Rückblick auf den Arbeitsmarkt 2022 - Ausblick 2023

Vestischer Arbeitsmarkt erstaunt trotz Krisen mit gutem Jahresergebnis

23.01.2023 | Presseinfo Nr. 6

Rückblick auf den Arbeitsmarkt 2022:

Vestischer Arbeitsmarkt erstaunt trotz Krisen mit gutem Jahresergebnis

Kreis Recklinghausen. Ein Jahr nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zieht Agenturchef Frank Benölken eine Zwischenbilanz über die Auswirkungen auf den vestischen Arbeitsmarkt. Außerdem wirft er einen Blick auf anstehende Herausforderungen und wagt einen Ausblick, wie sich die Arbeitslosigkeit im Vest im kommenden Jahr entwickeln wird.

„Aus den Jahren der Corona-Einschränkungen hat sich der vestische Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr rasch und intensiv regeneriert und sogar die mit dem russischen Krieg verbundenen Folgen inklusive der Flüchtlingsaufnahme von 2.100 Arbeitssuchenden verkraftet. Diese positive Entwicklung zeigt eine diesbezüglich erstaunliche Resilienz der Unternehmen im Kreis Recklinghausen“, zieht Agenturchef Frank Benölken Bilanz über das letzte Jahr.

Trotz aller Zufriedenheit über das bisher beste Ergebnis für das Vest findet der Agenturchef klare Worte für die nächsten Monate: „Wir müssen allerdings davon ausgehen, dass sich die Energie- und Rohstoffpreissteigerungen hier 2023 erst noch zeigen werden, weshalb nur schwer vorhersehbar ist, wie sich diese Einflüsse auf dem hiesigen Arbeitsmarkt niederschlagen werden. Neben dem nach wie vor hohen Bestand an gemeldeten Stellen ist es vor allem der signifikante Rückgang über fast allen Gruppierungen, der mich hinsichtlich der weiteren Reduzierung der Arbeitslosenzahlen auch für 2023 verhalten optimistisch stimmt.“

Auffälliger Rückgang bei älteren Arbeitslosen

Im Jahresdurchschnitt waren 25.750 Männer und Frauen arbeitslos und damit 2.040 (-7,3 Prozent) weniger als 2021 und sogar noch 679 weniger als 2019, dem mit Abstand erfolgreichsten Jahr aller Zeiten. Die durchschnittliche Quote erreichte 7,9 Prozent, verglichen mit 8,5 Prozent im letzten und 8,8 Prozent im vorletzten Jahr. Diese gute Durchschnittsergebnis ist geprägt durch die bessere Entwicklung in der ersten Jahreshälfte, da die Quote im zweiten Halbjahr nicht mehr unter die Acht-Prozent-Marke fiel. Auffällig ist der Rückgang an älteren Arbeitslosen in der Altersgruppe zwischen 50-54 Jahren mit 289 Personen, in der Gruppe 55plus waren es 155 Personen, wohingegen in beiden Gruppen 2019 und 2020 Zuwächse zu verzeichnen waren.

Personenkreis

Bestand im JD

Veränderungen zum Vorjahr

Jüngere unter 25 Jahre

1.943

-241

-11,0%

darunter Jugendliche

unter 20 Jahre

404

-10

-2,4%

50 Jahre und älter

9.070

-444

-4,7%

Langzeitarbeitslose

13.435

-1.490

-10,0%

Schwerbehinderte

2.004

+96

+5,0%

Ausländer

8.696

-124

-1,4%

 

Die Agentur für Arbeit betreute 2022 im Jahresdurchschnitt 6.069 Arbeitslose, 848 (-12,3 Prozent) weniger als 2021. Im Jobcenter Kreis Recklinghausen ist die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt um 1.192 (-5,7 Prozent) auf 19.681 gesunken.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung steigt auf höchstes Niveau

Die schrittweise Erholung auf dem Arbeitsmarkt machte sich 2022 nicht nur anhand sinkender Arbeitslosigkeit bemerkbar, sondern ebenso anhand gestiegener sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, welche einen bisherigen Höchststand von 179.980 erreichte.

Im Vest sind über 60 Prozent der Arbeitenden als Fachkräfte tätig, wohingegen weniger als 15 Prozent der Arbeitenden keinen Schulabschluss nachweisen können. „Die Nachfrage nach Fachkräften steigt weiterhin, während dem gegenüber die Nachfrage nach ungelernten Arbeitskräften weiterhin sinkt. Damit bleiben Qualifikation und Ausbildung die entscheidenden Schlüssel für den Erfolg im Arbeitsmarkt. Um dieses Potenzial jedoch auch im Vest zu halten, bedarf es finanzieller und soziokultureller Anreize, so dass dieses Potenzial auch dem hiesigen Wirtschaftsstandort erhalten bleibt“, so Frank Benölken.

