01.07.2020 | Presseinfo Nr. 47

Dynamik auf dem Arbeitsmarkt nimmt zu

Nach wie vor Anstieg, aber geringer
 

  • Anstieg um 623 auf 30.240 Arbeitslose, Quote klettert auf 9,3 Prozent;
  • Kurzarbeit: Seit März über 4.700 Anzeigen, Neumeldungen stark rückläufig;
  • Stellenmeldungen: Einbruch um 47 Prozent gegenüber Juni 2019;
  • Chancen auf dem Ausbildungsmarkt: derzeit 0,8 Stellen pro Bewerber

Nach wie vor Anstieg, aber geringer

Im Juni zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 30.240 arbeitslose Menschen und damit 623 mehr als im Mai (+2,1 Prozent) und 4.103 mehr als im Juni vor einem Jahr (+15,7 Prozent). Die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 9,3 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie noch 8,0 Prozent.

„Die Anstiege schrumpfen und die Lage wird zunehmend unaufgeregter auf dem Arbeitsmarkt im Vest“, fasst Agenturchef Frank Benölken die Entwicklung der vergangenen vier Wochen zusammen. Danach sei die Arbeitslosigkeit zwar weiterhin gestiegen, jedoch nähmen die Möglichkeiten, einen neuen Job zu finden, ebenso deutlich zu: „Aktuell ist viel Bewegung in beide Richtungen. Diese Dynamik ist gut und zeigt, dass die Wirtschaft die Lockerungen dankbar aufnimmt. Jedoch bleiben die Auswirkungen der Sommerferien abzuwarten, die mit erhöhtem Reiseverkehr und gesteigerter Kontaktdichte einhergehen und eine gesicherte Perspektive für die nächsten Monate aktuell nicht ermöglichen.“

Optimistisch bewertet Benölken die Ausbildungssituation: „Corona hat zwar auf dem Ausbildungsmarkt für eine Zurückhaltung in der Stellenbesetzung gesorgt, dies führt in der Folge aber zu noch vielen offenen Chancen für junge Menschen. Wer also noch keinen Ausbildungsvertrag in der Tasche hat, sollte die Sommerferien unbedingt nutzen, um für dieses Jahr noch zum Ziel zu gelangen. Es gibt unwahrscheinlich viele Stellen in den verschiedensten Berufen, die noch auf die richtigen Azubis warten. Deswegen steht die Berufsberatung natürlich auch während der Sommerferien verstärkt für Beratungen zur Verfügung. Wir haben eine zusätzliche Hotline eingerichtet, um allen Beratungswünschen zügig nachkommen zu können.“ Die neue Hotline, die eine Vielzahl an Chancen für 2020 und 2021 bereithält, ist montags bis donnerstags von 9 bis 15 Uhr und freitags von 9-12 Uhr unter 02361/40-2021 zu erreichen. Wer schriftlich Kontakt aufnehmen möchte, kann dies per E-Mail an recklinghausen.berufsberatung@arbeitsagentur.de.

Unterbeschäftigung steigt weiter

Personen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen oder sich in einer kurzfristigen Arbeitsunfähigkeit befinden, zählen in der Regel als unterbeschäftigt. Im aktuellen Berichtsmonat wurden insgesamt 37.011 Unterbeschäftigte im Kreis gezählt – das sind 418 Personen (+1,1 Prozent) mehr als im Monat zuvor. Im Juni 2019 waren es 1.204 Personen (-3,4 Prozent) weniger. Die Unterbeschäftigungsquote beträgt 11,1 Prozent. Im Mai waren es 11,0 und vor einem Jahr 10,7 Prozent. Kurzarbeiter sind nicht in der Unterbeschäftigung enthalten.

Kurzarbeit steigt nur noch in sehr geringem Maß

Bislang sind seit Anfang März insgesamt 4.719 Anzeigen auf Kurzarbeit für 44.905 Beschäftigte eingegangen. Endgültig lassen sich diese Werte erst nach Ablauf von drei Monaten abschließend sagen, da Betriebe innerhalb dieses Zeitraums Kurzarbeit abrechnen können.

Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2009, also während der Wirtschafts- und Finanzkrise mit dem Höhepunkt der Nutzung von Kurzarbeitergeld im Mai 2009, zeigten knapp 680 Betriebe für fast 9.100 Menschen im Kreis Recklinghausen Kurzarbeit an.

Arbeitslosigkeit steigt in beiden Rechtskreisen, jedoch deutlicher im SGB III

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 8.022 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 404 oder 5,3 Prozent
mehr Menschen als im Mai und 2.344 (+41,3 Prozent) mehr als im Juni 2019.

In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 22.218 arbeitslose Menschen und damit 219 mehr als im Mai (+1,0 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren es 1.759 Menschen (+8,6 Prozent) mehr.

Zugang aus Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit sinkt weiter

3.801 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 95 (+2,6 Prozent) mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es 1.074 (-22,0 Prozent) weniger. Wie auch im Vormonat ist der Anteil an Zugängen aus Erwerbstätigkeit weiter gesunken (-7,0 Prozent) und betrug zuletzt 1.353. Die meisten Erwerbstätigen übten zuvor eine Tätigkeit im Bereich der wirtschaftlichen Dienstleistungen, im Handel und in der Arbeitnehmerüberlassung aus.

