01.12.2020 | Presseinfo Nr. 61

Im November 470 Arbeitslose weniger

Im November 470 Arbeitslose weniger

  • Quote reduziert sich auf 8,9 Prozent
  • Rückgang am stärksten bei Jungen und Ausländern
  • 1.372 haben eine neue Beschäftigung aufgenommen
  • Kaum Bewegung bei Stellenmeldungen, Bestand bei 3.491

Neue Corona-Regelungen bisher ohne negativen Effekt für den Arbeitsmarkt

Im November zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 28.898 arbeitslose Menschen und damit 470 weniger als im Oktober (-1,6 Prozent), jedoch 3.856 mehr als im November vor einem Jahr (+15,4 Prozent). Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 8,9 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie noch 7,6 Prozent.

„Die Regelungen im Zuge des „Lockdown light“ haben im November erfreulicherweise nicht zu negativen Auswirkungen auf die Situation der Arbeitslosigkeit im Vest geführt, stattdessen hat sich der im September eingesetzte Rückgang auch in den vergangenen vier Wochen fortgesetzt und für die acht vor dem Komma gesorgt“, bilanziert Agenturgeschäftsführer Dirk Hellmann die aktuellen Entwicklungen.

Ungeachtet von Alter, Herkunft oder Vorliegen einer Behinderung hätten laut Hellmann viele Personengruppen von Beschäftigungsmöglichkeiten profitieren können. Er geht davon aus, dass sich dieser Trend bis zum Jahresende fortsetzen wird, sofern kein plötzlicher Wintereinbruch eintritt. Der Arbeitsmarktexperte baut jedoch zu euphorischen Aussichten vor: „Wir stellen bereits jetzt fest, dass Arbeitgeber wieder weniger Stellen melden, was aber auch in pandemiefreien Zeiten zum Jahresende immer der Fall ist. Es wird also in den ersten Monaten des kommenden Jahres voraussichtlich zu einem saisontypischen Anstieg an Arbeitslosen kommen. Für den weiteren Verlauf werden verschiedene Komponenten entscheidend sein, darunter die Entwicklung im Bereich der Kurzarbeit und vor allem der Zeitpunkt der Wiederöffnung von Freizeit- und Kulturstätten, Restaurants und Hotels.“

Unterbeschäftigung sinkt

Personen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen oder sich in einer kurzfristigen Arbeitsunfähigkeit befinden, zählen in der Regel als unterbeschäftigt. Im aktuellen Berichtsmonat wurden insgesamt 35.958 Unterbeschäftigte im Kreis gezählt – das sind 425 Personen (-1,2 Prozent) weniger als im Monat zuvor. Im November 2019 waren es 1.724 Personen (-5,0 Prozent) weniger. Die Unterbeschäftigungsquote beträgt 10,8 Prozent. Im Oktober waren es noch 10,9 und vor einem Jahr 10,3 Prozent. Kurzarbeiter sind nicht in der Unterbeschäftigung enthalten.

Kurzarbeit verzeichnet wieder leichten Anstieg

Bislang sind seit Anfang März insgesamt 5.360 Anzeigen auf Kurzarbeit für 50.016 Beschäftigte eingegangen. Mittlerweile liegen außerdem endgültige Zahlen für die tatsächlich in Anspruch genommene Kurzarbeit im April und Mai vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld im April an 20.279 Beschäftigte von 3.338 Betrieben und im Mai an 19.200 Beschäftigte von 2.712 Betrieben ausgezahlt. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2009, also während der Wirtschafts- und Finanzkrise mit dem Höhepunkt der Nutzung von Kurzarbeitergeld im Mai 2009, zeigten knapp 680 Betriebe für fast 9.100 Menschen im Kreis Recklinghausen Kurzarbeit an.

Rückgang an Arbeitslosen in Grund- und Arbeitslosenversicherung

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 7.792 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 156 oder 2,0 Prozent
Menschen weniger als im Oktober, jedoch 2.059 (+35,9 Prozent) mehr als im November 2019.

In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 21.106 arbeitslose Menschen und damit 314 weniger als im Oktober (-1,5 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren es 1.797 Menschen (+9,3 Prozent) mehr.

Zugänge in Arbeitslosigkeit aus Erwerbstätigkeit steigen

4.374 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 198 (-4,3 Prozent) weniger als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es 658 (-13,1 Prozent) weniger. Der Anteil an Zugängen aus Erwerbstätigkeit stieg dabei jedoch um 6,0 Prozent (+86) auf 1.508. Die Zugänge aus Ausbildung und Maßnahmen zeigten sich mit 1.094 um 8,7 Prozent (-104) hingegen rückläufig gegenüber dem vergangenen Monat.