Mit 11 Prozent (rund 20.000) ist das Gesundheitswesen die Branche mit den meisten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Auf Rang zwei folgt der Einzelhandel (9 Prozent) und Rang drei teilen sich öffentliche Verwaltung und Sozialwesen (jeweils 6,5 Prozent).

Kurzarbeit verliert an Bedeutung

In den Jahren der Pandemie hat sich das Kurzarbeitergeld als wichtiges Instrument erwiesen, um Unternehmen und Beschäftigte schnell und kurzfristig über Engpässe hinweg zu helfen. Im Jahr 2022 sank die Nachfrage jedoch erheblich, da viele Betriebe wieder in den Normalmodus übergehen konnten. Während im Januar 2021 noch 2.242 Betriebe mit 13.241 Kurzarbeitenden dieses Instrument tatsächlich nutzten, waren es im Januar 2022 nur noch 505 Betriebe mit 2.043 Kurzarbeitenden und zur Jahresmitte nur noch 209 Betriebe mit 990 Kurzarbeitenden, knapp die Hälfte (460) davon im verarbeitenden Gewerbe. Insgesamt wurden 356 Anzeigen und 4.333 Anträge auf konjunkturelles Kurzarbeitergeld bearbeitet und Kurzarbeitergeld in Höhe von insgesamt 8,3 Mio. Euro ausgezahlt. Der Wegfall diverser Corona-Beschränkungen ab April 2022 sorgte daher zeitnah für eine Entspannung bei der Kurzarbeit. Hauptbetroffene blieben die Eventbranche, die Hotel- und Gastronomiebranche sowie die körpernahen Dienstleistungen. Die aktuellen Entwicklungen im weiteren Jahresverlauf (Energie- und Rohstoffpreisanstiege und sonstige Kriegsauswirkungen) zeigten zum Jahresende 2022 nur eingeschränkte Auswirkungen und keinen drastischen Anstieg bei der Kurzarbeit. Ursächlich waren dabei insbesondere Zuliefererprobleme aus der Ukraine. Für 2023 erwarten wir ein Verweilen auf niedrigem Niveau, auch wenn Energie- und Rohstoffpreissteigerungen dennoch zu leichten Anstiegen führen können.

Ausblick 2023:

Qualifizierung und Ausbildung wichtigste Schlüssel gegen Fachkräftemangel

„Der effizienten Begegnung des Fachkräftemangels gilt auch nach der Pandemie unsere höchste Aufmerksamkeit auf den Arbeitsmarkt“, so Benölken. Diese umfasse auch im laufenden Jahr Ausbildung und Qualifizierungen jeder Art: „Die duale Ausbildung bietet beste Voraussetzungen für den beruflichen Erfolg. Darüber hinaus bleibt jedoch auch der Wille zur beruflichen Weiterentwicklung durch entsprechende Weiterbildungen von elementarer Bedeutung. Nur wer nicht stehen bleibt, wird auf dem Arbeitsmarkt zu den Gewinnern gehören, was aber auch für die Arbeitgeber bedeutet, dementsprechende Perspektiven zu eröffnen. Für ungelernte Menschen hingegen werden die Jobaussichten in den kommenden Jahren drastisch sinken.“

Der wachsende Bedarf an Fachkräften ist Ergebnis der sozialstrukturellen Entwicklung hin zu mehr älteren und weniger jungen Menschen. Der höheren Zahl ausscheidender älterer Mitarbeiter in den Ruhestand steht eine nicht ausreichende Zahl junger Menschen gegenüber, um die Ausscheidenden zu ersetzen. Hier geht eine Schere auseinander. Im Kreis Recklinghausen wird in den nächsten zehn Jahren rund ein Viertel (40.000) aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den altersbedingten Ruhestand gehen, 60 Prozent davon sind Fachkräfte.

Frank Benölken: „Der Kreis Recklinghausen verfügt über ein großes Potenzial an Menschen, die grundsätzlich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Oberste Priorität muss daher haben, jungen Menschen mit einer Ausbildung den Start in das Berufsleben zu ermöglichen. Gleichbedeutend ist aber auch, sowohl die bereits im Erwerbsleben stehenden als auch kurzfristig hiervon abgekoppelten Menschen bei der Erlangung genau der Qualifikationen zu unterstützen, die ihnen den dauerhaften Verbleib im Erwerbsleben ermöglichen. Wir fördern junge Menschen auf dem Weg in eine tragfähige Ausbildung, Arbeitslose und auch Arbeitende mit veralteten Berufskenntnissen oder Beschäftigte, die sich vom Helfer zur Fachkraft weiterbilden möchten.