungsmarkt: 883 unversorgte Jugendliche und 927 unbesetzte Stellen

Anstieg fällt auch im August niedriger aus als im NRW-Schnitt

Im August zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 26.393 arbeitslose Menschen und damit 191 mehr als im Juli, jedoch 3.656 weniger als im August vor einem Jahr (-12,2 Prozent). Die Arbeitslosenquote erhöhte sich leicht um 0,1 Punkte auf 8,1 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie noch 9,2 Prozent.

„Wir sehen die typische Arbeitsmarktentwicklung im Sommer“, so Frank Thiemann, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Recklinghausen. „Insbesondere gab es viele Neumeldungen von Schul- und Ausbildungsabsolventen, was zu einem Plus von über sieben Prozent allein bei den unter 25-Jährigen führte. Dies ist aber nur ein vorübergehender Effekt, der sich im Herbst gegenläufig entwickeln wird, denn der Markt ist stabil und sehr aufnahmefähig für Fachkräfte“. Der Anstieg an Arbeitslosen aus anderen Personengruppen falle laut Thiemann für einen Sommermonat niedrig aus. Es zeige sich: „Die Sommerferienzeit führt längst nicht mehr in dem Maße zu Entlassungen, welches wir aus früheren Jahren gewöhnt sind. Dafür ist sicherlich der sich immer deutlicher abzeichnende Fachkräftemangel verantwortlich. Betriebschefs trennen sich auch in auftragsärmeren Zeiten nicht mehr leichtfertig von guten Mitarbeitern, aus Sorge, später keinen adäquaten Ersatz zu finden.“ 

Spätestens im Oktober geht Frank Thiemann von einer Herbstbelebung mit sinkenden Arbeitslosenzahlen aus. „Voraussichtlich wird der Abbau dann jedoch nicht mehr so deutlich ausfallen, denn erste Vorboten einer konjunkturellen Eintrübung sind landesweit bereits erkennbar.“

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit getrennt nach Rechtskreisen

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 6.095 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 104 oder 1,7 Prozent mehr Menschen als im Juli, jedoch 154 (-2,5 Prozent) weniger als im August des vergangenen Jahres.

In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 20.298 arbeitslose Menschen. Hier wurden im Vergleich zu Juli 87 (+0,4 Prozent) Arbeitslose mehr gezählt. Im Vergleich zum August des Vorjahres waren es 3.502 Menschen (-14,7 Prozent) weniger.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Personenkreis Bestand Veränderungen zum Vormonat In Prozent
Jüngere unter 25 Jahre 2.438 +165 +7,3%
darunter Jugendliche unter 20 Jahre 562 +157 +38,8%
50 Jahre und älter 8.437 +62 +0,7%
Langzeitarbeitslose 12.704 -181 -1,4%
Schwerbehinderte 1.565 +44 +2,9%
Ausländer 7.692 +86 +1,1%

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen

Geschäftsstellenbezirk/ Arbeitslosenquote August 2019 Juli 2019 August 2018
Recklinghausen 8,0 7,8 8,9
Castrop-Rauxel 7,2 7,4 8,8
Datteln 6,8 6,6 7,7
Dorsten 6,4 6,3 7,5
Herten 9,1 9,0 10,3
Marl 9,3 9,2 10,6
Gladbeck 9,8 9,8 11,3
Agenturbezirk RE 8,1 8,0 9,2

Zugänge in und Abgänge aus Arbeitslosigkeit

SGB III:  Mehr Zugänge und mehr Abgänge  

2.213 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 166 mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es 15 weniger.

1.059 Männer und Frauen meldeten sich unmittelbar nach Verlust ihrer Beschäftigung arbeitslos, 570 Menschen nach schulischer oder betrieblicher Ausbildung sowie beruflicher Qualifizierung. Dem gegenüber konnten im Verlauf dieses
Monats 2.088 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden, 357 mehr als im Juli, jedoch 57 weniger als im August vor einem Jahr. 726 Männer und Frauen haben eine neue Beschäftigung gefunden, weitere 474 mit einer Ausbildung oder beruflichen Qualifizierung begonnen.

