01.07.2020 | Presseinfo Nr. 21

Der Arbeitsmarkt im Juni 2020

• 12 079 Arbeitslose im Juni 2020
• Anstieg der Arbeitslosenquote auf 4,1 Prozent
• Jugendarbeitslosigkeit steigt auf 3,7 Prozent
 

Die Lockerungen der durch Corona bedingten Einschränkungen hatten im Juni noch keinen positiven Effekt auf den regionalen Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,1 Prozent, was für 12 079 Menschen aus dem Bezirk der Agentur für Arbeit Reutlingen und den Jobcentern der Landkreise Reutlingen und Tübingen bedeutet, derzeit arbeitslos zu sein. Im Vergleich zum Mai sind 375 Frauen und Männer zusätzlich in der Arbeitslosenstatistik registriert. Auch bei den Jüngeren zwischen 15 und unter 25 Jahren stieg die Arbeitslosigkeit nochmals an. Deren Quote lag im Juni bei 3,7 Prozent (ein Plus von 0,2 Prozentpunkten gegenüber Mai).

Wilhelm Schreyeck, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Reutlingen, überraschen die Juni-Zahlen nicht. Er ordnet sie so ein: „Üblicherweise zeigt sich zwischen Mai und Juni bei den Arbeitsmarktergebnissen keine große Veränderung. Jedoch können wir derzeit keinesfalls von üblichen Zeiten sprechen. Viele Branchen kämpfen nach wie vor mit den Auswirkungen der Pandemie. Zwar sehen wir bei den Anzeigen auf Kurzarbeit, dass die neuen Anzeigen im Vergleich zu den vergangenen Monaten stark rückläufig sind. Trotzdem braucht es sicherlich noch einige Monate, bis wir wieder von einem normalen Verlauf reden können.“ Mit Blick auf die Zahl der Arbeitslosen fügt er an: „Besonders bei den Menschen, die einen Anspruch auf Arbeitslosengeld aus der Arbeitslosenversicherung haben und damit in aller Regel direkt aus der Erwerbstätigkeit in die Arbeitslosigkeit kommen, erleben wir einen enormen Anstieg des Bestandes um 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Natürlich finden auch jetzt Erwerbslose eine neue Anstellung. Noch sind aber mehr Menschen gezwungen, Arbeitslosengeld zu beantragen als den Leistungsbezug beenden zu können. Besonders betroffen hiervon sind Beschäftigte aus dem Gastgewerbe und dem Handel.“

Kurzarbeit

Einen deutlichen Rückgang bei den Anzeigen auf Kurzarbeit brachte der Juni für die Agentur für Arbeit Reutlingen. 125 Mal wurde von Betrieben gemeldet, dass geplant ist, kurz zu arbeiten. Davon betroffen könnten bis zu 3 386 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sein. „Einige Arbeitgeber konnten zudem zwischenzeitlich die Kurzarbeit beenden. Gerade im Bereich Handel und Gastronomie konnte zuletzt die Arbeit mit Einschränkungen wiederaufgenommen werden“, ergänzt Wilhelm Schreyeck und fügt an: „Leider kam für manche Arbeitgeber dieses Wiederhochfahren zu spät, sie mussten teilweise vorher bereits Kündigungen aussprechen.“

Stellenmeldungen

Die leichte Entspannung vom Mai bei den gemeldeten Arbeitsstellen hat nicht bis in den Juni getragen. Lediglich 496 neue Stellen meldeten die örtlichen Betriebe und Verwaltungen dem Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur Reutlingen. Im Vergleich zum Mai 2019 ist dies ein deutliches Minus von 48,9 Prozent. Insgesamt konnten die Arbeitsvermittlerinnen und Arbeitsvermittler 2 151 Jobs anbieten. Sie hatten damit 43,5 Prozent weniger Stellen als vor einem Jahr registriert bei gleichzeitig deutlich mehr Arbeitslosen. Wilhelm Schreyeck erkennt hier ein Handlungsfeld, das schon vor Corona ein zentrales Thema für die Arbeitsagentur war: „Es bleibt ungemein wichtig, weiterhin und gerade jetzt in Weiterbildung zu investieren. Themen, wie der Fachkräftemangel, Digitalisierung oder auch der demographische Wandel werden wieder präsent und dringlich werden. Der Gesetzgeber hat gute Möglichkeiten geschaffen, Qualifizierungen finanziell zu fördern. Unsere Beraterinnen und Berater zeigen neue Perspektiven auf.“

Entwicklung in den Landkreisen

Im Landkreis Reutlingen waren im Juni 7 612 Menschen (+48,2 Prozent gegenüber Vorjahr) arbeitslos gemeldet, davon 3 736 (+68,4 Prozent gegenüber Vorjahr) bei der Agentur für Arbeit und 3 876 (+32,8 Prozent gegenüber Vorjahr) beim Jobcenter Landkreis Reutlingen.

Im Landkreis Tübingen waren 4 467 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen (+38,9 Prozent gegenüber Vorjahr). Davon wurden 2 387 von der Arbeitsagentur betreut (+57,6 Prozent gegenüber Vorjahr) und 2 080 (+22,2 Prozent gegenüber Vorjahr) vom Jobcenter Landkreis Tübingen.

Arbeitsmarkt der Geschäftsstellen

Die Arbeitslosenquote für den Gesamtbezirk der Agentur für Arbeit Reutlingen stieg im Juni auf 4,1 Prozent (Vorjahr 2,9 Prozent).

Die Quoten im Einzelnen (Vorjahreswert in Klammern):

Landkreis Reutlingen 4,6 Prozent (3,2 Prozent), Landkreis Tübingen 3,5 Prozent (2,6 Prozent), Hauptagentur Reutlingen 4,9 Prozent (3,3 Prozent), Geschäftsstellen Münsingen 3,5 Prozent (2,2 Prozent) und Bad Urach 3,8 Prozent (2,6 Prozent).     

Beschäftigung

Neben der Veröffentlichung der Arbeitslosenzahlen wurde auch die Beschäftigtenstatistik aktualisiert. Zum 31.12.2019 (letzter Erhebungsstand und damit vor der Corona-Krise) arbeiteten 201 135 Frauen und Männer in der Region sozialversicherungspflichtig. Verglichen mit dem Vorjahreswert ergibt sich eine Steigerung um 2 219 Personen oder 1,1 Prozent.