03.06.2020 | Presseinfo Nr. 18

Der Arbeitsmarkt im Mai 2020

• 11 704 Arbeitslose im Mai 2020
• Quote jetzt bei 4,0 Prozent
• Jugendarbeitslosigkeit steigt auf 3,5 Prozent
 

Die Arbeitsmarktstatistik bildet deutlich die Konsequenzen des Shutdown ab, der durch die Corona-Pandemie notwendig wurde. Seit April sind noch einmal 973 Menschen mehr arbeitslos, was für den Mai einen Anstieg um 41,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. 11 704 Frauen und Männer waren somit zuletzt bei der Reutlinger Arbeitsagentur und den Jobcentern der Landkreise Reutlingen und Tübingen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote war das letzte Mal im Mai 2011 so hoch wie jetzt. Sie stieg auf 4,0 Prozent (zum Vergleich: Im Land Baden-Württemberg lag sie bei 4,3 Prozent). Bei den Jugendlichen war ebenfalls eine Zunahme der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Hier lag die Quote bei 3,5 Prozent.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Reutlingen, Wilhelm Schreyeck erläutert: „Der erneute Anstieg der Arbeitslosigkeit setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen. Zum einen mussten wir, wie erwartet, einen hohen Zugang in Arbeitslosigkeit mit großem Anteil aus den Wirtschaftsbereichen Handel, Gastgewerbe und Arbeitnehmerüberlassung registrieren. Gleichzeitig gelang es unseren Kunden weniger häufig, eine Beschäftigung neu aufzunehmen. Wir hatten hier ein Minus von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Zum anderen aber konnten zudem viele bereits arbeitslose Menschen geplante Bildungsmaßnahmen, die eine Arbeitslosigkeit beendet hätten, aufgrund von Corona-Verordnungen nicht antreten. Wir hoffen, dass die zunehmenden Lockerungen hier eine Entlastung bringen.“ Wilhelm Schreyeck ergänzt: „Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist hoch. In der Finanzkrise 2008/2009 war das Niveau jedoch noch etwas höher. Damals lag im Mai 2009 die Arbeitslosenquote bei 4,6 Prozent und erreichte im August 2009 mit 5,3 Prozent ihren Höhepunkt.“

Kurzarbeit

Seit Beginn der Corona-Krise wurden nun, nachdem Anzeigen von März und April zwischenzeitlich geprüft und gesichert sind, insgesamt 4 810 Anzeigen auf Kurzarbeit und 82 047 maximal betroffene Arbeitnehmer erfasst.

Im Mai wurden weitere 396 Anzeigen auf Kurzarbeit gestellt. Die darin genannte maximal betroffene Personenzahl beträgt 4 996. Hier gilt: Die Fallzahlen der betroffenen Beschäftigten bilden einen maximal möglichen Kurzarbeitsrahmen ab. Sie sagen jedoch noch nichts über die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit aus. In einigen Wirtschaftsbereichen wurde Kurzarbeit bereits wieder beendet oder eine Verlängerung von Kurzarbeit angezeigt.

Stellenmeldungen

Ganz zaghaft aufwärts geht es bei den offenen Arbeitsstellen, die örtliche Betriebe und Verwaltungen dem Arbeitgeber-Service meldeten. Neu hinzu kamen im Mai 519 Jobangebote. Das ist zwar im Vergleich zum Vorjahreswert immer noch sehr wenig (minus 49,7 Prozent), seit April bedeutet dies aber ein Plus von 59,2 Prozent. Den Arbeitsvermittlerinnen und Arbeitsvermittler standen im Mai insgesamt 2 210 Stellen zur Vermittlung von Arbeitslosen in Arbeit zur Verfügung.

Ausbildungsmarkt

Kein Schulbesuch und eingeschränkte Kontakte zu Gleichaltrigen in Zeiten der Corona-Krise war das Los vieler Jugendlicher auch im Mai. Viele hatten schon Pläne für die Zeit nach dem Schulabschluss geschmiedet. Die letzten Wochen haben jedoch so manchen Plan in Luft aufgelöst oder ganz neue Fragen aufgeworfen.

Wilhelm Schreyeck hat für sie einen Tipp parat: „Unsere Berufsberaterinnen und Berufsberater wollen schnell, unkompliziert und ganz individuell beraten und Unterstützung bei den nun brennenden Fragen bieten. Deshalb sind sie für alle aus den Landkreisen Reutlingen und Tübingen, die derzeit auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle sind oder eine telefonische Beratung wünschen, telefonisch erreichbar.“ Jeweils von Montag bis Donnerstag von 13 – 16 Uhr ist die Berufsberatung unter der Nummer 07121 309 800 für alle Fragen rund um die Berufswahl da. Dieses Angebot besteht voraussichtlich bis Schuljahresende.

Der nächste Ausbildungsbeginn steht bald an. Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt aus Sicht der Arbeitsagentur stellt sich dabei wie folgt dar:

Seit Oktober 2019 haben sich 2 522 Interessenten für eine Ausbildungsstelle bei der Berufsberatung gemeldet. Das sind 5,4 Prozent weniger als im letzten Jahr zum gleichen Zeitpunkt.

Die Ausbildungsbetriebe in der Region haben seit Oktober 3 422 Ausbildungsstellen gemeldet, was einem Plus von 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Rein rechnerisch kommen so 1,36 Ausbildungsstellen auf einen Bewerber.

 

Entwicklung in den Landkreisen

Im Landkreis Reutlingen waren im Mai 7 388 Menschen (+44,3 Prozent gegenüber Vorjahr) arbeitslos gemeldet, davon 3 536 (+60,1 Prozent gegenüber Vorjahr) bei der Agentur für Arbeit und 3 852 (+32,2 Prozent gegenüber Vorjahr) beim Jobcenter Landkreis Reutlingen.

Im Landkreis Tübingen waren 4 316 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen (+36,2 Prozent gegenüber Vorjahr). Davon wurden 2 305 von der Arbeitsagentur betreut (+56,1 Prozent gegenüber Vorjahr) und 2 011 (+18,8 Prozent gegenüber Vorjahr) vom Jobcenter Landkreis Tübingen.

Arbeitsmarkt der Geschäftsstellen

Die Arbeitslosenquote für den Gesamtbezirk der Agentur für Arbeit Reutlingen stieg im Mai auf 4,0 Prozent (Vorjahr 2,9 Prozent).

Die Quoten im Einzelnen (Vorjahreswert in Klammern):

Landkreis Reutlingen 4,5 Prozent (3,1 Prozent), Landkreis Tübingen 3,4 Prozent (2,5 Prozent), Hauptagentur Reutlingen 4,7 Prozent (3,3 Prozent), Geschäftsstellen Münsingen 3,4 Prozent (2,2 Prozent) und Bad Urach 3,8 Prozent (2,7 Prozent).