SGB II: Mehr Zugänge und mehr Abgänge

3.574 Männer und Frauen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet und damit 836 mehr als im Juli und 383 mehr als vor einem Jahr. 485 Personen meldeten sich unmittelbar nach Verlust ihrer Beschäftigung arbeitslos, 1.379 nach schulischer oder betrieblicher Ausbildung sowie beruflicher Qualifizierung. Dem gegenüber konnten im Verlauf dieses Monats 3.508 Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 503 mehr als im vorigen Monat und 131 mehr als im August 2018.

Die Stellensituation

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 980 Stellenangebote, 61 (-5,9 Prozent) weniger als im Juli. Verglichen mit August 2018 wurden 97 Stellen weniger gemeldet (-9,0 Prozent). Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 5.151 Stellen zur Besetzung aus, 382 weniger als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand noch um 299 Beschäftigungsmöglichkeiten niedriger.

Grundsätzlich werden Fachkräfte in allen Branchen gesucht, die Nachfrage ist hoch und tendenziell steigend. Besondere Engpässe bestehen im Handwerk (Garten-und Landschaftsbau, Friseure, Maler und Lackierer, Elektriker, Anlagenmechaniker SHK, KFZ-Mechatroniker, Lebensmittelhandwerk), im Gesundheits- und Pflegebereich (Altenpfleger, medizinisch-pflegerisches Personal, Physiotherapeuten, zahnmedizinische Fachangestellte), im Transportwesen (Berufskraftfahrer) sowie in der Gastronomie (Köche, Servicekräfte).

Unterbeschäftigung

Die Zahl an arbeitslosen Männern und Frauen beträgt im Berichtsmonat 26.393. Davon ausgehend addiert sich die Unterbeschäftigung auf 35.664 Personen und liegt damit um 161 unter dem Wert des letzten Monats.

Der Ausbildungsmarkt

Von Oktober 2018 bis August 2019 haben sich bei der Agentur für Arbeit insgesamt 4.891 Bewerber für Berufsausbildungsstellen gemeldet, 236 weniger als im letzten Jahr. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen beträgt 3.207 und ging damit leicht um 0,2 Prozent (-8) im Vergleich zum letzten Jahr zurück. 

Es befinden sich im August noch 883 Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche, das sind 145 mehr (+19,6 Prozent) als im Vorjahr. Die Zahl noch nicht besetzter Ausbildungsstellen liegt bei 927, 126 Stellen weniger (-12,0 Prozent) als im August 2018. Statistisch stehen jedem Bewerber 0,7 Stellen zur Verfügung (im letzten Jahr waren es 0,6), bezogen auf die noch verfügbaren Stellen für noch unversorgte Bewerber sind es 1,1 Stellen (im letzten Jahr 1,4).

Jugendliche, die sich beruflich orientieren möchten, können sich jederzeit bei der Berufsberatung melden unter: 0800 / 4 5555 00.
Arbeitgeber können jederzeit freie Arbeits- und Ausbildungsplätze melden unter: 0800 / 4 5555 20.
(Die Servicerufnummern sind für den Anrufer kostenfrei.)

 

„Spotlight“ des Monats

Eine anspruchsvolle und vielseitige Tätigkeit: Fachpraktiker für personenbezogene Dienstleistungen

Fachpraktiker/in für personenbezogene Dienstleistungen ist ein Ausbildungsberuf für Menschen mit Behinderung. Die 3-jährige Ausbildung wird in hauswirtschaftlichen Betrieben, Dienstleistungsunternehmen, Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens oder in Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation durchgeführt. Sie orientiert sich unter anderem an Inhalten der folgenden anerkannten Ausbildungsberufe: Fachkraft im Gastgewerbe, Hauswirtschafter/in, Kosmetiker/in.

Fachpraktiker/innen für personenbezogene Dienstleistungen betreuen und unterstützen z.B. ältere und pflegebedürftige Menschen im Alltag. Sie waschen beispielsweise die Wäsche, kaufen ein und sorgen dafür, dass genug Vorräte an Lebensmitteln vorhanden sind. Sie bereiten auch das Essen zu und servieren es. Wenn nötig, leisten sie zudem Hilfe bei der Nahrungsaufnahme.

Darüber hinaus unterstützen Fachpraktiker/innen für personenbezogene Dienstleistungen hilfsbedürftige Menschen beim Waschen und bei der Körperpflege. Außerdem kontrollieren sie Werte wie z.B. den Puls, die Temperatur und das Körpergewicht. Häufig begleiten sie zu betreuende Menschen auch bei Spaziergängen oder organisieren Beschäftigungsangebote wie Spielenachmittage.