Die Zugänge aus Ausbildung und Maßnahmen zeigten sich mit 1.001 leicht über dem Wert des vergangenen Monats (+6,2 Prozent).

Abgänge aus Arbeitslosigkeit steigen wieder, auch in Erwerbstätigkeit  

Im Verlauf dieses Monats konnten 3.186 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 456 mehr als im Mai (+16,7 Prozent), jedoch 2.075 weniger als im Juni vor einem Jahr (-39,4 Prozent). Mit 1.144 Männern und Frauen haben im Juni 16,1 Prozent mehr eine neue Beschäftigung gefunden als im Vormonat. Ebenfalls deutlich steigend zeigten sich mit 662 die Abgänge in eine Ausbildung oder Maßnahme, was einem Zuwachs zum Vormonat von 65,1 Prozent entsprach.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Personenkreis Bestand Veränderungen zum Vormonat
Jüngere unter 25 Jahre 2.624 +68 +2,7%
darunter Jugendliche unter 20 Jahre 427 -17 -3,8%
50 Jahre und älter 9.678 +227 +2,4%
Langzeitarbeitslose 13.480 +372 +2,8%
Schwerbehinderte 1.735 +32 +1,9%
Ausländer 9.180 +183 +2,0%

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen

  Arbeitslosenquote
Geschäftsstellenbezirk Juni 2020 Mai 2020 Juni 2019
Recklinghausen 9,0 8,7 7,8
Castrop-Rauxel 8,8 8,5 7,4
Datteln 7,5 7,4 6,6
Dorsten 7,3 7,1 6,3
Herten 10,3 10,2 9,0
Marl 10,3 10,3 9,1
Gladbeck 12,2 12,0 9,9
Agenturbezirk RE 9,3 9,1 8,0

Stellemeldungen sinken im Juni unter Vorjahres- sowie Vormonatsniveau

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 734 Stellenangebote, 81 (-9,9 Prozent) weniger als im Mai. Verglichen mit Juni 2019 wurden 660 Stellen weniger gemeldet
(-47,3 Prozent). Noch weniger Stellenzugänge in einem Juni gab es zuletzt 2009.

Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 3.316 Stellen zur Besetzung aus, 63 mehr als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand noch um 2.003 Beschäftigungsmöglichkeiten höher.

Zu Stornierungen im Zuge der Corona-Pandemie kam es kreisweit in überschaubarem Umfang, die meisten bezogen sich auf die Gastronomie und das Baugewerbe. Die meisten Arbeitgeber halten jedoch nach wie vor an ihren offenen Stellen fest, wohlwissend um die vor Corona sehr angespannte Lage in Bezug auf die Gewinnung von Fachkräften (z.B. im Handwerk und Gesundheitswesen). Dennoch werden viele Auswahlverfahren und Einstellungsentscheidungen derzeit aufgrund erschwerter persönlicher Kontakte auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Die meisten Stellenmeldungen bezogen sich auf sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, Gesundheitswesen, Handel und Baugewerbe.

Auf dem Ausbildungsmarkt ist noch vieles möglich 

Von Oktober 2019 bis Juni 2020 haben sich bei der Agentur für Arbeit insgesamt 4.369 Bewerber für Berufsausbildungsstellen gemeldet, 190 weniger als im letzten Jahr (-4,2 Prozent). Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen beträgt 2.846 und sank damit um 184 (-6,1 Prozent). 

Es befinden sich im Juni noch 1.793 Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche, das sind 29 mehr (+1,6 Prozent) als im Vorjahr. Die Zahl noch nicht besetzter Ausbildungsstellen liegt bei 1.448 und damit um 44 Stellen unter dem Wert des letzten Jahres. Statistisch stehen jedem Bewerber 0,65 Stellen zur Verfügung (im letzten Jahr 0,66), bezogen auf die noch verfügbaren Stellen für noch unversorgte Bewerber sind es 0,81 Stellen (0,85 im letzten Jahr).

Die meisten der noch offenen Stellen finden sich für angehende Verkäuferinnen, Einzelhandelskaufleute, Elektroniker, medizinische Fachangestellte, Kaufleute für Büromanagement, Zahnmedizinische Fachangestellte, Bankkaufleute, Verwaltungsfachangestellte in der Kommunalverwaltung, Anlagenmechaniker Sanitär, Heizung, Klima und Friseure. Daneben gibt es auch noch eine Vielzahl an weniger konventionellen Stellen, darunter zum Beispiel als Schornsteinfeger, Kaufmann E-Commerce, Glaser, Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Getreidewirtschaft oder Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik der Fachrichtung Compound- und Masterbatchherstellung.

Frank Benölken: „Bei der Berufswahl kommt es weniger auf das Etikett als vielmehr auf den Inhalt an. Legt euch nicht zu früh auf einen bestimmten Beruf fest, sondern beschäftigt euch intensiv mit den Inhalten, die euch wichtig sind. Oft gibt es eine ganze Reihe an Berufen, die viele identische Inhalte haben, jedoch nicht alle gleichermaßen bekannt sind. Wer es schafft, nicht nur die Mainstream-Angebote und die vor der Haustür in Betracht zu ziehen, für die es in der Regel auch die meisten Mitbewerber gibt, hat die besten Chancen auf den Traumjob.“