Abgänge aus Arbeitslosigkeit entwickeln sich rückläufig  

Im Verlauf dieses Monats konnten 4.855 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 526 weniger als im Oktober (-9,8 Prozent) und 450 weniger als im November vor einem Jahr (-8,5 Prozent). 1.372 Männer und Frauen haben im November eine neue Beschäftigung gefunden,16 weniger (-1,2 Prozent) als im Vormonat. Deutlich geringer als im Vormonat fielen mit 1.151 die Abgänge in eine Ausbildung oder Maßnahme (-20,2 Prozent) aus.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Personenkreis

Bestand Veränderung zum Vormonat
Jüngere unter 25 Jahre 2.273 -174 -7,1%
darunter Jugendliche unter 20 Jahre 436 -42 -8,8%
50 Jahre und älter 9.644 -71 -0,7%
Langzeitarbeitslose 14.167 +59 +0,4%
Schwerbehinderte 1.771 -25 -1,4%
Ausländer 8.758 -95 -1,1%

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen

Geschäftsstellenbezirk Arbeitslosenquote
November 2020 Oktober 2020 November 2019
Recklinghausen 8,5 8,6 7,6
Castrop-Rauxel 8,2 8,5 6,7
Datteln 7,4 7,6 6,4
Dorsten 6,9 7,1 6,0
Herten 9,9 10,0 8,7
Marl 10,0 10,0 8,8
Gladbeck 11,8 12,1 9,4
Agenturbezirk RE 8,9 9,0 7,6

Stellenbestand steigt, neue Meldungen sind rückläufig

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 840 Stellenangebote, 19 weniger (-2,2 Prozent) als im Oktober. Verglichen mit November 2019 wurden 83 Stellen mehr gemeldet
(+11,0 Prozent). Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 3.491 Stellen zur Besetzung aus, 92 mehr als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand um 476 Beschäftigungsmöglichkeiten höher.

Mehr als zwei von drei Stellenmeldungen bezogen sich auf sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, das Gesundheits- und Sozialwesen, das Baugewerbe und den Handel.

Erschwerte Bedingungen für schwerbehinderte Arbeitslose

Der internationale Tag der Menschen mit Behinderung (3.12) rückt jährlich die Situation von Menschen mit Handicap ins Blickfeld der Öffentlichkeit und setzt ein deutliches Zeichen für mehr Teilhabe. Agenturgeschäftsführer Dirk Hellmann weist in diesem Zusammenhang auf die Beschäftigungspotenziale dieses Personenkreises hin und hebt die Chancen hervor, die die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung angesichts des Fachkräftemangels bietet: „Viele gute Beispiele zeigen, dass Arbeitnehmer mit Behinderung und Arbeitgeber gleichermaßen von einer Einstellung profitieren. Der technische Fortschritt und die Digitalisierung tragen überdies dazu bei, dass viele Tätigkeiten leichter und behindertengerecht, zugleich aber hocheffektiv ausgeführt werden können. Eine stärker automatisierte, vernetzte und digitalisierte Arbeitswelt bietet gerade für Menschen mit Behinderungen in vielen Bereichen neue oder bessere Chancen auf einen passenden Arbeitsplatz.“

Im November waren im Agenturbezirk Recklinghausen 1.771 schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet. Ihre Zahl stieg im Corona-Jahr um 7,1 Prozent und damit deutlicher als die Arbeitslosigkeit insgesamt (+6,8 Prozent). Entsprechend wuchs der Anteil schwerbehinderter Arbeitsloser an allen Arbeitslosen seit 2012 konstant auf jetzt 5,9 Prozent.

Dies ist bemerkenswert, da schwerbehinderte Arbeitslose durchschnittlich besser qualifiziert sind als Arbeitslose ohne Schwerbehinderung.

Die meisten schwerbehinderten Arbeitslosen (49,6 Prozent) finden sich in der Altersgruppe von 25 bis unter 55 Jahre, knapp gefolgt von 47,7 Prozent im Alter über 55. Nur wenige (2,7 Prozent) sind jünger als 25. Bei nicht schwerbehinderten Arbeitslosen ergibt sich ein anderes Bild. Hier liegt der Anteil an Älteren über 55 mit 20,4 Prozent deutlich niedriger, den überwiegenden Anteil machen Menschen im Alter zwischen 25 bis unter 55 aus (71,0 Prozent). Größer als bei Schwerbehinderten fällt der Anteil junger Arbeitsloser (8,6 Prozent) aus. Hauptgrund für diese Verteilung mag sein, dass die meisten Behinderungen im Verlauf des Lebens erworben werden und das Risiko darauf mit steigendem Alter deutlich zunimmt.

Die meisten der 6.079 beschäftigten Menschen mit Schwerbehinderung arbeiten im Verarbeitenden Gewerbe (24,5 Prozent), im öffentlichen Dienst und in der Verwaltung (23,4 Prozent) sowie im Gesundheits- und Sozialwesen (19,0 Prozent). Im Vest kommen Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen ihrer gesetzlichen Pflicht im vorgeschriebenen Umfang nach, mindestens fünf Prozent davon mit schwebehinderten Menschen zu besetzen.

Bisher konnten im Jahresverlauf über 300 schwerbehinderte Menschen mit Hilfe und teilweise finanzieller Unterstützung der Arbeitsagentur den Weg in eine Ausbildung oder Maßnahme und rund 500 in eine Erwerbstätigkeit finden.